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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Vloch's Wochrnptzrifl. >Lene 893 uns!" tönte es ihm entgegen. „Du rührst Dich nicht von dannen, bis Du nicht ein wenig mit uns herumspringst!" Ruhig, sagte der Rabbi: „Das ist nicht meine Sache, denn ich bin ein alter Mann." Aber seir- Sträuben war umsonst; die ausgelassenen Buben ließen ihn nicht gehen, er schrie umsonst, sie fürchteten sich nicht. Da kam ihm ein glücklicher Gedanke. „So laßt uns denn singen", sprach er, „ich singe vor und Ihr singt mir nach!" Nun war aber der Inhalt des Gesanges nichts anderes als ein scharfer Tadel gegen die Ungezogenheit der Kinder, aber auch gegen den Hausbesitzer, der ans die Ruhe seines Hauses nicht achtete. Der Hausherr erwachte nun von seinem Schlafe» kam heraus und trieb die Kinder, die durch den Tadel offenbar in sich gekehrt sind, auf leichte Weife von dannen. (Koheleth rabba, III, 2). Solche und ähnliche Dinge erfahren wir aus dem Schristthum der Alten, welches der beste Spiegel des altjüdischen Lebens ist. Die Cultnr und das Erziehrrngswesen des talmudischen Zeitalters ist noch nicht geschrieben; noch hat sich kein Mann gesunden, der für dieses Zeitalter dasselbe leisten würde, was Dr. Güdemann für das Mittelalter gethan hat. Briese von Leopold Kompert. Mitgetheill von Eduard K u l k e. Im Jahre 1861 wurde ich durch Friedrich Hebbel bei Leopold Kompert Angeführt. Es hat aber lauge gedauert, bevor es mir gelang, Kompert's Freundschaft zu erringen. Einige Jahre verstrichen, ohne daß sich ein freundschaftliches Verhältnis) zwischen uns ergeben Hütte. Dies trat erst ein, als ich ihm meine ersten Arbeiten auf dem von ihm cnltivirten Gebiete der „Ghettogeschichte" vortegen konnte. Da aber hatte ich seine Neigung rasch gewonnen, wie mit einem Zauberschlag, wie sich aus den folgenden Briefen ergeben wird. Diese Briefe sind mit Ansnahme eines einzigen, des zweiten in der hier folgenden Reihe, alle noch ungedruckt, und werden hier zum ersten Mal veröffentlicht. Ich beginne ohne weitere Einleitung mit der Mittheilung der Briefe. Für das Berftändniß des Lesers nöthige Erklärungen werde ich je am betreffenden Orte geben. I. Wien, 5. September 1866. Mein lieber Freund! Ich kann nicht sagen, ivelche Freude mir Ihr letzter Brief bereitet — und kann Ihnen nnr ans der Fülle meines Herzens dafür danken. Wenn ich nichts gethan, wenn ich keinen anderen Lohn für meine Arbeiten erlangte, als den, Sie zu meinen Freunden zu zählen, Sie zu gleichem Streben, zu gleichem Ringen angeregt zu haben, so ist mir das genug. Ich kann von mir rühmen, daß eine Kraft, wie die Ihre, aus mir gleichsam heransgekominen ist, und darauf bin ich stolz. Dazu ermächtigen mich nicht nur Ihre bisherigen Arbeiten — es ist ein merkwürdiger Zug in ihnen, eine Tradition, möchte ich sagen, "Ihrer ganzen Erziehung und Ihres ganzen ^Wesens, ein unsagbares Et. s, was mich wie auf einen Jünger sie betrachten läßt. Halten Sie das nicht für unbescheiden, Sie, der Sie mich so gut kennen, wissen, wie ich das meine! Also nochmals Dank für Ihre liebevolle Erinnerung. Sie hat mir wohlgethan, und mein erschüttertes Gemüth bedarf solchen Balsams. Ich bin vollständig Ihrer Meinung, daß die kleine Geschichte einer Ausweitung fähig tvar. Allein mir war diesmal nnr um die Anecdote zu thun. Alles Licht sollte auf den Großvater fallen — in dieser künstlerischen Beschränkung mußte ich mir diesmal genügen. Im October ziehe ich wieder zur Stadt. Da wollen wir fleißiger und intensiver beisammen fein als früher! Ich grüße Sie auf's Beste und bin wie stets Ihr Sie hvchachtender Dr. Leop. Kompert. Kompert hat Briefe an ihm nahestehende Personen vor der Absendung vermuthlich nicht durchgelesen. Daher kommt es, daß er hie und da einen laasus calami stehen gelassen, den er bei nochmaliger Durchsicht gewiß beseitigt hätte. So hätte er in der Stelle: „was mich wie auf einen Jünger Sie betrachten läßt", sicher das „auf" gestrichen. Die Stelle: „mein erschüttertes Gemüth bedarf solchen Balsams", bezieht sich auf einen Unglücksfall, der sich nicht lange vorher im Kompert'schen Hause zugetragen hatte (1865). Die „kleine Geschichte", von der in dem Briefe die Rede ist, heißt: „Wie man heiratete". Sie erschien 1866 in dem von Kompert und Wertheimer begründeten, vom Jahre 1866 an von Szänto redigirten „Jahrbuch für Israeliten". Kompert kam mannigfacher Geschäfte halber von seinem Sommeranfenthalte hie und da nach Wien: daher kommt es, daß der Brief von Wien datirt in, während er in dem Briefe davon spricht, daß er im October wieder zur Stadt znrückzieht. ll. Wien, 24. November 1867. Mein lieber Freund! Ta habe ich denn schon seit einiger Zeit Ihre Manuscripte vor mir, und — woran unser heimisches „Capua" größtentheils die Schuld trägt. — mitten in dein Wirrwarr von Geschäften, Berufen re. habe ich noch nicht die Zeit und die Stimmuug gefunden, Ihnen über Ihre poetischen Arbeiten irgend ein Wort zu schreiben. Zwar mündlich habe ich dies öfters gethan, und Sie wissen, mit welcher Genngthunng ich jedesmal in Ihnen, wenn i ch so sagen darf, gleichsam den Jünger begrüßte, der das Genre, dem ich mich widmete, m eine nt Verständnisse und m eine r Auffassung desselben zunächst kommt! Ja, lieber Kulte, ich sage Ihnen das nicht in einem Gefühle von mißverstandener Bescheidenheit oder vielmehr Anmaßung — sondern, weil ich es f ü h l e, daß Sie dichterisch mit mir auf demselben Boden stehen! Ueber Ihr Buch werde ich meine geringe Stimme erheben, wenn es erschienen sein wird, und demselben dann die volle Gerechtigkeit widerfahren lassrn. Aber schon jetzt kann ich nicht umhin zu bemerken, daß, abgesehen von einigen poetischen, wie technischen Schwächen, wohin ich namentlich die noch uichr ganz erfolgte Bewältigung des Jargons, die oft nnnöthige Anwendung desselben rechne, wo episches statt d r a m a t i s ch e s Behandeln am Platze wäre, so wie zuweilen psychologische Sprünge in der Entwicklung der Charaktere cc. — in dem Buche ein Fülle lebenswahrer und lebeusabgelauschter Gestalten sich vvrfinden. die an und für sich die Signatur des dichterischen Schaffens tragen! In unserem Genre können wir nichts erfinden, nur können nur lauschen und das Gehörte in innerer poetischen Werkstätte zu Harmonieen umgestalten. Je einfacher, schlichter, e l e m e nt a r e r diese klingen, desto bester. Und die Harmonie Ihres Buches klingt so. Möge Ihr Buch unter einen: guten Sterne in die Welt treten. Reich wird es innig freuen, wenn man Ihr Talent anerkennen und Sie unter die „Berechtigten" zahlen wird; umsomehr, da ich doch gleichsam der tammam dieses Buches war. Leben Sie wohl, mein lieber Freund Ihr Ihnen her zückst zngethaner Dr. Komvert. Diesen Brief schrieb Komvert in der ausgesprochenen Absicht, daß es mir mittels desselben gelinge, mir für mein erstes Buch: „Aus den: jüdischen Volksleben" einen Verleger zu schaffen. M i r brauchte er ja nicht zu schreiben, was er von mir halte, hatte er es nnr doch oft genug gesagt: dem Verleger aber mußte Kompert's Unheil über ein Novellenbnch auf den: Gebiete der Gliettvdichtnng impvniren. Zrvar der erste Verleger, an den ich :uich wandte, lehnte mein Anerbieten trotz dem Briefe Kompert's ab. Cvftenvenle in Jnna antwortete auf meine Offerte, er nnsse aus buchhändlerischer Erfahrung, daß Kompert's Geschichten wenig gekanst werden, er müsse solches also auch von den meinigen voraussetzeu. Am 12. Jänner 186s, ich war damals krank, kam Komvert zu mir und tröstete mich, daß ich noch reinen Verleger habe, er habe schon einen anderen in petto, an den ich mich wenden solle. Dieser andere war Richter in Hamburg. An ihn sendete ich ment Mannstript mir Kompert's Brief. Die Sache hatte den gewünschten Erfolg. Mein Buch „Aus dem jüdischen Volksleben" erschien, nachden: die einzelnen Geschichten, die es enthält, vorerst in der von Richter herausgegebenen „Reform" zum Abdruck gelangt waren, im November 1868 ivorgedruckt: 186M. Jrrthümlicher Weife war Richter der Meinung,' Kompert's Brief solle zur Empfehlung meiner „Geschichten" dem Buche als Vorrede dienen, und so druckte er den Brief auch ohne mein Wissen unter der Ueberfchrin „> statt der Vorrede)" in dem Buche ab. Ties mar mir sowohl als Kompert sehr unaugenehm: denn auch in diesem Briefe ist ein Lapsus calami stehen geblieben, welchen Komvert. hätte er deit^ Brief nochmals durchgesehen, gewiß ausgebessert haben würde. In der Stelle, „den das Genre'rc. . . . zunächst kommt", hätte er gewiß anstatt: „das Genre" — in d e m Genre — gesetzt; ebenso

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