Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 44 (30.10.1896)
- Date
- 1896-10-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 878 Vr. Bloches Wochenschrist. Nr. 44 negirt der Vortragende überhaupt die Existenz derselben. Der Begriff derselben sei eine Schöpfung der Philosophie; man hat gefunden, daß die europäischen Sprachen aus dem Sanskrit stammen; damit ist aber noch nicht gesagt, daß alle europäischen Völker derselben Abstammung sind, weil sie dieselbe Sprache sprechen. Er erinnert dabei an die Bulgaren, welche die slavische Sprache angenommen hätten. Er wies nun aus Grund anthropologischer und ethnographischer Untersuchungen nach, aus welch heterogenen Elementen die einzelnen Völker Europas zusammengesetzt sind, so daß es absurd erscheint, eine einheitliche Abstammung derselben anzunehmen. Redner ging sodann zur Besprechung der sogenannten semitischen Race über. Die Frage, ob alle Juden einer und derselben Abstammung seien, beantwortete er mit Nein und wies dabei aus die Hindu-Juden, die schwarzen Juden und die krimischeu Juden hin. Auch diese Behauptung wird an der Hand geschichtlicher und ethnographischer Thatsachen bewiesen. Freilich läßt sich nicht leugnen, daß ein zweitausendjähriges Martyrium allen Juden etwas Gemeinsames aufgedrückt hat, das aber mehr moralischer, Natur ist, indem ja der Jude aus Ahnen zurückblicken kann, die ihr Schicksal hätten bessern können, wenn sie den Glauben hätten wechseln wollen, und er blickt aus einen geistigen und sittlicheil Adel zurück, um den ihn jedes andere Volk beneiden kann. Der große Anthropologe schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die gegenwärtige reactionäre Strömung nicht andauern werde, sondern daß die Völker die großen Errungenschaften der Cultnr nicht preisgeben werden. Stürmischer Beifall folgte der glänzenden Rede, welcher Mitglieder und Gäste — es waren unter Anderen Herr Hosschauspieler Ritter v. Sonnenthal, Baurath Stiaßny, Reichsrathsabgeordneter Tittinger erschienen — mit großer Spanimng folgten. LLieu. «Akademische Verbindung „K a d i m <1 h"^) Das Wintersemester XXVIII wurde eröffn.t durch den Gencralconvent am 17. Octcber 1896. Das abtretende Präsidium (Herren Mediciner S. Wassermann, Jurist Piekarski, Jurist M. Bernhard!), sow'e die Ferialleitung erstatten unter lebhaftem Beifall ihren Rechenschaftsbericht. Nachdem derselbe einhellig zur Kenntnis; genommen worden war, wurden die Neuwahlen vorgenommen, die folgendermaßen verliefen: Cand. jur. Maximilian Piekarski, Präses, Cand. med. Karl Weiler, Vicepräst s. Oauck.jur. Max Bernhardt, I. Schriftführer, Cand. med. Julius Uprimn y, II. Schriftführer. Am 21. October fand die feierliche Eröffnung des 28. Wintersemesters statt. Der Verein hatte die Ehre, unter den zahlreichen Festgästen begrüßen zu können, die Herren: Tr. Theodor Hcrzl und Dr Bloch, welche dem Verein als Ehrenmitglieder angchören, Professor Dr. Politzer, G-meinderath Dr. Stern, die zahlreichen alten Herren der korporativ erschienenen Bruderverbindungen °. llnitas, Jvria, Gamala. Theologia, Libanvnia, Astran Hazefirah, ferner den Vertreter der Jüdischen akademischen Lesehalle. Der Präses, Max Piekarski, gab nach einigen herzlichen Begrüßungsworten eine llebersicht über den Verlauf des lausenden Jahres. Mit begeisterten Worten schilderte er die Bedeutung der Herzl'schen Broschüre und schloß mit einein Appell an die Versammlung, die verurteil jüdischen Studenten, die Verrath an ihrem Volke übten, durch Ueberredung, wenn nicht durch Gewalt;u ihrer angestammten Nation zurückzuführen. Unter den nachfolgenden Reden ragte vor Allem der Tendenzvortrag des Herrn 8tud. für. Max Bernhardt hervor. In herzergreifenden Worten erzählte der Redner das Martyrium eines jüdischen Kindes, das echt jüdische Erziehung genannt werden muffe, das dem Denkenden zeige, wie wenig noch der Jude mit dem Deutschen, der Sclave mir seinem brutalen Vergewaltiger gemeinsam habe. Indem Redner die bestehenden rechtlichen Verhältnisse der Inden in Oesterreich, das namenlose Elend in Rußland scharf beleuchtete, das anmaßende Vorgehen der «socialisten ironisirte, die zwar noch lange nicht den Beweis geliefert, daß der Judenhaß ans rein ökonomischen Ursachen hervorgehe, aber nichtsdestoweniger die Jndensroge lösen wollten, freilich nur dadurch, daß, sie sie todtschwiegen. Rauschender Applaus belohnte den Redner für seinen Vortrag, der alle Anwesenden tief ergriffen hatte. Die späteren Redner toastirten auf die alten Herren (Ltnck. elleiu. Glück), ans die Bruderverbindungen (Herr «buck, ebern. Walten), aus die Eroberung des ganzen jüdischen Volkes für die jüdisch-nationale Idee (Herr Dr. Theodor Herzl). Damit schloß der officielle Theil, dem sogleich ein zwangloserer und heiter.'r folgte. Erst in später Nachtstunde schloß das Präsidium die Kneipe unter dem Rufe „Hoch Zion", das begeisterten Widerhall fand. Graz, 26. October. (Moderne T e m p e l r i t t e r.) Die hiesige Staatsanwaltschaft hat gegen die sechs Universitätshörer, welche kürzlich gegen 3 Uhr Morgens das Gitterthor des hiesigen israelitischen T e ur p e l s zerbrachen und dann die Brenner des Candelabers anzündeten, so daß die Laterne zerschmolz, und hierauf die Fenster des Tempels durch Steinwürfe zertrümmerten, die Untersuchung ivegen Verbrechens der öffentlichen G e w a l t t h ä t i g k e i t, eventuell auch der Brandlegung e i n g e l e i t e i Als der Portier des Tempels, durch den Feuerschein geweckt, die Student-n verjagen wollte, tvurde auch er mit Steinen beworfen, worauf feine Frau Wache holte. Es wurden vier der Thäter sofort verhaftet, die anderen zwei sind erst nachträglich ausgeforscht worden. Auch das Rectorat wurde von dem Vorfälle verständigt. Prag. Der Tempelgesangverein in Karolinenthal, welcher zum Zweck-:'hat, den Gesang im Allgemeinen und insbesondere den Tempelgesang im Tempel zu Karolinenthal zu pflegen und für die Erhaltung des Tempelchores in Karolinenthal zu sorgen, hat sich bei der am 4. October 1896 stattgefnndenen Generalversammlung nachstehend constituirt. Obmann: Herr Josef Bung; Obmannstellvertreter: Herr M. U. C. Wilhelm Z e m a n e k; Schriftführer: Herr JUDr. Heinrich Fischer; Cassier: Herr Richard F a n t a; Archivar: Herr Friedrich E n glande r; Ausschußräthe die Herren Jacob Engländer und Emil R o s e n b e r g; Ersatzmänner die Herren Moriz Spiegel und Siegfried Klein; Revisoren die Herren Rudolf F i s ch e r und Carl L a g n s. — Als gründende Mitglieder mit dem Gründungsbeitrage per 25 fl. sind Herr Ignaz K a l l b e r g, Cultusvorsteher in Karolinenthal, und Herr Samuel K a ll b e r g, Kaufmann in Karolinenthal, beigetreten. Der Mitgliedsbeitrag für beitragende Mitglieder beträgt 2 fl. jährlich. Ausübende Mitglieder wollen ihren gefälligen Beitritt bei dein Ausschüsse anmelden. Troppau, 25. October. Löbliche Redaction! Der in Nummer 42 Ihres geschätzten Blattes enthaltene, unseren Verein betreffende Bericht schließt mit Bemerkungen, welche geeignet sind, hochachtbare Mitglieder der hiesigen Gemeinderepräsentanz zu verletzen. Diese Ausfälle entsprechen nun umso weniger den. Thatsacheu, als die Gemeindevertretung die Gründung unseres Vereines wesentlich unterstützte. Um Mißdeutungen vorzubeugen, ersuchen wir Sie höflich st, constatiren zu wollen, daß der Vorstand des jüdisch-literarischen Vereines dem erwähnten Berichte vollkommen fern steht. T r o p P a n, den 25. October 1896. Hochachtungsvoll Der Vorstand des jüdisch-literarischen. Vereines: Dr. B n ch b i n d e r. Dr. E i b e n s ch i tz. Leitmeritz. Am 18. October l. I. fand in denk Sitznngssaale der hiesigen Cultusgemeinde die Coustituirung.des neugewählten Cultus-Verstandes statt. Zum Cnltus-Vorsteher wurde wieder gewählt: Advocat Herr I. N. Dr. Heinrich Töpfer; zum Cultus-Borsteher-Stellvertreter Advocat Herr I. U. Dr. Jacob Schiller; zum Cassier Herr Bernard Heller; zum Bethans-Borsteher und Armenpfleger Herr Sigmund G n tfreund; zum Bethans-Vorsteher-Stellvertreter und Rechnungsführer Herr Ignaz Epstein. Außerdem gehören dem Cultus- Vorstande noch an: Herr Theodor Josef P i ck, Schulinspector für den israelitischen Religionsunterricht an den Volks- und Bürgerschulen in Leitmeritz; Herr David Taussig ans Theresienstadt für den israelitischen Religionsunterricht an frei*. Volksschule in Theresienstadt. Sämmtliche Herren Ausschnßmitglieder wurden mit Stinnneneinhelligkeit gewählt. Hermamnestee, 18. October. (E h r u ll g.) Herr Jonas Goldmann, welcher über 30 Jahre Tempelvorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ist, feierte kürzlich, seinen 70._ Geburtstag. Vor dem Abendgottesdienste begab sich der Gesammtvorstand mit dem Cultusvorsteher an der Spitze in die Wohnung des Jubilars. Der Vorsteher beglückwünschte denselben im Namen der Gemeinde, dankte für dessen segensreiches Wirken und überreichte als Zeichen der Anerkennung einen mit einer Widmung versehenen goldenen Pocal, welchen der Jubilar gerührt entgegennahm. In Begleitung des Gesammtvorstandes wurde der Jubilar in den anläßlich dieser Feier prachtvoll erleuchteten, reich decorirten Tempel, in welchem bereits die Gemeinde versammelt war, auf seinen Ehrensitz, der mit Blumen bekränzt war, geführt. Der Herr Rabbiner Dr. Kronberg darrkte j in einer warmen, zum Herzen gehenden Ansprache dem Gefeierten j im Namen der Tempelgemeinde für dessen selbstloses, aufopferndes und menschenft'eundliches Wirken und flehte Gottes