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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 902 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 45 berichten, und Ihr könnt vorn Glück sagen, wenn ich Euch nicht obendrein mit diesem Stock durchdresche." „Aber, woher sollte ich wissen, Herr?" „Mit mir habt Ihr nicht zu sprechen, sage ich Euch; wenn Ihr Etwas zur Milderung Eures schändlichen Benehmens thun wollt, so wendet Euch an meinen Gast." „Laß es für diesmal durchgehen, Herr", sagte der kleine Humorist, zu Jankele gewandt. „Nächstes Mal werdet Ihr mir vielleicht glauben, wenn ich sage, daß ich einen Sitz in der Loge des Herrn Da Costa habe", antwortete Jankele mit sanftem Vorwurf. „Nun, wenn Ihr zufrieden seid, Jankele, so habe ich nichts mehr zu sagen", sprach Manasse mit einen: Anflug von Verachtung. „Vorwärts, Mann, zeig uns unsere Loge." Der Diener verbeugte' sich und führte sie in den Corridor. Plötzlich drehte er sich um. „Welche Loge ist es, bitte?", fragte er schüchtern. „Dummkopf", rief Manasse. „Welche Loge sollte es denn fein? Natürlich die leere." „Wer Herr, es sind zwei Logen leer", sprach der arme Humorist demüthig, „die Prosceniumsloge und die eine oben bei der Galerie." „Tölpel, sehe ich wie Jemand aus, der sich mit einer Loge unter der Decke begnügt?,Geht auf Eueren Posten zurück, Herr — ich werde die Loge schon selber finden — der Himmel sende Euch Weisheit — geht zurück, sonst schleicht sich Jemand in Eurer Abwesenheit ein, und das würde Euch recht geschehen." Der kleine Mann, froh, dieser überwältigenden Persönlichkeit zu entgehen, schlich halb betäubt zurück. Ein paar Minuten später stolzirte Manasse in die leere Loge, gefolgt von Jankele, dessen Mund ein einziges Grinsen und dessen Augen ein einziges Blinzeln waren. Gerade als der Spanier sich auf seinen Sitz niederließ, erhob sich ein leichtes Klatschen und Stampfen, da das Haus das Ende des Zwischenactes ungeduldig erwartete. Manasse steckte den Kopf zur Loge hinaus, um sich das Publicum anzusehen; dieses, über jede Ablenkung erfreut, reckte sich ebenfalls, um ihn zu sehen, und einige Leute, die sich einbildeten, daß das Beifallsklatschen dem Neukömmling galt, dessen Kopf der eines vornehmen Fremden zu sein schien, klatschten mit. Das Contagium verbreitete sich und im Nu war Manasse der Zielpunkt aller Augen und der offenbare Empfänger einer Ovation. Er verbeugte sich zwei oder drei Mal mit ruhiger Würde. Es gab auch Einige, die ihn erkannten, aber sie stimmten mit belustigtem Erstaunen in den Empfang ein. (Fortsetzung folgt). Literatur. Literarische Besprechungen. Unsere Brüder im Osten sind die Schmerzenskinder des Judenthums. Sie sind die einzigen, auf denen noch der mittelalterliche Druck in seiner ganzen Schwere lastet: Beschränkung der Freizügigkeit, Verschließung der meisten Erwerbsquellen, Erstickung geistigen Strebens und Jnscenirung zeitweiliger Judenhetzen mit Austreibungen — so daß sie irr ihrer materiellen Noth oft an die westeuropäische Judenheit appelliren müssen, die auch — zur Ehre des Judenthums sei es gesagt — niemals mit ihrer Hilfe zurückbleibt. Mein dieses unser Entgegenkommen mit Rath und That entspringt nicht dem gewöhnlichen jüdischen Solidaritätsgefühl, welches wir auch empfinden, wenn irgendwo ein einzelner Jude leidet, sondern dem Bewußtsein, daß die Judenheit im Osten, speciell die in Rußland, den Grundstock des ganzen Judenthums bildet, und naturgemäß gravitiren die Theile nach dem Mittelpunkte. Dazu macht sie nicht nur die immerische Größe, die nach Millionen zählt, auch nicht der Umstand dazu, daß diese Massen noch ganz traditionell leben, sondern die Thatsache, daß.dort, wie sonst nirgends in der ganzen Welt mehr, die Sprache der Väter noch im Volke lebt, wie, nach dem Talmud, im Hause Rabbi Jehuda's. Die ganze Judenheit. Rußlands, von den gebildeten Ständen bis hinab zu dem Aermsten im Ansiedlungsrayon, beherrscht das Hebräische wie eine Muttersprache. Davon zeugen schon die dort erscheinenden hebräischen Tagesblätter und mehr noch die vielen hebräischer: Bücher, die jährlich neu auf den Markt gebracht werden. Wenn nicht die Leser dafür da wären, würden ja Auto rer: mtb Verleger nicht auf ihre Rechnur:g kommen. Es ist nicht richtig, wegwerfend über diese Productionen zu denken rind zu glarlberr, urrsere Zeit könne nichts Gutes erzeugen, und tvir brauchen uns nur an die Literatur der Vergangenheit zr: halteri. Nein.' Der heutige hebräische Büchermarkt im Oster: fördert auf allen Literaturgebieten wahre Perler: zr: Tage, die unserer Literatur ebenso zur bleibenden Zierde gereicher:, wie die Erzeugnisse der spanischer: Schule. Ir: Verlegenheit, welche vor: der: vielen, vielen r:erren Büchern wir da nennen sollen, die solche Perlen der hebräischen Literatur sir:d, weiser: rvir rrur auf die folgenden hii:, die uns Veranlaffrrng zr: dieser Erörterung gegeben. 1. Remach Abrim (248 Knochen) einige Capitel zrrr Lehre der Physiologie des Menscher:, vor: Dr. I. L. K a z enelson in St. Peters bur g. Eine physiologische Abhandlung über die Knochen des menschlichen Körpers, mit Holzschnitten im Texte. Der Talmud nimmt bekanntlich 248 Knochen im menschlichen Körper an und bezieht dies zu der gleichen Anzahl der G e b o t e des mosaischen Gesetzes, um so des Psalmisten Wort: „Alle meine Gebeine huldigen Gott" zu erklären. Errtgeger: dieser talmudischen Annahrne steht aber die moderne Wissenschaft, die blos 208 Knochen im menschlichen Körper zählt, was Spötter zu einein vernichtenden Urtheile über das wissenschaftliche Nivear: des Talurrrd und seirre Methode, Theologie und Naturwissenschaft zu Verbinder: veraulaßt. Der Verfasser vorliegender: Werkes versucht mm mit großem Aufwand wissenschaftlicher: Apparates und der geschichtlichen Kenntniß von der Entwicklung der Anatomie und Physiologie des Menscher:, wie seiner irrrmenserr Belesenheit auf dem weiter: Gebiete des jüdisch-theologischen Gebietes nachznweisen, daß die Gelehrter: des Talmud nicht nur einer: höheren wissenschaftlicher: Standpunkt in der Physiologie des Menschen einnahmen, als die nichtjüdischer: Gelehrten ihrer Zeit, selbst als der als Orakel geltende Grieche Galenos, weil diese ihre Kermtniß doch nur ans der Secirung vor: Affencadavern schöpften, während die Gelehrter: des Talmuds schon das Seciren menschlicher Leichimme Vornahmen, sondern daß auch die talmudische Zahl vor: 248 Knochen des menschlichen Körpers, trotz des heutiger: wissenschaftlicher: Standpunktes, aufrecht erhalten werden könne. Das vorliegende Werk hat den vollsten Anspruch auf Wissenschaftlichkeit ur:d kann nicht nur Rabbiner: zur-Apologetik des Talmud, sondern auch ärztlichen Fachkreisei: als lesenswerth empfohlen werden. Zun: Bewundern ist an dieser Arbeit die so meisterhafte Handhabung der hebräischen Sprache, daß sie dem Verfasser zur klaren Behandlung eines so wissenschaftlichen Gegenstandes vollkommen, ausreicht. 2. H'Jekeb (Die Kelter). Eine Sammlung vor: Arbeiter: literarisch und wissenschaftlich hervorragender Schriftsteller als Prämie für die Abonnenten des „H'Meliz", redigirt von L. Rabino witz ir: St. Petersburg. Die einzelner: Arbeiten sind folgende: „O hn e F u r ch t", vom Redactenr, worin die Angst vor den: Verein „Machsike Haoath". als fönnte dieser das Judenthum in zwei Lager spalten, zerstreut und den: Vereine jede Bedeutung abgesprochen wird, andererseits aber die Mittel angegeben werden, dem Jndifferentisnrus im Judenthnme zr: steuern. „I. L. Gordon, Zionist", die Lösung dieser Streitfrage durch einen Brief des verstorbenen Dichters an einen Freund. „Die begrabenen Seelen", eine Fabel für Kir:der mit der Moral, daß geistige Schätze mehr Werth als materielle haben, von A biso har. „Das kranke Judenthum", in gebundener Rede, von As ch kanasi; eine geistreiche Persiflage von der Hyper-Orthodoxie und der Alles nivellirendeu Reform. „W e l t g e h e i m n i s s e", eine philosophisch - anthropologische Abhandlung von Fabius Mieses, worin der Verfasser alle Epochen der vorzüglichsten philosophischen Begriffe durchgeht und sich daraus eine eigene Ansicht bildet, indem er verschiedene Standpunkte vereinigt und a::sgleicht. „Die Namen der Hautkrankheiten in der heiliger: Schrift und im Talmud", von Dr. I. L. K azene ls o::, eine interessante ärztliche Studie, in welcher der Verfasser mit großer Gelehrsamkeit in seinem Fache und gründlicher Kenntniß der Religionsschriften den Nachweis liefert, daß die letzteren von der Wissenschaft kein Desaveu zu erfahren brauchen. „Das Schicksal der hebräischen Sprach e", in gebundener Rede, von I. Halevi. „Die Leiden und Rettung der Juden in Mantua, in Folge der Belagerung und Einnahme der Stadt von dem Heere Kaiser Ferdi-

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