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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-23 · 43 (23.10.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
43 (23.10.1896)
Date
1896-10-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 856 vir. 43 Dr. Blmtz's Wortzenfttzrifl. Byk, sich jeder Provocation zu enthalten, dvrt aber, wo es noch thäte, in den Kampf nm die Rechte de» Judenthums rvacker einzutreten. Tiefe sehr beifällig aufgenonnuene Rede schloß mit einem herzlichen: „Vivat, crescat, floreat" auf den Berein. In vorgerückter Stunde nahm die Eröffnungsfeier ihr Ende, die auf alle Thcilnehmer großen Eindruck »rächte. — Samstag den 24. d. M. findet um 7 Uhr Abends im großen Vortragssaale des Vereinslocales der erste Vortragsabend statt. Universitätsprofessor Dr. Moriz Benedikt wird „lieber die Racenfrage" sprechen. Der Eintritt ist nur über besondere Einladung gestattet. Baden, 16. October. Mit dem gestrigen Abendconcert unserer Curcapelle fand die Saison 1866 ihren eigentlich officiellen Abschluß, eine Saison, die die an sie geknüpften, sehr geringen Erwartungen nicht nur nicht erfüllte, sondern Vieles zu wünschen übrig ließ, jedoch die eine erfreuliche T h a ts a ch e ergab, daß unsere Glaubens-, respective Leidensgenossen sich zusammenhielten, indem sie von den meisten Vergnügungsabenden durch Abstinenz sich bemerkbar machten und durch ihre Abwesenheit — glänzten. Bei den meisten Unterhaltungen, die der Zerstreuung und Abwechslung gegolten und wo man in den Vorjahren stets Juden in der großen Majorität sah, fanden sich in der eben beendeten Saison nur sehr wenige ein, die Parkreste zeigten gewöhnlich dasselbe Bild, das Theater und die Arena nicht minder, so daß es den Anschein hatte, als ob die in diesen Blättern zu örteren Malen enthaltene Mahnung sich Bahn gebrochen hätte. Ten größten Ausfall durch die herrschenden Zustände, welche auch hier Eingang gefunden, hatte der Musikdirector K o m z ä k. Ein Mann, der auf musikalischem Gebiete eine Autorität allerersten Ranges ist, veranstaltet alljährlich ein Benesiceconcerr, das stets vor Tausenden von Besuchern abgehalten wird und als Ausdruck der Gäste ihrem Liebling gegenüber gilt. Nachdem das heurige Concert in Folge ungünstiger Witterung dreimal verschoben werden mußte, gelaugte es dann doch zur Abhaltung und ergab einen so geringfügigen Ertrag, der kaum die aufgelaufenen Kosten zu decken im Stande war! Wenn auch die Witterungsverhältnisse im Allgemeinen sehr triste waren, so ist hiefür doch nur alle»»! das Ausbleiben der Juden ausschlaggebend gewesen, und ist hiedurch abermals der Beweis erbracht, daß wir eine Macht sind. Es ist hier nicht der Platz zu entscheiden, ob Musikdirector K o m z -> k sich zu dieser oder jener Partei neigt, aber es hat hier allgemeines Aufsehen erregt, daß ein Glaubensgenosse, der bei allen Entreeconcerten das Amt der Caffa übernommen, in diesem Jahre nicht erschien, und bringt man auch diesen Fall in gewissen Zusammenhang mit den hier zu Tage tretenden Erscheinungen. Auf jeden Fall ist aber zu constatiren, daß es endlich m und be> uns dämmert, und hoffentlich wird dieser erfreuliche Zustand des Selbsterkennens und Fernhaltens sich nach und nach auf jene Kreise erstrecken, die bisher hievon nichts wissen wollten! Mögen diese Worte beherzigt werden! Prag, 13. October. Heute Vormittag ist hier plötzlich der Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Moriz Tauber im Älter von 55 Jahren gestorben. Derselbe ward am 26. April 1841 zu .Holleschau in Mähren geboren .und widmete sich schon frühzeitig dem Talmildstudium. Er besuchte zuerst die Jeschiba in Eisenstadt, die damals unrer der Leitung des Rabbiners Dr. Hildesheimer stand, und später die von Preßburg, anderen Spitze damals noch der große Gaon Rabbi Samuel Wolf S of er stand. Dieser machte ihn auch zum Talmudlehrer seiner Kinder. Tauber beschäftigte sich indessen auch mit den profanen Studien und 1864 legte er dann in Oedenburg die Maturitätsprüfung ab. Er hörte hierauf Philosophie au der Wiener Universität, an der er 1868 den Toctorgrad erlangte. 1869 wurde er zum Prediger an der Neuschule hier ernannt, und 1874 erfolgre seine Ernennung zum Religionslehrer am k. und k. Nenstädter Gymnasium. Nach dem Rücktritte des Dr. Hirsch vom hiesigen Rabbiiiatsstuhl, da er einem Rufe aus Hamburg Folge geleistet hatte, führte der Verstorbene eine zeitlang auch im Vereine mit seinem Freunde Dr. Salomon Knöpfelm ach er die Agenden des hiesigen Oberrabbinats und als Anerkennung dafür ernannte ihn die Gemeinde nach der Berufung Dr. Eh renf e l d's hieher zum Oberrabbiner-Stellvertreter. Das Leichenbegängniß hat heute, Donnerstag Nachmittags, stattgefuuden. Bor der Neusyuagoge, dem Wirkungskreise des Verstorbenen, herrschte schon um ein Uhr Nachmittags ein lebensgefährliches Gedränge. Tie Sicherheitswache hatte daher große Mühe, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Auch das Judenviertel hatte heute Trauer angelegt. Vom jüdischen Rathhause und ebenso auch von i der Neusyuagoge wehten Trauerfahnen.! Aus diesem Gotteshause wurde der Verstorbene nun zum Grabe getragen. Drei Paar Pferde zogen den Leichenwagen. Bor der Bundeslade des mit schwarzem Flor umkleideten Gotteshauses stand der Sarg. Lautlose Stille herrschte, als Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d die Kanzel bestieg und zu sprechen begann. Kein Auge blieb trocken, als der Redner seinem College» das letzte Lebewohl sagte. Nach dem Oberrabbiner sprach der Prediger der Meisetsynagvge Dr. K i s ch. Der Chor der Synagoge stimmte einige Trauerpsalmeu an. Um 3 Uhr wurde der Sarg in den Wagen gehoben. Unmittelbar vor dem Leichenwagen schritt bis an die Grenze des Judenviertels der Chor, Psalmen singend. Tann folgten die vier gramgebeugten Söhne des Verstorbenen. Nachher folgten die Trauergäste: Vicepräsident des Landesschulrathes Dr. Z a b u s ch, Landesschulinspectvr R e i n i s ch, Schulrath Dr. Freu n d, Abgeordneter Dr. Z a l u d, der Director des Neustädter Gymnasiums Dr. Walker mit dem gesammten Professoren-Collegium, Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d, die Rabbiner Dr. Kisch, Dr. K a m i n k a, Dr. K n ö p f e l m a ch e r, Dr. G r ü n, Dr. Stark, Dr. Back, Dr. H i r s ch, Dr. P o z n a n s k i (ans Pilsen), Dr. W e i s l o w i tz laus Tabor) und Dr. T h i e b e r g e r (aus Goltsch-Jenikau), sowie die Rabbiner von Gitschin, Jglau und Brünn, der Präses des Cultusvorstandes Dr. Rose n buche r mit gesummter Repräsentanz, der Präses der Repräsentanz der Laudesjudeuschaft Dr. L i ch t e n st e r u, die Vorstände aller i Synagogen, Vereine rc. In der Ceremonienhalle, wie auch am j Grabe sprachen daun ein Vorstandsmitglied der Neusynagoge ' und einige persönliche Freunde des Verstorbenen. Lemberg/Anfangs October. Das neu erbaute Armenhaus wurde vor einigen Tagen in feierlicher Weise eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Dieses Stiftungshans für arme israelitische Familien verdankt seine Entstehung der Hochherzigkeit des sel. Herrn Hermann H e s ch e l e s aus Wien, der testamentarisch die Verfügung getroffen hatte, daß dieses Haus erbaut werde. Das prächtig gelegene, mit gesunden Wohnräumeu und einem großen schattigen Garten versehene Haus wurde mit einem Kostenaufwand von 26.000 fl. erbaut und es wird — saxa loquuntur — ein sprechendes und bleibendes Denkmal für den Wohlthätigkeitsfinn seines Stifters sein. Die Einweihung j fand in überaus solenner Weise statt. Der Präsident des Cultusvorstandes, Edler von H o r ow i tz, hielt eine von humanen Ideen durchglühte Rede, in welcher! er den edlen Zweck des Hauses beleuchtete und die Verdienste? des Stifters, wie auch der Personen, die sich um das Zustaudej kommen besonders bemühten, pries. Zn den Letzteren gehörte j namentlich Herr Dr. Emil B y k. j Hierauf sprachen Herr Oberrabbiner S ch m e l k e s und , Prediger Caro, die Beide in beredter und begeisternder Weise j der Feier des Tages gerecht wurden und ihren priesterlichen i Segen Allen spendeten, die an dem Werke Theil haben, sowie der Gemeinde, in deren Mitte es errichtet wurde, und den Armen, j die die Wohlthaten dieser Stiftung genießen werden. Herr Dr. Byk dankte zum Schluffe noch dem anwesenden Sohne des Stifters, der aus Wien herbeigeeilt war, um in pietätvoller Weise der Einweihung des Hauses beizuwohnen, das durch die Munificenz seines Vaters errichtet wurde. Der Bürgermeister von Lemberg, die Vertreter der Statthalterei besichtigten gleichfalls das neue Armenhaus und sprachen sich ungemein anerkennend über dasselbe ans. J Es ist auch dankbar zu constatiren, daß die Behörden in j jeglicher Beziehung Zieh entgegenkommend benahmen und auch die! völlige Steuerfreiheit für das Stiftungshaus gewährten, das j segensvoll zu wirken bestimmt ist und auch der Stadt zur Zierde j gereicht. Es wäre zu wünschen, daß der Anblick dieses der reinsten Humanität dienenden Hauses aneifernd und anspornend auf den Wohlthätigkeitsfinn unserer reichen Glaubensgenossen wirken möge. Der Stifter dieses Hauses hatte auch sonst noch zahlreiche Wohli thätigkeitsinstitute in Wien und Lemberg mit namhaften Beträgen! bedacht. Unter Anderem hat er bekanntlich 25.000 fl. zum Baue j eines Tempels nach polnischem Ritus in Wien gewidmet; . 20.000 fl. bestimmte er zu einer Heiratsausstattungs-Stiftuug

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