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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 46 Vr. Bloctz's VoSxenLmrtfr Sette 901 Mauasse dachte nach. /Vielleicht Gabriel, des Todtengräbers Tochter. Es heißt, daß er eine gute Figur und ein gutes Benehmen hat." „Puh, der Auswurs! Sie ist so häßlich, daß sie den Messias vom Kommen abhält. Sie ist ja dem Vater aus dem Gesicht geschnitten! Auch bedenkt seine Beschäftigung! Ihr würdet mir doch nicht rathen, in eine so gewöhnliche Familie hineinzuheiraten. Seid Ihr nicht mein Wohlthäter?" „Nun, ich weiß kein hübsches Mädchen, das für Euch passend wäre." Jankele blickte ihn mit einem schelmischen, schmeichelnden Lächeln an. „Sagt das nicht. Habt Ihr nicht Grobstock gesagt, daß Ihr der erste Heiratsvermittler von der Welt seid?" Aber Manasse schüttelte den Kopf. „Nein, Ihr habt ganz Recht", sagte Jankele demüthig. „Ich werde kein wirklich schenes Mädchen bekommen, wenn ich nicht Eure Deborah selber heirate." „Ich fürchte es selbst", meinte Manasse theilnahmsvoll. Jankele raffte seinen Muth zusammen. „Ach, warum kann ich nicht hoffen, Euch Schwiegervater zu nennen?" Ein Zucken des Erstaunens und der Empörung verzerrte Manasses Gesicht. Er blieb stehen. „Das muß ein scheues Stück sein", sagte Jankele rasch, indem er auf ein flammendes Gemälde zeigte, das ein schreckliches, über einem düsteren Graben schwebendes Gespenst darstellte. Sie waren in Semem Street angelangt und standen nun vor Goodman Fields Theater. Manasses Gesicht erhellte sich. „Das ist „das Gespenst des Schlosses". Möchtet Ihr Euch es gerne ansehen?" „Aber es ist ja schon Halb zu Ende." „ O nein", sagte Da Costa den Theaterzettel betrachtend. „Man hat zuerst eine Posse von Okeefy gegeben. Es ist noch nicht spät, das Trauerspiel fängt gerade an." „Aber es ist ja heute Sabbath — wir dürfen nicht zahlen." Eine gerechte, zornige Empörung verdunkelte abermals Manasses Gesicht. „Glaubt Ihr, daß ich zahlen werde?" keuchte er. „Nein", stammelte der Pole beschämt, aber Ihr habt ja keine Freikarten". „Freikarteil? Ich? Wollr Ihr mir das Vergnügen machen, einen Sitz in meiner Loge anzunehmen?" „In Eurer Loge?" „Ja, es ist Platz genug darin, kommt nur mit", sagte Manasse. „Ich bin schon mehr als ein Jahr nicht im Theatergewesen, ich hatte immer zu viel zu thun; es wird eine angenehme Zerstreuung sein". Jankele wagte sich entsetzt nicht vor. „Durch die Thür dort", sprach Manasse aufmunternd. „Kommt nur — Ihr müßt vorangehen". „Aber sie werden mich nicht hereinlasfen". „Nicht hereinlassen?- Wenn ich Euch einen Sitz in meiner Loge gebe? Seid Ihr verrückt? Nun sollt Ihr gerade ohne mich hineingehen — ich bestehe darauf. Ich werde Euch zeigen, daß Manasse Bueno Bazillai Azevedo Da Costa ein Alaun ist, dessen Wort das Gesetz Moses ist, wahr wie der Talniud. Geht gerade durch das Thor und wenn der Thürsteher Euch ailfhalten will, so sagt ihm einfach, daß Herr Da Costa Euch einen Sitz in seiner Loge gegeben hat." Jankele, der nicht wagte, Zweifel zu zeigen — ja er vertraute in die Macht feines außerordentlichen Beschützers — setzte den Fuß auf die Schwelle des Gebäudes. „Aber Ihr kommt doch auch mit?" sagte er, indem er sich umwendete. „O ja, ich werde die Vorstellung nicht versäumen, seid ohne Sorgen". Jankele schritt kühn weiter und strich an dem Thürsteher des kleinen Theaters vorbei, ohne ihn scheinbar zu bemerken; in der That wollte der Diener den Schnorrer auch vorbeilafsen, ohne ihn zu fragen, als sei er im Zwischenact hinaus gegangen; aber für etwas Anderes als das Stehparterre sah der Besucher doch zu schmutzig aus — er hatte etwas von jenen namenlosen Wesen an sich, die in geheinrnißvoller Weise in den hintern Theilen der Theater umherlungern. Der Diener, ein fanftmüthiger, kleiner Londoner, besann sich noch zur rechten Zeit und schrie dem Eindringling ein aufhaltendes „Hi" nach. „Was wollt Jbr? " sagte Jankele den Kopf wendend. „Wo ist Euer Billet?" „Ich brauche kein Billet". „Wirklich nicht? Aber ich brauche es", entgegnete der kleine Mann, der ein Humorist war. „Herr Da Costa hat mir einen Sitz in seiner Loge gegeben." „Wirklich? Würdet Ihr darauf schwören?" „Bei meilienr Leben, er hat ihn mir gegeben". „Einen Sitz in seiner Loge?" »\5®. „Herr Da Costa habt Ihr gesagt?" „Ja wohl." „So, dann geht hier hinaus". Und der Humorist deutete auf die Straße. Jankele rührte sich nicht von der Stelle. „Hier hinaus, Mylord", rief der kleine Humorist gebieterisch. „Ich sage Ihnen, ich gehe in die Loge von Herrn Da Costa". „Und ich sage Ihnen, marsch hinaus!" Und der Diener packte ihn beim Genick, indem er ihn mit seinen Knien vorwärtszustoßen begann. „Heda, was bedeutet das?" Eine strenge, zornige Stimme schlug wie ein Donner an das Dhr des Humoristen. Er ließ den Schnorrer los, schaute ans und erblickte eine seltsame, schäbige, kräftige Gestalt, die in finsterer Majestät vor ihm stand. „Warum stoßt Ihr diesen armem Manu?" fragte Manasse. „Er wollte sich einschleichen", antwortete der kleine Londoner halb entschuldigend, halbärgerlich. „Er hat mir Flausen vorgemacht - schwatzte ein tolles Zeug von einem Sitz in einer Loge". „Wohl in der Loge des Herrn Ta Costa?" sagte Manasse lnit verhättgnißvoUer Ruhe und einem drohenden Blitzen der Augen. „Ja", antwortete der Humorist erstaunt und etwas erschrocken. Aber nun brach der Sturm los. „Frecher Kerl, Schuft! Niedriger, jämmerlicher Schurke! Ihr weigert Euch also, meinen Gast in meine Loge zu sichren?" „Seid Ihr Da Costa?", stammelte der Humorist. „Ja, ich bin Herr Da Costa, Ihr aber werdet nicht länger Thürsteher fein, wenn Ihr Leute, die sich Euere Stücke ansehen wollen, derart behandelt. Weil der Mann hier arm aussieht, glaubt Ihr, ihn ungestraft beleidigen zu können — Verzeiht mir, Jankele, es thut mir so leid, daß ich nicht vor Euch Herkommen und Euch diese beleidigende Behandlung ersparen konnte! Aber, was Euch betrifft, mein feiner Herr, fv laßt Euch von mir sagen, daß Ihr einen großen Jrrthum begeht, wenn Ihr nach dem äußeren Schein urtheilt. Ich habe einige gute Freunde, die Euer Theater und Euch und Euere erbärmliche, kleine Seele aufkaufen könnten, aber wenn ihr sie anseht, würdet Ihr glauben, daß sie Höcker find. Eines schonen Tages — hört Ihr — werdet Ihr eine hohe Persönlichkeit hinauswerfeu und selber hinausgeworfen werden." „Es — es thut mir sehr leid, Herr." „Das habt Ihr nicht mir zu sagen, bittet meinen Gast uni Entschuldigung. Ja, bei Gott, Ihr werdet ihn um Entschuldigung bitten, obwohl er kein Geldaristokrat ist, sondern das, was er scheint. Weil ich einem armen Manne, der vielleicht noch nie in seinem Leben im Theater gewesen ist, ein Vergnügen machen möchte, brauche ich ihn doch sicherlich nicht auf die Galerie zu schicken. Ich kann ihnl einen Winkel in meiner Loge einräumen, wenn es mir paßt. Ein solches Verbot besieht doch nicht, glaube ich." „Nein, Herr, das kann ich nicht sagen", antwortete der Humorist demüthig. „Aber Ihr werdet doch zugeben, Herr, daß so etwas peinlich ungewöhnlich ist." „Ungewöhnlich? Natürlich ist es ungewöhnlich. Güte und Rücksicht gegen die Armen sind immer ungewöhnlich. Die Armen werden bei jeder Gelegenheit getreten, wie Hunde, nicht wie Menschen behandelt. Wenn ich einen betrunkenen Laffen eingeladen hätte, wäret Ihr mit dem Hut in der Hand ihm entgegen gegangen, fdtein, jetzt braucht Ihr ihn nicht vor mir abzunehmen, jetzt ist es zu spät.) Aber ein nüchterner, braver I Mann — Bei Gott, ich werde Euere Unhöflichkeit der Directivn

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