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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-23 · 43 (23.10.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
43 (23.10.1896)
Date
1896-10-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 854 Vr. VLoch's Wochensttzrifl vcr. 43 warf (diesem Beispiele folgend, ist die Betheiligung auch an anderen Ausstellungen in Aussicht genommen) und als die ersten ausgestellten Gegenstände des Beifalls der Besucher sich erfreuten, war er es wieder, der mit rastlosem Eifer für deren Vervielfältigung sorgte und in der uneigennützigsten Weise sie an Ort und Stelle beförderte. Eine Steigerung des Absatzes würde eine gesteigerte Arbeitskraft erfordern. Wie aber die Steigerung herbeigeführt werden soll, auch hiefür hat Herr Groß den geeigneten Weg gefunden. Er ist nämlich der Ansicht, daß in den größeren Städten Europas und Amerikas Depots, unter der Aufsicht von Ehrencomites gestellt, zu errichten feien, in denen palästinensische Boden- und Kunst-Producte feilgeboten werden. Nicht allein der Bettel, welcher noch gegenwärtig mit Holzschnitzereien getrieben wird, würde aufhören, sondern auch das Elend, welches selbst bei besseren Handwerkern zu sehen ist, würde schwinden. Zur Verwirklichung dieser Idee, die, was wir nachdrücklichst betonen, mit keinen materiellen Mitteln, sondern mit einigen Bemühungen, um den Absatz zu forciren, verbunden ist, hat Herr Groß bereits eine größere Action eingeleitet, zu welcher wir ihn nur beglückwünschen können. Dies sind meines Dafürhaltens die einzigen Wege, die mir geeignet scheinen, einen kräftigen, lebensfähigen Arbeiterstand in Palästina zu erziehen, an denjenigen aber, die Herz und Sinn für ihre Vergangenheit sich bewahrten, liegt es, die hier gegebenen Winke in die That umzusetzen. Der Wiederaufbau Jerusalems bedeutet gleichsam die Neubelebung Israels! I e r n s a l e m, 5. October 185)6. Dr.t. Ei« Opfer der Juden. Der Hotelier Gustav H i l l e b r a n d, der im vorigen Jahre in Baden nächst dem Bahnhofe ein großartiges Hotel im Werthe von über 300.000 Gulden errichtete, hat kürzlich die Zahlungen eingestellt und ist in Concurs gegangen. Wenn man nun nach der Ursache dieser bedauerlichen Thatsache forscht, so muß man sagen: Herr H i l l e b r a n d ist ein „Opfer der Juden". Er rechnete nämlich auf das zahlreiche Erscheinen dieser sonst auch zahlreich erschienenen consnmfähigen Gäste in Baden, respective in seinem Hotel. Die Juden sind es aber müde geworden, sich für ihr schweres Geld in der kleinen Schwefelstadt beschimpfen zu lassen und suchen andere Bade- oder Erholungsorte. Und so ist Herr Hillebrand das Opfer der Juden, die — nicht nach Baden gehen wollen. Die Hausirersrage. Unsere Gemeindeväter haben einen vi l zu umständlichen Weg gewählt, um die Hausirer zu beseitigen. Ihre Parteigänger wiffen einen viel leichteren Weg, wie dies eine heute vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt durchgeführte Verhandlung bewies. Kürzlich kam der sechzigjährige Haustrer .Chaim Hirsch in ein Gasthaus in der Oberen Donaustraße und offerirte seine Waare. Ein heldenmüthiger Herr Franz Beißl konnte es nicht dulden, daß hier ein Hausirer verweile und rief deshalb dem alten Manne zu: „Du Sanjub, gehst net aussi!" Der Hausirer wollte nun seine Sachen zusammenpacken, um sich dann zu entfernen. Doch dies dauerte Herrn Beißt zu lange. Er stand auf, packte den „Juden" und versetzte ihm eine so wuchtige Ohrfeige, daß der Greis zusammenstürzte. Beißl hatte sich nun kürzlich vor dem Strafrichter zu verantworten. Er geüand seine That. Der staatsanwaltliche Functionär beantragte die strenge Bestrafung, da es nicht angehe, daß Leute, wenn sie Juden seien, bei Ausübung ihres besteuerten Gewerbes mißhandelt werden. Der Richter verurtheilte den Angeklagten zu einer Arreststrafe in der Dauer von vierzehn Tagen, indem er als erschwerend annahm, daß dieses Vorgehen bei diesem gebrechlichen Greise schwere Folgen haben konnte. Wieder Einer! Man schreibt uns aus M ü n st e r in Westfalen : Am 8. d. M. stand der bekannte antisemitische Redacteur Kaiser aus Münster als Angeklagter vor der Strafkammer des Landgerichts zu Münster. Kaiser war der Begründer und langjährige Redacteur der „Westfälischen Reform", eines in Dortmund herausgegebenen vor Kurzem an Abonnentenmangel saust verschiedenen antiiemitischen Hetzblattes schlimmster Sorte. Er hatte dann in Münster ein neues Blatt desselben Charakters begründet, die „Deutschen Worte", worin er gegen die unserem Staate und Volke von der jüdischen Sittenverderbniß drohenden Gefahren in echt arischer Entrüstung losdonnerte. Diesem Rettungswerke machte jedoch der Staatsanwalt schon ein Ende, ehe Kaiser das Vvlk mit dem ersten Dutzend Nummern seiner „Deutschen Worte" beglücken konnte. Kaiser, der Sittenrichter über die Schlechtigkeiten der Juden, hatte in einer Reihe von Fällen kleine Mädchen im Alter von 5 - i s 7 Jahren durch Verabreichung von Süßigkeit e n a n s i ch g e l o ck t su n d dann mit ihnen unsittliche Handlungen Borgen o-m men, deren Einzelheiten sich der öffentlichen Darstellung entziehen. Er war im Großen und Ganzen geständig und wurde vom Gericht wegen Sittlichkeitsverbrechens in sieben Fällen zu einer Gesammtgesängnißstrafe von zwei Jahren verurtheill. Etngesendek. Man schreibt uns aus Krakau: Geehrter Herr Redacteur! Das in Wien erscheinende jüdische Blatt „Die Neuzeit" brachte in feiner letzten Nummer eine Zuschrift eines gewissen in Wien wohnhaften Samuel Schweiuburg-Eibenschitz, lvorin dieser sonderbarerweise behauptet, daß der hier allgemein geachtete Literat und Publicist Herr Arthur Eibeuschütz in der Bloch'schen „Oesterreichischen Wochenschrift" für den „Zionismus" propagirt und daß viele Leser der „Neuzeit" ihn, den Herrn Schweiuburg-Eibenschitz, anfrugen, ob er mit dem Herrn Arthur Eibenschütz identisch fei, und ebenfalls für den „Zionismus" schwärme! Diese sonderbare Zuschrift in der „Neuzeit" mußte hier in Krakau und wahrscheinlich überall, wo die allgemein verbreitete „Oesterreichische Wochenschrift" gelesen wird, ein wahrhaft homerisches Lachen Hervorrufen! Wer nämlich den in Ihrem geschätzten Blatte erschienenen Artikel „Der Judenstaat" des Herrn Arthur Eibeuschütz gelesen hat, muß wahrgenommen haben, daß Letzterer entschieden ein Gegner des „Zionismus" ist. Es ist daher unbegreiflich, daß Herr Schweiuburg-Eibenschitz, der sich in der gedachten Zuschrift als „Schriftsteller" gerät, den so populär und klar gehaltenen Artikel der „Judeustaat" in Ihrem geschätzten Blatte so falsch auffasfeu konnte, in Folge dessen er sozusagen als journalistischer „Don Quixote" einen Kampf gegen Windmühlen begann, der ihm nur allgemeines Mitleid einbrachte! Ganz seltsam und sehr zweifelhaft muß es Jedeni erscheinen, wenn Herr Schweiuburg-Eibenschitz versichert, daß er von vielen Seiten angefragt wurde, ob er mit dem Herrn Arthur Eibeuschütz identisch sei, da doch der in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienene Artikel des Herrn Arthur Eibeuschütz mit dessen Vor- und Zunamen gezeichnet und ausdrücklich aus Krakau datirt war!- Es ist wahrhaft merkwürdig, wohin die Eitelkeit einen Menschen treiben kann; denn unleugbar war es lediglich das unüberwindliche Bedürfniß, sich gedruckt zu sehen und sein „Geistchen" durch gleichzeitige Expectorationen über den „Zionismus" leuchten zu lassen, welches ihm einen solchen Possirlicheu Streich spielte, daß er in dem Herrn Arthur Eibenschütz, der ein enragirter Gegner des „Zionismus" ist, einen Anhänger desselben erblickt, und sich deshalb durch die erwähnte famose Zuschrift an die „Neuzeit" so eclatant — blamirte. Das Sonderbarste aber an diesem komischen Falle ist der unerklärliche Umstand, daß die Redaction der,, Neuzeit", welcher der Inhalt des Artikels „Der Judeustaat" des Herrn Arthur Eibeuschütz aus Krakau wohl bekannt sein dürfte, sich von der Eitelkeit des Herrn Schweiuburg-Eibenschitz in Wien so — dupiren ließ! Indem ich Sie, hochgeehrter Herr Redacteur, ergebenst ersuche, diese verdiente Abfertigung an Herrn Schweiuburg- Eibenschitz _ im Interesse der Wahrheit in die nächste Nummer Ihres geschätzten . Blattes gesl. vollinhaltlich aufnehmen zu wollen, zeichnet mit vorzüglichster Hochachtung Ihr ergebenster Dr. Ä. S. Corresponvenzen. Wien. In unseren Tagen ist es nichts Seltenes mehr, daß ein Monarch einen Juden zur Tafel zieht. Daß aber ei t Jude die Ehre hat, mit drei Monarchen zugleich an der Tafel zu sitzen, das ist gewiß etwas Seltenes. Zur G a l a t a s e l, die unser Kaiser anläßlich der Eröffnung des Eisernen Thores zu Ehren der Könige von Rumänien und Serbien in Orsova gegeben, wurde auch der Eultusvorstand jenes Bezirkes, Herr Salomon Sternthal geladen. Herr Sternrhal hatte übrigens auch die Ehre, den Kaiser in einer besonderen Audienz feierlich begrüßen zu können. Wien. Der anmaßende Terroristnus der Lnegeriatter hat, wie nicht anders zu erwarten war, zu einem Bruche innerhalb der eigenen Partei geführt. Die ■ dentschnationalen Mitglieder des Wiener G e m e i n d e r a t h e s haben sich genöthigt gesehen, „zur Wahrung ihrer Ueberzeugung, ihrer politischen Ehre und Unabhängigkeit" — d e n B ü r g e r c l n b z u verlasse n. Diesem Schritte habet: sich allerdittgs tticht

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