Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 43 (23.10.1896)
- Date
- 1896-10-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 858 Dr. Vloch's Wochrnfitzrist. Nr. 43 unterhielt sich mit ihm eine längere Zeit über die Angelegenheiten unserer Gemeinde und entließ ihn dann mit der Versicherung, er werde stets bestrebt sein, den confessionellen Frieden hier aufrecht zu erhalten. Görz, 4. October. Auf seiner Jnspectionsreise durch Kärnten, Krain und das Küstenland kam vor einigen Tagen der Ministerpräsident Graf Badeni auch hieher. Eine Deputation unserer Gemeinde, bestehend aus dem Präses unseres Cultusvorstandes und unserem Rabbiner, machte dem hohen Staatsmanne ihre Aufwartung. In seinem Gespräche kam der der Ministerpräsident auch auf den jetzt grassirenden Antisemitismus zu sprechen, und gab er dabei gleich der Hoffnung Ausdruck, daß diese fluchwürdige Seuche bald auch aus Oesterreichs Gauen verschwunden sein werde. Offegg, 3. October. (Hochherzige Spende). Heute beschied Se. Gnaden Abt und Prälat des Cistercienserstiftes Ossegg Hochwürden P. Meinradus Siegel den Bürgermeister H ä r t l und Borsteher P a m p a n zu sich und übergab ihnen im Beisein des P. Nothgar Judex und des Herrn Dechant P. Engelbert Richter 5 Staatsschuldverschreibungen ä 1000 fl. und nachstehendes eigenhändiges Schreiben: Löbliche Vertretung von Alt- und Neu-Ossegg! Aus Anlaß des 700jährigen Jubiläums des Bestandes der Cistercienserabtei Offeg (1196—1896) widmet das Stift dem Markte Neu-Ossegg und dem Orte Alt-Ossegg den Betrag von 5000 fl. ö. W. in fünf Stück Staatsschuldverschreibungen zu Eintausend Gulden mit der Bestimmung, daß die Hälfte der jährlichen Interessen zur Anschaffung von Schulrequisiten und Kleidungsstücken für arme Schulkinder der Alt- und Neu-Ossegger Gesammt-Volksschule, die andere Hälfte zur Betheilung von Armen in Neu-Ossegg verwendet werde, u. zw. bezüglich derKinder und Armen mit Berücksichtigung wahrer Dürftigkeit ohne U u t e rschied der Religion und Nationalität. Die Betheilung hat jährlich zweimal nach Einlösung der Coupons, welche am 1. Mai und 1. November fällig sind, stattzufindeu und wird die Auswahl der zu Betheilenden in die Hände der jeweiligen Vorsteher von Alt- und Neu-Ossegg, des Ortspfarrers, des Armenvaters und eines aus der Neu-Ossegger Vertretung zu wählenden Mitgliedes gelegt. Stift Ossegg, am 1. October 1896. Meinrad Siegel m. p. $lbt des Stiftes Ossegg. Die Vertreter dankten im Namen der Armen und armen Schulkinder überrascht und gerührt über diese große Spende. Diese Spende bildet im Vereine mit der unentgeltlichen Ueberlassung von Grundstücken zum Bau der Wasserleitung und Grundstücken zur Erweiterung von Hofräumen und Erbauung eines Gebäudes für die gewerbliche Fortbildungsschule eine Reihe der fürsorglichen Thaten des hochherzigen Abtes P. Meinradus Siegel und wird nicht verfehlen, die freudigste Bewegung in der Bevölkerung hervorzurufen, mit dem Wunsche, daß es Abt P. Meinradus Siegel beschieden sein möge, noch recht viele Jahre wirken und schaffen zu können. Berlin. Herr Dr. L. Maretz k y hier hat den Titel Sanitätsrath erhalten. Herr Commerzienrath Julius Jsaac ist in den Vorstand der Berliner L-portpark-Gesellschaft gewählt worden. — Das S. T a v i d f ch e Ehepaar, Grenadierstraße 34 wohnhaft, feiert am 31. d. M. das seltene Fest der Diamant-Hochzeit. Trotz seiner 85 resp. 84 Jahre ist das Jubelpaar noch rüstig und geistig ftisch. — Zu den philharmonischen Concerten, die Felix Weingartner in Bremen im Künstlerverein veranstaltet, hat der dortige Obercantor und Lehrer Prinz die ehrenvolle Einladung erhalten, die Heldeutenorpartien zu übernehmen. — Der königl. Kreisschulinspector, Pfarrer Evers aus Werth, überreichte am 5. d. M. in Gegenwart des Herrn Bürgermeisters Geller, des Ortsfchulinspectors Herrn Pfarrers Quade und des jüdischen Gemeindevorstandes dem jüdischen Lehrer Jsaac Spier in Bocholt aus Anlaß seines Austrittes aus dem Schuldienste den ihm vom Kaiser verliehenen Adler des königl. Preußischen Hausordens von Hohenzollern. Berlip, 11. October. Der neueste Band der C r i m in a l st a t i st i k f ü r d a s I a h r 1893, welcher in voriger Nummer an dieser Stelle eingehend besprochen wurde, enthält ein besonderes Capitel über die C r i m i u a l i t ä t der Studenten. Wie wir demselben entnehmen, waren von insgesammt 350 während des Jahres 1893 verurtheilten Studirenden nur 10, also 3 Percent, Jude n, während unsere Glaubensgenossen 7—8 Procent der Universitätsjugend ausmachen. Trotzdem es sich um social durchaus gleichstehende Kreise handelt, sind also die jüdischen Studirenden in Bezug auf die Criminalität ungleich güllstiger gestellt, als ihre nichtjüdischen Commilitonen. Diese Thatfache ist mit so bemerkenswerther, da auch die früheren statistischen Untersuchungen über den Antheil der Aerzte, Rechtsanwälte und Lehrer rc. an den Verbrechen und Vergehen eine gleich günstige Stellung der jüdischen Angehörigen dieser gelehrten Berufe festgestellt haben. Mau sollte demnach annehmen,. daß die studentischen Vereinigungen keinen Anlaß haben, sich ihrer jüischen Commilitonell zu schämen, und denselben willig den Eintritt in ihre Kreise gewähren. In Wirklichkeit ist dies, wie bekannt, durchaus nicht der Fall, und kennzeichnend dafür ist der seinerzeit von uns mitgetheilte Beschluß des sogenailnten „allgegemeinen Deputirteuconvent (v. a. C.) von 40 deuts ch e ir Burschen schäfte n", das heißt solcher Studentenverbindungen, die sich Burschenschaften nennen, in einer Resolution ihren Verbindungen zu empfehlen, keine I u d e n m e h r a u f z u n e h m e n. Dieser Beschluß hat, wie vorauszusehen war, die Gemüther in große Gährung versetzt und namentlich viele „alte Herren" — nicht blos die jüdischen — mit großem Unwillen erfüllt. Dies trat auch in einer sehr besuchten Versammlung „alter Herren" von der alten Breslauer „Burschenschaft der Raczek" herv.or, von denen einige sich bereits während der Ferien an die active Verbindung gewandt hatten, init der Anfrage, wie sich dieselbe zu den Beschlüssen des Eisenacher v. A. C. verhalten wolle. Die eingelaufene und am Montag mitgetheilte Antwort ging d/'n ‘">% öte „Burschenschaft der Raczek" sich dagegen verwahre, au..,irisch zu sein, daß sie aber „durch die Zeitströmung genöthigt sei, jüdischen Studenten die Aufnahme in die Burschenschaft zu versag! -Jte famose Antwort hat begreiflicherweise den Unwillen u.. .'steigert. Es wurde geltend gemacht, daß es niemals Aufgabe 'der Burschenschaft gewesen sei, der Zeitströmuw ,it folgen, vielmehr sei aus ihrer Entwicklung gerade das Gegentheil nachzuweisen. Nach längerer, sehr lebhafter Discussion einigte sich die Versammlung, in welcher Männer von über 100 Semestern anwesend waren, dahin, in einer nochmaligen schriftlichen Vorstellung an die active Verbindung auf die Zurücknahme des verhängnisvollen Eisenacher Beschlusses Hinznwirken, der mit den Grundsätzen und Traditionen der Burschenschaft in unvereinbarem Widerspruche stehe. Die active Verbindung wurde auch nachdrücklich auf die unausbleiblichen Cvnseguenzen aufmerksam gemacht, die sich aus dem Inkrafttreten eines solchen Beschlusses für dick einzelnen Verbindungen ergeben würden. Wie ferner mitgetheilt wird, haben die „alten Herren" der Burschenschaft „Franconia" in Bonn gleichfalls eine energische Vorstellung an die active Verbindung gerichtet und sich dahin entschieden, dem Beschlüsse des Eisenacher D. A. 0. feine Folge zu leisten. Dresden, 4. October. Nach dem von dem Landescvns'- storium erstatteten Bericht über den Zustand der evangelischlutherischen Landeskirche des Königreichs Sachsen sind iu der Zeit von 1891—1895 nur 1273 Üebertritte aus anderen Confessionen erfolgt. Davon entfallen 138 oder 10°84 Percenr auf Üebertritte vorn Judenthum. Bemerkenswerth ist, daß in demselben Zeitraum fast genau ebensoviel (130) Lutheraner zum Judenthum übergetreten sind. Düsseldorf, 12. October. (Das I u d e u t h u m u n d das „jüdische Aussehen") hat hier einen jüdischen Sänger um ein Engagement gebracht. Der lyrische Tenor Adolf P e r l n ß, der init den grüßen Erfolgen neun Jahre lang am Landestheater zu Prag thätig war, wurde von unseren! Theaterdirector Eugen Staegemann nicht engagirt, weil er „Jude sei und ein zu jüdisches Aussehen habe". Leipzig, 10. October. Eine Entscheidung von hoher principieller Wichtigkeit ist soeben seitens des R e i ch s g e r i ch t e s ergangen und wird hoffentlich jenem antisemitischeil Unfug, welcher seit Jahren zumal vor Weihnachten sich breit macht, dauernd ein Ende bereiten. Der „Deutsch-sociale Reformverein für Hagen und Umgegend" verbreitete im vorigen Jahre ein i Weihnachtsflugblatt, betitelt: „Mahnworte des Deutsch-socialen j Reformvereines für Hagen und Umgegend an christliche Familien", i in welchem die „christlichen Mitbürger" vor dem Einkauf von ’ Weihnachtsgeschenken in jüdischen Geschäften gewarnt wurden. Durch den Inhalt dieses Flugblattes fühlten sich unsere Glaubensgenossen in Hagen beleidigt, und vier jüdische Geschäftsleute, die sich mit dem Vertriebe von Weihnachtsartikeln befassen, stellten Strafantrag: In der am 13. Mai d. I. stattgehabten Straf-