Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 45 (6.11.1896)
- Date
- 1896-11-06
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021161--06150-3030419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr 45 Dr Vloch's Wochenschrift Seite 899 Hofratkj Kareis. Wie tutr erfahren, ist der k. k. Obrebaurath Josef Kareis vom Kaiser durch die Verleihung des Titels eines Hofrathes ausgezeichnet worden. Hofrath Kareis, bekanntlich einer der hervorragendsten Elektrotechniker, verläßt den Staatsdienst, uni fortan ganz seiner Wissenschaft in Theorie und Praxis zu leben. Wien. (F r a n e n - W o h l t h ä t i g k e il s v e r e i n im 8. Bezirke.) Dieser unter dem Präsidium der bekannten Wohlthäterin Frau Amälia Beck stehende, überaus Humanitär wirkende Verein hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, im Fasching ein großes Ballfest abzuhalten, besten Erträgniß ausschließlich für wohlthätige Zwecke bestimmt ist. An der Spitze des Comites steht der Architekt Max Fleischer, dem die Herren Victor Fuchsbalg, Dr. Max Tuge; d h a t und Dr. Hugo M a n d l als Functionäre zur Seite stehen. Wien. (B a n e r n f e l d - P r ä m i e n - S t i f t u n g.) Das Cnratorium der Eduard v. Bauernfeld'schen Prämienstiftung, bestehend ans den Herren Professor Alfred Freiherrn v. Berger, Sectionschef Dr. Wilhelm R. v. H arte l, Hofschauspieler Josef L e w i n s k y, Professor Dr. Jacob Minor und Hofnnd Gerichtsadvocaten Dr. Edmund W e i s s e l, hielt am 30. October seine statutarische Jahressitzung ab und beschloß einhellig, folgende Ehrengaben zu verleihen: Dem dramatischen Schriftsteller Leo E b e r m a n n für sein Drama „Die Athenerin" uub dein dramatischen Schriftsteller Georg H i r s ch f e l d für sein Schauspiel „Die Mütter" Ehrengaben von je 1000 fl. Wien. (F e l d g o t t e s d i e n st.) Sonntag den 1. d. M. wurde im Stadttempel, anläßlich der Fahneneidesleistung ein feierlicher Gottesdienst für die jungen Soldaten abgehalten. Obercantor Singer leitete denselben mit dem weihevollen Bortrage des „Mah touwn" ein, worauf unter Mitwirkung des Tempelchores und Harmoniumbegleitung ein Psalm gesungen wurde. Dann hielt Herr Rabbiner Dr. Wolf die Festrede, in welcher er betonte, daß der Waffendienst ein Ehrendienst sei, welchem unsere Vorfahren mit Liebe und Eifer oblagen. Die allgenreine Wehrpflicht war in Israel schon nach dem Anszuge aus Egypten eingeführt, wo Jedermann mit dem zwanzigsten Lebensjahr waffenpflichtig wurde und diese Wehrpflicht erhielt sich bis znr Zertrümmerung des jüdischen Reiches. Nach Erwähnung einiger berühmter jüdischer Heerführer, citirte der Prediger alle auf die Heiligkeit des Eides bezughabenden Stellen aus der Bibel, erklärte die Symbolik der Fahne und hob hervor, daß die ruhmreichen österreichischen Fahnen von besonderer Bedeutung für uns Juden sind, da ihre Farbe „Schwarz und Gelb" die Sonnenblume versinnbildlicht. Wie diese Blume stets der Sonne zugekehrt bleibt, so müssen wir ans der Finsterniß stets deni Sonnenlichte zustrcben u. s. w. Dann wurde bei offener Bundeslade die Volkshymne abgesungen und mit „Ulenu" und dem „Kadischgebete" die erhebende Feier geschloffen. Das hellerleuchtete Gotteshaus war fast irr allen Räumen von jurrgen Kriegern angefüllt. Es war ein farbenprächtiges Bild, das sich dem Auge bot, die jugendfrischen Gesichter strahlten von freudigem Diensteifer uub die „Aufschläge" boten eine farbenprächtige Mustercollection, die schönen, strammen Jungerl bildeten eine Kriegerschaar, an welcher abfällige Kritik zu üben selbst der verbissenste Jndenhasser sich nicht erfrechen konnte. Jede Waffengattung stellte ein ansehnliches Contingent unserer Glaubensgenossen an Einjährig-Freiwilligen und Soldaten. Zahlreich war das Wiener Hansregiment „Hoch- und Deutschmeister", die technische Truppe, die „Jäger" und der „Train" vertreten. Nach Rangirnng der Truppen in der Seitenstettengasse erfolgte unter Commando von Officieren der Abmarsch in die respectiven Kasernen, wo der Fahneneid geleistet wurde. D m u ch a l s k i. Wien. Sonntag, der: 25. October sprach im literarischen Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" Herr Josef Werner über „Jüdische Frauen und Mädchen". Er schilderte den Charakter der jüdischen Frau, wie er uns in den Stammmüttern entgegentritt, hob ihre Tugeuden hervor und wies an der Hand von Citaten aus Bibel, Talmud und anderen hebräischen Schriften nach, daß die Schätzung der Frau als Lebensgefährtin des Mannes und Mutter bei den Juden eine ethisch weit höhere gewesen sei, als bei allen anderen Völkern derselben und noch viel späterer Zeit. An der jüdischen Frau der Gegenwart fand der Vortragende manche Fehler auszusetzen, die er, nnd wvbl nicht mit Unrecht, aus der Entfremdung vom Judenthume herleitete. Reicher Beifall lohnte die überaus interessanten Allsführungen des Redners. Der nächste literarische Nachmittag findet Sonntag, den 8. d. M., präcise 3 Uhr. statt. An diesem Nachmittage spricht eine in Wiener Getehrtenkreisen bekannte Persörllichkeit. Auch ist ein Vortrag des Mitgliedes Frl. Rosa Feith angemeldet. Gäste (Damen) herzlich willkourmen, I. Schottenring 23. Wien. (Tvdesfal l.) Die in Wien, 1L, Circusgasse 10 wohnhafte, hier allgemein bekannte Familie Jon a s z erlitt einen schweren Verlust, indem deren ältester Sohn Adolf, ein bildhübscher, illtelligenter, junger Mann im kräftigen Manuesalter von 28 Jahren nach kaum dreitägigeln Kranksein an einer tückischen Krankheit starb nnd derselbe unter großer Theilnahme Sonntag den 25. October beerdigt wurde. Der von seinem Vater, Herrn Bernhard Jonäsz am Grabe gehaltenen Rede erltnehmen wir urrter Anderem Folgendes: „Wir sind hier versammelt, lim die irdische Hülle eines talentirt und strebsam gewesenen jungen Mannes, welchen der unerbittliche Tod in der schönsten Blüthe seiner Jahre und in der Fülle der Manneskraft nach kaum dreitägiger Krankheilsdauer schonungslos plötzlich dahingerasft, zur ewigen Ruhe zu bestatten. Wenn die physische Kraft es meinem gebrochenen Vaterherzen zuläßt, so will ich Dir, mein theurer Sohn Adolf Jonäsz einige Worte als Nachruf widmen. Nach dem Gesetze der Natur solltest eigentlich D n, m e i n t h e u e r e s Kind es sein, der mir — Deinem Vater — das Grabgeleite geben sollte, doch die göttliche Vorsehung hat es anders beschlossen, und von Gram gebeugt stehen Deine Eltern hier an Deiner Bahre, um Dich für immer in den finst wen Schoß der Muttererde zu betten. Wir verlieren an Dir einen guten, braven Sohn, Deine Geschwister einen liebevollen Bruder, Deine Vorgesetzten einen pflichttreuen, ordnungsliebenden Beamten, Deine College«, Freunde und Bekannten einen charakterfeste», gefühlvollen, seelenguten Mitmenschen. Nimm die Versicherung mit ins Grab, daß die Wunde, die der Tod meinem Vaterherzen geschlagen, nie vernarbt und Du in unseren Herzen unauslöschlich fortleben wirst und Dein Andenken bei Allen, die Dich kannten, in Ehren gehalten werden wird . “ Zum Schlüsse sagte der tiefbetrübte Vater: „Und somit nehmen wir von Dir geliebter» theuerer und unvergeßlicher Sohn Adolf Jonäsz. Abschied für immer. Möge die Erde Dir leicht sein, Friede Deiner Asche, Ehre Deinem Andenken. Und in unserem unaussprechlich großem Schmerz rufen wir mit Hiob aus: Der Ewige hat ihn uns gegeben, der Ewige hat ihn uns wieder genommen, gelobt sei der Name des Ewigen von jetzt bis in alle Ewigkeit. Amen." Wien. Ein altes Haus (das älteste Wiens), der Regensburgerhof, fällt in einigen Tagen, um einem modernen Neubaue Platz zu machen. Eine unserer bestrenommirtesten Wiener Firmen, die Fabrik für k. k. privilegirte hygienische Closete von L. G n t t m a n n, ist durch diese Demvlirung gezwungen, die feit mehr als ein Jahrzehnt innegehabten Lokalitäten zu verlassen nnd lverden die Verkaufslocalitäteu dieser Fabrik sich vom 10. November d. I. angefangen VI., Mariahilfer- )t raße 25, I. Stock befinden. Die Filiale dieser Firma wird durch diese Veränderung nicht berührt nnd befindet sich diese nach wie vor, I., Grabe n, D v r v t h e e r g a s s e 8, zum rvthen Kreuz. Prag. (T r a u u n g.> Am 8. November findet in Prag, „Hotel Stein", die Trauung des Herrn Ignatz Buchwald, Sohn des Vorstandes der Cultusgemeinde Floridsdorf, Herrn Josef Buchwald, mit Frl. Gertrud L ö w i t aus Schatzlar statt. Lemberg. Gegenüber den in der „Oesterreichischen Wochenschrift" vor Monaten erschienenen Artikeln: Zur Lage der galizischen Jndenfchaft, bringt der Lemberger „Israelit" vom 31. October eine Erwiderung unter der Üeberfchrift: „Unberufene Vertretung" und wendet sich an uns, wir mögen einsehen, daß uns die galizischen Landesverhältnisse nicht so gut bekannt sein können, wie die Wiener. Denigegenüber fei constatirt, daß sämmtliche Artikel in der „Oesterreichischen Wochenschrift" über die Regungen des Antisemitismus in Galizien uns von hervorragenden Männern welche als Vorsteher an der Spitze der größten israelitischen C u l t u s g e m e i n d e n des Landes stehen, zur Publikation übermittelt worden sind. Auf den weiteren Inhalt des Artikels eiuzugehen, verbietet nicht blos die Gedankenarnruth desselben, sondern auch der etwas allzu deutlich hervortretende Zweck, der von dem Verfasser verfolgt wird. Diese Leute sind dazu erzogen rvordeu, unr für einen freundlichen Händedruck irgend eines Landesmächtigen das gefamuite Jildenthum zu verratheu. Budapest. Bei den letzten Wahlen siird zwölf jüdische Deputirte in das Parlarnent gewählt worden. Es sind dies Edruund Barth a, Dr. Franz C h o r i n, der altbewährte