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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Dr Bloch's Wottrrnfitzrist. Nr. 45 Seite 894 hätte er in der Stelle: „eine Fülle lebenswahrer und lebensabgelauschter Gestalten sich vorfinden", anstatt „vorfinden" — vor findet geschrieben. Als ich nrit Kompert diese Angelegenheit besprach, sagte er: „Wenn Richter eine Vorrede zu Ihren Geschichten von mir verlangt hälie, ich hätte sie ja recht gerne geschrieben; ich hätte eine Vorrede geschrieben, die Sie bei dem Publicum einführt, nicht blos beim Verleger, und dies wäre noch ein Bischen anders ausgefallen, als dieser Brief." Indessen, die Sache war geschehen und nicht mehr zu ändern. Ich mußte diese Thatsachen mittheilen, um zu erklären, wieso von allen von Kompert an mich gerichteten Briefen gerade dieser eine schon vor fast 26 Jahren gedruckt wurde, während die anderen an dieser Stelle zum erstenmal veröffentlicht werden. III. Wien 25. Jan. 1867. Lieber Kulte! Beiliegender Brief von Richter in Hamburg mag Ihnen den Beweis geben, daß ich mich nicht umsonst bemüht habe. Ich gratulire bestens Ihr Sie hochschätzender Dr. Kompert. Zu diesem kurzen Briefe ist nur zu bemerken, daß Kompert sich unabhängig von meiner Offerte an Richter gewendet habe, und da er früher Antwort erhielt, als ich, so konnte er mir von der günstigen Erledigung meiner Sache Mittheilung machen zu einer Zeit, da ich über Richter's Entschließung noch ungewiß war. IV. Wien, 4. Dezbr. 1868. Lieber Freund! Meine Frau bittet Sie freundlichst, Morgen Samstag bei uns zu speisen, was regelmäßig gegen 2 Uhr N. M. geschieht! Sie herzlichst grüßend Ihr Dr. Kompert. Als ich diese Einladung erhielt, war mein Buch schon erschienen. Es war Kompert gewidmet, und dies brachte mich auch seiner Gattin näher, die mit Leuten von der Feder gern ververkehrte. V. Wien, 10. April 71. Mein lieber Freund! Ich bin herzlich böse auf Sie. Warum, wenn Sie melancholisch sind, kommen Sie nicht zu mir? warum sprechen Sie nicht mit mir? warum verschweigen Sie mir, was Sie drückt? Vielleicht wäre ich denn doch im Stande, Ihrer Stimmung eine andere Färbung zu geben? Sie in etwas anfzurichten? Genug, alle diese Fragen mögen Ihnen beweisen, daß ich nichts Dringlicheres erwarte,' als Sie zu sehen und mit Ihnen mich „auszureden". Nebenbei bemerkt, dieses „aus"reden, „aus"lachen „ausweinen" haben wir in die Literatur gebracht. Obige Fragen und eventuell deren Beantwortung verschulden es auch, wenn ich mich über das kleine Epos nicht „aus"-schreiben, sondern „aussprechen" will. Jedenfalls, bevor Sie es fortschicken. Kommen Sie also zu mir; am besten zwischen 3—4 Uhr N. M., doch muß ich bemerken, daß ich am Samstag nach Venedig auf einige Tage gehe. Also vorläufig herzlichste Grüße und Kopf in die Höhe! Ihr alter Freund Dr. K o m p e r t. Zu der Stelle: „Nebenbei bemerkt, dieses .ans'reden rc. ist zu sagen, daß dieses a u s in Kompert's und in meinen Geschichten so viel bedeutet, wie: recht herzlich, also recht herzlich reden, recht herzlich lachen, recht herzlich weinen. Was Kompert darunter meinte, daß w i r diese Redewendung „in die Literatur gebracht", ergibt sich aus einer Aeußerung, die er einmal that, als wir über die Ghettodichtung sprachen. Er sagte: „Wir haben in die deutsche Literatur einen jüdischen Blutstropfen hineingebracht und dieser wird aus ihr nicht mehr verschwinden." Mit dem kleinen Epos ist eine epische Dichtung „Anna" gemeint, ein in Hexametern abgefaßtes Gedicht, welches sich der Gunst Roberl Hamerling's erfreute. Es besteht aus zwölf Gesängen. Der achte Gesang ist in dem „Deutschen D i ch t e r b u ch e aus Mähren", herausgegeben von Paul Kirsch und Ottokar Stoklaska (Brünn, Roh rer, 1892) abgedruckt (S. 61—71). VI. Lieber Freund! Kann ich Sie morgen, Freitag, zwischen 3—4 Uhr N. M. in meiner Wohnung: Franziskanerplatz 1, erwarten? Es würde sich darauf sehr freuen Ihr Sie hochschätzender Wien, 6. August 1874. D r. K o m p e r t. VII. Ischl, Dampfbadgasse 11, den 13. Juli 1874. Lieber alter Freund' Lesen Sie wohl meine Geschichte „Zwischen Ruinen" in der Presse? Wenn dem so ist, so schreiben Sie mir doch gelegentlich, was Sie über Bau, Conception und Tragweite derselben schon jetzt deukeu! Daß ich das von Ihnen so peremptorisch verlange (ich bitte aber nur darum), hat gewissermaßen darin seinen Grund, daß ich Sie für meinen Sohn in spiritu betrachte, wogegen ©ie hoffentlich nichts einwenden; worauf ich aber mir etwas einbilde. Ich bleibe hier bis etwa 28. di M. Seien Sie bestens gegrüßt von Ihrem Sie hochschätzenden Dr. Komp ert. VIII. Wien, 28. Juni 1878. Mein lieber Freund' Ein harter, harter Schlag hat Sie betroffen. Der Tod hat Ihnen das theure Wesen, das Ihrem Herzen so nahe stand, entrissen und Sie tief gebeugt. Worte vermögen hier nichts. Mögen einen kleinen Trost in der vollen Ueberzengung finden, daß Ihr Schmerz von Ihren Freunden getheilt und empfunden wird. Von meiner Frau inniges Beileid Ihr alter Dr. Kompert. Dieser Brief bezieht sich auf den Tod meiner Geliebten, die von Kompert sehr hoch geschätzt wurde. Sie war eine große Verehrerin von Kompert und in seinen Ghettogeschichten besser bewandert, als manches Judenmädchen. Sie starb am 27. Juni 1878. Auf die Stelle: „daß ich Sie für nieinen Sohn in npiriru betrachte", wo es heißen müßte: als meinen Sohn ... betrachte (Brief VII) und auf das in der Feder stecken gebliebene Wörtchen: Sie in der Stelle: „Mögen einen kleinen rc. (Brief VIII) anstatt: Mögen Sie einen kleinen rc. weise ich hin, weil auch diese Sprachunreinigkeiten zeigen, daß Kompert die beiden Briefe abgesendet, ohne sie durchzusehen. IX. Mein lieber, alter Freund! Was sagen Sie dazu, daß ich gerade Ihnen auf den prächtigen, geist- und verständnißvollen Artikel, den Sie mir und meinem Wesen am 15. Mai d. I. widmeten, noch mit keinem Wörtchen geantwortet habe? Abscheulich! würden Sie sagen und mit vollem Rechte, wenn ich Sie, und Sie mich nicht seit einer langen Reihe von Jahren kennen würden. Wir Beide können in dieser Beziehung nicht fehl gehen, und darum werden Sie mir sogar den Versuch erlassen, mich reinzuwaschen! Ihnen genügt es, wenn ich Sie versichere, daß im Wirrsale der letzten Wochen nur rein äußerliche Gewalten, wie namentlich: Unwohlsein rc. es waren, die mich an der Erfüllung einer meiner süßesten Pflichten hinderten. Jetzt, in der Stille meines Curortes tritt mir das geschriebene Wort, das sie mir widmeten, umso bestimmter, deutlicher und klarer vor die Augen. Und da muß ich sagen: Es ist viel Schönes und Erhebendes über mich und von mir gesagt worden; keiner aber hat nach meinem Gefühle den Kern der ganzen Sache so erschöpfend und dabei so liebevoll berührt, als gerade mein Freund und Mitgenosse Eduard Kulke! Das darf mich füglich auch nicht verwundern! Waren Sie ja, gleich mir, durch Geburt und Lebensschicksale gewissermaßen prädestinirt, dieselben Wege zu gehen, und jeder in seiner Art die Lösung jenes wunderbaren Räthsels, das wir die jüdische Volksseele nennen, zu versuchen. Dank Ihnen, also theurer Freund, für die kostbare Gabe, die Sie meinem Ehrentage spendeten, Dank Ihnen für die Art und Weise, mit welcher Sie mich ehrten! Sie haben mir damit wohl gethan. Wenn ich heimkehre, werde ich Sie, der sich in so auffälliger Weise seit längerer Zeit von mir ferne hält, aufsuchen,

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