Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 45 (6.11.1896)
- Date
- 1896-11-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 45 Dr. Vloch's WochenlchrM Seite 897 von 22 Jahren bei der indischen Regierung seinen Abschied nehmen. Er war früher politischer Geschäftsträger in Belndschistan. Wegen Beleidigung des Grafen Mirbach, Obersthofmeisters der Kaiserin, ist gegen Ludwig S ch w e n n h a g e n und den Verleger des antisemitischen „Deutschen Generalanzeiger", Karl S e d l a tz e k Anklage erhoben lvorden. Beanständet ist ein Artikel in der Nummer des vorerwähnten Blattes vorn 24. Mai, betitelt: „Der Judengeldsammler für die Berliner Kirchenbauten", als dessen Verfasser Schwennhage n ermittelt wurde. Bei der königlichen A k a d e m i e der K ü n st e gelangt durch den Senat für das Frühjahr 1897 der Preis der ersten Michael Beer-Stifung in Höhe von 2250 Mark für jüdische Bildhauer zur Ausschreibung. Die Bewerber haben die Aufgabe zu lösen: „Verschmachtende finden eine Quelle". Der verstorbene Privatier Herr Felix Blumenthal hat der hiesigen jüdischen Cultusgemeinde sein ganzes Vermögen vermacht. Königsberg, 27. October. Einen schweren, ja unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde durch das Hinscheiden des Herrn Rabbiners Dr. I. B a m berge r, der gestern Mittag um 12 Uhr nach langem und schweren Leiden im 03. Lebensjahre gestorben ist, erlitten. Ausgezeichnet durch hervorragende Gaben des Geistes und des Herzens, war der Verblichene nicht blos ein bedeutender Kanzelredner und treuer Seelsorger, sein für die Roth der Armen warm schlagendes Herz trieb ihn auch dazu, aus dem Gebiete des Wohlthuns eine weitgehende Thätigkeit zu entwickeln, die zahlreichen, in dieser Richtung arbeitenden Vereinen zu Gute gekommen ist. Geboren zu Angenrod in Hessen, wurde B a m b e r g e r gleich nach Beendigung seiner Studien am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau als Rabbiner nach Königsberg berufen, und hier hat er länger als 30 Jahre hindurch in dieser Stellung mit reichem Erfolge gewirkt, nicht blos innerhalb des Kreises seiner Glaubensgenossen, sondern weit darüber hinaus ein gesegnetes Andenkeil hinterlassen. Hat er sich in so zahlreichen Herzen ein unsichtbares Denkmal gesetzt, so fehlt es ihm auch nicht an einem sichtbaren, denn die vor Kurzem eingeweihte prachtvolle Synagoge darf als sein Werk angesehen werden, mit dem sein Name immerdar verknüpft bleiben wird. London. Von dem aufstrebenden jungen Künstler Arthur M. Friedländer sind wieder einige melodiöse Cvmpositionen erschienen. Eine davon, «Son^ of Hope“, ist dem Oberrabbiner Dr. Adler und seiner Frau gewidmet. Montag fand hier eine in jeder Beziehung seltene und überaus erhebende Feier statt: Die Grundsteinlegung des David Lewis-Hospital. Um halb 12 Uhr fand die Ceremvnie statt. Die Bürgermeisterin von Liverpool, Gräfin Derb y, erschien zuerst am Arme des Herrn W. Lev y. Ihnen folgte Gras Derb y mit Frau L e v y. Sir Arthur B. F v r w o v d, der Rath Louis S. Cohen, Sir William H o u l d s w o r t h re. re. Gräfin Derby legte mit großer Anmnth den Gr..,.dstein unter den Hochrufen der hundertköpfigen Menge; darauf sprach der Bischof von Liverpool ein Gebet. Sir Arthur F v r w v o d dankte der Gräfin für ihre Unterstützung und sprach in längerer Rede den Testamentsvollstreckern für ihre mit seltener Hingabe geleisteten Dienste seine höchste Anerkennung aus. In ähnlicher Weise äußerte sich Graf Derby in seiner Ansprache. Nach der Feier fand ein Luncheon im Adelphi Hotel statt, zu denr etwa 200 Damen und Herren eingeladen waren. Nachdem der Vorsitzende, Herr Lev y, den Toast auf die Königin und die königliche Familie ausgebracht hatte, sprach der Bischof von Liverpool, nach ihm Se. Ehrwürden Dr. S. Singe r und zuletzt der Bürgermeister, Graf Derb y, dessen Rede wir das Bedeutendste entnehmen. Er sagte unter Anderen!: „Leid und Trauer verwischen alle Unterschiede der Religion. Der Gehorsam, mit dem wir das Gebot erfüllen, Barmherzigkeit zu üben, entstammt derselben Quelle, aus der die Gemeinde, der unser Vorsitzender angehört, es erhielt, llnsere heilige Schrift ist zunr großen Theile die ihrige, unsere Psalmen sind ihre Psalmen, unsere Gebote sind die Gebote, welche ihnen überliefert wurden für die ganze Welt. Doppelte Freude ist es, zu fiihlen, daß das edle Geschenk des Verstorbenen ein Beweis ist, nicht daß religiöse Unterschiede verwischt werden — meiner Ansicht nach bestehen solche Unterschiede überhaupt nicht —, wie alle Religionen eiumüthig handeln, wenn es sich uni ein wohlthätiges Werk handelt, wenn es gilt. Kranke zu heilen. Soweit ich urtheilen kann, gibt es keine Religion, die geneigter dazu wäre, als die Religion unseres Vorsitzenden; diese Religion ist gegen i h r e K r a n k e n weit b a r m h e r z i g e r, als wir gegen die u n s e r i g e », sie steht den Schwachen und Kranken bei, bevor diese tu Gefahr sind, nnterzugehen." Noch mehrere Toaste wurden ausgebracht, der letzte ans Graf und Gräfin Derb y, und die erhebende Feier war zu Ende. London. Montag empfing der Kanzler den neugewählten Bürgermeister von London, Fandel-Phillips, um ihm die officielle Mittheilnng zu machen, daß Ihre Majestät die Königin seine Wahl zu genehmigen geruht habe. Sir Charles Hall stellte den neuen Bürgermeister vor, indem er in längerer Rede seine Verdienste würdigte. Daraus erwiderte der Kanzler folgendermaßen: „Es ist schon öfter meine Pflicht gewesen, den neugewählten Bürgermeister zu begrüßen, doch hat mir dies noch niemals größeres Vergnügen bereiter, als heute. "Abgesehen von dem, was der beredte Sir Charles Hall von Ihnen zu rühmen wußte, kenne ich selbst Ihre guten Eigenschaften, ja, ich darf noch weitergehen und sagen, daß ich die Ehre Ihrer persönlichen Freundschaft genieße, was mir zur großen Genugthuung gereicht. Sie sind aus mehr als einem Gebiete des öfientlichen Lebens thätig gewesen und überall haben Sie sich Verehrer und Freunde erworben. Ich kenne Ihre richterliche Laufbahn ans eigener Erfahrung und freue mich, zu eonstatiren, daß Sie nicht nur mit voller Unparteilichkeit - denn das versteht sich von selbst — sondern jederzeit mit Takt und Scharfsinn Ihres Amtes gewaltet haben. Es gereicht mir zu umso größeren! Vergnügen, in Ihnen heute den Bürgermeister zu begrüßen, als ich Ihren Vater recht gut gekannt und verehrt habe. Der Vater hat in seinem Sohne einen würdigen Amtsnachfolger gefunden". Nach dieser Ansprache trank der Justizminister aus das Wohl des Bürgermeisters und der Becher machte, einem alten Branche, gemäß die Runde bei allen anwesenden Würdenträgern. Brighton. (Job des S i r A l b e r t A b d a l l a h David S a s s v o n.) Mit tiefem Bedauern theilen wir die Nachricht vom Tode des Sir Albert Z a s s o v n init. Mit ihm ist nicht nur eines der höchstgeachteten Mitglieder der jüdischen Gemeinde dahingeschieden, das britische Reich verliert eine seiner interessantesten, malerischsten Gestalten in diesem Inden von Bagdad mit seinen in dem geheiligten Boden des alten Toledo ruhenden fürstlichen Vorfahren, mit seinen Palästen in Povnah und Calcutta, seinen prächtigen Absteigeguartieres in Kensingtvn Gore und Brighton, seinen Waarenhänsern und Fabriken in Bombay, seinen Bnreaux in Lendenhall Street und Teheran. Sir Albert S a s s v o n war der Typus eines Juden im besten Sinne des Wortes, grvßinnthig und nnterttehmend, ein scharfsinniger, tüchtiger Geschäftsmann, ein guter Mensch, der seine Dankbarkeit für. den materiellen Segen, von welchem alle feine Unternehmungen begleitet waren, stets praktisch an seinen Mitnlenschen bethätigte. Es gibt keine Wohlthätigkeitsanstalt in Indien, die nicht mit dem Namen Z a s s v o n verknüpft ist. Sir Albert mar ein Hauptgründer der Bvmbayer Elphinstone- Hochschnle, wie auch der nach ihm benannten S a s s v o n-Docks. Für seine Glaubensgenossen in Persien und Mesopotamien hatte er stets eine offene Hand, er gründete Synagogen und Schulen und war jederzeit bereit, seinen ganzen Einfluß anfznbieten, nrn ihnen ihre drückende Lage zu erleichtern. Er wußte ans Erfahrung, was es heißt, unter türkischer Herrschaft zu leben, und nur der Corrnptivn der türkischen Beamten ist es zuznschreiben, daß er seinen Wohnsitz in das freie England verlegte, und was durch diesen Umstand der Sultan verloren hat, das hat England dabei gewonnen. Die Dienste, die die Famile S a s s v o n dem britischen Reiche geleistet hat. find von unberechenbarem Werthe. Ganz besonders war dies in Persien der Fall, wo sie die Pioniere des britischen Handels waren. Sir Albert wurde am 25. Juli 1818 in Bagdad geboren. Seine Familie war von jeher eine der edelsten Familien im fernen Osten. Schon sein Großvater väterlicherseits führte den stolzen Titel Nassi, welcher ihn zum Oberhaupte der Juden in Mesopotamien machte. Bor Jahrhunderten war die Stellung eines Nassi in Bagdad eine ungeheuer einflußreiche, der Nassi war das anerkannte politische Oberhaupt sämmtlicher in mohammedanischen Ländern lebenden Juden und hieß bei den Mohammedanern -Saidna ben Daoud“ fder edle Abkömmling Davidst. Seine Macht war officiell anerkannt, so zwar, daß jeder _ in seiner Gegenwart sich erheben und ihn respectvoll begrüßen mußte, bei Strafe von 100 Peitschenhieben, er mochte Jude oder Mohammedaner oder andern Glaubens sein. Wenn der Nass