Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 45 (6.11.1896)
- Date
- 1896-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 45 Dr. Sroch's Wochrnschrifi Seite 891 Müller im „Globus" (1895, Band 67, Seite 141): „Gibt es überhaupt reine Völker? Es gibt solche ebenso wenig als es reine Racen gibt. Es scheint hier dasselbe Verhältniß obzuwalten, wie bei den Geschlechtern und Familien. Wodurch unterscheidet sich denn ein Fürstengeschlecht von dem Geschlechte eines gemeinen Mannes? — Daß das erstere Ahnen hat, das letztere nicht. — Lächerlich! Der gemeine Mann hat ebenso gut seine Ahnen, wie der mit der Kaiser- oder Kvnigskrone gezierte Fürst. Der Unterschied besteht darin, daß man die Ahnen des Fürsten während eines bestimmten Zeitraumes dem Namen nach kennt, während die Ahnen des gemeinen Mannes dem Flamen nach ganz unbekannt sind. Wer waren die Ahnen der mit Königskronen geschmückten Fürstengeschlechter der Bernadotte und Obrenowitsch zur Zeit der Krenzzüge? Und wer weiß, welche Stellung der Urahne der Habsburger oder der Hohenzollern zur Zeit der Völkerwanderung oder gar zur Zeit des Einsalles der Cinibern ititb der Teutonen einnahm? Auf Adam, oder gar ans eine Gottheit vermag kein Geschlecht — und selbst nicht das allerdnrchlauchtigste — seinen Stammbaum znrückzuführen. Die Ahnen der Culturvölker, welche schriftliche Denkmäler hinterlassen haben, sind uns einigermaßen bekannt, während wir die Ahlten der meisten culturlosen Völker gar nicht kennen." Abergläubische Vorstellungen des russischen Volkes über die Cholera. „Die Verheerungen, welche die Cholera und Hungersnoth im russischen Volke angerichtet haben, haben in seinen Köpfen die abenteuerlichsten Vorstellungen über die Ursachen dieser Uebel hervorgerufen. Das Volk sucht sie bei seinen Feinden, als koelche bald die Jude n, bald der A d e l, bald die Gebildeten, und besonders die A e r z t e und T h i e r ä r z t e erscheinen. Diese seine Feinde gelten ihm sogleich als Feinde des Czaren; sie bilden Geheimbünde, die mit England, Deutschland und anderen Ländern der Ungläubigen in Verbindung stehen und von dort Belohnung für jeden vergifteten und lebend begrabenen Menschen empfangen. Ihre Absicht ist dabei die Verminderung der Bolkszahl, damit die Ungläubigen im Kriege gegen den Czaren um so leichteres Spiel haben. Auch die Chinesen spielen bei diesen Bemühungen eine Rolle. Dieses sonst so friedliebende Volk ist nach dem Volksglauben bestimmt, vor Beginn des Weltunterganges, der unmittelbar darauf folgen wird, die ganze Erde zu überschwemmen und zu besiegen. So erschienen überhaupt dem Volke die Leiden der Cholera und Hungersnoth als Vorboten des bevorstehenden Weltunterganges." Juden als Staar-Operateure im Mittelalter. Im Archiv für Ophthalmologie Band 11, Abtheilung 2, findet sich eine Mittheilung für die Geschichte der Operation des grauen Staars von Dr. Ullersbergrr, in der es heißt: „Bekanntlich haben die Israeliten während ihres Aufenthaltes in Egypten Wissenschaften und Künste von den Egyptern erlernt und Manches, ja man darf wohl sagen Vieles davon in die weite Welt getragen; namentlich waren es die Leviten, welches Vieles sich aneigneten. In späterer Folge wissen wir, daß selbst die Griechen den Egyptern große Geschicklichkeit im Heilen und auch in der Augenheilkunde zugestanden haben. Diesen Ruf scheinen sich die Juden als Ophthalmatiker noch zu den Zeilen der Ptolemäer und der berühmten Alexandrischen Zeitperiode erhalten zu haben. Man behauptet indessen, daß die Alexandrinische Schule die „Depression des grauen Staares" aus Asien hatte und dieselbe wesentlich verbesserte. Die wichtigste Rolle in der alten Geschichte der Operation spielt indeß unstreitig die arabische Periode, welche ich besser mauro-spanifche nennen möchte, weil die ärztlichen Celcbritäten geborene Spanier waren. Unter ihnen waren auch Juden, und dafür können wir den Ausspruch von van Unsenorts anführen; er schreibt: Es ist zu verwundern, wenn bei einer Nation wie die der Juden nirgendwo ausdrückliche Erwähnung der Augenheilkunde geschieht; es ist wenigstens denkbar, daß sie mit den Augenübeln und einigen darauf bezüglichen chirurgischen Operationen nicht unbekannt waren. Nun theilt uns Don Juan de Terreras in seiner Historia de Espanna syelo XV 10 parte, Madrid 1722, in 4. p. 218 mit. „daß Abiabar, Rabbiner aus Lerida, berühmter Arzt, Chirurg und Astrolog an König Don Juan von Arragonien im Jahre 1468 am 12. September die Staar- Operation vernichtet habe." Seine Worte sind: quien le passo la aguja en el ojo derecho, v le quitö de el las cotaractas y viendo el buen efecto dela operacion, de alli’a un mes, contra la sentencia de el medico, hizo que le ejecutasse el remedio en el ojo iz quierdo, que tuoo el misco feliz efecto, con que quidö el Rey libre de aquella molestia. (Er führte ihm die Nadel ins rechte Auge ein und nahm so den Staar hinweg. Nachdem er sich nach Ablauf eines Monats von dem guten Erfolge der Operation überzeugt hatte, führte er, selbst gegen die Meinung'des Leibarztes, dieselbe Operation auch am linken Auge aus, welche gleich glücklichen Erfolg hatte und wodurch der König von seinem Augenleiden gänzlich befreit wurde.) Wir fassen das Interesse, welches diese Auszeichnung für die Geschichte der Staar-Operalion hat, in folgende Punkte zusammen. 1. Daß die Staar-Operation unter den Arabern und Mauren Spaniens, namentlich die Depression ihren historischen Glanzpunkt feiert vom Alterthum her bis zum Mittelalter; 2. Daß diese Zest und dieses Land die Ausgangspunkte geworden sind für die Ausbreitung nach den Lander-Radien des übrigen Europaz 3. Daß die Operationen von Juden verrichtet worden, so gilt wie von "Arabern und Mazarabes (Mauro-Spaniern); 4. endlich, daß die Staar-Overatwn in jenen Zeiten nicht, wie die meisten Historiographen geschrieben, blos von umherreisendeu Staarstechern geübt worden, sondern auch von erprobten und berühmten Chirurgen. Der Untergang von Sodom und Gomorrha. Ans München berichtet die dortige „Allgemeine Zeitung" : In der öffentlichen Bersammluug der Geographischen Gesellschaft vom 9. October sprach vor einem zahlreichen Publicum Dr. M. Blanckenboru-Erlaugeu über das Todte Meer und den Untergaug von Sodom ::nd Gomorrha. Das Todte Meer entspricht der Vorstellung, die mau sich von der fluchbeladenen Stätte eines göttlichen Strafgerichts zu macheii gewohnt ist. nur zum Theil. Dem Reisenden, der von Jerusalem ans aus bequemem Wege nach JeriÄow hinnntcrsteigt und von da über die wüste Jordanebene ans Nordende desselben kommt, erscheint es eher als ein friedlicher, in seiner Art majestätischer Gebirgssee. dessen schwer zugängliche Ost- und Westufer sich in großartiger Steilbeit erheben. Sein Wasser, sechsmal so salzig als das des Oceans schmeckt widerwärtig bitter und besitzt so hohe speciffsche Schwere, daß Boote darauf leicht zum Kentern kommen. Dieser Umstand, heftige und Plötzliche Windstöße, hohe Temperatur und nugewobut hoher Lustdri ck, Unsicherheit der Ufer, endlich gifnge Schwefelstoffexhalationen. die mit Schweselthermen zahlreich am Ost- und Westufer und auch mitten im See Vorkommen, erklären zur Genüge, daß auf dem See noch keine Schifffahrt betrieben wird und daß die Ufer ein Bild trostloser Verlassenheit bieten. Am südlichen Theil des Sees, der von Hebron aus in zwei mühevollen, nahezu wasserlosen Tagemärschen erreicht wird, fällt vor Allem der sonderbare, 180 Meter hohe Dschebe! Usdnm, d. h. Sodomsberg, auf. Er besteht in seinem unteren Drittel durchaus aus reinem Steinsalz, dessen rasche Verwitterung nicht selten sänlensörmige Stücke stehen läßt, die von weitem an menschliche, besonders an weibliche Gestalten erinnern (Lots Weib). Das Südufer des hier nur 1 bis 6 Meter tiefen Sees nimmt der schwer passirbare, mit einer Salzkruste bedeckte Morast Sebcha ein. und hier werfen die Wellen mitunter knollenförmige Stücke von Schwefel und reinem Asphalt ans. Die Entstehung des Tobten Meeres begann gegen Ende der Tertiärperiode mit der Bildung des großen Systems meridionaler Spalten, die vom Nyassa-See in Afrika bis zum kleinasiatischen Taurus nachgewiesen sind. An diesen Svalten sanken einzelne schollenförmige Stücke der Erdkruste in die Tie'e, so daß grabensörmige Thalzüge entstanden, die jetzt zum Theil mit Wasser ansgefüllt sind, wie der Nyassa, Tanganyika, Sambnni. das Rothe Meer und das Ghor oder die Jordanebene mit dem Todten Meer. Letzteres, die tiefste aller genannten Einsenkungen (400 Meter unter dem Spiegel des Mittelineers), stand während der Diluvialzeir in niederschlagsreichen Perioden, die unseren Eiszeiten entsprechen dürften, in höherem Niveau als jetzt, wie die Diluvialstraßen der Jordanebene und Geröllablagerungen auf dem Dschebal-Ilsdum zeigen. Dcr Untergang von Sodom und Gomorrha erfolgte erst in der Alluvial- oder geologischen Neuzeit. Südlich von der Halbinsel Lnan muß statt der ietzigen Südbncht des Sees einst eine fruchtbare Thalebene mit den Städten Sodom. Gomorrha u. a. gelegen haben, und diese sank wahrscheinlich unter heftigen Erdbeben, nicht aber unter vulkanischen Ernvtionserscheinungen, längs der erwähnten Svalten bis unter das Seenivean. Während der Senkung entzündeten sich durch Reibung oder Blitzschlag die an vielen Stellen emvordringenden brennbaren Stoffe, insbesondere Asphalt- und Erdölmassen, so daß ein ungeheures Flammenmeer die ganze Gegend bedeckte und „ein Ranch ausging, wie ein Rauch vom Ofen." In der geographischen Zeitschrift „Kosmos" veröffentlicht der Naturforscher P. Courbet folgende Mittheilnng: Als unlängst in Gegenwart des Fürsten von Monaco ein Eachelot mit der Harpune gefangen wurde und vor seinem Ende riesig? Tintenfische lebend answarf. erinnerte der genannte Forscher an eine Fahrt des englischen Walfischfängers ^8tar ot the East“ in den Gewässern der Malvinen- (Malonines-) Insel. Ein gewaltiger Wal kam dem Schiffe in Sicht. Man setzte zwei Boote aus, um ihn ainngrei'fen, und das Thier wurde mit der Harpune tödtlich getroffen. Bei seinen letzten Zuckungen traf der Fisch das eine Boot mit einem Schwanzhiebe, so daß die Mannschaft ins Wasser fiel; sie wurde bis ans zwei Mann gerettet. Den Leichnam des ersten fand man im Wasser, der des anderen, James Bartley blieb verschwunden. An Bord öffnete man (nach 24 stün'oiger Arbeit, die das Zerschneiden des Walfisches in Anspruch genommen hatte) den Leib des Unthiers und fand den verschwundenen Matrosen James Bartley, ohnmächtig aber noch lebend! Man hatte viel Mühe, ihn wieder zu sich zu bringen. Erst nach drei Wochen kehrte seine Erinnerung zurück, und er erzählte, daß er sich noch sehr wohl des Augenblicks erinnere, wo der Walfisch ihn in die Lus