Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 44 (30.10.1896)
- Date
- 1896-10-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021160--06132-3030400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
Seite 882 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 44 Rom. Der König von Italien hat dem Maler Josef Israels die Insignien eines Commandenrs des italienischen Kronenordens verliehen. Rom. Der Oberste Gerichtshof hat eine interessante Entscheidung getroffen. Die Synagogen des alten Ghetto waren nämlich dem Untergange bestimmt worden. Der Nichterspruch lautet nun folgendermaßen: Die Synagogen sind Eigenthum der Gemeinde, folglich hat die Stadt fein Recht, die Gebäude zu demoliren. Marokko. Die hiesige „Gazette" und der „Tangier Chronicle" theilen mit, daß das Feuer in Fez nur einen Theil, des jüdischen Viertels, etwa 120 elende Hütten zerstört habe. Circa 500 Personen haben Alles verloren, was sie besaßen. Die Alliance Israelite Universelle hat 15.000 Francs, die Seffro- Juden haben 100 Dollars gezeichnet. Palästina. Herr F r a n k, Jnspector der Einwanderercolonien in Syrien und Herr Ossa m e tz k y, Director der Colonie Rosh Pinah, haben vom Sultan den Medschidje-Orden vierter Classe erhalten. Rhodes. Ein Jude, Loas Effendi M e n a s s e, ist zum Vorsitzenden des Stadtrathes ernannt worden. — Seit einigen Jahren schon ist ebenfalls ein Jude Vertreter der Regierung. London. Der Justizminister hat das Parlamentsmitglied H. Marks zum Friedensrichter für die Graffchaft Kent ernannt. Sunderland. Unter den Gästen, welche zum Empfang des Bischofs von Durham gelegentlich seines Besuches in Sunderland eingeladen wurden, befand sich auch Seiner Ehrwürden. I. Phillips. August« (Georgia, Amerika). Die neue orthodoxe Gemeinde Ieschurun weihte vergangene Woche ihre Synagoge ein. Chester (Pennsylvanien, Amerika). Der hiesige Fleischer Josef Hurst wurde arrettrt, weil er am Sonntag Fleisch aushackte und verkaufte. Der Gerichtshof sprach ihn frei vom Vergehen gegen die Sonntagsruhe und verurtheilte die Anklage zur Tragung der Kosten. New-Iork. Vergangene Woche gerieth eine Succah in Brand, und ein Wachmann brachte diese in folgender ergötzlicher Weise zur Anzeige: Ein Feuer in Exsese stteet 31, dadurch verursacht, daß Jemand einen Weihnachtsbanni in Brand steckte. Soerabaya (Ostindien). Der König von Siam besuchte die große Diamarttschleiferei des Herrn Wolf, dem er einige Zeit darauf als Zeichen seiner Anerkennung ftir die ihm erwiesene Aufmerksamkeit und Liebenswürdigkeit ein goldenes, kostbares Breloque sandte. Rew-Aork. Ein interessantes Schauspiel bot während der letzten Feiertage der Gottesdienst der Juden in Fordham. Sie hatten zwei Chasonim und eine Chasante. Diese leitete förmlich den Gottesdienst bei den Frauen, wie es ihr Mann bei den Männern that und schien Melodien und Gebete so gut zu verstehen, wie ihr Ehegespons. Das erinnert an die Alt- Neuschul in Prag, die wegen ihres weiblichen Chasan sich einstens großer Berühmtheit erfreute. Dieser pflegte von Zeit zu Zeit den Vorhang zu lüften, der die Frauen von der Männerabtheilung tremtte, um sich zu vergewissern, bei welchem Gebete sie hielten. St. Louis. Vergangene Woche wurde die Abendschule des Jüdischen Vereines eröffnet. Dieselbe hat den Zweck, Neuangekommenen Glaubensgenossen die englische Sprache zu lehren. Cape May (Nordamerika). In der landwirthschaftlichen Ausstellung erhielten die ersten Preise für Geflügel, Gemüse und Obst jüdische Bauern der Woodbine-Colonie. Diese Colonie, welche nun gegen 900 Seelen zählt, hatte Heuer eine sehr ergiebige Ernte. _ Feuilleton. Der König der Schnorrer. Von I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Während der sephardische Schnorrer seine Kaffeetasse aus Wilkinson's Händen entgegennahm, ergriff sie die Gelegenheit, ihren Gatten darüber zu befragen, und er war so schwach, sie in ihrer Illusion zu unterstützen. Er wußte, es hatte keine Gefahr, daß Manasse's Bettlerstand zu Tage treten könne; von den Lippen dieses Herrn würde schwerlich ein Ausdruck der Dankbarkeit fallen. Er gab ihr sogar zn verstehen, daß Da Costa sich so schäbig kleide, um seinen armen Freund zu schonen. Nichtsdestoweniger empfand Frau Grobstock, obwohl sie für solche Don Quixoterien Bewunderung empfand, einen gewissen Aerger darüber, daß man sie mithineinzog. Sie hatte das Gefühl, daß eine solche Wohlthätigkeit zu Hause beginnen und enden müsse. „Ich sehe, Ihr habt mir ein Stück Lachs aufgehoben", sagte Manasse, seinen Fisch anmachend. „Was für ein Lachs war das?" fragte die Wirthin, die Ohren spitzend. „Der, den ich am Mittwoch von Herrn Da Costa bekam", siel der Wirth ein. „Oh der! Der war köstlich. Es war wirklich sehr liebenswürdig von Euch, Herr Da Costa, uns ein so hübsches Geschenk zu machen", sprach die Wirthin, deren Aerger abnahni. „Wir hatten gestern Gesellschaft, und Alles lobte ihn so, bis nichts davon übrig war. Das ist ein Anderer, aber ich hoffe, er schmeckt Euch auch", schloß sie ängstlich. „Ja, er ist sehr gut, sehr gut. Wirklich,, ich kann mich nicht erinnern, wv ich einen besseren gegessen habe, ausgenommen bei deni Präsidenten der Deputadvs. Aber Jankele ist ein Fischkenner, der nicht leicht zufriedenzustellen ist. Was meint Ihr, Jankele?" Jankele gab schmatzend einen undeutlichen Billigungslaut von sich. „Nehmt Euch noch etwas Butterbrot, Jankele", sagte Manasse. „Thnt, als wenn Ihr zu Hause wäret — vergeßt nicht, Ihr seid mein Gast." Still fügte er hinzu: „Die andere Gabel." Grobstock's Gereiztheit machte sich in der Klage Luft, daß dem Salat Essig fehle. „Wie kannst Du das sagen? Er ist großartig", sprach Frau Grobstock. „Salat ist die Specialität der Köchin." Manasse kostete ihn mit kritischer Miene. „Bei Salat muß man mich fragen", sagte er. „Essig fehlt nicht, aber ein bischen Oel mehr könnte sicherlich nicht schaden", lautete sei): Verdict. „Oh, Niernand kam: Salat so annmachen, wie Hyman." Hyman's, des koscheren Koches, Ruhm, der die großen Diners in der Londoner Taverne leitete, war bis zn Frau Grobstock's Ohren gedrungen und machte großen Eindruck auf sie. „Man sagt, sein Backwerk soll so gut sein", bemerkte sie, um zu zeigen, daß sie auf dem Laufenden sei. „Ja", sagte Manasse, „in Hefenteig und in Blätterteig steht er einzig da." . „Die Torten unserer Köchin sind gerade so gut", rief Grobstock unwillig. „Das werden wir sehen", a::twortete Manasse vorsichtig. „Freilich, Mandelkuchen kann Hyman selber nicht besser machen, als die, die ich von meinem Vetter Barzillai von Fenchurch Stteet bekomme." „Euer Vetter?" rief Grobstock. „Der westindische Kaufherr?" „Ja wohl — früher in Barbadoes. Auf jeden Fall aber versteht Eure Köchin, Kaffee zn machen, obwohl ich Euch sage, daß Ihr ihn nicht direct von der Plantage bezieht, wie die Vorsteher meiner Synagoge." Grobstock wurde wieder einmal von der Neugierde gestachelt, die Jdelltität des Schnorrers zu erfahren. „Ihr werft :nir vor, daß ich steinerne Fig::ren in meinem Hause habe", sagte er kühn. „Wozu habt Ihr dann Löwen vor dem Eurigen?" „Ich habe keine Löwen", sagte Manasse. „Wilkinson hat es mir erzählt. Nicht wahr, Wilkinson?" „Wilkinson ist ein Verleumder. Das war das Ha::s von Nathaniel Furtado." Grobstock begann vor Kränkung zu ersticken. Er begriff sofort, daß der Schnorrer die Kleider einfach direct zu einem reicher: Kleiderhändler hatte ttagen lassen. „Nehmt Euch in Acht", rief der Schnorrer ängstlich, „Ihr spritzt die Sauce über die ganze Weste, ohne Rücksicht auf mich." Josef bezähmte sich mit einer heftigen Ansttengnng. Eine offene Discussion hätte seiner Frau die Sachlage verrathen, und er war bereits in Lügen zu tief versttickt. Aber es gelang ihm, Manasse zornig zuzuflüstern: „Warum habt ihr Wilkinson gesagt, ich hätte ihm befohlen, Euren Koffer zn tragen?"