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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45 Vr. Vloch's WochrnMrM. Seite 889 An der städtischen Volksschule in der Wasnergasse (Brigittenau) wirkt der städtische Nnterlehrer Herr Joses Faltits ch e k. Er ist wohl nur Jude, aber merkwürdiger Weise ist er doch ein edler Mensch! Sind da katholische Kinder im Bezirke, die durch Krüppelhaftigkeit, Epilepsie rc. die Schule nicht besuchen können. Herr F a l t i t s ch e k, der selbst eine zahlreiche Familie hat und mit seinem bescheidenen Gehalt als Unterlehrer um seine Existenz zu kämpfen hat, ertheilt seit vielen Jahren diesen Kindern Privatunterricht, er opfert ihm aber nicht nur seine Zeit, er müht und plagt sich nicht nur unentgeltlich, er bringt auch den armen, kranken Schülern materielle Opfer, er unterstützt sie reichlich mit Allem und Jedem. Und wie sehr ist dieser Mann bedankt! Es ist geradezu rührend! Den arischen Cvllegen an feiner Schule fällt es nicht ein, derartigen luxr riösen edlen Anivandlungen sich hiuzugeben; allein sie sind trotzdem befördert worden, obwohl sie kaum die Hälfte der Dienstzeit Nachweisen konnten. Herr Faltits chek dient wohl schon 12 Jahre, wird stets mit Auszeichnung qualificirt, erhält alljährlich für seine außerordentlichen Dienstleistungen seitens des Bezirksschulrathes ein Anerkennungsdecret — aber er ist halt doch ein Jude und der Gemeinderath ernennt lieber Arier mit fünf Dienstjahren zu Lehrern. Warum wohl Herr Faltits chek sein humanitäres Wirken fortübt? Er ist halt nur Jude! Da hat es fein arischer College Herr Josef A d a m e tz schon etwas gescheidter angepackt, um rasch CarriLre zu machen. Er verstand es, den Turnunterricht seiner Schüler zu beleben. Wenn ihm die Laune ankam, nahm er so ein armes, schwaches Kind, hing es mit beiden Händen an den zwei Ringen und zog diese bis zum Plafond in die Höhe. Das neunjährige Kind schwebte so 10 Meter hoch in der Luft. Erst als der edle Arier merkte, daß das Kind fast ohnmächtig vor Angst wurde, ließ er es wieder herab; oder: er löste den eigenen Leibriemen, schnallte ihn einem Kinde um den Leib und hing das Kind an diesem Riemen an einem an der Wand befindlichen Haken auf! Dieser Muster-Pädagoge wurde — wahrscheinlich wegen seiner Befähigung fürdiverse Torturkenntniß — schon nach dreijähriger Dienstzeit zum definitiven Lehrer ernannt; sein jüdischer College, Herr Faltits chek, dient, schon 12 Jahre, ohne befördert zu werden. Wir nennen diesmal Namen, weil wir denken, Herr Josef A d a m e tz könnte jetzt zunl Oberlehrer ernannt werden, weil die humanitäre Propaganda des Herrn Josef A d a m e tz es ermöglicht hat, daß die Neuschnle die P. T. Herren Josef Ieschek ausbilden konnte. Der k. k. Armenarzt Dr. S. K o h n ist von der humanen Idee durchdrungen, es müsse der Schule bei plötzlichen Erkrankungen oder Unfällen ermöglicht werden, helfend einzugreifen. Er verfaßt hiezu instructive Tabellen für die Lehrer, läßt diese auf eigene Kosten — es beanspruchte dies eine bedeutende Geldsumme — drucken und schenkt die ganze Auflage dem „Deutsch-österreichischen Lehrerbund", dem der volle Bruttoertrag zufallen sollte. Er stellt ferner einen Rettungskasten zu diesem Zwecke zusammen und sorgt dafür, daß jede Schule einen solchen Kasten unentgeltlich erhält. Der humane jüdische Arzt glaubte, es könne ein Jude nur so etwas Nützliches erfinden! Die Tabellen und der Rettungskasten fanden merkwürdiger Weise selbst bei den arischen Lehrern, bei der Schulbehörde allgemeine Anerkennung, aber eingeführt durften sie doch nicht werden. Obwohl diese Negirung seitens der maßgebenden Faetoren, die dein Herrn Dr. S. K o h u gegenüber geübt wurde, auch einem Dr. Peter Zapfel gegolten hätte? In der Kaiser-Jofefstraße wohnt der jüdische Arzt Doctor Moriz B r a it n. Der Edelsinn chieses Menschenfremldes kennt keine Grenzen. Tag und Nacht widmet er der armen leidenden Menschheit. Tausende Arier hat er nicht nur ärztlich behandelt, er bringt auch feinen armen Patienten die größten materiellen Opfer. Noch nie hat er einen armen Arier seine ärztliche Hilfe verweigert, noch nie hat er es unterlassen, feinen Kranken in Wort und That beizustehen, stets hat er eine offene Hand für Anschaffung von Medicin, für Herbeischaffung stärkender Kost rc. Man kann kühn behaupten : Herr Dr. Moriz B r a u n ist der populärste Arzt Wiens. Nun, fragt diesen edlen, uneigennützigen, aufopfernden Menschenfreund, welchen Dank er von arischer Seite geerntet, und ihr werdet hören, daß die p t. Herren und Damen arischer Race jetzt der Meinung sind und sie auch unverholen äußern, der Jude sei überhaupt nur zum Dienste des Ariers da; fragt nur Herrn Dr. M. Brau n, wie ihm jene gedankt, die ihn als ihren größten Wohlthäter und Lebensretter gepriesen! Warum Herr Dr. Braun trotz all des kränkenden, unglaublichen Undankes fort und fort in gleicher unverminderter Humanität wirtt, warum er ttotz alledem Alles: Zeit, Geld, Gesundheit, seinen armen Kranken, „ohne Unterschied der Confession" widmet? und ihr werdet kurz die Antwort hören: „Ich bin Jude!" Da draußen in Ottakring liegt ein armer Jude todtkrank darnieder. Der Arzt verordnet dringend Eiscomprefsen. Die Frau des kranken Juden begibt sich in das dem Ottakringer Bräuhause gegenüberliegende Gasthaus und bittet hier um 20 kr. Eis. Als der Wirth hört, zu welchem Zwecke dieses Eis verwendet werden soll, brüllt er: „Der I u d' soll crepiren, i' Hab' k a Eis für an S a u j u d e n!" Die arme Jüdin erhielt das Eis gleich darauf im Ottakringer Brauhause. Es ist uns selbstverständlich nicht möglich, all die Hunderte Fälle anzusühren, die täglich den Beweis erbringen, daß die. Neuschule es unterlassen, die allgemeine Humanität zu heben, ja, daß wir es der interconfessionellen Schule zu danken haben, daß in Folge der herrschenden Mode, „ohne Unterschied der Confeffion" zu wirken, die jüdischen Armen und Nothleidenden arg gefährdet sind, daß unsere arme jüdische Schuljugend, der jüdische Kranke, der jüdische Arme, die jüdische Witwe, die jüdische Waise entbehren und darben muß, weil der Jude mit vollen Händen sein Geld ausstreut für Zwecke, die wohl „ohne Unterschied der Confession" gewidmet find, aber für Juden nie verwendet werden. Lieber Leser, der Du noch die vielverlästerte confeffiouelle Schule besucht hast, kannst Du Dich erinnern, je jüdische Kinder in so entsetzlichem Elend gesehen zu haben? Da wartete man nicht auf Weihnachten oder Chanuka; wenn es kalt wurde, erhielten die armen Kleinen Kleidung und Schuhe: da gab es keine Volksküche, aber in jedem jüdischen Hause saßen ein oder auch mehrere „Bocher l" im Kreise der jüdischen Familien, sie erhielten ihre „Kosttage", sie bekamen reichlich Frühstück, Mittag- und Abendmahl. — Wir erhielten wohl manchem Backenstreich und auch das Ohrläppchen wurde von manchen Lehrer in Mitleidenschaft gezogen, aber an Händen zum Plafond gezogen, oder gar an einem Leibriemen aufgehängt — diese Strafen erfand erst die vielgepriesene Neuschule, hiezu hat der jüdische Lehrer kein Herz — solcher Rohheit kann nur ein arischer Nachkomme der Jnquisitionszeit fähig sein. Jüdische Analphabeten gab es nie in nenn.'uswercher Anzahl. Entsprossen unsere großen Männer, die Zierde des Jndenthums, der Neuschule? Haben unsere großen Humanisten, unsere edlen Denker, die großherzigen Philantropen in der Nenschnle gesessen? Wo haben K u r a n d a, G o l d m a r k, F r a n k l, K o m p e r t, und wie sie all die großen Geister heißen, ihr vielseitiges Wissen gesammelt? Woher haben alle jene Männer, die heute an der Spitze unseres Gemeinwesens stehen, ihr Wissen, ihre Bildung? Wo sind die großen jüdischen Geister, die die Neuschule hervorgebracht? — Hat etwa der größte Philantrop der Welt, Baron H i r f ch, seine Herzensbildung der Neuschule zu danken? Beweisen nicht gerade die Stiftungen dieses einzig dastehenden Mannes, welchen Weg die Juden einschlagen sollten? Gewiß, der Jude muß lernen, Vieles, Alles; doch dazu bedarf es keiner interconfessionellen Schule, er hat stets in der alten Schule gelernt und wird es in Zukunft bei den Fortschritten unserer Pädagogik, bei den Ansprüchen die der Fortschritt verlangt, in viel erhöhterem Maße, gründlicher und besser in einer c o n f e s s i o n e l l e n Schule lernen. Dem Judenthunle war es einst beschieden, die Principien der Ethik und der Moral, die Grundlagen für Gesittung und Wahrheit zu verbreiten; vom Sinai aus trugen die Juden das einzig Gute und Wahre in alle Welt! Gewaltige Uurwälzungen haben sich seitdem auf dem Erdenrund vollzogen; Völker entstanden und verschwanden; Länder wurden gegründet und zerstört; Bildung und Wissen haben einen immensen Aufschwung genommen — und wiederum sehen wir Anzeichen, die auf welterschütternde Ereignisse hindeuten. Die Reaction macht sich allenthalben und in allen Zweigen breit, wiederum ist der Jnde das Versuchskaninchen zur Aufwühlung der Volksmassen, wiederum ist es der Jude, der das Mitte l zum % w eck liefern muß. Der diesmalige Zweck ist vorläufig die „confeffionelle Schule". Und wiederum tritt an die Juden die schwere, aber schöne Aufgabe heran, eine ftiedliche Vermittlung anzubahnen.

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