Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 42 (16.10.1896)
- Date
- 1896-10-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 838 Dr. Vloch's Wochenschrifl. Nr. 42 Jglau, 11. October. Vorgestern, Freitag, au demselben Tage und fast in derselben Stunde, da im Schoße des W i c u e r Gemeinderathes die widerlichsten, antisemitischen Orgien gefeiert uub jüdische Gemeinderäthe mit geballten Fäusten bedroht wurden, hat der liberale I g l a u e r Gemeinderath vier seiner Mitglieder, drei Christen und einen Inden, in Anerkennung ihrer ersprießlichen Leistungen im Bereiche des städtischen Gemeinwesens zu Ehre nb ür gern ernannt und dadurch einen freisinnigen Act vollzogen, der allgemein Anklang findet. Der in solcher Weise ausgezeichnete Glaubensgenosse ist der hochverdiente Baukdirector Herr Adolf Lieblich, der seit fast einem Vierteljahrhundert als Mitglied des Stadtverordneten-Cvlleginms, sowie als Präses der israelitischen Cultusgemeinde mit neidenswerthem Geschicke und mit opferfreudiger Hingebung seine Ehrenämter verwaltet und dessen persönliche Würdigkeit sich der vollsten Anerkennung zu erfreuen hat. Unsere Cultusgemeinde begrüßt die auszeichnende Ehrung ihres Präsidenten, durch welche sie sich selbst geehrt fühlt, mit rückhaltlosem Jubel und mit gerechten: Stolze. Ungewöhnlich groß ist die Gratulantenfchaar, die dem ersten, jüdischen Ehrenbürger der königlichen Stadt Jglan ihre Sympathien bekundet, und steht der bescheidene Mann wehrlos einer Sturmflnth von Ovationen gegenüber, welcher er, wenn es ihm möglich gewesen wäre, am liebsten aus dem Wege gegangen sein würde. Möge es dem neuen Ehrenbürger noch eine lauge, lange Reihe von Jahren gegönnt sein, seine eminente Arbeitskraft in ungetrübter physischer Rüstigkeit und Geistesfrische dem Wähle seiner Stadt- und Cultusgemeinde zu widmen und das cordiale Berhältniß der Confessionen im Schoße der hiesigen, lichtfreuudlicheu Bevölkerung nach wie vor fördern zu helfen. 11. Podwoloczyska, 5. October. Es hieße Eulen nach Athen und Wasser ins Meer tragen, wollten wir die Wohlthateu hervorheben, die Frau Baronin Hirsch seit dem Tode ihres unvergeßlichen Gatten um sich streut. Sie ist eben die edle Frau eines edlen Mannes, die nicht nur von den Zeitgenossen bewundert, verehrt und gesegnet, sondern die hinüberragen wird in ferne, weitentlegene Zeiten, die nach uns kommen, als unvergängliches Standbild der Geschichte der Humanität. Wie früher bei dem im Wohlthnn unermüdlichen und unerschöpflichen Baron Hirsch, pocht jetzt jeder Hilfsbedürftige bei seiner großmüthigen Witwe au, und wie früher findet er Erhörung und Gewährung. Unser kleines entlegenes Städtchen wurde von einem Brandunglück betroffen, wohin sich nun zunächst wenden? Das Rettungscomitö wußte Bescheid: Wie selbstverständlich, an Frau Baronin Clara Hirsch in Paris sich zu wenden, die auch nicht zögerte, uns ihre großmüthige Spende von 2532 Gulden zukommen zu lassen. Wenn man bedenkt, wieviel Unglücksfälle in Europa Vorkommen, wie Jedermann dann in seiner Roth die Großmuth der edlen Frau anruft und wie sie gleich der Sonne ihre Strahlen in die entlegensten Winkel sendet, so kann man ermessen, was diese hohe Dame leistet und wie sie im Geiste ihres unsterblichen Gatten wirkt. Möge sie der Himmel noch lange, lange erhalten zum Segen der Menschen und zum Stolz ihrer Glaubensbrüder! I- P-p. Gödiug, 11. October. Mit Bezug aus die in voriger Nummer Ihres geschätzten Blattes unter Cvrrespondenzen s. l. Gödiug erschienene Berichtigung erlaube ich mir Folgendes zu bemerken: Laut des in meinen Händen befindlichen Protokolls, ausgenommen über die von uns jüdisch-nationalen Studenten in Gödiug veranstaltete Bersammluug, wurden folgende Anträge zur Abstimmung gebracht: 1. Ist die Organisation der Juden überhaupt wünschenswerth? 2. Ist eine solche in Göding zu vollziehen oder 3. soll sich Göding einer anderwärts bereits bestehenden Organisation ansthließen? Die ersten beiden Anträge wurden mit allen gegen 3 Stimmen angenommen, der dritte durch Annahme des zweiten abgelehnt. Das hierauf gewählte 1 ögliedrige Comit« wurde behufs Co ustituiru ng der Organisation in Göding und nicht zur Berarhnng über die Frage eingesetzt, ob es unter den gegebenen Verhältnissen opportun wäre, in Göding eine Organisation ins Leben zu rufen, da hierüber blos die Versammlung zu entscheiden hatte und durch Annahme des Antrages II auch entschied. Caml. med. A lois M UN k als Schriftführer der Versammlung. BrÜN», 12. Octob;i 189(5. (v*S sind j ü D i j d) c 'JlDUocvitcn, die in der „B r ü u n e r S v u n t a g s - Z e i i u u g" den Kampf gegen Die jüdischen Abwehrbestlcbungcn führen. Gegen die jüdische Lrganisalions-Bervegung nimmt das Blatt folgende! maßen Stellung: „In Mähren und dessen Hauptstadt, wo glücklicherweise die Zusammengehörigkeit all' dessen, tvas sich zur deutschen Sprache und deutschen Cultur bekennt, noch nicht durch die Lehren des Hasses ausgehoben ist, wo aber jede Spaltung eine drohende Gefahr für die Erhaltung dieser deutschen Cultur bedeutet, sollte kein Raum zu dergleichen Spielereien sein." Ad 1) In Mähren gibt cs (wozu denn das Coinpromiß?) die citirte Zusammengehörigkeit ohne Haß nicht. Wer dag nicht einmal weiß, darf kein politisches Blatt gründen. Ad 2) In Brünn aber existirt dieser holde deutsche Friede noch weit weniger. Hier weht ein starker antisemitischer Wind, auch hier (siehe „Brunner Sonntags-Zeitung": .Ans dem . deutschen Hause") ,,beginnt leider eine rückschrittliche Bewegung Überzüge eisen." Bon vielen Beispielen einige: „Deutsches Blatt", Deutsch-nationale Bersarnmlnng. K. H. Wols's Bauerntag, Asfaire Suiny-Lnstig, Directorpostetl der Landes-Jrreuanslalt in Czernowitz, Schulvereins - Hauptversammlung, Sonnwendfeier, Antisemitische Studentenschaft Brünns, Brünner Tirrnverein, Antisemitische Candidatnr der Brünner Lehrer rc.) Abgethan! Jede Spaltung soll im Interesse der d e u 11 chen Cultur und Sprache hintangehalten werden. Bleibet also stramm deutsch-national, Ihr Juden! Diesen, den deutschen Nationalismus, gestatten wir Euch gerne! Wenn es aber einmal einem Juden beifällt, elwcC für j ü d i s ch e Cultur zu thun und für das jüdische Volk, ob sich diese Thätigkeit nun ans das gesellschaftliche oder humanitäre Gebiet erstreckt, so fertigt ihn der er-offo Vertheidiger des Deutschthums und des deutschen Nationalismus, der plötzlich sein kosmopolitisches Herz entdeckt, folgendermaßen ab: „Weiterblickende Erwägungen können dem übertriebenen (jüdischen) chauvinistischen Nativnulismus überhaupt kein Recht zuerkeunen. Er bedeutet immer Sonderung, während die Bedingungen wahrer Gesittung in der Festignng des Solidaritätsgesühts alles menschlichen Daseins wurzeln. Was aber soll man denn nt dem Versuche sagen, erst künstlich eine Nationalität (jüdisches Volk mit deiner uralten Geschichte,, du wirst erst künstlich geschaffen!) zu schaffen, wo das Bewußtsein einer solchen längst geschwunden ist?" Wir fahren fort: Was aber soll man zu dem Versuche sagen, eine deutsche Nationalität in einem Lande obenauf erhalten zu wollen, wo gut drei Viertel der Bewohner czcchisch sind. Was soll man dazu sagen, wenn «tan hiezu als unbezahlte Handlanger die Juden benützen will, derart, daß sich dereinst, wenn die Czechen den sichern Sieg erlangen, der ganze, lang znrückgehaltene Zorn und Haß auf die ..deutschen" Juden ergießt, weil sie ohne Grund und Anlaß die größten „deutsch-nationalen" Hetzer waren? Nein, die Inden, die aus tiefster Seele nach Gerechtigkeit schreien, müssen in der Bekundung ihres Gerechtigkeitsgefühles obenan sein. Sie werden dem Rufe folgen, der ihnen von gewiegten jüdischen Politikern Wiens, beiihnen von Bödmen au? und der ihnen von ihren besten Freunden in Mähren gegeben wurde: „Bleibt gut Freund' mit Deutschen und Czechen, und darum mischet Euch nicht in die Wahlen und nicht in die Politik. Eure Politik muß sein, unpolitisch zu bleiben, denn sonst werdet Ihr in der politischen Mühle zwischen den zwei Mühlsteinen zerriebe» werden!" Das ist judenfreundlich. Nicht aber, die Jud.'n als Prügelknaben in die Teutonenschlacht für deutsche Cultur und deutsche Sprache zu entsenden. Königinhof «r. d. Elbe. Ein bisher gewesener Cultusverein ist durch das neue Gesetz zur Cultusgemeinde gelvordeu; dieselbe constituirte sich bereits, nachdem aus dem zweiten Wahlkörper folgende Mitglieder ans der Wahl hervorgingen: I n den Vor st and: Herr Hermann Nettel, Leopold Popper, Ignatz Kohn, Georg Hammerfchlag, I. 11. Dr. Heinrich Wessely, Heilirich Jung. In den v e r st ä r k t e n B o r st a n d : Adolf Schwarz, Dr. Ernst Breth, Otto Schlein, Gustav Deutsch, Ernst Gerber, fämmtliche aus Königinhof, und D. Pick aus Jaromer. Und zwar: Herr Director Hermann Nettel, Vorsteher; Herr I. U. Dr. Heinrich Wessely, Vorsteher-Stellvertreter; Herr Ignatz Kohn, Tempelvorstand; Herr Leopold Popper, Tempelvorstand-Stellvertreter Herr Georg Hammerschlag, Cassier; Herr Heinrich Jung, "Schriftführer. V o rst e h e r H e r in a n n Nette l, hat am Simchas-Thorafeste den gesammten Vorstand im Vereine mit dem Rabbiner zu einem Diner geladen, welches glänzend verlief. Zu wünschen wäre, daß die Gedanken und Anregungen, welche bei diesem Feste gefallen sind, in der Zukunft Beherzigung und Realisirung finden. Vor Allem möge mit der seit Jahren eingeriffenen Unsitte, jüdische Arbeitskräfte zu ignoriren und mit Vorliebe Nichtjuden zu beschäftigen, -endlich aufgeräumt werden. Wir müssen endlich an unsere Zukunft und an die Zukunft unserer Jugend denken. Dankenslverth war auch eine Anregung des Herrn Schwarz, betreffend Schule und Erziehung der Kinder. Auf diesem Gebiete ist noch viel zu wünschen übrig. Ans Croatien. Ans Agram wird uns Folgendes mitgetheilt: Der Oedenburger Großgrundbesitzer B i s ch i tz kaufte vor fünf Jahren von dem Agramer Advocaten Med ak o v i ch das Gut Pisarovina, lvelches eines der größten Grundbesitze im Agramer Comitate ist. Beim Kauf wurde bedungen, daß für die dortige Bezirksbehörde Localitäten und