Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-23 · 43 (23.10.1896) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
43 (23.10.1896)
Date
1896-10-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021159--06111-3030378
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 862 Dr. Vloch's Mochenfchrist Nr. 43 Mitglieder des Gemeinderathes, sowie der Cultusrepräsentanz, wie auch Leidensgenossen des Verstorbenen aus dem Jahre 1863. Jamuitz. Verflossenen Sonntag Abend hielt Se. Ehrwürden unser Rabbiner Herr Dr. Ab. M o r g e n st e r n int jüdischen Gemeindesaale die erste Vorlesung über jüdische Geschichte. Horazdiotvitz, 20. October. Ad vocem „jüdische Fleischhauer" melde Ihnen, daß der hiesige israelitische Fleischhacker Herr Valentin Pollak durch volle siebzehn Jahre dem gewesenen Ministerpräsidenten Herrn Grafen Eduard T a a f f e und seiner Familie, mährend ihres Aufenthaltes in Ellischau zur vollsten Zufriedenheit Fleisch lieferte. — Dem Kaufinairn und Hausbesitzer Herrn Karl Münz wurde in der letzten Sitzung des hiesigen Stadtverordnetencollegiums das Heimatsrecht verliehen. Poysdorf, 29. October. Der am 18. d. M. abgehaltene AAlsik-Abend ist gut ausgefallen und sagen wir dem Hotelbesitzer Herrn Böhmer für seine liebenswürdige Aufopferung auf diesem Wege unseren besten Dank; ebenso herzlichen Dank Allen, welche ihr Scherflein zu diesem Zwecke beigetragen haben. Warschau. Die jüdische literarische Welt Warschaus betrauert den Tod des Gründers und ersten Herausgebers des „Polnischen Israeliten", Dr. Samuel Peltin. Das Blatt ist die einzige Zeitung in polnischer Sprache für jüdische Interessen und hat als solche sehr große Verbreitung gesimden. Der „Polnische Israelit" ist das einflußreichste jüdische Blatt Rußlands. Dr. Peltin war ein ausgezeichireter Talmudist und vortrefflicher Linguist und hat von der Berliner Universität den Doctortitel houoris causa erhalten. Sein bedeutendstes Werk ist die „Allgemeine Geschichte der Juden", ein Werk von colossalem Umfange, das in polnischer Sprache erschienen ist. Seine Frau war seine treue Mitarbeiterin und hat viele Artikel für seine Zeitung geschrieben. Sie wird das Blatt mit ihrem Sohne Dr. Adolf Peltin weiter herausgeben. Der älteste Sohn des Verstorbenen, Dr. Bernhard Peltin, ist Professor der classischen Sprachen am vierten Gymnasium zu Warschau; er ist der einzige Jude, der eine solche Stelle unter der russischen Regierung bekleidet. Von Dr. Samuel Peltin's rastlosem Bemühen für seine bedrückten Glaubensgenossen läßt sich nicht genug Rühmenswerthes sagen. Sein Leben von 66 Jahren war viel zu kurz für die Dienste, die er dem Judenthum geleistet hat und die er ihm noch hätte erweisen können. Soerabaya. Der König von Jfam besuchte kürzlich unsere Stadt und bei dieser Gelegenheit die großen Diamantengruben von Wolf. Zum Dank für den Empfang, der ihm bereitet wurde, hat der König Herrn Wolf eine goldene Uhrkette zum Geschenk gemacht. London. Vergangenen Freitag fand hier die Beerdigung des wohlbekannten Rabbi Isaak Hirschensohn statt. In Pisk in Rußland geboren, ging er schon vor vielen Jahren nach Jerusalem, wo er die Zeitschrift „Beth Jacob" herausgab. Er war ein großer Talmudist und ein fleißiger Mitarbeiter der „Mekize- Nirdamin". Das letzte Jahr brachte er in Oxford zu, wo er M. S. S. copirte. Seine Anmerkungen zum ganzen Talmud sind der Wilnaer Ausgabe der Gemara beigedruckt worden, seine Commentare zum Schulchan-Aruch sind für Rabbiner sehr werthvoll. Er kam vor Kurzem nach London, um hier zu studiren und brachte fast den ganzen Tag im Britischen Museum zu. Unter denen, die ihm die letzte Ehre erwiesen, befanden sich auch Dr. Gaster und eine große Anzahl von Freunden des Verstorbenen aus dem East-End von London. London. (Der C h a n u! a H-G ottesdienst beim Militär.) Zu dem vorjährigen Berichte über militärischen Gottesdienst wurde der Antrag gestellt, es möge in Zukunft Sr. Ehrwürden, dem Herrn F. L. C o h e n, der als Feldprediger fungirte, ein größeres Gotteshaus zur Verfügung gestellt werden, da sich die Boroug-Synagoge als zu klein und den Anforderungen nicht entsprechend erwiesen hätte. Der diesjährige militärische Gottesdienst wird nun am 6. December in der Stadt in der neuen Synagoge stattsinden. Der neugewählte Bürgermeister von London, Mr. Faudel Phillipps, hat bereits seine Absicht ausgesprochen, in vollem Staate dem Gottesdienste beizuwohnen; höchst wahrscheiirlich wird er von den Richtern (Sheriffs) begleitet sein. Der Oberrabiner und viele Notabilitäten werden an dem Gottesdienste theilnehmen. Feuilleton. Der Röntg der Schnorrer. Von I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der leichtherzige Philantrop beobachtete sein Gesicht und sah, daß es Plötzlich, wie eine Tropenlandschaft, finster wurde. Er selbst erblaßte. Der Schnorrer stieß einen unarticulirten Schrei aus und warf einen seltsam fragenden Blick auf seinen Gönner. „Was gibt's jetzt wieder?" stammelte Grobstock. „Mir fehlt ein Paar Pantalons!" Grobstock erblaßte noch mehr. „Unsinn, Unsinn" murmelte er. „Mir — fehlt — ein — Paar— Pantalons" wiederholte der Schnorrer entschieden. Oh, nein, Ihr habt alle bekommen, die ich entbehren kann," sagte Grostock unsicher. Der Schnorrer warf hastig den Haufen durcheinander. Dann sprühten seine Ailgen Feuer, und er schlug mit der Faust auf den Toilettetisch, um jede Staccatosilbe zu begleiten. „Mir — fehlt — ein — Paar — Pantalons", schrie er. Der schwache, fügsame Geschenkgeber machte eine böse Viertelminute durch. „Vielleicht m—eint Ihr das neue Paar, das mir zufällig darunter kam", stammelte er endlich. „Natürlich meine ich das neue Paar. Ihr habt es also wieder zurückgenommen, gerade weil ich einen Augenblick nicht hinsah! Ich verließ das Zimmer, weil ich dachte, daß ich es mit einem Ehrenmann zu thun hätte. Wenn Ihr ein altes Paar genommen hättet, würde mir nicht soviel daran gelegen sein; aber einem armen Manne seine funkelnagelneuen Hosen zu rauben!" „Ich brauche sie selbst", rief Grobstock gereizt. „Ich muß morgen zu einem Empfang gehen, und sie sind das einzige Paar, das ich tragen kann. Ihr seht, ich —" „Es ist gut", unterbrach ihn der Schnorrer mit leisem, gleichgiltigen Ton. Daraufhin entstand ein tödtliches Stillschweigen. Der Schnorrer faltete majestätisch ein Paar Seidenstrümpfe zusammen und legte sie in den Koffer. Dann packte er in finsterem, traurigen Stolz die anderen Kleider daraus. Grobstock's Seele wurde von Gewissensbissen gefoltert. Da Costa beendete seine Arbeit, konnte aber den überfüllten Koffer nicht schließen. Schweigend ließ Grobstock seine gewichtige Persönlichkeit auf den Deckel nieder. Manasse wehrte die Hilfe weder ab, noch begrüßte er sie. Nachdem er den Schlüssel im Schlosse umgedreht hatte, kippte er den auf dem Koffer Sitzenden stumm hinunter und schwang ihn sich mit vollendeter Grazie auf die Schulter. Dann ergriff er seinen Stab und schritt aus dem Zimmer. Grobstock wollte ihm folgen, aber der Schnorrer machte eine abwehrende Handbewegung. „Also am Freitag", sagte der vom Gewissen geplagte Magnat schwach. Bianasse antwortete nicht, sondern schlug die Thür zu, solcher Art den Herrn des Hauses einsperrend. Grobstock fiel erschöpft auf das Bett; er sah dem wirren Haufen Kleider, dessen Stelle er einnahm, nicht unähnlich. Nach ein paar Minuten richtete er sich auf, ging an's Fenster und beobachtete den Sonnenuntergang hinter den Bäumen des Platzes. „Auf jeden Fall, jetzt bin ich mit ihm ferttg", sagte er und summte ein Liedchen vor sich hin. Das plötzliche Oeffnen der Thür ließ es auf seinen Lippen erstarren. Er fühlte sich beinahe erleichtert, als er erkannte, daß der Eindringling blos seine Gattin war. „Was hast Du mit Wilkinson angefangen?" rief sie stürmisch. Sie war eine blasse, beleibte Matrone mit einem aufgedunsenen Gesicht und sah beständig aus, als erinnere sie sich an die genaue Ziffer ihrer Mitgift. „Mit Wilkinson, mein Kind? Nichts." „Er ist nicht da; ich brauche ihn, aber die Köchin sagt, daß Du ihn fortgeschickt hast."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.