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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-30 · 44 (30.10.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
44 (30.10.1896)
Date
1896-10-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 44 Sette 877 Dr VLoch's WochenschrM Die Bewegung appellirt an das junge Blut, Jnng-Jnda muß sich erheben, und die Töchter Zions müssen ihren Beistand leihen! „Die Rückerstattung Judäas nitb die Wiederherstellung Jerusalems — die größte Ruhmesthat in der Welt!" das sei das Motto der nationalen Bewegung! Die tief ergreifende Rede des Paters wurde mit enthusiastischem Beifalle ausgenommen und Dr. G a st e r dankte in beredten Worten dem Vortragenden für seine Theilnahme und seinen Besuch. Der Tod des Erzbischofs von Canterbury wird die Herzen aller Engländer, die Inden in England nicht ausgeschlossen, mit tiefer Trauer erfüllen. Der verstorbene Kirchenfürst spielte eine Hauptrolle im öffentlichen Leben Englands. Er war nicht nur als Erzbischof berühmt, er war in jeder Beziehung ein Mann von seltenen Eigenschaften und erfreute sich der größten Sympathien. Wie fein Vorgänger, Dr. Tait, hat auch Dr. Benson mit Mitgliedern der Familie Montefiore in Verkehr gestanden, und wir erinnern bei der Gelegenheit daran, daß Sir Moses Montefiore, als er die ^Nachricht von dem Tode des Dr. Tait erfuhr, sagte, sie hätte ihn wie ein Dolchstoß getroffen. Als Dr. B e n s o n im Jahre 1889 als Gast des damaligen Ober-Richters (High Sheriff) von Kent, Sir Joseph Montefiore, nach East-Cliff-Lodge kam, sprach er in anerkennendster Weise über die jüdischen Armen. „Durch ihren Fleiß", sagte er damals, „wie durch ihre Sparsamkeit und Sittenreinheit können sie den andersgläubigen Armen, unter denen sie leben, als Beispiel dienen". Mit solcher Großmuth und Liebenswürdigkeit behandelte der Verstorbene stets gute Menschen, unbekümmert, welcher Religion sie angehörten. Wenn er jüdische Geistliche bei Versammlungen zu wohlthätigen Zwecken traf, so verfehlte er nie, ihnen die Freude auszndrücken, die er über das gemeinsame Wirken empfand. Ganz so benahm er sich gegen Mitglieder seiner eigenen Kirche, mit denen er in Bezug auf rituelle Dinge auseinanderging. Vor 6 Jahren siel Oswald John Simon die Aufgabe zu, dem Erzbischof von Canterbury über die russische Judenverfolgung Bericht zu erstatten. Das Ersuchen an den Biirgermeister von London, ans welches hin ders'llbe die berühmte Versammlung am 10. December 1890 in der Gnilohall einberief, trug an der Spitze die Unterschrift des Erzbischofs von Canterbury. Er that diesen Schritt nach reiflicher Ueberlegnng. Da der Tod seiner Tochter in die Zeit fiel, konnte er der Versammlung nicht beiwohnen. Da sandte er ein Telegramm, welches der Bürgermeister verlas und das folgenden Inhalt hatte: „Ich hoffe, daß eine Resolution von Einfluß der russischen Regierung die innige Bitte übersenden wird, die Bestimmungen, welche ihre jüdischen Unterthanen in so fürchterliches Elend bringen, unverzüglich zu widerrufen." Die)e Botschaft, von vielen Bischöfen unterstützt, identificirte die Kirche von England mit jener denkwürdigen Demonstration gegen religiöse Unduldsamkeit, an welche Lord Rvsebery in seiner letzten Edinburger Rede erinnerte. Ta^ vereinte Streben verschiedener religiöser Bekenntnisse in Sachen der allgemeinen Menschenliebe und der Religion, ist einer jener großen Züge, welche die englische Civilisation am Ende des 19. Jahrhunderts auszeichneu. Daß dem so ist, verdankt England zum nicht geringen Theile dem so hervorragenden und aufgeklärten Kirchensürsten, wie es Cardinal Manning aus katholischer, der eben verstorbene Erzbischof auf anglikanischer Seite gewesen ist. Interessant ist, daß Dr. B e n s o n sein erstes Bisthum, das von Trnro, der Einsicht des Lord Beaconsfield zu verdanken hatte. Die soeialpolitische Studie des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Bourgeois. Die Tagesblätter bringen die Telegrammmittheilung der jüngsten socialpolitischen Studie dieses früheren französischen Ministerpräsidenten, in welcher vorzüglich der folgende Gedanke hervorgehoben wird: „Das Individuum ist nicht blos Schuldner seiner Zeitgenossen, schon bei seiner Geburt tritt er als Schuldner in die menschliche Gesellschaft, da er theilnimmt an der angehäusten Erbschaft seiner Borfahren. Jedes Individuum erfreut sich der großen Capitalien, die frühere Generationen angesammelt hatten. Darauf beruht das Pflichtverhältniß menschlicher Solidarität." Wir möchten nun daraus aufmerksam machen, daß derselbe Gedanke recht klar und anschaulich schon früher von unserem Mitarbeiter dem Rabbiner Dr. M. L. Stern in seiner anonym erschienenen Broschüre „die Lösung der socialen Frage", von einem Philosophen (Verlag Max Spohr, Leipzig) ansgeführt wurde. So lesen wir Seite 51 und 52: „Man denke nur, wie armselig ganz am Ursprünge das menschliche Leben gewesen ist. Alles, was dieses jetzt so reichhaltig, so geschickt in der Ausbeutung der Nattirkräfte, so überlegen im Kampfe gegen jedes dem Menschen feindliche und schädliche Hervortreten, so fähig in Erzeugung von Werkzeugen, Stoffen und Gennßmitteln macht. Alles, was Gewinn und Vortheil bietet, Alles ist durch Menschen geworden, unter welchen nach obiger Ausführung jeder einzelne Mensch seine Ahnen zu suchen berechtigt ist. Jedes menschliche Individuum hat demnach ein Recht, den Besitzenden zuzurufen: Meines Ahnen Werk ist es, daß ihr dies oder jenes genießen, an dem und jenem euch bereichern könnet, mein Ahne hat Theil daran. So viel ihr auch selbst an eurem Besitze geschaffen habet, aus ein Theil davon hat mein Ahne doch immerhin rechtlichen Anspruch, so sollte auch ich, der rechtliche Erbe dieser Ahnen, einen gewissen Autheil daran haben. Correspondenzen. Wien. (A n f r u f.) Seit mehr als 40 Jahren erhält der gefertigte Verein eine vierclassige Volksschule mit Oeffentlichkeitsrecht, welche den für die Volksschulen vorgeschriebenen Lehrplan vollkommen genau zuhält und sich von den öffentlichen städtischen Volksschulen nur dadurch unterscheidet, daß in derselben unseren Zöglingen auch ein guter ausgiebiger Unterricht in unserem Schristthnm ertheilt wird. Die Mehrzahl der unsere schule besuchenden Kinder ist sehr arm, weshalb dieselben auch noch nach Maßgabe unserer allerdings geringen Mittel mit Mittagskost und Winterkleidung betheiligt werden. Unsere Lehrer, zum größeren Theile schon nahezu drei Jahrzehnte mit Eifer und Opserwilligkeit an unserer Schule erfolgreich thätig, bedürfen vorläufig mindestens einer Entlastung durch das Engagement tüchttger jüngerer Kräfte, die einen Theil des Unterrichtes übernehmen; in Bälde wird die Nothwendigkeit angemessener Rnhegehalte für dieselbe an uns herantreten; aber auch die Ausgabe tritt an uns heran, die bisher vierclassige Volksschule in eine sünfclassige zu ergänzen, wozu durch die Hochherzigkeit der löblichen Cultusgemeinde in dem aus dem früher zweistöckigen Schulgebäude aufgesetzten dritten Stockwerke zur endlichen Errichtung einer V. Classe Raum geschaffen wurde. Laut des letzten Jahresberichtes betrugen die Einnahmen unseres Vereines >u t«>to ft. 7776’92, darunter die Mitgliederbeilräge (351), die Summe von sl. 1843'75, während die Ausgaben den Betrag von sl. 8124 42 ergaben, so daß mit 1. Jänner 1896 ein Gebahrungsdesicit per sl. 347*50 resuliirte; die uns theils schon in dem beginnenden, theils erst im nächsten Schuljahre ans den oben bezeichneten Erfordernissen unserer Schule neu erwachsenden Auslagen werden unseren Jahresbedars um mindestens fl. 2500 erhöhen. Wir hoffen gerne, daß mit Rücksicht ans die auch von den hohen Behörden als ausgezeichnet anerkannten Leistungen unserer Schule unsere hier gestellte Bitte um zahlreichen Beitritt zu unserem Schnlverein bei unseren geehrten Wiener Glaubensgenossen freundliche Aufnahme finden und daß dieser Appell in seinem Erfolge unsere Bestrebungen kräftig unterstützen und fördern werde. Der V o r st a n d d e r i s r a e l i t i s ch e n T a l m u d-T h o r a- V e r e i n s v o l k s s ch u l e: Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n, Ehrenpräsident; Heinrich B erg e r, Präsident; Dr. Jos. Grünfeld, llniversitätsdocent, Vicepräsident; Dr. Gustav Koh n, Hof- und Gerichtsadvocat, Cassaverwalter; Marcus Bondy, Chef der Firma Jacob Neurath; Sigm. K a u d e r s, Ortsschulrath; Dr. Maxim. Steiner, Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde; D. Simon, Bürgerschul-Director. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle.) Der Borttags abend am 24. d. M., an welchem Herr Universi-! täts-Prosessor Dr. M. Benedikt „Zur Racenrrage" sprach, ist! unzweifelhaft eine der schönsten Veranstaltungen dieses Vereines! gewesen. Nachdem der Redner die Entstehung der Menschen j überhaupt und der Racen insbesondere besprochen, ging er auf ' die einzelnen derselben über. Was die arische Race betrifft, so

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