Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 45 (6.11.1896)
- Date
- 1896-11-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021161--06149-3030418- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
Seite 898 Dr. Vloch's Wochenlchrist. Nr. 45 fürstliche Persönlichkeiten besuchte, so war er stets von zahlreichen Berittenen begleitet, und ein öffentlicher Ausrufer verkündete seine Größe. — Zu Ende des vorigen Jahrhunderts hat die Stellung eines Naffi ihre Bedeutung verloren, trotzdem war der Großvater des verstorbenen Sir Albert eine bedeutende Persönlichkeit, denn er bekleidete den verantwortungsvollen Posten eines Staatsschatzmeisters des Gouverneurs von Pashalic. Sir Albert wurde in Indien erzogen und besuchte schon frühzeitig China. 1888 heiratete er Hannah Ai o s e s ans Bombay, welche ihm 5 Kinder schenkte. Der älteste Sohn starb vor 12 Jahren, und der Erbe des Titels ist Capitän Eduard S a s s o o n, der zweite Sohn. Dieser heiratete 1887 Aline, die Tochter des Baron Gustave Roth s ch i l d in Paris und hat zwei Kinder, einen Sohn, Philipp, und eine Tochter, Sybil. Zahllos sind die Auszeichnungen, die Sir Albert S a ss o o n zu seinen Lebzeiten empfing. Der Prinz von Wale s und andere Mitglieder des Königshauses waren des Oefteren seine Gäste, in Bombay sowohl, als auch in London und Brighton. Sir Albert S a s s o o n wurde im Jahre 1872 zum Ritter ernannt, und im folgenden Jahre wurde ihm eine große Auszeichnung zu Theil, als er sich besuchsweise in England befand; er erhielt eine prachtvolle Goldcafsette, welche einen Werth von 100 Guineas hatte; darin befand sich eine Atolle — das Bürgerrecht der- Stadt London. Damals umrde constatirt, daß -Sir Albert S a s s o o n (bis zum Jahre 1873) bereits gegen 300.000 Pfund Sterling für öffentliche uub wohlthätige Zwecke aus gegeben hatte, nach unserem Gelde 3% Millionen Gulden. Dienstag Nachmittags fand das Begräbnis; statt. Seinem Wunsche gemäß wurde Sir Albert S a s) o v u nicht aus dem Friedhose, sondern in einem Mausoleum in Paston Place beerdigt, welches vor mehreren Jahren mit einem Kostenaufwande von sechstausend Pfund Sterling errichtet wurde. Dasselbe ist sehr geräumig und sehr einfach, nur der Boden ist ans weißem carrarischem Marmor. Dr. G a st e r hielt eine tiesergreisende Trauerrede. Zahlreiche Beileidsbezeugungen sind eingelausen, darunter ein Brief vom Prinzen von Wales, Kränze von Lord Batte r s e a, Lady Angustus H e r v e y, Leopold und Marie de Rothschild, Louise und Tony D r e y s n ß rc. .c. Montreal. (Die H i r s ch - C o l o n i e in C an a d a.) Die 33. Jahresversammlung des Unterstütznugsvereins junger Leute (Yonna: Mens Hebrew Benevolent Society. unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. A. Ansell hat hier stattgefunden. Der Jahresbericht enthält folgende Mittheilnngen über die Colonie Hirsch. Der specielle Bericht ist höchst zufriedenstellend, die Ernte war eine ungewöhnlich ergiebige. Aus Ansuchen des Vereines für jüdische Colonisation (.Tewish Colonisatiou Society) in Paris wurden einige Colonisten aus Red Deer, Alberta, nach Hirsch gebracht. Die Colonisten sind mm alle mit Vieh und Ackerbaugeräthen reichlich versehen und leben glücklich und zufrieden. Sie haben sich im vergangenen Jahre eine kleine Synagoge erbaut. Einige von den Söhnen der ersten Ansiedler haben geheiratet und bebauen selbststäirdig ihr Land. Alles in Allem ist die Colonie ein Erfolg, und es ist zu hoffen, daß sie es weiter bleiben wird, zur Erinnerung an den edlen Manu, der für die jüdischen Einwanderer-so viel gethan, an Baron Hirsch. Petersburg. Welchen hervorragenden Antheil liniere Glaubensgenoffen an der Entwicklung der Industrie auch in Rußland genommen haben, geht aus der soeben veröffentlichten Liste der Firmen, welche aus der altrussischen A u s st e l l n n g zu Nis chn i -Now go ro d Preise erhalten haben, abermals hervor. Von jüdischen Ausstellern haben erhalten: 2 Firmen den höchsten Preis, den russischen Adler; 13 die goldene M ed a i l l e; 20 die s i l b e r n e M e d a i l l e und 42 A n e rk e n n u n g s - Diplome. Ferner erhielten Ehre ndiplome: Die „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Rußland" (II. Claffe); die jüdische Taubstummenschule zu Minsk (HI. Claffe): die jüdische Handwerkerschule in Minsk und die jüdischen Schulen in Orscha und Ostraha. Hn Schauten (Gouvernement Kowno) wurde soeben eine Filiale der Warschauer Gesellschaft für den Export palästinensischer Producte „Karmel" errichtet. Petersburg. (I ü d i s ch e Schulen in Rußla nd.) Rußland hat über fünf Millionen Juden und — 515 Schulen, das ist also eine Schule für 9900 Inden. Dazu kommt, daß von diesen 515 Schulen nur 110 staatliche sind; 83 werden tut Interesse von Cultusgemeinden unterstützt, und 322 sind Privatschulen! Daß solche nicht die idealsten Schulen sind, versteht sich von selbst. Der letzte Bericht des Schulinspectors im Kiewer District beweist dies zur Genüge. Die jüdische Bevölkerung dieses Districts beträgt l',4 Millionen, die Zahl der Schulen ist 118; 86 davon sind Privatnnternehmungen. Kaum 7000 Kinder besuchen diese Schulen. Die große Masse der jüdischen Kinder — fast 40.000 an der Zahl! — wird in Chederschnlen erzogen. Solcher gibt es in dem einen District 2885, also ein Cheder aus 554 Bewohner. Die Errichtung moderner Schulen würde ungeheure Summen kosten, ist somit unerreichbar. Im Kiewer District allein müßte man für die 40.000 Kinder, welche jetzt in den Chederschulen unterrichtet werden, nicht weniger als 280 Schulen errichten, mehr als 1000, wenn alle jüdischen Kinder Rußlands die Schule besuchen sollten. Und doch würde das Unternehmen möglich sein, ivenu die Regierung ihre Hand dazu hergäbe! Petersburg. (Die jüdischen Arbeiter des Grafen I g n a t i e f f.) Seit 5 bis 6 Jahren hört man öfter, daß es im Süden von Rußland häufig vorkommt, jüdische Arbeiter beim Ackerbau zu verwenden. Das Städtchen Plissov in der Nähe von Lipovetz Uyezd, beherbergt viele Juden, die im Dienste des Grafen Ignatieff, des Urhebers der Maigesetze von 1882, stehen. Bei weitem der größere Theil .seiner Arbeiter sind Juden, die als tüchtig und fleißig gerühmt werden. Während der letzten Ernte waren in Plissov mehrere hundert Inden, Männer und Frauen, ivelche für 40',4 Kopeken Tagelohn arbeiteten. Nachdem dort alle Feldarbeiten beendet waren, wurden die als außerordentlich tüchtig bezeichneten Arbeiter von einem andern Gutsbesitzer, einem gewissen Herrn Bartischwitzky übernommen und znm Dreschen verwendet. Interessant ist, daß sich unter den ständig Angestellten des Grasen I g n a t i e f f auf dessen Gütern mehrere Juden befinden. Odessn. Als im vergangenen Jahre der Befehl der Militärbehörden erlassen wurde, jüdische Soldaten hätten beim Militärcommando keine Kanzleidienste zu leisten, reichte der Rabbiner der Tourida- und Odessa-Karaiten ein Bittgesuch ein, des Inhalts, man möge den Befehl nicht auf die Karaiten ausdehnen. Soeben ist nun die Antwort erflossen. Der russische Kriegsminister hat dahin entschieden, die Karaiten seien von dem Befehle auszunehmen, weil überhaupt die Gesetze, welche sich auf die Inden beziehen, aus die Karaiten nicht anwendbar seien. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch - Israelitische U n i o n.) Samstag den 7. November 1896. Abends ‘4 8 Uhr, findet im Restaurant Khuner, I., Schottenring 19 eine Bereius- Bersammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Theodor Herzt: „Jndenthnm". 3. Besprechung der bevorstehenden Cultusgemeindewahlen. 4. Anträge und Interpellationen. E. B. Wien. (B e r m ä l n n g.) Sonntag den 8. November findet im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des renommirten Schirmfabrikanten Herrn Dezsö Weil mit Frl. Melanie L ö w, Tochter des Schuhfabrikanten Herrn A. I. Löw, hier, statt. Der große Kreis der Verwandten und Freunde des Brautpaares begleitet das Familienfest mit den lebhaftesten Sympathien. Wien. (Spende) Wie man uns ans Budapest berichtet, hat Reichsrathsabgevrdneter Graf Theodor A n d r a s s y der israelitischen Gemeinde in G a l s z e c s (Zempliner Comitat) 20.000 fl. zur Erbauung einer Synagoge gewidmet. E. B. Wien. (Promotion snb anspiciis imper a t o r i b.) Dem Candidaten der Rechte, Herrn Emanuel Adle r ans Proßnitz, ist von Se. Majestät dem Kaiser gestattet worden, an der Wiener Universität snb anspiciis hnperatoris zu promoviren. Der strebsame Caudidat ist zu dieser ehrenden allerhöchsten Auszeichnung auf's Wärmste zu beglückwünschen. Möchte er bei seinen Collegen Schule machen nnd als nachahmenswerthes Beispiel dienen. Wien. Einer der ältesten und verdientesten Beamten der Niederösterreichischen Eseompte-Gesellschaft, Herr A. C o h n, feiert am 2. November sein vierzigjähriges Dienstjubiläum bei diesem Institut.