Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 44 (30.10.1896)
- Date
- 1896-10-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 44 Dr. V!och's Wochensrtzrifi. Seite 879 Segen aus den Jubilar herab. Mit herzlicher Theilnahme stimmten sämmtliche Ltnwesenden — auch t>ie Frauengalerie war vollständig besetzt — zum Schlüsse in das „Amen" ein. Nach dem Hont Cantor und Chor vorgetragenen Abendgebet begleitete der Vorstand den Jubelgreis in dessen Wohnung. Die Tempelseier nahm einen erhebenden Verlaus. Tagsüber kamen Gratulanten, schriftliche und telegraphische Glückwünsche aus Nah und Fern, welche beweisen, welche Verehrung und Achtung der Jubilar genießt. Am Abend versammelten sich Vorstand, Functionäre, Verwandte und Verehrer des Jubelgreises bei einem von dessen Sohn Herrn Julius Goldmann veranstalteten Festbanket, bei welchem es sehr animirt herging und an entsprechenden Toasten nicht fehlte. Auch die Arbeiter der Schuhfabrik beglückwünschten den Jubilar mit Entsendung einer Deputation und Ueberreichnng eines Gruppenbildes derselben und schönen Blumenspenden. Podhafee. (Ein ch r i st l i ch e r Wo .h l t h ä t e r.) Man schreibt uns ans Podhajec in Galizien: „In unserer von Haß und Versolgungssucht erfüllten Zeit muß es doppelt erfreulich wirken, von einem Aete edelster Humanität Kenntniß zu erlangen, durch den ein christlicher Wohlthäter eine arme jüdische Familie vom Rande des Abgrundes rettete. Vor drei Jahren kamen zwei arme jüdische Familien, die aus Rußland vertrieben wurden, hieher und pachteten von dem Podhajecer Gutsherrn einige hundert Joch Acker. Mißernten und andere Schicksalsschläge brachten die beiden Familien an den Bettelstab. Die Gläubiger ließen die Armen unter Sequester stellen und deren Noth und Elend stieg nun bis zum Aeußersten. Sie waren buchstäblich dem Verhungern nahe. Gerührt durch ihr trauriges Schicksal nahm sich ein edler christlicher Gutsbesitzer, Doctor W a l e r s k i, ihrer an und half ihnen in geradezu überwältigend großmüthiger Weise. Er befriedigte die Gläubiger der Unglücklichen, veranlaßte, daß die Sequestation ausgehoben wurde, und hals i h n e 11. b i s zur d i e s j ä h r i g e n E r n t e, indem er sie aus eigenen Mitteln erhielt. Der edle Mann, dessen Name hier von allen Inden gepriesen und gesegnet wird, hat durch seine thatkräftige Güte zwei Familien vom Verderben, vom Untergang gerettet. Möchte doch dieses rührende Beispiel von Humanität, die durch keinerlei confessionelle Vornrtheile getrübt wird, erhebend und läuternd wirken. . Budtveis. Die hiesige „D e u t s ch e L i e d e r t a f e I" hat zwei ihrer Mitglieder, welche öffentlich und insbesondere in der Presse für den Antisemitismus agitatorisch thätig waren, aus dem Vereine ausgeschlossen. Die Ausgeschlossenen sind der Lieutenanr in der Reserve Leopold S ch w e i g h o f e r, ein Sohn des verstorbenen Großhändlers gleichen Namens, und der Catechet an der hiesigen Bürgerschule Pater Johann F o l t i n, welcher bekanntlich anläßlich des Empfanges Dr. Lueger's in Budweis eine nichts weniger als rühmliche Rolle gespielt hat. Der Ausfchließungsantrag war vom Vorstande der Liedertafel gestellt worden, nachdem sämmtliche Mitglieder desselben dafür gestimmt hatten. Gleichzeitig war von 56 ausübenden Vereinsmitgliedern der gleiche Antrag schriftlich eingebracht worden. In der Vollversammlung der Liedertafel wurde der Antrag auf Ausschließung der beiden Genannten damit begründet, daß dieselben durch ihre Agitationen das Deutschthum in Budweis auf d a s S ch w e r st e s ch ä d i g e n; da die „Liedertafel" laut ihren Satzungen außer den Kunstinteressen auch die nationale Sache zu fördern verpflichtet ist, haben Schweighofer und Foltin den Zielen und Zwecken des Vereins entgegengearbeitet. Die Auszuschließenden, so wurde betont, unterstützten die auf Störung des Friedens und der Einigkeit zielenden Bestrebungen der südböhmischen Presse, welche deutsche Vereine, darunter auch die „Deusche Liedertafel", in gehässiger Weise angegriffen und das Ehrenmitglied derselben, den aufopfernden Obmann des Deutschen Böhmerwaldbundes Josef T a s ch e k, sowie andere um die nationale Sache hochverdiente Männer verunglimpft hat. Schweighofer, der sich in längerer Rede zu vertheidigen suchte, wurde, in seinen Ausführungen wiederholt durch laute Rufe der Entrüstung unterbrochen. Der Obmann der „Liedertafel" befürwortete von seinem Standpunkte als Deutscher und Christ die Aunahme des Ausschließungsantrages. Die Herren glauben zwar, führte er aus, das Deutschthum gepachtet zu haben, sie schädigen aber das Deutschthum, insbesondere in Budweis, mehr als die nationalen Gegner. Ihre Zeitungen, fügte er hinzu, greifen f a st n u r D e u t s ch e an, und zwar in der gehässigsten Weise, während die nationalen Gegner immer sehr billig wegkommen. Bei der Abstimmung wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen, Leopold Schweig Hofer und Pater Foltin von der „Deutschen Liedertafel" a u s z n s ch ließen. Die „Deutsche Liedertafel", die seit mehr als vierzig Jahren in ehrenhafter Weise wirkt, ist einer der angesehensten Vereine der Stadt Budweis. Kürzlich erst wurde dieser Verein vom Kaiser durch Verleihung der großen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet. Hildesheim, 28. September. Anläßlich des Doppeljnbiläums, das in diesen Tagen der hiesige katholische Bischof W i l h e l m feierte, erschienen auch am 24-. d. M. zur Beglückwünschung desselben im bischöflichen Palais der hiesige Landrabbiner Herr Dr. Lewinsky, sowie die beiden Vorsteher der jüdischen Gemeinde Herr Ang. Dux und Herr G. Sabel. Dr. Lewinsky richtete an den Kirchenfürsten eine sehr warme Ansprache, die mit den Glückwünschen der hiesigen Synagogengemeinde und der zum diesseitigen Landrabbinatsbezirk gehörigen Gemeinden endigte. Der Bischof dankte in herzlichen Worten für die ihm durch das Erscheinen der Deputation erwiesene Aufmerksamkeit. Er betonte in seiner Erwiderung, daß die Liebe den Grnndzug jeder Religion bilden und bleiben müsse, und wies daraus hin, daß sich die Liebe auch im Judenthum kundthue. Des Oesteren habe auch er schon von Bekennern dieser Religon Gaben zu Liebeszweckerr erhalten. Mit Freuden, bemerkte der geistliche Würdenträger, welcher früher am Josephinum, dem hiesigen katholischen Gymnasium, wirkte, gedenke er noch der ehemaligen jüdischen Schüler, die sich jetzt in ehrenvollen Stellungen befänden. (Zit diesen gehören der jetzige Ob rrabbiner in Wien, Dr. G ü d e m a n n. Dr. L a n d s b e r g, Professor in Darmstadt it. A. nt.) Besonders dankte er dem Landrabbiner für dessen „warme, ihn überaus erfreuenden Worte, die ihm ein werthvolles Zeichen des friedlichen Einvernehmens zwischen den Angehörigen der verschiedenen Bekenntnissein hiesiger Stadt seien." Zur Erinnerung übergab der Bischof jedem der drei Deputirten ein Bild als Geschenk. (Rieften. Vorige Woche feierte der Oberrabiner von Gießen, Dr. Benedict L e v i seinen neunzigftett Geburtstag. Der Sohn eines ausgezeichneten Rabbiners, besitzt Dr. Benedict L e v i einen berühmten Sohn, Hermann L e v i, der große Wagnerdirigent. Es ist interessant, sich die drei bedeutenden Männer etwas näher zu betrachten. Der Vater des Jubilars war Rabbiner in Worms, später Großrabbiner von Mainz. Der Bürgermeister von Worms war sein specieller Freund, und oft pflegte er ihm und den Stadträthen Nettigkeiten aus den französischen Zeitungeit zu übersetzen. Napoleon der Erste gewährte ihm eine längere Audienz. Dr. Benedict L e v i wurde, nachdem er die „Israelitische Realschule" besucht hatte, ein Schüler Abraham B i n g's, des berühmten Talmudkenners in Würzburg. Nachdem er sein Doctorat gemacht, wurde er mit 23 Jahren Rabbiner von Gießen. Er kaitnte 5 Könige in seinem Lande, und alle erfreuten ihn mit ihrer Gunst. Er wohnte der „Parsisal"-Aufführung bei, bei der sein Sohn dirigirte. W a g it e r empfing ihn ilugemein liebenswürdig und sagte: „Ihr Sohn sollte als mein * 11 e r e g o eigentlich Wagner heißen". Zu seinem 80. Geburtstage tnachte ihm L e n b a ch sein Porträt zum Geschenk. Hermann L e v i, geboren 1839, studirte am Leipziger Conservatorinm. Zwanzigjährig, war er Musikdirector in Saarbrücken. Nachher ging er nach Rotterdam, später nach Carlsruhe und endlich nach München. Krankheitshalber sah er sich vor Kurzent genöthigt, seine Stelle ausztigeben, und nur mit Widerstreben hat der Prinz-Regent sein Entlassungsgesuch genehmigt. Frankfurt am Main. Dr. Adolf Brüll feierte vergangene Woche das 25jährige Jubiläum seiner Lehrthätigkeit. Er studirte Theologie und Philosophie an der Wiener Universität und besuchte das Jüdisch-theologische Seminar in Breslau. Nachdem er sein Doctorat und die Prüfung als Rabbiner bestanden, ging er nach Frankfurt am Main, wo damals sein Bruder Dr. Nehemia B r ü t l, als Rabbiner fungirte. Doctor Adolf B r ü l l verdanken wir viele Beiträge zur jüdischen Literatur. Seit einigen Jahren gibt er die „Populärwissenschaftlichen Monatsblätter für Gebildete aller Confessivnett" heraus. Ter Mendelssohn-Verein verdankt ihm sein Entstehen. Hamburg. Der verstorbene I. W. S a l o m o n hat in seiuent Testamente folgende Bestimmungett gemacht: 60 Personen erhalten Legate in der Höhe vott zwei Millionen Mark; zwei Millionen Mark sittd' für Wohlthätigkeitsanstalten in Hamburg bestimtttt und eine Million Mark zur Gründung eines Fonds, von tvelchem ein Theil zur Unterstützung verschiedener Anstalten, der andere zur Unterstützung begabter Jünglinge verwendet werden soll. Berlin, 20. October. Rät der am 15. October stattgestlttdeneu Schlnßfeier in der Gewerbe-Ausstellung