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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 906 Vr. Vloch's Wochrnfchrifl Nr. 46 - kennt sich am Ende in dieser Periode der Weltgeschichte so ziemlich aus. Er behauptet es mindestens. - Nun aber zum Sachlichen, soweit ich da mitsprechen dars. Daß die Herren von der Schriftsteller-Genossenschaft die Statuten der Banernfeld-Stiftung nicht verstehen, ist ihnen öffentlich gesagt worden. Nicht um einen Bettelpfennig, nicht einmal um ein Stipendium handelt es sich, diese zwei Glücklichen würden sich genau so wie die sehr und mit Recht stolze M a r i o t dagegen verwahren. Ein Orden ist verliehen worden. Und zwar, was nicht immer der Fall 'ein soll, für wirkliche Leistungen Ob diese nach dem Geschmacke der vier Herren sind, ist ziemlich egal. Und neben dem eklen Neid ist dieses Vordrängen von Leuten, denen Niemand ein Urtheil abgefragt oder nur zugetraut hat, die nur um Gotteswillen einmal genannt sein möchten, das Mederträchtigste an der ganzen Sache. Sie nahmen sich nicht einmal die Zeit, die Statuten nachzuleseu. Sie fragten sich nicht einmal, was das heiße: im Geiste Bauernfeld's. Denn dann hätten sie Nachdenken und sich gestehen müssen, daß der größte Dichter niemals seinen eigenen Geist, immer nur den der Zeit und der Umstände, in denen er erwuchs, gehabt hat. Der senile Bauernseld hätte sich gewiß gegen die Richtung des Tages gesperrt, der junge Bauernseld hätte sich ihr sicher nicht entzogen, wie ich mich in vielen Dingen anders weiß, als mein Vater, der noch ein leidlich junger und durchaus rüstiger Herr ist. Bauernseld zuletzt; denn soviel ich von ihm weiß, so hatte gerade er sehr viel Sinn für das, was man im Zeitungsjargon Actualität heißt, für die Fragen des Tages also. Dem greisen Bauernseld aber hätte Frl. M a t a j a gewiß nicht behagt, und wer ermessen will, wie sehr sich der Geschmack und die Art, zu schildern, seit seinen Tagen geändert haben, der lese die „Familie Hartenberg" und dann ein Lustspiel Bauernfeld's aus derselben Schichte. Welche Harmlosigkeit hier, welch gramvoll bitterer Ernst dort! Und Frl. Mariot ist keine „Fremde", im Gegentheile, sie war eine Gottsucherin und sie hat ihren Gott gefunden! Frau Johanna Ambrosius aber geht mich nichts an. Sie scheint eine Art Sport gewisser Kritiker und Vorleser gewesen zu sein; eine „Fremde" aber ist sie nicht, und ich kenne so wenig von ihr eine Zeile, als von Ottokar Staufs von der Maron und fühle mich für meinen Stand leidlich gebildet. Ich will sogar zugeben, daß sich die Curatoren in ihrer Preiszuerkennung geirrt haben. Dann aber hätten sie's optima fide gethan. Die vier Gewaltigen aber haben den Geist Bauernseld's wissentlich gefälscht. Denn Bauernseld hat seinen Spott allerdings über jüdische Lumpen ausgegossen, aber nicht minder über christliche. Und sein schärfstes Epigramm hätte wohl den Kötern gegolten, die Andere von dem Tisch wegkläffen möchten, an den man sie nicht heranläßt. Ihr Gesinnungsgenosse war er gewiß nicht. Denn zu seinem nächsten und vertrautesten Umgang zählten Juden. Man kannte und fürchtete den eleganten Tarokspieler, den unbesieglichen Meister des edlen Piquet in jenen Salons der Ringstraße, in denen er Anregung suchte, Zerstreuung und Modelle fand. Im Hause einer Jüdin starb er: zu seinen liebsten Freundinnen zählte er immer jene edle Frau von Wertheimstein — bei der auch Ferdinand von Saar sehr gerne verweilte, deren schattiger Garten in Döbling so oft den todten Meister beherbergte, so oft ihn als Vorleser vernahm, wenn der rastlos Thätige wieder etwas fertig gebracht hatte und das Urtheil ihm werther Menschen vor dem verwirrenden Zuruf der Menge hören wollte. Er war fein Antisemit, und ihn dazu machen wollen, heißt fein ganzes Leben zu einer großen Lüge fälschen. Und man erkennt nun erst den Segen, daß Schiller- Stiftung, Banernfeld-Stiftung und Grillparzer-Preis privaten Händen überantwortet sind. Denn wer steht uns gut dafür, daß das Vermächtniß der edlen Schwestern Fröhlich, welches sich in der Verwaltung der Commune befindet, nun nicht seinem eigentlichen Zwecke entftemdet und zur Unterstützung der Schriefer- Genossen verwendet wird? Sie ist zur Förderung, nicht zur Krönung bestimmt; wer bürgt dafür, daß nun, wo ein ausgesprochener Parteimann überdies von der hohen literarischen Bildung des Herrn Josef S t r o b a ch an der Spitze des Ganzen steht, immer so unbefangen des Amtes gewaltet wird, wie es sein sollte? Aiögen sie immer aus der Krippe fressen, nach der allein es sie gelüstet. Aber sie sollen ihre Hand von Dingen lassen, nach denen sie nicht greifen können, weil sie ihnen zu hoch hängen. Mir scheint aber, Hirsch selb und Ebermann werden sich heute erst recht als die Glücklichen fühlen, die sie sind. Denn einem rechten Erfolg gibt nichts so seine Würze, als der Anfall der Feinde. Schaden kann er nicht. So springt ein Hamster an einen rüstigen Wanderer hinan. Er hemmt' nicht einmal seinen Schritt; ein Schlag 'mit dem Spazierstöckchen genügt zur Abwehr. Von dem Ziele, wohin Eber mann und Hirsch feld gelangen wollen, werden sie die Herren von der Schriftstellergenossenschaft nicht abhalten. Kann sein, es kommt ihnen wer nach. Aus dieser Gesellschaft aber sicher nicht; denn jede echte Kunst ist nur im Fortschritt denkbar. So scheint es mindestens mir, der ich keine Kunst übe, alle aber leidenschaftlich liebe. Nemo. Ich sei, gewährt mir die Bitte . . . Das heißt, im Bunde der antisemitischen Tagesliteratur der Dritte zu sein, ist heute bereits ein Ding der Unmöglichkeit. An allen Ecken und Enden schießen judenfresserische Journale aus den Sumpfboden der Wiener antisemitischen Bewegung. Wenn diese Giftpilze feinen übermäßigen Umfang erreichen, so hängt dies damit zusammen, daß sogar die Opferwilligkeit der Lueger'schen Heerschaaren vor jenen Abgründen der Dummheit und der pöbelhaften Rohheit halt macht, als die sich die antisemitischen Zeitungen darstellen. Deswegen existiren diese Blätter und Blättchen dennoch, denn — und das ist das Heiterste an der Sache — die Juden sterben nicht aus, welche nicht müde werden, im Kaffeehaus und dem Restaurant nach dem „Bolksblatt" und seinen rongenialen Schwestern zu schreien, um mit einer Mischung von gruselndem Behagen und schmunzelnder Neugier zu controliren, was der Tag Neues an Beschimpfungen ihrer Glaubensbrüder gebracht hat. Jetzt haben wir ein neues, ein verschämtes Antisemitenblatt erhalten, ein Antisemitenblatt mit einer Handvoll Decorationsjuden! Die Sache wäre verteufelt schlau angepackt, wenn sie nicht gelegentlich ganz anders anmuthen würde! „Die Reichswehr" wurde begreiflicherweise von ihren eingestandenermaßen antisemitischen Vorgängerinnen sehr kühl begrüßt. Sie drängen sich onehin so mühsam um die für ihr Einsteckungsvermögen so knapp besetzte Tafel jüdischer Pauschalien und jüdischer Bankinserate. Was Wunder, daß sie auf den neuen Mitesser sehr schlecht zu sprechen sind. Mitesser muß man aber ausdrücken! Es ist bedauerlich, daß jene Anstalten, die mit jüdischen Capitalien arbeiten, in deren Verwaltung Juden einen maßgebenden Einfluß besitzen, sich diese so einfache hygienische Lehre nicht zu Nutzen machen! Wir reden nicht von den jüdischen Abonnenten der „Reichswehr"- Du lieber Himmel, dort sind dir Abonnenten selbst eine guantitß n6KliK6able, über den Abonnenten kann man ruhig zur Tagesordnung übergehen. Aber in demselben Blatte, in dessen vorderen Theil der vor ganz kurzer Zeit von Juden gestützte Herr Adam M ü Iler geschmackvolle Koh n-Witze macht und der Genugthuung über die antisemitischen Wahlsiege Ausdruck gegeben wird, figuriren hinten jüdis ch e Firmen, die mit ihrem guten Gelde ihre Geschäftsanzeigen bezahlen. Die neuen antisemitelnden Eigenthümer mögen es mit sich ausmachen, daß sie dem »Non ölet« zu so neuer, actueller Bedeutung verhelfen. Auch von jenen Herren schweigen wir, welche ein Menschenleben bei der alten „Presse" bedienstet waren und nun im Redactions < verbände der „Reichswehr" ruhig zusehen, wie die Tochter „Reichswehr" die Mutter „Presse" beschimpft. In den Zeiten, in denen man so viel von „jüdischer Zeitungscorruption" spricht, ist die christliche Zütungscorruption nichts weniger als lecher-lich. Aber die jüdischen Inserenten sollten sich eine feinere Nase anschaffen. Für sie hat das »non ölet« „es riecht nicht" keine Geltung. Jawohl, es riecht! Es riecht sogar fürchterlich! Und man kann diesen Geruch so leicht ausrotten!!

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