Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 45 (6.11.1896)
- Date
- 1896-11-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021161--06151-3030420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 900 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 45 Parlamentarier Arthur Egyedi, Fabrikant, Dr. Franz Heltai, Dr. Moritz M e z e i, dessen Verdienste um die ungarische Judenheit mit seiner außerordentlichen Geistesschärfe Hand in Hand gehen, Alexander Nag y, Ambrosius N e m enyi der hervorragende Publicist, Dr. Armin 9t e u m a lt n, ebenfalls ein gründlicher Kenner der Rechtswissenschaft, ein hervorragendes Mitglied des vorigen Reichstages, die bedentenden Advocaten Dr. I. R o s e n b e r g und Dr. L. S a m u e l, Berthold Weiß, der durch seine weitverzweigten, groß angelegten Unternehmungen berühmte Industrielle und Theodor W o l f n e r, der um das Aufblühen Neupests hochverdiente Fabrikant. Alle diese Marner gehören mit Ausnahme Soma Bisontais, des Abgeordneten von Gyöngpös, und Edmund Bartha 's der liberalen Partei an. — Herr Professor Dr. Kaufmann liegt, wie wir zu unserem Leidwesen erfahren, schwer krank darnieder. Hoffen wir, daß der große Gelehrte bald genesen und seinem Berufe und der Wissenschaft, deren Zierde er bildet, wiedergegeben sein wird. Agram. Der antisemitische Bezirksvorstand von Pisarovina, der einen jüdischen Großgrundbesitzer, Namens B i s ch i tz aus Oedenburg, mit Gendarmen dem Gerichtsbof nach Agram brachte, wurde von Seiten der competenten Behörde wegen Mißbrauch der Amtsgewalt degradirt und von Pisarovina nach Dugoselo als Gerichtsadjunct transserirt. Hartmanitz. Erfteulich ist es, daß es der Cultusgemeinde Falkenau a. d. E. geglückt ist, durch die Wahl des bekannten Banquiers und Bergwerksbesitzers Herrn Leopold M o h r eine gute Acquisition gemacht zu haben. Herr M o h r, der übrigens auch außerhalb seines beruflichen Verkehrs eine rege Thätigkeit in verschiedenen humanen Institutionen unseres öffentlichen Lebens entwickelte, war stets ein eifriger und warmer Förderer seiner Gemeinde. Aus einer hochachtbaren und streng religiösen Familie stammend, machte er sich's zur heiligen Pflicht, das hier seit Jahren bestehende Project, die Erbauung eines würdigen Gotteshauses, eifrig zu fördern, beziehungsweise zur Ausführung zu bringen. Als Obmann des Tempelbau-Comites widmete er sich demselben mit Begeisterung und entwickelte dabei eine Thätigkeit und Opferwilligkeit, die an Selbstlosigkeit grenzte. Seiner Energie und Thatkraft ist es nur zu verdanken, daß es trotz scheinbar unüberwindbarer Hindernisse ermöglicht ward, die Vollendung des Tempels realisirt zu sehen. Croatisch-Kreuz. Herr Heinrich P s ch e r h o f. alleiniger Inhaber der alten und bkstrenommirten Firma Max P s ch e r b o f und Sohn hier, feierte mit seiner liebenswürdigen Gattin Frau Rosa, geborene V l a ch t e, das Fest der silbernen Hockzeit, und zwar Samstag den 31. October, bei feierlichem Gottesdienste im neuerbauten schönen Tempel, welcher anläßlich dieses Festes hell beleuchtet war und wo der Jnb'lar bei offener Thora 500 ff. zu wohlthätigen Zwecken spendete. Bezirksrabbiner Herr Dr. Engel hielt an das Jubelpaar eine zu Herzen dringende Ansprache, welche nicht nur die Jubilare, sondern auch alle Anwesenden tief rührte und zu Thränen brachte. Nachmiitags wurden in der Volksschule die vom Herrn P s ch e r h o f an 70 arme Schulkindern ohne Unterschied der Religion gespendeten Kleider in Anwesenheit des ganzen Lehrkörpers und auch anderer Gäste vertheilt; jedes Kind erhielt einen vollständigen Anzug nebst Kopfbedeckung, außerdem eine sogenannte Heiligenstruze und 2 Silberkronen, wofür der Schuldirektor dem edlen Spender in warmer Ansprache den Dank ausdrückte. Sonntag den I November Nachmittags versammelten sich alle Brüder, Schwestern, Kinder und nächste Anverwandten beider Jubilare im festlich decorirten Hause des Herrn P s ch e r h o f zum Festbankette. Die animirten Festtheilnehmer, welche, dem jüdischen Geiste entsprechend, bei festlichen Gelegenheiten auch der Wohlthätiakeit nicht vergaßen, spendeten zu Ehren des Jubelpaares 1150 ff., theilwkise der Cultusaemeinde. theilweise den Stadtarwen, ohne Unterschied der Confession. Zahlreiche Glückwünsche und Festgeschenke kamen aus Nah und Ferne, und so schließe auch ich mich dem allgemeinen Wunsche an. der Allmächtige lasse dies edle Menschenpaar auch die goldene Hochzeit in solcher Gesundheit und Frische wie jetzt, zum Wohle ihrer Familie und der Menschheit, feiern. L. Berlin. Abermals ist Stöcker um die schöne Gelegenheit gekommen, sich au die Person des deutschen Kaisers heranzudrängen. Als Mitglied des neugewählten Präsidiums der brandenburg'schen Provincial-Synode hoffte er, im Königsschlvsse mitempfangen zu werden. Aber diese Hoffnung ist unerfüllt geblieben, nur der Präsident v. Levetzow tvurde empfangen. Nach der „Berliner Volkszeitung" hat der Kaiser, als ihm im Hinblick auf die Audienz die Namen der Synodal-Vorstandsmitgliedervorgelegt wurden, bei dem Namen Stöcker erneu dicken Strich gemacht. Schitomir. Die Schulfrage wird wieder acut. Die jüdische Bevölkerung beträgt kaum 5 Percent der gesammten Einwohnerschaft, aber nur drei Gymnasiasten jüdischer Religion werden zum Besuche des hiesigen Gymnasiums zugelassen, während mehr als 60 Schüler um Aufnahme ansuchten. London. Fast alle Rabbiner der jüdischen Gemeinden Englands, Schottlands und Irlands haben auf der Kanzel in warmen Worten des verewigten Erzbischofs von Canterbury gedacht, der sich stets als warmer Freund der Juden gezeigt habe. London. Zum ersten Male seit dem Bestehen der jüdischen Elementarschulen fand ein öffentliches Banket zu dem Zwecke statt, den Fond dieser lvunderbaren Anstalt zu erhöhen, dessen Präsident Claude G. M o u t e s i o r e ist. Es lvird von der Gemeinde verlangt, daß sie ein Viertel der Kosten beisteuere; die andern drei Viertel sind durch Legate und Beiträge der Regierung gesichert. Paris. Ein Werk von Capitän S. Nette r, der selbst viele Schlachten gekämpft hat, befindet sich unter der Presse und wird mit Spannung erwartet. Es behandelt den Inden als Soldaten und Staatsmann in allen Nationen. Wir besitzen bereits ein ähnliches Buch von Simon Wolf in Washington. New-Nork. Sämmtliche jüdische Blätter begrüßen sympathisch den berühmten Autor Josef Z a o b s, dessen Ankunft eben entgegengesehen wird. Er wird zunächst im Jüdisch-nationalen Franenverein sechs Vorträge über die „Philosophie des Judenthums" halten. Feuilleton. Der König der Schnorrer. Von I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Es ist doch seltsam", entgegnete Manasse sinnend. „Wie kommt es, daß ich Einen in mein Haus und an Grobstock's Tisch zugelassen habe, der doch eigentlich nur ein Halbbruder in Israel ist?" „Aber Grobstock ist auch ein Tedesco", protestirte Jankele „Das ist auch etwas, worüber ich mich wundere", entgegnete Da Costa. „Ich kann gar nicht verstehen, wieso ich mit ihm so vertraut werden konnte." „Seht Ihr", rief der Tedesco schüchtern, „vielleicht würdet Ihr mit der Zeit sogar Grobstock's Tochter geheiratet haben, wenn er wirklich eine hätte." „Hütet Eure Zunge. Ein Sephardi kann eine Tedesco nicht heiraten, es wäre eine Erniedrignug." „Ja, aber verkehrt — ein Tedesco kann eine Sephardi heiraten, nicht wahr? Das ist eine Erhöhung. Wenn Grobstock's Tochter Euch geheiratet hätte, würde sie über ihren Stand hinaus geheiratet haben", schloß er mit unschuldiger Miene. „Das ist wahr", gab Manasse zu. „Aber da Grobstock's Tochter nicht existirt, meine Frau dagegen ja —" „Ah, aber wenn Ihr an meiner Stelle wäret", sagte Jankele, „wen würdet Ihr lieber heiraten, eine Tedesco oder eine Sephardi?" „Natürlich eine Sephardi. Aber" „Ich werde Eurem Rath folgen", siel der Pole hastig ein. „Ihr seid der klügste Mensch, den ich je gekannt habe." „Aber", wiederholte Manasse. „Leugnet es nicht, Ihr seid's. Ich werde mir sofort ein sephardisches Mädchen aussuchen und sie heirate)!. Vielleicht setzt Ihr Eurer Güte die Krone auf, indem Ihr Eine für mich aussucht. Nu?" Manasse war sichtlich besänftigt. „Woher soll ich Euern Geschmack kennen?" fragte er zögernd. „Oh, jedes spanische Mädchen wäre ein Glück für mich", antwortete Jankele. „Selbst wenn sie hätte ein Gesicht wie ein Osterfladen — aber ich ziehe doch eine Pfingstblume vor. „Was für eine Art von Schönheit gefällt Euch am besten?" „Die Eurer Tochter", antwortete der Pole plump. „Solche gibt es nicht viele", sagte Da Costa ahnungslos. „Nein, sie ist wie die Rose von Saron, aber es gibt auch nicht viele so schene Väter."