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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 896 Dr Vloch's Mochrnschrifl. Nr. 45 ist, sobald er nationalisirt würde. Die Lesehalle hat in der kurzen Zeit ihres BesAhens die erfreulichste Entwicklung genoimnen. Um so bedauerlicher ist es, wenn das Werk nun plötzlich und mnthwillig in Trümmer geschlagen werden soll durch Jene, deren Pflicht es in erster Reihe gewesen wäre, diesen Verein vor jeder Gesährdung seines Bestandes zu bewahren und zu schützen. Leider zeigt es sich, das; Toleranz und Nationalismus selbst bei Juden schwer zu vereinende Begriffe sind. Budapest, 22. October. In seiner Programmrede in Csaktornya beschäftigte C u l t u s- und Unterricht sm i ix i ft e r D r. W l a s s i c s sich mit den Fragen des seiner Leitung anvertrauten Ressorts, der Cultur- und Cultuspolitik, und sagte unter Anderem Folgendes: „L-ie miss?», daß Se. 'JL>iajeftät aut meinen Vorschlag eine ganze Reihe von Versiigungen in Angelegenheil der Regelung der Einkünfte der römisch-griechisch-katholischen Pfarrer getroffen habe .... So ger cht und billig es ist, daß die Gebühren dieser Geistlichen geregelt werden sollen, ebenso gerecht und billig ist es, das; auch bei den gesaut m i e n vaterländischen recipirten Confessionen den Seelsorgern eine a n st ä n d i g e E x i st e n z gesichert werde. In dieser Angelegenheit habe ich einen Gesetzentwurf ansgearbeiter, der dafür sorgen soll, daß auch diese Gebühren bis an die Grenze der Billigkeit ergänzt werden sollen. Das Eine deute ich aber schon heute au, daß wir die Reform innerhalb zehn Jahren derart durchznführen wünschen, daß jeder Seelsorger, der eine höhere theologische L e h r a n st a l t a b s o! v i r t hat, innerhalb drei Jahren ein Einkommen von 600 sl. und innerhalb zehn Jahren ein solches von mindestens 800 fl. haben soll. Für hochwichtig halte ich auch die Frage der P r i e st e r a n s b i l d u n o. Ich habe schon im Reichstage öfter den Standpunkt erörtert, welcher übrigens schon zum Theile in dem Gesetzentwurf des Baron Josef E ö t v ö s zum Ausdruck gelangt ivar, daß wir jeder recipirten Religion Gelegenheit bieten müssen, daß ihre Geistlichen auch der höchsten Ausbildung, der an der tlniversität, theilhaftig werden können. Es muß aber auch das Niveau des theologischen Unterrichts gehoben werden. Ich bezweifle es nicht, daß es den Confessionen in erster Reihe am Herzen liegt, daß möglichst religiöse, aber auch zugleich möglichst gebildete Geistliche die Lehren ihrer Religion verkünden! sollen." Humpoletz, 30. October. Geehrte Redaction! In unserer glorreichen Zeit antisemitischer Bewegungen und confessioneller Hetzen ist es dopvelt angenehm, Erfreuliches berichten zu können. Ans Anlas; der Installation des lviedergewühlten Bürgermeisters unserer Stadt, des k. k. Notars Herrn F. C h a l o u p k a, fand im hiesigen israelitischen Tempel ein Festgottesdienst statt, zu welchem sich zahlreiche Andächtige eingefunden hatten. Um °Z11 Uhr erschien der Bürgermeister mit den sämmtlichen Stadtverordneten und wurde von dem vollzählig versammelten Gemeindeausschusse mit dem Cultusvorstcher Herrn J.-U.-Dr. Alexander Frank und dem Tempelvorsteher Herrn Emannel M a n d l e r ehrfurchtsvoll begrüßt und zu den Ehrensitzen geleitet. Nach einem exact vorgetragenen Psalm bestieg Se Ehrwürden Herr Dr. M. Wohl die Kanzel und hielt eine in jeder Hinsicht gediegene Rede, welche ans sämmtliche Anwesende den sickstlichsten Eindruck ansübte. Se. Ehrwürden hieß die ersten Bürger der Stadt, die in unserer von Elasten-, Raeen- und Glaubenshaß verdüsterten Zeit ein um so Heller leuchtendes Vorbild der Gewissensfreiheit sind, die nicht nach Bekenntniß, sondern nach Erkenntniß, nicht - nach Stamm und Stand, sondern nach dem Feingehalte treuer Pflichterfüllung fragt, im Namen der Jndengemeinde willkommen und würdigte eingehend die hohen Verdienste des Stadtoberhauptes, dessen Amt wohl ein ehrenvolles, aber ein in der Regel mit gar manchen Schwierigkeiten verbundenes Amt ist. Es wurde hierauf ein Psalm gesungen und sodann das Gebet für das Allerhöchste Kaiserhaus vorgetragen und der Segensspruch für das Wohl des Stadtoberhauptes und der Stadtverordneten verrichtet. Mit der Absingung der Kaiserhymne fand die ebenso schöne als auch würdige Feier ihren Abschluß. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. W v h l wurde allseits beglückwünscht. Triest, 30. October. Die gestrige Abendsitznng des G em e i n d e r a t h e s verlies in erregtester Weise und führte zur S u s p e n d i r n n g der Sitzung und zur R ä u m u n g der Galerien, welche in lärmender Weise in anti-eleriealem und italienisch-nationalem Sinne demonstrirten. Zunächst wurde eine Protesteingabe der Triester Katholischen Gesellschaft verlesen, welche den Gemeinderath wegen seiner Theilnahmslosigkeit gegenüber den kirchlichen Festen vom 20. und 27. September, die eine anti-katholische Demonstration genannt j werden, heftig an griff. Gemeinderath B e n u s s i hielt eine > äußerst scharfe Rede und sprach der Katholischen Gesellschaft die j Berechtigung ab, sich als Vertreterin des katholischen Triest zu geriren. Jene Herren seien nicht Katholiken, sondern Clericale. Er stellt schließlich den Antrag, jene Kundgebung zurückzuweisen. Dieser Antrag wurde mit allen gegen die Stimmet: der Slovenen angenommen. Hierauf greift Gemeinderath Dr. S p a d o n i den slovenischen Gemeinderath G o r i u p wegen dessen Rechenschaftsberichtes in Prosecco an, in welchem dieser nicht nur die Gemeindevertretung in unqualifieirbarer Weise angegriffen, sondern auch den allgemein geachteten Gemeinderath Dr. Äenezian durch verächtliche Betonung des Wortes „Jude" beleidigt habe. Goriup erklärt, seine Rede sei unrichtig wiedergegeben worden, er verlange eine Untersuchung. Das Wort „Jude" habe er nicht in verächtlicher Weise gebraucht. Trotzdem ivird der Antrag S P a d o n i, dem Gemeinderathe Goriup den Tadel auszusprechen, mit 24 gegen 16 Stimmen angenommen. Der zweite Podestü-Stellvertreter Dr. D o m p i e r i' und Gemeinderath G e i r i n g e r, Beide Progressisten, geben ihr negatives Votum zu Protokoll. Goriup erklärt dem Pvdestä, auf sein Mandat zu resigniren, und verläßt mit seinen Gesinnungsgenossen den Saal. Die Galerie hatte gegen Goriup mit den Rusen: „Hinaus, Goriup! Hinaus mit den Slaven!" so heftig demonstrirt, daß der Podestü die Sitzung unterbrach und die Galerie räumen ließ. Csakathur» 1. November. Wenn wir civllisirte Europäer hören, daß die Wilden ihrem Cnltus Menschenopfer darbringen, so sträubt sich unser Haar zu Berge und unsere Kinder schütteln darüber ungläubig die Köpfe. Was sollen wir nun dazu sagen, wenn die frommen Männer in Kutte und Frack unter dem Deckmantel der Religion das unwissende, leichtgläubige Volk, das im Grunde genounnen gutmüthig und tolerant ist, verhetzen und zu Todtschlag und Brandstiftung verleiten, wie das leider jetzt bei den hierzulande" stattfindenden Reichstags- Wahlen gang und gäbe ist! Die sogenannte Bolkspartei, die den Antisemiten Cisleithaniens die errungenen Lorbeeren neidet, fanatisirt das auf der untersten Stufe der Bildung stehende Volk i und verhetzt selbst Weiber und Kinder durch die verwerflichsten Mittel zu verabscheuungswürdigen Ausschreitungen. Verkrachte Existenzen, Advoeaten ohne Clienten, wegen begangener Unregelmäßigkeiten ausgemusterte Beamte, denen die Ehe durchaus nicht heilig ist — Hetzen gegen die Civilehe, maßen sich an, gegen die erleuchtetsten, liberalsten Männer in die Schranken 31t treten und terrorisiren die freisinnigen Wähler. Am 28. v. M. fand hier die Deputirtenwahl statt. Der liberale Candidat war kein Geringerer als Se. Excellenz der hochsinnige Cnltus- und Unterrichtsminister, Herr Dr. Julius Wlassics, sein Gegner der »ied. Dr. Franz Major aus Stuhlweißenburg, ein fanatischer Anhänger der Volkspartei, der schon seit Monaten mit Hilfe der Geistlichkeit im Bezirke agitirte, die Kranken ärztlich behandelte und ihnen das Himmelreich versprach, wenn sie für ihn stimmen, widrigenfalls verfallen sie der Hölle. Die um das Wohl ihrer Heerde sich so sehr interessirenden Seelsorger ließen dU Irregeleiteten sammt Frauen scl wären, nur für den reactionären Kandidaten ihre Stimmen abzugeben. Die so fanatisirte Menge erschien in Begleitung einer großen Weiber- und Kinderschaar am frühen Morgen johlend, zeternd und drohend auf dem Wahlplatze. Der heiße Kampf dauerte bis 9 Uhr Abends. Die intelligenten Wähler hatten sich nicht irre machen lassen und verschafften dem Lichte den Sieg gegen die Finsterniß. Se. Excellenz erhielt eine Majorität von 258 Stimmen. Wäre nicht eine beträchtliche Militärmacht zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ausgeboten gewesen, so würde es zu argen Cravallen gekommen sein, so aber kühlte der Janhagel sein Müthchen durch Einwersen von Fenstern in einigen Judenhänsern und im Tempel. Die Verhetzung und Aufreizung war so groß, daß der allgemein beliebte und hochgeachtete königliche Notar, Herr vvn Ziegler, von gegnerischer Seite bedroht wurde! L. Berlin, 27. October. Herr Dr. Hermann D e s s a u, Privatdocent an der hiesigen Universität, ist zum Prof e s s 0 r ernannt worden, eine Auszeichnung, welche von den zahlreichen Freunden und Verehrern des gefeierten Gelehrten nrit aufrichtiger Freude begrüßt werden wird. Herrn Sanitätsrath Dr. S. B a r s ch a l l ist der Charakter als Geheimer S a n i t ä t s r a t h verliehen worden. i Der König von Italien hat dem Maler Joses Israels in j A m st e r d a m das Commandeurkreuz des Ordens der italienischen Krone verliehen. j Der bekannte Reisende, Ney Elias, Generalconsul für Großbritannien in M e s h e d, tvird nach einer Dienstzeit

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