Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 42 (16.10.1896)
- Date
- 1896-10-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr 42 Vr. Vlortz's Ivochrnsrhrifi «eite 841 schrifl gelesen hat: Barock Berr, Fauchoa Berr, Lipman Berr, Jsaac Nteyerberr, 1780. London. (D i e n e it e s Pani s ch e S y lt a i] o g e.) Sonntag Nachmittags fand die feierliche Einweihung der neuen fpanischen und portugiesischen Synagoge in Landerdale Road, Maida Hill durch den Rabbiner der spanisch-portugiesischen Gemeinde, Dr. Gaster, statt. Trotz des ungünstigen Weilers hatten sich fast alle Persönlichkeiten, an die Einladungen ergangen waren, eingefnnden. Nach den üblichen Formalitäten sprach Dr. Gaster das Gebet für die Königin und die königliche Familie, wie mach für die versammelte Gemeinde. Nach Absingen des XXIX. Psalmes öffnete Sir Joseph Sebag Mvntefiore die Bnndeslade und that die Gesetzesrvllen hinein und Dr. Gaster zündete das ewige Licht j an. Mit einer schönen, ergreifenden Rede des Rabbiners endete j die erhebende Feier. i London. Der Chovevi Zion-Verein (Chvvevi Zion Assv-! ciativn) hat ein Comite zu dem Zwecke gebildet, ein jüdischi palästinensische Ausstellung in London zu veranstalten, und eine! Summe von 1000 Pfund Sterling wurde bereits gezeichnet. j London. Am 18. Oetvber findet das erste Diner der; „Maccabäer" in dieser Saison statt. Joseph Jacobs ist der! Ehrengast des Abends, dem letzten vor seiner Abreise nach; Amerika, wo er am Grätz College in Philadelphia eine Reihe! von Vorträgen halten wird. I. Zangwill lvird den Vorsitz führen, j London. Der verstorbene Baron Hirsch soll Alles, was ' er ans dem Turf gewann, für wvhlthätige Zwecke ansgegeben haben. In Erinnerung daran hat seine Witwe, Baronin Clara Hirsch, für England allein 10.000 Pfund (ungefähr 120.000 sl.s> jährlich zur Bertheiluug an Wohlthätigkeitsaustalteu bestimmt.; Liverpool. Vorigen Monat wurde hier ein neues Beth- Hamidrasch eröffnet. i Die neue jüdische Zeitung (Herausgeber Cavazia 5t'ing), findet außerordentlichen Anklang; besonders verläßlich sollen darin die russischen Nachrichten sein. j San Francisco. Dem Cantor des Emann-el-Tempels, welcher, obwohl er erst kurze Zeit in unserer Stadt wirkt, sich bereits einen ausgezeichneten Ruf als Sänger. Musik r und . Componist erworben hat, ist eine große Ehre zntheil geworden. : Er wurde zum Professor an der Opernschnle in Columbia! ernannt. Hohenems, wo die Wiege des berühmten Snlzer stand, ist auch der Geburtsort Stark's, und es scheint, daß der nenernannte Professor sich seinen berühmten Landsmann, der in > Wien eine ähnliche Stelle innehatte, als Vorbild ansersehen hat.! Chicago. Das jüdische Lehrerseminar, in Verbindung 1 mit einer Mnsterschule, wurde wiedereröfsnet. Die Einschreibungen ergaben ein Resultat von fast 1000 Kindern. j Johannesburg, (Südafrika). Es soll hier eine Reformj synagoge nach dem Muster der Londoner Berkeley-Street-Syna- > gvge errichtet werden. Die Führer der neuen Bewegung sind! die Herren Langermann und Joseph Jacobson. Port Elisabeth (Südafrika). In der Versammlung der! jüdischen Gemeinde wurde M. Gnmpert zum Präsidenten und Herr L. Burma» zum Cassier gewählt. Feuilleton. Der König der Schnorrer. Von I. Zangwill. lNachdruck verboten.) (Fortsetzung.) II. Capitet. Z e i g t, w i e d e r König regierte. Als der Financier einsah, daß er in einen Fischträger verwandelt worden sei, eilte er die Stufen hinan, um beim Oeffnen der-Thür an der Seite des Schnorrers zu stehen. Der Livröbediente wurde durch den Anblick dieser Nebeneinauderstelluug sichtlich betroffen. „Dieser Lachs soll in die Küche kommen!" schrie Grobstvck verzweifelt, indenr er ihm den Sack übergab. Da Costa sah finster dcein und war im Begriffe zu ffwechen, aber Grvbstock's Augen richteten sich mit verzweifeltem Flehen ans ihn. „Wartet einen Augenblick, ich werde gleich mit Euch fertig sein", rief er und beglückwünschte sich selbst zu einer Phrase, die Wilkinson sicherlich in anderem Sinne aussassen würde. Er athmete erleichtert aus, als der Lakai verschwand und sie in der geräumigen Vorhalle mit ihren Statuen und Gewächsen stehen ließ. „Ans diese Weise stehlt Ihr mir also meinen Lachs?" fragte Da Costa hitzig. „Still, still ich hatte nicht die Absicht, ihn zu stehlen — ich werde Euch dafür bezahlen." „Ich will ihn aber nicht verkaufen! Ihr habt ihn von allem Anfang an begehrt Ihr habt das zehnte Gebot gebrochen, geradeso wie diese steinernen Figuren das zweite verletzen. Euere Einladung, Euch sofort hierher zu begleiten, war ein bloßer Kniff. Jetzt verstehe ich, warum Ihr es so eilig hattet." „Nein, Da Costa, nachdem Ihr mir den Fisch übergabt, blieb mir nichts übrig, als ihn Wilkinson zu geben, da - da' Die Erklärung wäre Grobstvck etwas schwer geworden, aber Manasse ersparte ihm die Mühe. „Als Wilkinson meinen Fisch zu geben?" siel er ein. „Herr, ich hielt Euch für einen seinen Mann, einen Ehrenmann. Ich gebe zu, daß ich Euch meinen Fisch übergab, aber weil ich nicht zögerte, ihn Euch zum Tragen zu geben, bezahlt Ihr mir so mein Vertrauen?" In dem Wirbel seiner Gedanken klammerte sich Grobstock an das Wort „Zahlen", wie ein Schwimmer in einem Wirbelstrom sich an einen Strohhalul klammert. „Ich werde Euch Euer Geld zurückzahlen," schrie er „hier sind Eure zwei Guineen, Ihr könnt Euch einen andern Lachs kaufen, und zwar billiger. Wie Ihr selbst sagt, hättet Ihr diesen für fünfundzwanzig Schillinge bekommen können". „Zwei Guineen", ries Manasse verächtlich. „Jonathan, dem Fischhändler, habt Ihr drei geboten." Grobstvck war erstaunt, aber es lag unter seiner Würde, zu handeln, und er erinnerte sich, daß der Lachs ihm ja doch schmecken würde. „Nun, hier sind drei Guineen", sagte er friedfertig, indem er sie ihm hinhielt. „Drei Guineen!", wiederholte Manasse, sie verächtlich zurückstoßend. „Und was ist's mit meinem Profit?" „Prosit?" keuchte Grobstvck. „Da Ihr mich zum Zwischenhändler gemacht habt, da Ihr «lief) zum Fischhandel gedrängt habt, muß ich meinen Prosit haben wie jeder Andere." „Hier ist eine Krone extra." „Und meine Entschädigung?" „Was meint Ihr?" fragte Grobstvck außer sich. „Wofür Entschädigung?" „Wofür? Für mindestens zweierlei", sagte Manasse unerschütterlich. „Erstens", und während er seine logisch geordnete Antwort begann, nahm er den Singsangtvn an, der talmudischen .Dialectikern heilig ist, „erstens Entschädigung dafür, daß ich den Lachs nicht selbst esse. Denn es ist nicht so, als wenn ich ihn Euch angebvten hätte; ich habe ihn Euch blvs anvertraut und im zweiten Buch Moses steht geschrieben, daß wenn Jemand seinem Nachbar einen Esel oder Ochsen oder ein Schaf oder sonst ein Thier zum Hüten übergibt, dann soll er für jede Uebertretung, ob es nun den Ochsen, den Esel, das Schaf, Kleidungsstücke oder sonst irgendein Ding betrifft, das Doppelte erhalten; und darum müßt Ihr mir sechs Guineen zahlen. Und zweitens —" „Keinen Pfennig mehr," keuchte Grvbstock, rvth wie ein Truthahn. „Schön", sagte der Schnorrer unverzagt, und die Stimme erhebend, ries er: „Wilkinson!" „Stille", gebot Grvbstock. „Was thut Ihr?" „Ich will Wilkinson sagen, daß er mir mein Eigenthum zurückbringt!" „Wilkinson wird Euch nicht gehorchen." „Mir nicht gehorchen! Ein Diener! Und nicht einmal ein Schwarzer! Alle Sephardim, die ich besuche, haben schwarze Diener — viel größere als Wilkinson — und sie zittern ans einen Blick vor mir. Bei Baron D'Aguilar in Brvad Street Buildings sind viernndzwanzig Bediente und sie —" „Und worin besteht Euer zweiter Anspruch?" „ In Entschädigung dafür, daß Ihr mich zum Fischhändler erniedrigt habt. Ich bin nicht einer von denen, die auf der Straße verkaufen, ich bin ein Sohn des Gesetzes, ein Talmudgelehrter." „Wenn eine Krone für jeden dieser Ansprüche genügt —"