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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-30 · 44 (30.10.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
44 (30.10.1896)
Date
1896-10-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 880 Nr. 44 Dr. Block s Wochrnlckrift. hat ein für die deutsche Industrie und besonders für Berlin im Großen und Ganzen segensreiches Unternehmen seinen Abschluß gefunden, an dem sich unsere Glaubensgenossen in hervorragendem Maße betheiligt haben. Natürlich benutzte die antisemitische Hetzpresse die Preisvertheilung bereits vorher zu allerhand Pöbeleien und Einschüchterungen. Gerade deshalb werden wir aber auch nach erfolgter Veröffentlichung der Preise den Antheil der Juden festzustelleu haben. Wie bereits bekannt, hat Herr Commerzienrath Goldberger den Kronenorden III. Classe erhalten. Von den schon zur Vertheilung gelangten 28 goldenen Medaillen ist eine den Tabak- und Cigarrenfabrikanten Loeser und Wolf, eine der Maschinen- und Waffenfabrik Ludwig Löwe zugetheilt werden. Paris. Bei den Wahlen zum Central - Consiftoriunr in Paris wurde im ersten Mahlgang kein Resultat erzielt, da nicht die genügende Stimmeuanzahl vorhanden war. In Paris haben von 3043 Wählern nur 459 gewählt, in der Provinz von 477 Wählern 215. Die meisten Stimmen erhielten Baron Gustav Rothschild, Advocat N. Leven, Ernst Mayer und General See. Am 25. d. M. findet deshalb eine nochmalige Wahl statt. Kolo. Monsignor F l a v i a n, der Erzbischof von Warschau inspicirte die Kirchen des Gouvernement Kalisch und empfing in Kolo eine Deputation der dortigen Juden, welche ihm eine hebräische Bibel im Manuscript, auf Seide geschrieben und kostbar eingebunden, überreichte. Gerührt dankte der Erzbischof: „Ich danke Ihnen von ganzen! Herzen für den warmen Empfang. Die Bibel ist uns so heilig wie Euch, sie ist es, die Christen und Juden geistige Nahrung gibt. Ich weiß, daß Ihre Lage jetzt eine sehr traurige ist, aber ich hoffe, es werden bessere Zeiten kommen. Möge unser aller Gott Euch segnen, möge er Euch Euere Sorgen erleichtern und Euer Leben weniger schmerzensreich gestalten." London. (Juden im e n g l i.s ch e n H e e r.) Das statistische Jahrbuch des britischen Heeres über das Jahr 1895, das vor einigen Tagen erschienen ist, enthält mehrere interessante Daten in Bezug auf Juden im englischen Heer. Vor Alle».! verdienen die großen Erfolge des Obersten G o l d s m i d verzeichnet zu werden. Oberst G o l d s m i d ist in Cardiff stationirt, und es gelang ihm, 503 Recruten für den Armeedienft auszubilden, welche alle die Schlußprüfnng zur definitiven Aufnahme in den Dienst trefflich bestanden, während der sonstige Durchschnitt der approbirten Recruten pro Regiment nur 237 betrug. Ein Vergleich mit den Daten früherer Jahre zeigt uns, daß die Zahl jüdischer Soldaten in stetiger Zunahme begriffen ist, und es erfüllt uns mit Stolz, constatiren zu können, daß sich alle ohne Ausnahme die Zufriedenheit und das Lob ihrer Vorgesetzten in hohem Grade erwerben. In einer der letzten Nummern der „Admiralitäts- und Cavallerie-Zeitung" („Admiiaity and florse-Guard Gazette“) wird in officieller Weise der jüdischen Soldaten auf das Schmeichelhafteste gedacht. „Wir haben unter den Officieren der britischen Armee", sagt das genannte Blatt, „einige Angehörige jenes Stammes, welcher, wie wir aus der biblischen Geschichte wissen, ein so ausgezeichnetes Kriegermaterial lieferte. E s i st s e h r z u bedauern, daß wir ihrer nur so wenige haben, denn es ist ja beinahe ein Gemeinplatz, wenn wir sagen, daß der Jude jede Laufbahn, die er einschlägt, mit Ausdauer und Glück verfolgt. Gleichviel, ob der Unterschied zwischen Juden und Christen auf dem Bekenntnisse beruht oder im Blute begründet ist, der jüdische Soldat im englischen Heere steht in keinem Punkte seinen christlichen Cameraden nach. Wir wiederholen es: „Je mehr Juden im englischen Heere, desto besser."" London. (C o n g r e ß der S o nn t a g s v ereine.) Der dritte Congreß der Sonntagsvereine wurde vergangene Woche in Newcastle-on-Tyne abgehalten; er ist auch für die jüdische Gemeinde von großem Interesse. Vicepräsidenten des Congreffes waren die Herren H- H- Mark s, F. D. M oc a t t a, H. H. Raphael, Oswald I. Simon, M. E. S a l o m o n. Unter den Vortragenden befand sich auch der Herausgeber des in Leeds erscheinenden jüdischen Wochenblattes „The Jewish Expreß", W. Gavazzi Ring, der über „Abhaltung von Sonntagsvorträgen" sprach. Stockholm. Dr. Klein, dem hiesigen Rabbiner und Professor an der Universität Upsala, ist eine große Auszeichnung zutheil geworden. Seine Majestät der König von Schweden und Norwegen hat ihn ersucht, über den Ursprung des Christen- und Judenthums und über die jüdische Philosophie eine Reihe von Vorträgen im Palaste zu halten, um ihn und ein auserlesenes Publicum über diese interessanten Themata zu unterrichten. — Ein ähnliches Ereigniß fand vor vielen Jahren in Bukarest statt, als der König von Rumänien einer Vorlesung über rumänische Geschichte beiwohnte, welche Dr. Gaster im Parlainente den Mitgliedern des Senats und der Deputirtenkammer hielt. Vermischtes. Wien, 28. October. (Zu den b e v o r st e h e u b e it L a n d t a g s w a h l e n.) Kein Zweifel: Das Auftreten der socialpolitifchen Wahlactiv!r und Candidaturen im I. Bezirke hat einen frischen, gesunden Zug in die Bewegung gebracht, die sich mit neuem Geiste zu Men scheint. So entstammen kleinen Anfängen große Wirkungen, denn wir müssen gerechterweise und mit Befriedigung constatiren, daß es die in der Plenarversammlung des „Politischen Bo l k s v e r e i n e s" vom 14. September gefaßte und verkündigte Resolution ist, welche den Ausgangspunkt der neuen Richtung bildet. Damals und in dieser Resolution wurde das erste Mal von einem ansehnlichen Theile der jüdischen Wählerschaft über Initiative und Antrag des Vereinspräsidenten Dr. F i a l l a das so lange ersehnte und erlösende Wort laut ausgesprochen, daß wir mit dieser sogenannten liberalen oder fortschrittlichen Partei nimmer gehen werden und uns bezüglich unseres positiven Verhaltens unsere Beschlüsse Vorbehalten. So verkündigten wir der Welt, daß eine des Anschlusses bedürftige, an Zahl und Gewicht bedeutsame Wählerschaft des geeigneten Freiers, der würdigen politischen Neubildung harre, um sich ihr anzuschließen, und diesen Ruf wiederholte die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" in ihrer brieflichen Ablehnung an das liberale Central-Wahlcomite, sowie in ihrer Plenarversammlung vom 26. September. Und sich bewußt eines verläßlicheir Hinterlandes, nicht zweifelnd, daß die Verkündigung der Grundsätze des wahrhaften Freisinnes ein lebhaftes Echo in diesen Wählerkreisen fittbeit werden, trat die socialpolitische Gruppe auf den Plan und macht — Eroberungen. In consequenter Haltung und in logischer Fortbildung seiner Resolution vom 14. September hat nunmehr der Vorstand des Politischen Volksvereines seinen A n s ch l u ß an das socialpolitische Actionscomit« und dessen Candidaten bebeschlossen, als seine D e l e g i r t e n in dieses Comite die Herren Universitätsdocent Dr. S. F e i l b o g e n und Hof- und Gerichtsadvocat Dr. M a r c e l l H o s f m a n n entsendet und wird überdies behufs Verständigung mit seinen Vereinsmitgliedern für die allernächsten Tage eine Plenarversammlung einberufen, in welcher das Thema: „I u d e n t h u m und S o c i a l- Politik" die Tagesordnung bilden wird. Wien. Die soeben vom Vorstände der Cultusgemeinde zur Versendung gelangenden Wählerlisten für die heurigen Vorstandswahlen liefern einen glänzenden Beweis für die Leistungsfähigkeit jüdischer Beamten und jüdischer Gewerbetreibender. , Zusammengestellt unter der Leitung des vieljährig erprobten, umsichtigen und steißigen Gemeindecasfiers, gedruckt in der renommirten Officin der leistungsfähigen Firma Stern und Steiner, enthalten diese Listen nahezu 12.000 Wähler, alphabetisch geordnet, innerhalb 9 Wahlsectionen und entsprechen durch ihre Uebersichtlichkeit und Vollständigkeit, insbesondere durch die Aufnahme der Adressen einen! langjährig gehegten Wunsche der Gemeindemitglieder. Wir gratulireü der Gemeinde und ihren: Vorstande zu dem obenerwähnten tüchtigen Beamten. E. B. Wien. (V e r m ä l u n g.) Im Tempel der Seitenflettengasse findet am 8. November d. I. die Vermälung des Frl. Lili Hellman n, Tochter des Bankdirectors Herrn Bernhard Hellmann, mit dem Großindustriellen Herrn Fritz Wärndorfer statt. An dem Familienfeste nehmen weiteste Kreise der Gemeinde das lebhafteste Interesse. Wien. (T r a u u n g.) Dienstag den 3. November findet um '42 Uhr Nachmittags im israelitischen Bethause II., Große Schiffgasse Nr. 8 die Trauung des Herrn I. U. Dr. Isidor I e i t e l e s mit Fräulein Esther B o n d i, Tochter des Herrn Markus Bondi, statt. Wien. (V e r l o b u n g.) Fräulein Rudolphine T h o m aus Lemberg, Tochter des Großindustriellen und Gutsbesitzers Herrn Leo Thom und der Frau Babette Thom, hat sich mit Herrn Wilhelm B i e l s z o w s k y, Rittergutsbesitzer aus Keßburg in Westpreußen verlobt.

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