Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 46 (13.11.1896)
- Date
- 1896-11-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. Bloch’s xm Centralorgan für die gesammten Interessen des Indenthums. *. ft. PoSsparrklNrn-Aml Llraringverkrhr Nr. 810.976. Ixtbartton und Administration: Wttn Llnlrrr 1 noarirnprskr 1 Telephon - Nr. 6535. -■ — - —^-- Wien, 13. November 1896. -■■■>— - Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie». I., Hauptpostamt — Zach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. U— ... ... . - -=.1 jj »r;ug»prri» für Srstorrrirst: i| Halbjlihri, 4 fl. 8 Stt. i| Einzelexemplare *6 kr.!| Für'» Jbnlanb:;i halb iihrig * (l. lOJh. || ,an,jährig 10 „ JO „ istnzeigen: Die 4mal gespaltet« II Petitzeile ia kr. Inhalt. Leitartikel: Glückliche. — Ich sei. gewährt mir die Bitte ... — Die dreihundert Spartaner. — Zu den niederösterreichischen Landtagswahlen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der berichtigende Strobach. Verlegenheit der Heuchelei? Die Sprache der Ziffern. Galizische Schulzustände. Deutschuationale Sitten' Zur Racenfrage. Arischer Aberglaube. Eine Brandes-Feier in Kopenhagen. Die jüdischen Bauern in Argentinien. — Eingesendrt. — Correspondenzen: Wien, Brünn, Lemberg, Frankfurt, Bonn, Thorn, Hamburg, Paris, Rom, London. — Vermischtes: Wien, Groß-Enzersdors, Korneuburg, Graz, Teschen, Prag, Mährisch-Ostrau, Karolinenthal, Falkenau a. d. Eger, Gologory, Budapest, Drohobycz, Paris, Bremen, Canlbridge, Paterson, London, Brüffel, Alexandria, — Feuilleton: Der König der Schnorrer. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. — Inhalt d er Beilage: Judenthum. — Aus dem Bne-Berith. Glückliche. Ich kontme nicht oft in's Theater. Seit dem Auftreten der famosen Bewegung, die wir genießen, habe ich mir es nämlich zum Grundsätze gemacht, nur solche Stücke anzusehen, welche liberale wie antisemitische Blätter gleichmäßig anerkennen. Ich bin nämlich ein neutraler Marsch, und ich möchte mein Geld nicht gerne hinauswerfen. So bin ich in dieser Saison erst zwei Mal in's Theater gekommen: zu Hirschfeld's „Mütter" und zu Eb erm ann's „Athenerin". Ich habe mich beide Male ganz gut unterhalten und gefunden, daß Einstimmigkeit der Kritik doch eine^Zewisse Gewähr bietet. ^" ad nun erfahre ich, daß ich doch hineingefallen war. Denn die „Mütter" enthalten eine Schulchan-Aruch-Moral. Das hätt' ich für meinen Theil ganz gewiß nicht herausgesunden. Denn io, kenne den Schulchan-Aruch nicht. Die Herren der Wiener Schriftstellergenossenschaft, nämlich Wilhelm S ch r i e f e r, Julius Patzelt, Schmid - Braunfels und Ottokar Staufs von der March — uff! ist das ein Name! — haben es herausgefunden. Sie kennen nämlich dies Buch, vor dem sich, wie man mir sagt, sogar sonst gelehrte Juden bekreuzen oder was eben Juden in diesen: Falle thun, ganz genau. Und die „Athenerin" ist noch schlimmer, sie ist ein Dirnenstück in antikisirendem Gewände. Man hat einem Grabenmädel das Kleid der Phryne übergeworsen. Und Alle sind aufgeseffen: das Publicum, welches das Deutsche Volkstheater füllt, um für sein gutes Geld mit einer Schulchan-Aruch-Moral vergiftet zu werden, wie das, welches sich Sitze zu den: in's Burgtheater kauft, was es m natura so viel billiger haben könnte, endlich die Preisrichter, welche diesen dramatisirten Schändlichkeiten den Bauernseld-Preis verliehen. Nun aber kam der rechte Jakob und hat es den Leuten gesagt. Ueberhaupt, mit dem Bauernfeld-Preis — das ist so eine schlimme Sache! Im Vorjahre hat ihn Ludwig Fulda bekommen für sein Stück „Die Kameraden". Fulda ist auch ein „Fremder" und überdies der Sohn eines sehr, sehr reichen Mannes und sein Stück ist viel anfechtbarer, als das der beiden Preisträger von Heuer. Diese Zwei sind mühsam genug emporgekommen. Ich kenne sie nämlich zufälliger Weise ziemlich genau. Ich habe den jungen Hirschfeld in Berlin in einer Gesellschaft kennen gelernt, in der zwar kein einziger Judenstämmling sich befand, in der aber Erich Schmidt, Max Halbe, Paul Schlenther, Otto Erich Hartleben saßen, und ich unliterarischer Mensch staunte über die Hochachtung, mit der diese Männer dem halbwüchsigen, schüchternen, stillen Knaben begegneten. Er lebte damals wirklich von Thee und Brod, wie ihm heute von Denen vorgeworfen wird, die es ihm nicht verzeihen können, daß er nun etwas Besseres zwischen die Zähne bekommt. Ob er's aber wirklich in Nachahmung Hebbel's that, weiß ich nicht; es ist mir auch nicht klar, ob ihm diese Ernährung deshalb besser bekam, als seinem Vorbild, das etwas zu lange bei dieser Kost bleiben mußte und auch an ihren Folgen zu Grunde ging, wie man bei K u h — wieder so ein Semite — gefälligst Nachlesen möge. Und Ebermann war auch so ein armer Teufel. Ich Hab' ihn einmal auf der Straße gesprochen. Es war ein recht häßlicher Tag; es rieselte, wir standen auf einer Kreuzung und während ich auf den Pserdebahnwagen wartete, sprach er mir von seinen Plänen mit jenem Glauben an sie, wie ihn nur das Talent kennt, und ich sah immer in das blasse, verhärmte und wieder so stolze Gesicht und die schmächtige, schüchterne Gestalt, und mich ftor es für ihn, und ich hoffte für ihn. den ich damals noch kaum kannte. Und diese Beiden haben sich ihren Ruhm erschlichen! Ich traute meinen Augen nicht. Die besten Männer, überwiegend arischen Stammes, haben ihre eigenthümliche Begabung anerkannt und ich, dem kein Urtheil zusteht, bescheide mich mit ihnen und ließ mich von den „Müttern" ehrlich rühren und ergötzte mich an den blanken Versen, den ttesen Gedanken der „Athenerin", ihrer seinen Charakteristik. Aber die vier Eidgenossen von der Wiener Schriftsteller-Genossenschaft — gewiß mit beschränkter Haftung — lassen sich nicht foppen. Hinaus mit Ihnen aus dem Tempel! Und hinein — aber wen denn? Wie jeder Dieb den großen Unbekannten, so haben sie die großen Unbekannten hinter sich. Sie nennen sie nicht, ihre verkannten Genies. Oder sollte Herr Wilhelm Schriefer Einer davon sein? Ich habe keine Zeile von seinen „Oesterreichischen Romanzen" gelesen. Ich weiß nur, daß er einen sehr länglichen Roman „Daswina" im „Deutschen Volksblatt" veröffentlicht hat, der mir stylistisch der übrigen Meisterstücke in diesem Unternehmen vollkommen würdig erschien. Sonst weiß ich nichts über „Daswina". Guido List scheint die Zeit gesunden zu haben, sich die Erzählung näher anzusehen, und was er öffentlich darüber gesagt hat, das klang nicht sehr schmeichelhaft für Wilhelm Schriefer. Und Guido L i st ist ein waschechter Anttsemit und