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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-23 · 43 (23.10.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
43 (23.10.1896)
Date
1896-10-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Sir. 43 Dr. Vlortz's WochrnMrrM. Sette 851 eure Schule und öffentliche Bäder gehen ihrer Vollendung entgegen. Die Colvnie Mosesville verspricht in Kürze der Mittelpunkt Santa Fe's zu werden. Das Wiener Rabbiner-Seminl/r. Die Aufgabe des Wiener Rabbiner-Seminars ist es, Seelsorger für nufere Gemeinden und Religionslehrer für unsere Jugend heranznziehen, und ist es nicht meine Sache zu prüfen, ob diese Anstalt dieser Aufgabe gewachsen, ob die in derselben gehandhabte Erziehungsmethode die richtige ist. Was ich hier besprechen will, ist eine materielle Frage. Es ist allgemein bekannt, daß die Jünger der theologischen Wissenschaft nur zum geringsten Theile ein entsprechendes Auskonnnen haben, die meisten aber, diese Laufbahn in der Erwartung ergreifen, daß ihnen hilfreiche Hand geboten werden wird, um, vor arger Roth geschützt, ihren Studien obliegen zu können. In den ersten Jahren, als es galt, die nöthige Hörerzahl zu gewinnen, um überhaupt die Anstalt eröffnen zu können, da war der Lehrkörper bestrebt, die materiellen Mittel für die Zöglinge ausznbringen und so wurde mancher Schüler zumal aus Galizien angelockt und die Hallen der Allstalt füllten sich zusehends. Heute aber kommen Hörer, die dieselbe Vorbildung wie ihre älteren Collegen und Freunde besitzen und bitten um Aufnahme, aber ihnen wird die Thür zu den Hallen des Wissens gesperrt, sie werden kalt abgewiesen, insvlange sie nicht den N a ch w e i s erbringen, daß sie über genügende Snbsistenzinittel verfügen. Mein Gott, die armen Leute, die, durch Beispiel ihrer älteren Freunde verlockt, mittellos mit dem Wanderstabe in der Hand nach Wien kommen, sehen sich schnöde zurückgewiesen, haben Zeit und den letzten Sparpfennig geopfert, sind dem größten Elende preisgegeben und in ihrer weiteren Carriere, die ihnen durch Bersäunnliß der -Einschreibung in eine andere Anstalt abgeschnitten wurde, gestört. Statt Erbarmen und Hilfe finden sie an der Schwelle der Erziehungsanstalt für jüdische Rabbiner und Religionslehrer nur ein starres unerbittliches „Non possumns“. Du hast nicht wovon zu leben, folglich kannst Du auch hier nicht lernen. Ja, was haben denn die armen Teufel verbrochen, daß sie so unglücklich gemacht werden sollen, soll ihr Wissensdurst so schnöde belohnt werden. In den alten Jeschubahs und selbst im kleinsten Cheder GalizienshuldigtmandemGrundsatzunsererWeisen: „Hisharu »ihne auiim“ und nimmt sich ihrer an. Allerdings sind hier die Jeschnbahs nicht wegen der Rabbis da, sondern umgekehrt. Doch ein Fortschritt muß sein, das Alte, wenn auch Gute, muß abgestreift werden, wir müssen modern sein und Rachmones ist unmodern, paßt nicht für eine „theologische Lehranstalt" unserer Zeit. Also muß mail sich vor dem armen hungernden Hörer durch den Grundsatz schützen: „Werst ihn heraus, er zerbrecht mir das Herz". Allein man sollte diesen Ruf warnend in den Zeitungen erheben. Da hätte die theologische Lehranstalt Alle davor warnen sollen, die sich unterfangen, ohne wohlgefüllten Beutel, dem Worte Gottes lauschen zu wollen; dazu hatte man aber nicht den Muth und wenn der eine oder andere arme Teufel darob zu Grunde geht, was liegt daran. __ Ich glaube aber, daß es Pflicht eines jeden anständigen Menschen sei, seinen Warnungsruf zu erheben, um unsere arme, besonders die unerfahrene galizische Jugend von übereilten Schritten abzuhalten, und dies ist auch der einzige Zweck dieser Zeilen. M. Pfarrer Deckert^s Conferenzreden. Der Pfarrer von Weinhaus hat sich von den anstrengenden Reden gegen die Freimaurer, die er in Salzburg und auch anderwärts gehalten, rasch erholt, indem er in seiner Pfarrkirche in einer Reihe von Predigten gegen die Juden loszog. Diese Hetzreden nennt Pfarrer Deckert euphemistisch: Conferenzreden. Welcher Geist sie erfüllt, das verräth schon der Titel, den ihnen der hochwürdige Prediger gab: „Juden raus!" Dieser in Wirthshäusern ordinärster Sorte nicht ganz ungewöhnliche Ruf wurde an feierlicher Stätte, in einer Kirche, von einem Vertreter der Religion der Liebe wohl anstatt eines Satzes aus dem Evangelium zum Texte erkoren. Dem edlen Titel entsprach allerdings der Inhalt der Reden vollständig. Wir wollen bei demselben nicht länger verweilen und möchten nur ein Moment herausgreifen. Pfarrer Deckert, der katholische Priester, legte neuerdings vor der versammelten Gemeinde sein Glaubensbekenntniß ab, daß auch die Taufe in der Regel den Juden nicht verändere. Nun, vom jüdischen Standpunkt braucht man gegen diesen das Wesen und die Grundlage des Christenthums erschütternden Grundsatz nicht anzukämpsen. Wie die Kirchenoberen des Herrn DeckertJich dazu stellen werden, daß ein Priester das Sacrament der Taufe in solcher Weise negirt, kümmert uns auch nicht. Nur eine Frage möchten wir an Herrn Deckert richten: An wen dachte er bei seinem Dictum? An Paulus Mayer, in dem er einst seinen Freund, Lehrer und Compagnon verehrte, oder an Dr. Max Löw, mit dem er auch heute noch durch die Bande innigster Freundschaft verbunden ist? Wenn er diesen letzteren so bitterlich kränkt ititb ihn öffentlich verleugnet, dann fühlen wir ein menschliches Erbarmen in uns mit dem Manne, der so viel für Deckert gethan hat, daß ihm kaum mehr etwas zu thun für ihn übrig geblieben ist. Und dafür soll der arme Dr. Max Löw nicht einmal die Beruhigung haben, zu wissen, daß wenigstens Dr. Deckert in ihm seinesgleichen sehe, achte und bewundere? Wenn Deckert nicht in ihm einen durch die Taufe völlig Veränderten erblickt, wer soll dann glauben, daß Löw heute nicht mehr das ist, was er einst war? Armer Dr. Löw, das muß ihn bitter kränken, das hat er nicht verdient. Gerade er, der Deckert zu Liebe bis zum Aeußersten ging, der sich sogar zu der selbstmörderischen Racentheorie bekennt, dürste das Lob verdienen, daß er nach der Taufe ein ganz Anderer geworden ist. Gemnthliches von einem Judenfresser. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Die Zweiseelen-Theorie unserer antisemitischen Lehrer zeitigt bekanntlich schon die schönsten Blüthen. Sie behaupten, es sei ganz gut möglich außerhalb der Schule gegen alle Inden zu Hetzen und in der Schule objectiv und gerecht gegen die Schüler zu sein, ohne Unterschied der Consefsion. Herr Professor P o m m e r scheint aber schon bei einer Dreiseelen-Theorie zu halten. Man erzählt mir, daß er meistens sogar jüdische Zöglinge in seinem Hanse beherbergt, die bei ihm auch die Kost haben. Ist das nicht nett? Der Judenfresser, der — wenn auch gegen gute Bezahlung - jüdischen Kindern zu essen gibt, das ist doch ein rührendes Bild. Der elerieale Knotz. Unser an traurigen Momenten überreiches politisches Leben bietet denn doch auch hie und da heitere Momente, die den grämlichsten Hypochonder zu einem herzhaften Lachen bewegen können. Wer wird ernst bleiben bei der Nachricht, daß Herr K n o tz in Niederösterreich elerieale Landtagswahlreden hält? Ja, Knotz, der deutsche Knotz, der urteutonische Knotz, der durch altgermanische Grobheit berühmt gewordene Knotz, ist in das elerieale Lager übergegangen und hält mit scheinheiligen Mienen, mit fromm verzückten Augen salbungsvolle Reden über die Rückkehr zur alleinseligmachenden Religion. Armer Knotz! Mit der Grobheit allein, das sieht er wohl schon ein, ist man heute kein gemachter Mann mehr. Da ist die Concurrenz zu groß geworden. Das trifft heute jeder leere Kops und jeder dreiste Flegel schon. Man muß heute auch zu dem frommen Troß L u e g e r's, des Herrn von Wien, gehören, wenn man etwas sein, etwas werden will. Und das ist die einzige Sehnsucht des Herrn K n v tz. So wurde er fromm, so wurde er ein clericaler Candidat. Wie gesagt, unser politisches Leben bietet auch heitere Momente. Die Geschäfte des Fürsten Carl Liechtenstein. Gegenwärtig ist eine Verlassenschafts- und Concnrsangelegenheit zum Abschlüsse gelangt, welche schon seit zwei Jahren die Behörden beschäftigte. Die Verlassenschaftsabhandlung nach dem vor circa zwei Jahren ans seinem Gute zu Nenlengbach verstorbenen Fürsten Carl Liechtenstein war schon vor Jahresftist durchgeführt worden, allein nachträglich meldeten sich noch Gläubiger, welche von dem Gutsverkause in Neulengbach gehört hatten und die Hoffnung hegten, doch noch Etwas für sich herauszuschlagen. Fürst Carl L i e ch t e n st e i n war als leichtsinniger Schuldenmacher bekannt, der die unglaublichsten Mittel anwendete, um zu bestimmten Zeiten zu Geld zu kommen und seinen noblen Passionen sröhnen zu können. So hatte er unter Anderem auch — alte Locomotiven aus Borg gekauft, um sie sofort um jeden Preis loszuschlagen. Ferner kaufte er ganze Wagenladungen von Stroh- Hüten, Schuhen u. s. w. immer - auf Borg, und verkaufte diese Dinge sofort um einen Schleuderpreis, nur uni sogleich zu Geld zu kommen. Bei einem Juwelier nahm er um 30.000 Gulden Schmuck, ohne auch einen Kreuzer zu bezahlen — dem F ü r st e n borgten Alle ohne Besinnen — und verkaufte natürlich auch diesen Schmuck sofort. Alle diese Leute beweinen noch heute den Verlust ihres Geldes, manche unter ihnen, so der erwähnte Juwelier, wurden durch ihn geradezu an beit Bettelstab gebracht. Sogar einem Dien st m a n n schuldete der Fürst den Betrag von

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