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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-16 · 42 (16.10.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
42 (16.10.1896)
Date
1896-10-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 42 Vr. Vwch's Wochrnfchrtft Seite 837 wahren, sondern anch, sollte die Zeit je kommen, alles dies meinem Sohne zu übergeben. Ich hoffe, daß, wenn ich ihm dies überliefere, er von mir sprechen wird, wie ich von meinem Later sprach: Ich habe meinen Rnf, der mir immer thener ist, zn bewahren und einen guter: Namen, der mir kostbarer ist als alles andere, das mir übergeben wurde." (Großer Beifall.) Correspondenzen. Wien. Einer unserer Mitarbeiter schreibt uns: In Nr. 275 des „Wiener Tagblatt" wurde vorige Woche die Aeußerung Lueger's mitgetheilt, „er habe sich vor der Ernennung Tachan's zum Magistratsdirectvr von dessen christlicher Abstammung überzeugt." Dr. Lueger weiß den Paragraph 19 so virtuos ansznnützen, daß durch das Ausbleiben einer Berichtigung die Aeußerung als verifieirt gelten kann. Die Quelle, ans der er sich diese „Ueberzengnng" verschafft hat, würden wir gern erfahren; denn in Wirklichkeit ist die Behauptung total unwahr. Der Vater des Magistrats-Directors Tachau ist in Prag als Jude geboren, taufte sich dann, als er zum Lehramte überging, umrde später Gymnasialdirector in Galizien (ich glaube in Lemberg) und unterrichtete zuletzt mehrere Jahre am akademischen Gymnasium in Wien. Aber trotz seiner Taufe blieb er mit seinen Prager jüdischen Jugendfreunden in steter Verbindung, namentlich mit einem derselben gab er sich oster während der Ferien ein Rendezvous in Earlsbad. Bei einem solchen lernte ich ihn dort kennen.und blieb dann, als er, wie erwähnt, später nach Wien kam, mit ihm im Verkehre. Wien. (H v s p i t a l b a u in Je r u f a l e m.) Wie wir erfahren, interessiren sich immer weitere Kreise für dieses große Liebeswerk, das berufen sein soll, unsägliches Elend zn lindern und dem jüdischen Namen dauernd Ehre zu bereiten. Ein besonderes erfreuliches Zeichen ist, daß die Sammellisten bereits jetzt über 100.000 Mark an solchen Spenden answeisen, deren kleinste Einzelgabe über 500 Mark beträgt. Auch haben verschiedene Wohlthäter den Betrag für eine Bettstiftnng oder den für eine Gedenktafel im neuen Hospital, einige ans den eigenen Namen, andere aus den theurer Heimgegangener, gespendet. Es ist anzunehmen, daß in wenigen Wochen bereits das zum Bau (derselbe schreitet rüstig voran) erforderliche Capital vorhanden sein wird. Hoffen wir, daß der an den verschiedensten Orten entwickelte Eifer für dieses wahrhaft jüdischphilantropische Werk anhält unb immer größere Fortschritte macht, so wird anch in nicht allzu langer Zeit das für den dauernden Betieb des Hospitals ausreichende Capital durch die Wohlthätigkeit alle r Juden aufgebracht sein. Wien. (A u t i s e m i t e n a l s M e s s e r h e l d e n.) Aus Teschen gelst uns folgender Bericht über eine rohe Scene zu : In der Nacht vom Freitag auf Samstag war das von Wiener Reisenden gern besuchte Hotel Austria in Teschen der blutige Schauplatz eines mit Absicht herbeigeführten Exeefses, in welchem der Assecnranz-Jnspector Wilhelm Frei der „Riunivne Adriatica" beinahe das Leben gelassen hätte. Im Cafe dieses Hotels faßen gegen '/21 Uhr Nachts in ruhiger Unterhaltung der Hotelier Stiller, der Cognac-Reifende Hornung, Wien, I., Wollzeile34 wohnhaft, und der Jnspeetor Frei an einem Tische, einige Schritte weiter die beiden Söhne des Sparcasfa-Tireetors Lenoch im Alter von 20 und 40 Jahren. Ohne daß diesen ein Anlaß gegeben wurde, begannen sie laut auf die Inden zn schimpfen, bis es Hornung zu viel wurde, und er ihnen eine gebührende Antwort hinüberrief. Daraufhin sprangen die Beiden wild auf den Tisch zu und fragten drohend, wer gerufen. Hornung bekannte sich dazu, worauf Beleidigungen hin und her flogen. Jnspeetor Frei, der nebenbei ein riesengroßer starker Mensch ist, verhielt sich neutral, während die Streitenden vom Marqueur weggedrängt wurden. Wenige Minuten darauf kam der ältere Lenoch drohend wieder zurück auf den Tisch zu. Frei sah dies, stand auf und ersuchte ihn, da er mit ihni, er ist nämlich auch Assecnranz-Jnspector der Generali, immer auf gutem Fuße stand, er möge als gebildeter Mensch doch keine Scandale provociren, zumal er Bräutigam eines Mädchens aus hochachtbarer Familie sei. Die Antwort darauf war ein Faustschlag auf die Nase, so daß Frei sofort das Blut ans der Nase floß. Frei ergriff, vor Schmerz wüthend, einenSessel zur Bertheidignng doch in diesem Moment fiel ihn der jüngere Lenoch von rückwärts an, zog ans der Hosentasche ein dolchartiges Messer unb ver setzte Frei damit einen Stich knapp oberhalb des linken Auges, so daß er blutüberströmt bewußtlos zu Boden fiel. - Weder der Hotelier noch die anwesenden Gäste hielten es für nothig, die Polizei herbeiznholen, der Marqueur aber holte zwei Aerzte. die rasch zur Stelle waren und dem Verwundeten einen Nothverband anlegteu. Zu dem verwundeten Frei wurde Samstag ein Professor berufen, welcher die Wunde für sehr gefährlich erklärte, und wird Frei 3 bis 4 Wochen im Bette znbringen müssen. Der Hotelier wollte ihn, obgleich er bereits 3 Wochen lang bei ihm logirte, ins Spital überführen lassen, was jedoch feine eigenen Bediensteten nicht zngaben. — Frei kann noch vom Gliick sprechen, denn wäre der Stich nur ein wenig weiter gefallen, so wäre die Schlagader durchschnitten oder das Auge verloren gewesen. Tie beiden Burschen ließ man nach ihrer Heldenthat ungehindert gehen, ja, anstatt sie verhaften zn lassen, drängte man sie hinaus. Es ist uns nicht bekannt, ob eine Untersuchung eingeleitet wurde, in den Teschner Zeitungen aber wird der Vorfall mit Rücksicht auf die Person des Sparcassadircetors vertuscht (siehe „Silesia" vom 13. d. M.st «Als Zeugen des Vorfalls find uns mehrere glaubwürdige Personeil bekannt. D. Red.» Schließlich ist es Sache des Vereines reifender Kauilente, betreffend den sonderbaren Hotelier, Beschluß zn fassen. Wien. «A d v l f S v u n e n t h a l im Li ch t e de r „K r e u z z e i t u n g".) Während dem Kunst und Theaterkritiker der „Staatsbürger-Zeitung" zum Lobe nachgesagt werden muß, daß er in seinen Referaten meist deir Jrtdenhaß seines Blattes vergißt und sich im Urtheil über jüdische Künstler einer gewissen Objectivität befleißigt, verleugnet sein College von der „Kreuzzeitnng" auch auf diesem Gebiete feine Vornrtheile nicht. Umso erfreulicher ist es, daß dieses Blatt über sonn nthal jüngst Folgendes schrieb: „Adolf Sonnenthal ist unter den lebenden jüdischen Schauspielern der gefeiertste, und die äußeren Erfolge entsprechen wahrem Verdienste. Sein letztes Berliner Gastspiel am Ende der vorigen Saison, so ungünstig anch die Bedingungen waren, unter denen der berühmte Gast anftreten mußte, hat doch die Erinnerung an frühere Triumphe wieder anfgefrischt und zugleich den Beweis erbracht, daß der nun im 04. Lebensjahre stehende Künstler sich die geistige Kraft zn neuen Schöpfungen vollkommen bewahrt hat. Sein „Nathan", im vvrigeil Jahre zum ersten Riale von ihm dargestellt, war eine ganz prächtige itub dabei ganz originale Leistung, wie sie ein Routinier niemals zu Stande bringen wird. Auch als Mensch verdient Sonnenthal nach Allem, was man über ihn erfährt, die Sympathien vollauf, die ihm von allen Seiten entgegengebracht werden. Vierzig Jahre lang ist er nun Mitglied des Wiener Burgtheaters, au dem er früher die elastische Ueberliefernng und nun eine mehr natürliche, auf größere Wahrheit ausgehende Richtung vertritt. Er hat sich vom armen Schneidergesellen zum wohlhabenden und berühmten Künstler, dem des Kaisers Huld den persönlichen Adel verlieh, emporgernngen." — Diesem Manne, dem gegenüber auch die „Kreuzzeitung" ihre eingefleischten Antipathien vergißt, hat die Wiener Stadtverwaltung eine Ehrung zn feinem vierzigjährigen Schauspieler-Jubiläum versagt, weil er Jude ist Prag. iE h r u u g.) Ter Verein zur Ausspeisung israelitischer Mädchen in Prag wählte über Wunsch der Generalversammlung in seiner letzten am 6. d. M. abgehaltenen Sitzung! einhellig und ohne Debatte Se. Ehrwürden, den Herrn Dr. ' Ehrenfeld — Oberrabbiner von Prag — znm Ehrenpräsidenten. Einer Deputation, bestehend ans dem Präsidenten Herrn Isidor Zuckermann, dem I. Vieepräsidenten Herrn Carl Oplatka, dem II. Vieepräsidenten Herrn Ed. Tausfig, sowie dem Geschäftsleiter-Stellvertreter Herrn Benjamin Fischt und dem Casfier Herrn I. II. Dr. S. Kräl, ferner dem Vorstandsmitgliede Herrn j S. Grünhut, wurde die Aufgabe zutheil, Se. Ehrwürden um die Annahme der Ehren-Präfidentfchaft zu bitten und hatte derselbe I bereitwilligst diese Ehrenstelle angenommen, sowie seine ganz besondere j Freude darüber ausgedrückt, daß der erst seit April d. I. be- , stehende Verein bereits über 800 Mitglieder zähle und 12 arme - Mädchen mit der vollständigen Mittagskost beschenkt. Mit dem! Wunsche, daß der Verein auch fernerhin und im gleichen Maße j wachse, blühe und gedeihe, entließ Se. Ehrwürden die Deputation I mit der Versicherung, den Verein, wv es möglich fein wird. I zu fördern.

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