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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 45 Vr. Vloch's Wochenschrift Seite 903 n a n d s II.", nach einem nur nach in einem einzigen Exemplar vorhandenen, in Venedig inO Jahre 1633 gedruckten Büchlein von Abraham Masran. „Altes und Neues". Was in Rußland in den letzten zweihundert Jahren für Auswanderr nach Palästina geschehen ist, die erste hebräische periodische Zeitschrift in Rußland vor fünfzig Jahren; Briefe des Gelehrten Mandelstamm an den Karaiten Pirkowitz. „Bettelnde E x i st e n z e n", von A. Schulmann, eine Charakteristik des Chafans, Narres, Magids, Bal-Darschens, Bal-fchemes, Schadchens, Melameds und des Büchermachers. „D ie j ü d i s ch e n Aerz t e i n Rn man ie n", von Dr. A. S ch w a r z f e l d. „D i e F r e m d e n k e r z e n in Worms", nach Ludwig August Frankel. Gemeinsam haben alle diese Arbeiten den classischen hebräischen Styl bei neuen Wortbildungen und Aufnahme von Ausdrücken ititb Phrasen der modernen Sprachen. 3. Achiassaf-Kalender mit Illustrationen für das Jahr 5657. Der für die jüdische Literatur so verdienstvoll wirkende Achiassas-Berlag in Warschau hat dem vorliegenden vierten Jahrgang seines Kalenders noch einen reicheren literarischen Inhalt als den drei früheren gegeben. Vortreffliche novellistische Arbeiten in diesem Kalend.r sind: „G l e i ch und G l e i ch gesellt sich g er n" (eine Humoreske), „I e i n k e l e" und „D e s A r m e n Hofs n u it g" (Erzählungen), „S i e muß in's Bad", „Der Treffer" (Bilder ans dem Leben, „A ns m einer Ki n d h e i t" (Federzeichnungen»; unter den vielen ausgezeichneten Gedichten verdient das mit der Ueberschrift „G ö tz e n", von F r i s ch m a n n, wegen 'des erhabenen Gedankens, den es in so schöner Form ansspricht, hesonders hervorgehoben zu werden; eine interessante eulturhistvrische Studie ist „R. E m a n u e l v o n R o m n n d seine S ch r i f t e n"; mit welcher Leichtigkeit auch rein wissenschaftliche Gegenstände hebräisch behandelt werden können, zeigt Herr F r ä n k e l mit seinem Essay : „D i e neuesten E r s i n d u n g e n de r letzten Zeit"; an geschichtlichen Aussätzen ist sehr viel des Bemerkenswerthen geboten, wir wollen nur hervorheben: „Die rituell e i n g e s ü h r t e n Gedenktage der Verfolgungen seit 800 Jahre n", „D i e A u st r e i b u n g aus P o r t n g a l 1406", „Ai o n t e s i v r e in St. Petersburg"; von mehreren gelungenen Uebersetznngen in Poesie und Prosa sind „A p h v r i s m e n ü b e r E r z i e h u n g aus Spence r's Werke n", goldene Worte; „D i e Ä n sst ellung in Berlin und der e hr end e A nt h e i l der Im d e n an ihrem Gelinge n" steht ähnlichen Berichten in der Tagesliteratur anderer Sprachen nicht im Geringsten nach; und noch vieles andere literarische Beiwerk, das in den Rahmen eines Kalenders gehört, ist hier in ausgiebigem Maße vertreten, selbstverständlich auch „Humoristische Anekdoten, die doch ein speeielles Terrain des Inden sind, welcher mit Witzen die Gesereth hinwegspottet. Schließlich müssen nur auch der I l l u st r a t i o n e n gedenken. In sprechellden Porträts sind die geistigen Größen der heutigen Jndenheit: unser Dr. M. Güdemann, Professor Dr. M. Lazarus nnd Professor Dr. H. S t e i n t h a l, gegeben und 31t jedem eine biographische Skizze, die des Lobes eher zu wenig als zu viel thnt. Mit einem Worte, einen Kalender mit solcher Reichhaltigkeit uttö Gediegenheit des literarischen Theils haben wir bis jetzt noch nicht gehabt, und jeder Jude, der es kann, sollte, gehoben von dem stolzen Bewußtsein, daß aus dem Büchermarkt auch die jüdische Literatur in solchem Maße concurrirt, diese Bücher kaufen, wenn ihm auch der Genuß versagt ist, sie lesen nnd verstehen zu können. Die Apologetik des Judenthums in ihrer geschichtlichen Entwicklung. I. Theil. Von Dr. S. Gel bh a n s, Rabbiner und Prediger in Wien. Verlag vor: R. L öw i t, 1896. Appetitschnitzchen haben die doppelte, sehr löbliche Eigenschaft, daß sie einmal den Appetit anregen, und ferner die freudige Erwartung eines nachfolgenden lueullischen Mahles erwecken. Solche Appetitschnitzchen reicht uns der Verfasser mit obiger Schrift in freigiebigster Weise, und soviel nur auch von ihnen genießen, der Appetit wächst progressiv. Wir verschlingen sie mit Heißhunger, und nun sie abgeräumt sind, verlangen wir — nach der eigentlichen Mahlzeit. Wir hoffen, unser Gastgeber, der einmal unseren Gaumen gereizt hat, wird mit der erwarteten Mahlzeit nicht allzu lange auf sich warten lassen. Die Apologetik des Jndenthnms - und sagen wir nur der jüdisch-hellenistischen Literatur — ist ein so ungeheures Gebiet, daß zu ihrer vollständigen Bewältigung, zumal da bis jetzt ans jüdischer Seite hierin nichts gethan wurde, ein ganzes Menschenalter schier nicht ansreicht. Wir glauben überhaupt nicht, daß dieses eine Arbeit für einen Gelehrten, so tüchtig er auch sein mag, ist. Da müssen viele und geschickte Hände rüstig und mir Herzensfreude daran schassen, um die geradezu imposante, n i e m als wieder e r r e i ch t e jüdische Geistesarbeit zur anschaulichen Darstellung nnd zur verdienten Würdigung zu bringen. Das weiß denn auch unser Verfasser nur zu wohl, nnd so hat er denn mir seinem Buche, welches vorläufig nichts anderes will, als „die jüdische Apologetik historisch darstellen", lediglich einen Weg durch dieses vielfach labyrinkhisch verschlungene Gebiet bahnen wollen, lind darum führt eruns im Fluge von Moses und den Propheten hinüber in die nachbiblische Literatur durch verschiedene Länder und Reiche, durch selrsamer Sprachen Gewirr. Die jüdische Apokalyptik: das Honochbuch, die Jubiläen, Assumptio Mosis, Ben Sirach, bie“ hellenistischen Geistesprodncte: Psendosalomv, die jüdischen L-ibyllinen, das Buch Barnch, der Aristeasbrier, Philo nnd endlich Josephns mit seinem Meister und Mnsrerstück jüdischer Apologetik contra Apivnem, sie alle kommen hier zu Worte. Durch diese ganz ungeheuere Literatur führt uns der Verfasser — wie ja nicht anders möglich — im Fluge, rechts nnd links nach den schönsten und edelsten Früchten haschend und sie uns freigebig darreichend. Wir begrüßen diese Schrift schon darum sreundlichst, weil nun endlich eimnal der Versuch gemacht wird, ans dem hellenistisch-jüdischem Gebiete, welches wir bisher zu unserem großen, irreparablen Schaden den christlichen Gelehrten überließen, uns heimisch zu machen. Man hat es bislang vorgezvgen, blinde Kuh zu spielen, lieber auf wüstem, unfruchtbarem, aber glitzernde Scherben darbietenden Grund zu ackern, dafür aber dem ergiebigen Boden den Rücken zu kehren. Von uns gilt in Wahrheit das Wort Goethe'S: „(Stic Kerl, der speenlirt, ist wie ein Pferd aus dürrer Heide, vom bösen Geist im Kreis herumgesührt, nnd r i n g s n m her liegt s ch ö n e g r ü ne Weid e." Nun, vielleicht wird es jetzt besser. Jndieien sind wenigstens vorhanden und schlimmer kann es nicht werden. Die literarischen „Kerle, welche spernliren", haben abgewirthschastet, vielleicht gesundet endlich die jüdische Wissenschaft und Geschichtschreibung, welche ja heute noch in den Kinderwindeln liegen. Alles in Allem: Vorliegende Schrift ist ein guter Anfang; besonders aber für lernbegierige Jünger der Wissenschaft ein vortreffliches Handbuch. Bedauerlicher Weise hat der vorwitzige Setzer dem Buche eine kleine Verlegenheit bereitet/ indem er Seite 66, Zeile II anstatt Virgilins „setzte" Livins. Wir wünschen dem Autor fleißige nnd gelehrte Nachfolger! Fr. Briefkasten. M. W—st. Wenn der Tischler Johann N6meth in Neulerchenfeld bei einem Juden nichts bestellen will, so werden ihm auch wohl die jüdischen Kunden nicht willkommen sein. A. L. In der That hätte der Budweiser Kraus allen Grund in Herrn Dr. Lueger seinen idealen, selbstverleugnenden Bertheidiger zu erblicken. . B—0 S.Aufoie Schmul-LebKohn-Reminiscenzen Pergani's erwidert Schönerer kein Wort. Das ist die Stelle, wo er sterblich ist. Und die antisemitische Racentheorie mit ihm. B. R. Die Judenfeinde ändern ihre Angriffe. Apion bestritt den Inden das Recht, sich — Semiten zu nennen. L. S. Warum sollen in Ungarn die I ... . feinde nicht notorische Gauner;u ihren Führern wählen? Sie bilden sich da nur nach bewährten Mustern. A. N. Der Haß der Antisemitm bleibt auch beim Grabe nicht stehen. Das zeigten sie neuerdings, indem sie bei der Wiederbestattung der Leiche des Bürgermeisters Prix sich absentirten. Sie geben dem Gegner nicht einmal die letzte Ehre. H. H. Herr Pacher sagt dem Dr. Lueger alles Böse nach, es fehlt nur noch, daß er ihn auch als — Judenstämmling bezeichnet. S. L. Die Antisemiten wählen in der That auch jeden Haubenstock". Diese Forderung hat ihr großer Meister und Führer selbst aufgestellt. A. Wenn ein geistl. Würdenträger wie Monsignore Scheicher sich nicht entblödet, für die Candidatur eines Mechaniker Schneider begeistert einzutreten, dann kann man wohl die erziehliche Einwirkung des Antisemitismus genau erkennen. Zwischen einem Priester und einer Bestie wie Schneider dürfte es keinen Berührungspunkt geben.

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