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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-16 · 42 (16.10.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
42 (16.10.1896)
Date
1896-10-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Dr Vloch's Wochenschrift Seite 839 Nr. 42 Stallung für zwei Pferde in dem Herrschaftsgebäude untergebracht werden, wofür nur eine ganz kleine Miethentschädignttg von Seite der Behörde geleistet wird. Das Einvernehmen zwischen dem Gutsbesitzer und beit behördlichen Organen war bis vor kurzer Zeit das beste und mau darf sagen ein familiäres. Da wurde ein gewisser B a r a b a s ch zum Bezirksleiter dorthin versetzt, ein Mann der 25 Jahre untergeordneter Beamter geblieben und in Folge seiner Neigung zum Trinken und zu Gewaltmaßregeln es bis heute nicht weiter bringen konnte, als zum Adjuncten erster Classe. Dieser wurde mit der provisorischen Leitung, des Bezirkes von Pisarovina betraut. Am 4. d. M. Abends kehrte der so gefürchtete Herr Bezirksleiter Barabasch in angeheitertem Zustande aus Agram nach Hause und versuchte seine zwei Pferde in dem Herrschaftsstalle einzustellen, was der junge Herrschaftsbesitzer nicht zulassen wollte, mit dem Bemerken, daß die Behörde ihren eigenen von der Herrschaft neu erbauten Stall in der nächsten Nähe des Gerichtsgebäudes besitzt. Nachdem nach mehrmaliger Ausferderung des Herrn B a r a b a s ch der Stall nicht geöffnet wurde, ging derselbe fort und kam mit 4 Gendarmen mit ausgepflanzten Bajonnetten und ließ das im Stalle befindliche Hornvieh hinansjagen und seine Pferde einstellen. Nicht genug an dem eigenmächtigen Vorgehen, ließ Herr Bezirksleiter B a rab a s ch den jungen Herrschaftssohn im Kotter abführen, internirte ihn bis nächsten Tag 11 Uhr, um ihn dann mittelst Gendarmerie dem Agramer Gerichtshöfe einzuliefern, wo derselbe aus Intervention des Herrn G. Priester und des Agramer Advocaten Dr. Ludwig Schwarz aus freiem Fuße gegeben wurde. Der Vater des jungen Mannes wurde auf telegraphischem Wege hieher berufen. Herr B i s ch i tz sen. hat die geeigneten Schritte bei der Behörde gethan, damit seinem Sohne die gerechte Satisfaction zu Theil werde. Herr Obergespan von Kovacevich begab sich sofort nach Pisarovina, um diese Angelegenheit zu untersuchen, und es ist zu hoffen, daß Bezirksleiter Barabasch seiner Strafe zugeführt wird. In allen Kreisen gibt sich für den jungen B i s ch i tz die größte Theilnahme kund. Wir hoffen, daß die Untersuchung baldigst beendet sein wird und Herr Barabasch, „der Pascha von Pisarovina", seiner gerechten Strafe entgegengeht. Wir werden die Austragung dieser Angelegenheit mit Sehnsucht erwarten und über den Ausgang derselben baldigst berichten können. A r g tt s. Budapest, 7. October. Victor Istocz y, der den Rumer Wahlbezirk seit dem Jahre 1872, aso seit nahezu einem Vierteljahrhundert, im Abgeordnetenhause vertreten hat, verständigte seine Wähler, daß er auf das Mandat dieses Bezirkes nicht mehr reflectire. Jstoczy, der während der verflossenen Legislatur- Periode ein einziges Mal das Wort ergriffen hat, erinnert seine Wähler daran, daß er schon im Jahre 1892 erklärt habe, er nehme das Mandat zum letzten Male an. Das von persönlicher Erbitterung erfüllte Schreiben enthält die interessante Bemerkung, daß die Führer der ungarischen Politik behaupten, es gebe keine Judenfrage in Ungarn, und daß zwei Mahlgänge diese Auffassung der leitenden Politiker bestätigt haben. Ob Victor Jstoczy. der schweigsam gewordene Führer der einst bestandenen, längst verschwundenen Antisemitenftaction, anderwärts candidiren wird, ist nicht bekannt. Berlin, 6. October. (Hut a b.) Ein seltener Zwischenfall ereignete sich am Montag vor der neunten Strafkammer des Landgerichtes I während der Vereidigung eines Zeugen. Als sich die Anwesenden erhoben hatten und der Vorsitzende die Eidesformel vorzusprechen begann, bedeckte ein im Zuhörerraume befindlicher jüdischer Zuhörer sein Haupt mit seinem Hute und behielt ihn während der Eidesceremonie auf. Der Staatsanwalt beantragte hierauf wegen Ungebühr vor Gericht 30 Mark Ordnungsstrafe. Auf die seitens des Vorsitzenden an den betreffenden Zuhörer gerichtete Frage, weshalb er seinen Hut ausgesetzt, schwieg jener anfangs ganz verdutzt, dann aber erklärte er, daß er ein orthodoxer Jude und ihm als solchem vorgeschrieben sei, bei einer Eidesleistung sein Haupt zu bedecken. Aus Grund dieser Erklärung nahm der Gerichtshof Abstand, eine Ordnungsstrafe auszusprechen. — Hut ab — vor dem Gerichtshof! Berlin, 6. October. Der socialdemokratische „Vorwärts" berichtete jüngst in seiner spöttischen Weise folgenden Vorfall: „Die Wirkung der Taufe hat sich vor Kurzem so glänzend bewiesen, daß wir unseren Lesern den merkwürdigen Fall nicht vorenthalten wollen. An einer hiesigen Gemeindeschule hospitirte seit langer Zeit eine jüdische Lehrerin, welche unverdrossen jahraus jahrein aus ihre Anstellung wartete in der Hoffnung, daß, wenn ihr endlich das Gluck der Anstellung blühen sollte, der Magistrat über die Ueberschreitung der Altersgrenze hinwegsehen würde. Da plötzlich kam das Nescript des Provinzial-Schul Collegiums, beziehungsweise des Cultnsministers, wonach jüdische Lehrerinnen fortan nnr angestellt werden dürfen, wenn das Be dürfniß vorliegt, die Lehrkräfte für den jüdischen Religionsunterricht in den Gemeindeschnlen zu vermehren. Ter betreffenden Dame wurde von der Schnldepntation der Rath gegeben, von einem weiteren Hospitiren an den Gemeindeschnlen abzusehen, da es nach Lage der Sache nunmehr aussichtslos sei, daß sie eine Anstellung als Lehrerin erhielte. Im vorliegenden Falle scheint es sich um eine sehr resolute, die Forderungen des Tage» begreifende Dame zu handeln; denn nach wenigen Wochen erhielt die Schnldepntation ein erneutes Anstellnngsgesncb, dem die psarramtliche Bescheinigung beigelegt war, daß die Dame in die evangelische Glaubensgemeinschaft ausgenommen sei. Tie Schuldeputation beschied die Lehrerin dahin, daß sie erst den Befähigungsnachweis für die Ertheilnng evangelischen Religionsunterrichtes beibringen müsse, ehe ihrem Gesuche näher getreten werden könne. Noch einige Wochen und die Nenbekehrte konnte auch diese Forderung erfüllen, indem sie eine Prüfung über ihre Fähig keit zur Ertheilnng evangelischen Religionsunterrichte» bestand, welche ihr eilt sehr befriedigendes Zengniß einbrachte. Nunmehr konnten Schnldepntation, Magistrat und Stadtverordnete nicht länger widerstehen, und seit heute fnngirt die Dame als wohlbestallte Lehrerin an einer Berliner Gemeindeschnle. Es ist wieder einmal das Ei des Colnmbns entdeckt worden. Jüdinnen dürfen an Volksschulen nicht nnterrichten — also taufen! Probat, mu est!" Ein Vorwurf würde in einem solchen Falle, wie die „Kreuzzeitnng" bemerkt, den Geistlichen treffen, wenn er etwa „ohne ausreichende Unterweisung in der christlichen Glaubenslehre und ohne genaue Prüfung der Beweggründe zu dem Tanfbegehren" die Jüdin aufgenommen hätte. Wie man uns aber noch privatim mittheilt, ist die betreffende Dame die älteste der sieben jüdischen Hvspitautinneu, denen vor kurzer Zeit die bekannte Mittheilnng des Magistrates gemacht wurde, ferner aber hat sie kurz vorher das Zengniß eines hiesigen Rabbiners über ihre Befähigung zur Ertheilnng des jüdischen Religionsunterrichtes eingereicht! Paris. Zn Ehren des Czarenbesnches fand Dienstag Nachmittags ein Gottesdienst im Tempel in der Rue de la Victoire statt. Das große Gebäude war zum Erdrücken voll und das Centralconsistorium war vollständig erschienen. Im Verlaufe seiner Predigt sagte der Grandrabbin Zadoc Kahn Folgendes: Sei gesegnet, o Czar, dessen erster Schritt in Frankreich dem Besuche Deiner Kirche galt! Du hast damit ein herrliches Beispiel allen Denen gegeben, welche die Gnade Gottes so hoch gestellt hat, daß das Glück von Mtklionen, die Wohlfahrt ganzer Nationen in ihre Hand gegeben ist .... Sv hoffen wir denn das Beste für die Zukunft, und wir freuen uns an diesem Tage, der für immer Frankreichs Größe die We he gegeben hat. Der Grvßrabbiner war mit unter den hohen Staatswürdenträgern, welche am Tage der "Ankunft des Czarenpaares demselben im Palais Elysöe vorgestellt wurden. London. Letzten Sonntag hielt der Verein für jüdische Ansiedlnng (Jewish Cvlonisativn Association) eine Versammlung ab, in welcher mitgetheilt wurde, daß der neue Verwaltungsrath vom 13. bis 16. October in Paris znsammenkommen werde. Es sollen Delegirte ans Rußland daran theilnehmen, welche dem Verwaltungsrath über die gegenwärtige Lage und über die Aussichten der Inden Rußlands berichten werden. Ans "Argentinien sind befriedigende Berichte eingelansen und man hofft viel von einer guten Ernte. Die englischen Mitglieder des Verwaltnngsrathes, Alfted L. Cohen, G. H. Lonsada und Claude (>). Monte störe, werden der Versammlung in Paris beiwohnen. Auch die „Alliance Jsraelite Universelle" und die jüdischen (Gemeinden von Brüssel, Frankfurt und Berlin werden Vertreter entsenden. London. (D e r S ch ah v o n P e r s i e n n nd die Jude n.) Der Schah von Persien hat ans die Adresse des Cultnsvorstandes und der jüdisch-englischen Allianz >"Anglv- Jewish Association) folgende "Antwort durch den persischen Minister gesendet: An den Secretär des Cultnsvorstandes und der jüdischenglischen Allianz. Geehrter Herr! Ich habe die Ehre, Ihnen mirzntheilen, daß ich Ihre "Adresse nach Teheran weiterschickte, wo sie Seiner

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