Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 44 (30.10.1896)
- Date
- 1896-10-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 44 Seite 869 Dr Vloch's Wochenschrift konnn's! Wir wüßten wohl ein besseres Mittel: Man errichte wieder die confessionelle Schule, sorge dafür, daß die Lehrer materiell vollkommen sorgenlos arbeiten und verpflichte Alle, jedem politischen Treiben fern zu bleiben. Ob diese Mittel nicht einen besseren Erfolg Nachweisen würden als Correctionsclassen und Jdiotenabtheilungen? Den minimalen Leistungen in der Schule entspricht auch der Bildungsgrad und der Fortbildungstrieb der Lehrer. Die junge Lehrerschaft ist doch ausnahmslos aus der Neuschule hervorgegangen. Das neueste Bestreben der Wiener Pädagogen geht dahin, das Pädagogium unmöglich zu machen. Diese Bildungsanstalt ist und bleibt ein Ehrendenkmal für die Bildungsfreundlichkeit der einstigen liberalen Partei des Wiener Gemeinderathes und heute brauchen wir nur das Urtheil des gegenwärtigen Pädagogiums- Directors Herrn H a n n a k zu citiren, um uns ein Urtheil über die heutige Lehrergeneration zu bilden. Dr. H a u n a k sagt in seinem Berichte an dem Wiener Gemeinderath wörtlich: „Worin der Grund der auffälligen Erscheinung liegt (Ausbleiben der männlichen Lehrer vom Pädagogiumsbesnch). kann die Direction nur vermuthen; wahrscheinlich in dem durch u n s e r e n m o d e r n e n Z u st a n d sich immer mehr entfalteudenJndividualismus, der sich in der S e l b st ü b e r s ch ä tz u n g und Mißachtung j e d e r A u t o r i t ä t äußert." Daß bei den verschiedenen antisemitischen Versammlungen Lehrer das große Wort führen, daß die fleißigsten Mitarbeiter der antisemitischen Presse sich aus dem Wiener Lehrerstande recrutiren, ist allgemein bekannt. Diese Schreiblust steigert sich aber jedes Mal, wenn es sich um das materielle Wohl der Herren handelt, wenn ihnen namentlich ein Nebenverdienst aus jüdischen Kreisen entschlüpft, oder wenn ihnen ein kleiner Nebenverdienst jüdischer Lehrer besonderes Herzeleid verursacht. Von Hunderten uns vorliegenden Fällen wollen wir nur zwei der zahmsten heraus greifen. Im Hause Russo unterrichtete mehrere Jahre der katholische Lehrer Herr F. Im October vorigen Jahres entschloß sich das Haus, aus naheliegenden Gründen, einem jüdischen Lehrer den häuslichen Unterricht anzuvertrauen. Am 11. November brachte das „Deutsche Bolksblatt" eine Notiz, nach welcher es in Zukunft nicht mehr gestattet sein soll, daß jüdische Eltern eine jüdische Lehrkraft zum häuslichen Unterricht ihrer Kinder nehmen. In Zukunft müsse darauf gesehen werden, daß jüdische Eltern nur antisemitische Lehrer zu ihren Hauslehrern nehmen dürfen, noch weniger dürfen jüdifche Lehrer in jüdischen Häusern unterrichten. Wer dagegen handelt, kömmt ins „Deutsche Bolksblatt". Die merkwürdige Notiz lautet, wörtlich: In einer sehr wohlhabenden Judenfamilie der Leopoldstadt hatte seit Jahren ein christlicher Bolksschullehrer den Privatunterricht der Kinder des Hauses besorgt. Mit Beginn dieses Schuljahres trat nun das jüngste Kind dieser Familie in die fünfte Classe einer Volksschule der Leopoldstadt ein. Ein jüdischer Lehrer dieser Schule — ein seinerzeit berüchtigter Specialist in Lehrer-Denunciationen, mit dem uns zu beschäftigen wir in unserem Blatte bereits zu wiederholtengialen das zweifelhafte Vergnügen hatten — setzte nun alle Hebel in Bewegung, den in diesem Hause ziemlich einträglicher! Privatunterricht zu erlangen. Zunächst galt es, der Familie begreiflich zu machen, daß für einen Schüler der 5. Classe mit Rücksicht auf die am Schlüsse des Schuljahres bevorstehende Aufnahmsprüfung in die Mittelschule ein Privatunterricht, und zwar schon vom Beginne des Schuljahres an unbedingt nothwendig sei, und daß dieser Privatunterricht am besten — nicht etwa durch den früheren Hauslehrer oder durch den jeweiligen Lehrer der 5. Classe — nein, sondern nur durch den oben erwähnten jüdischen Lehrer besorgt werden würde. Und richtig, mit Zuhilfnahme der per s ön li ch en Intervention des cohnnattonalen Oberlehrers dieser jüdischen Lehrkraft wurde der christliche Lehrer um feinen Nebenverdienst in diesem Hause gebracht, und der Jude trat an seine Stelle. Aber auch bei einem zweiten Schüler derselben 5. Classe gelang es dem jüdischen Lehrer, unter denselben Vorspiegelungen, den Privatunterricht zu erlangen. Diesmal war das Opfer einzig und allein der Classenlehrer, ein christlicher, provisorischer Unterlehrer, dem durch dieses Manöver die Möglichkeit der Erlangung dieses Nebenverdienstes geraubt wurde. Wie uns mitgetheilt wird, ist es unter den jüdischen Lehrern gang und gäbe, sich den Eltern der Schulkinder brieflich als Hauslehrer anzutragen. Es mag nun dahingestellt bleiben, ob sich dieser jüdische Lehrer auf dem unter seinen beruflichen Glaubensgenossen üblichen Wege in jene Familien eingedrängt hat oder nicht. Charakteristisch und gewiß auch nicht ohne Interesse für die Schulbehörden ist und bleibt auf jeden Fall die Art und Weise, wie sich manche jüdische Lehrkraft auf Kosten ihrer christlichen Collegen in den Besitz von Privatstunden setzt, die von diesen entweder seit Jahren bereits besorgt wurden, oder auf deren Erlangung sie zu hoffen berechtigt gewesen wären. Was an dieser auch in Bezug auf die Lehrkräfte verjudeten Schule an Privatunterricht überhaupt aufgetrieben werden kann, darein theilen sich der jüdische Oberlehrer, seine Verwandtschaft und die erwähnte jüdische Lehrkraft, und — die Christen haben, wie in so vielen analogen Fällen, auch in diesem das bloße — Nachsehen! Sonst aber ist nur zu bemerken, daß der ganze Inhalt des oben angefiihrten Artikels von Anfang bis Ende erlogen und erstunken ist. Ein zweiter Fall. Einige jüdische Communallehrer ertheilten israelitischen Religionsunterricht. Das thun zwar die katholischen Lehrer auch und nebstbei haben diese ausnahmslos alle Gewerbeschul-, Turn-, Schreib- und Gesangslehrerstellen inne — kein Jude kann so eine Stelle erringen — das thut aber nichts. Der kleine Verdienst erregt den heftigsten Neid der Antisemiten. Setzt sich also so ein Lehrerlein — klein am Körper und noch kleiner am Geiste — nieder und läßt in Nr. 8774 des „Deutschen Bolksblatt" vom 3. Juni 1896 folgende Niederträchtigkeit zum Abdruck bringen: Aus einer Judenschule. Gemüthlicher, als es sich die jüdischen Lehrkräfte an der Knabenvolksschule am Czerninplatz einrichten, kann es wohl kaum an irgend einer anderen Schule geschehen. Dies zeigen die Vorgänge am vergangenen Freitag. Jude Nr. 1, Max Fischer, verläßt um 9 Uhr die Schule, weil er als Revisor im gemeinderäthlichen Stenographenbureau bei der Wahl der Bicebürgermeister anwesend sein muß. Jude Nr. 2, der Oberlehrer Seligman K o h n, kann die Supplirung des genannten Lehrers, der während der Unterrichtszeit einem einträglichen Nebenverdienste nachgeht, nicht besorgen, da er von 9 bis 10 Uhr israelitischen Religionsunterricht ertheilt, was ja fiir ihn auch einen Nebenverdienst bedeutet, den er freilich auch in einer gesetzlich nicht erlaubten Zeit erwirbt. Jude Nr. 3, Josef Weiß, ist zur selben Zeit damit beschäftigt, sich durch Prüfungen von zwei jüdischen Privatschülerinnen in seiner lÄgenschaft als Religionslehrer etwas „nebenzuverdienen", indeß seine Schüler in der Classe auf ihn warten. In derselben Stunde wird dann auch noch Jude Nr. 4, Benjamin Planer, plötzlich so „krank", daß er nicht einmal mehr die letzte halbe Stunde des Unterrichtes zu geben vermag und sich nach Hause schleppen muß. An derselben Schule ist noch ein Jude Nr. 5, Hermann Ascher, von dem wir es jedoch nicht wissen, ob er in derselben glücklichen Stunde von 9 auf 10 Uhr auch einen Nebenverdienst erworben hat — gesund war er noch um 10 Uhr. Eine echt jüdische Wirtschaft! Dieser Lehrer, der Tausende Gulden in jüdischen Häusern verdiente und noch heute sich glücklich schätzt, in jüdischen Häusern lectioniren zu dürfen, der sich schon einmal bemüssigt sah, sich von einem Juden ein Wohlverhaltungs-Zeugniß ausstellen zu lassen, wagt es, derart gegen Juden zu schreiben. Wir bitten unsere geehrten Leser, zu entschuldigen, daß wir sie mit dieser Jauche der Wiener antisemitischen Presse bekannt machen, allein wir wollen ja die socialen Erfolge der neuen Schule erweisen. Eine unbedingte Nothwendigkeit für den socialen Frieden eines jeden Volkes ist die Ausübung der Gerechtigkeit in allen Staatsämtern. Und so müssen wir auch die Gerechtigkeitsliebe der Wiener Schulbehörden illustriren. Als vor einigen Jahren ein jüdischer Communallehrer seinem tiefempfundenen gekränkten Herzen Luft machte, indem er die unerhörte geradezu empörende Behandlung jüdische Schulkinder seitens der Wiener Lehrer in einem Blatte publicirte, wurde derselbe den peinlichsten Disciplinar-Untersuchungen unterzogen. Trotzdem jedes Wort, das gedruckt wurde, erwiesen, und sogar die Preßklage seitens des Anklägers zurückgezogen wurde, erhielt der jüdische Lehrer von Seite des k. k. Landesschulrathes eine schriftliche Rüge, weil der Schreiber — so lautet die Begründung — verpflichtet gewesen wäre, jeneAnklagen an die Schulbehörde