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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-16 · 42 (16.10.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
42 (16.10.1896)
Date
1896-10-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 836 Vr. Vloch's WortzenlrtzrM Nr. 42 r!! 5 I F. K ayse r wegen Sittlichkeitsverbrechen in sieben Fällen, begangen mit fünf- bis siebenjährigen Kindern, zu zweijährigem Gefängnisse. K a y s e r war der Begründer und langjährige Redacteur der inzwischen eingegangenen a n r i s e n: i t i s ch e n „W e st f ä l i s ch e n Refo r m" in Dortmund. Später gab er in Münster ein noch rabiateres antisemitisches Blatt: „Die deutschen Worte", heraus. Generalmufikdrrector Levi. Hermann Levis, des Münchener Geueralmusikdirectors , E n t l a s s u u g s g e s u ch, das der berühmte Dirigent wegen Krankheit eingereicht hatte, ist vom Prinzregenten genehmigt worden. Zu gleicher Zeit wurde der Meister zum Ehrenmitgliede der königlich baierischen Hoicapelle ernannt. Levi ist am 7. November 1836 in Gießen geboren. Früh widmete er sich der musicalischen Laufbahn unter Bincenz Lachner in Mannheim, dessen Schüler er von 1832 bis 1855 war. Danach besuchte er drei Jahre lang das Conservatorium in Leipzig. Bon hier erhielt er ein Engagement als Musiidirector nach Saarbrücken, wo er bis 1861 verblieb. Drei Jahre lang leitete er danach die deutsche Oper in Rotterdam, um dann als Hoscapellmeister einem Ruse nach Earls ruhe zu folgen, von wo er im Jahre 1872 an die Münchener Hosoper kam. Levi ist wohl der ausgezeichnetste Musiker und der rrefflichste Operndirigent, den die deutsche Kunst gegenwärtig besitzt. Er ist ein treuer Anhänger Richard Waguer's, einer der letzten, die noch direct von dem verstorbenen Meister Anregungen für die Aufführung feiner Werre empfingen. An Stelle Levi's wurden die Eapellmeister Richard Strauß und Professor Erd ui a n n s d ö r s e r zu Hofcapellmeisterir ernannt. Nichnrd Tagner und der Oberrabiner Dr. Levi. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: „Die Antisemiten, die mit so viel Stolz Richard W a g u e r zu den Feinden der Juden zählen, sind stets gekränkt, wenn man daran erinnert, daß gerade ein Jude, Hermann Lev i, so unendlich viel für die Werke des Meisters that. Was werden sie aber erst dazu sagen, wenn sie hören, daß Richard Wagner dem Bater Levi's, dem Oberrabbiner Dr. Levi, mit ganz außerordentlicher Hochachtung und Verehrung entgegentrat und sich sogar bemühte, auf denselben einen günstigen persönlichen Eindruck zu üben. Im Jahre 1882 wohnte der heute 60jährige Oberrabbiner der Aufführung des „Parsifal" in Bairenth bei, welche sein Sohn leitete. Richard W a g n e r begegnete dem damals schon hochbetagten ehrwürdigen Greise mit einer geradezu aufsalleuden Artigkeit und Rücksicht, als ob er die Absicht hätte, dem Rabbiner die Erinnerung an die gehässigen antisemitischen Bemerkungen zu verscheuchen, die sich an den Namen Wagner knüpfen und ihm so wenig Ehre machen, als ihm seine Werke Ruhm eiubrachten." Ein dunkler Ehrenmann. Man schreibt uns aus Berlin: Der Rechrsauwalt M e d e m hatte in einem Anfangs Juni d. I. gehaltenen Bortrage von dem gewesenen Hofprediger und derzeitigen Hetzredner Stöcker gesagt: „Jedenfalls ist und bleibt er ein dunkler Ehrenmann, ein Ritter von der traurigen Gestalt." Herr Stöcker, der sich schon Schlimmeres nachsagen ließ, ohne zu Gericht zu gehen, war diesmal nicht davon befriedigt, daß er immerhin noch als Ehrenmann, wenn auch als ein dunkler, anerkannt werde, und erhob gegen den Rechtsanwalt M e d e m die Privatklaze. Der in Tilsit durchgeführte Proceß stellte den dunklen Ehrenmann in eine eigenartige Beleuchtung. Der Geklagte führte mit überzeugender Klarheit aus, daß selbst in den Stöcker nahestehenden Kreisen ihm in jüngster Zeit der Vorwurf der Unwahrheit, der Doppelzüngigkeit, der Gehässigkeit und des Mangels an Ehrgefühl gemacht wurde. Ferner wies Rechtsanwalt M e d e m auf die Fälle Stöcker-Witte und Stöcker-Bäcker hin, aus welchen zur Genüge erhelle, daß Stöcker die Bezeichnungen, die ihm zugefügt wurden, in Wahrheit verdiene. Da der Gerichtshof den Beschluß faßte, den a n g e b o t e n e n Wahrheitsbeweis nicht zuzulassen, wurde der Geklagte zu 15 Mark Geldstrafe verurtherlt. Man ersieht aus dieser Summe genau, wie hoch der dunkle Ehrenmann dermalen geschätzt wird. Die Juden in Argentinien. Der bekannte Judensreund Consistorialrath Dr. Schöpf in Guggenthal bei Salzburg erhielt von einem seiner ehemaligen Schützlinge aus Argentinien folgendes Schreiben: „Sie wünschen von mir näheren Aufschluß über die Verhältnisse der Juden in Argentinien. Juden gibt es dahier eine große Anzahl. Die meisten kamen vor Jahren auf Veranlassung des Baron Hirsch, um Ackerbaucolonieu anzulegen. Der Versuch ist jedoch gänzlich mißlungen, da das Bodenerträgniß den gehegten Erwartungen nicht entsprach. Mißernten folgten auf Mißernten, so daß das ganze hoffnungsvolle Unternehmen jämmerlich zerfiel. Colonisten, welche es nicht vorzogen, in die Heimat zurückzukehren, ließen sich in Städten nieder, um Handel zu treiben und gestattet ihnen unsere sehr liberale Regierung den unbeschränkten Betrieb. Die Bevölkerung von Argentinien ist kosmopolitisch, zusammengesetzt ans den verschiedensten Eleurenten europäischer Einwanderer, respective deren Nachkommen. Unter diesen verlieren sich nun die Inden, indem sie sich ganz den Sitten und Gebräuchen der verschiedenen Nationalitäten angeschmiegt haben, weshalb sie auch ganz gut gelitten find und zwischen ihnen und den Christen kein Unterschied gemacht wird, umsomehr als die Inden sich sehr gut aufführen, brav und opferwillig sind und ungesetzliche Handlungen bei ihnen nur selten Vorkommen. Der Antisemitismus ist demnach hier ganz unbekannt, und Jedermann würde sich schämen, seinen Mitmenschen wegen seiner Religion gering zu schätzen, zu verachten oder zu verfolgen. Ueberhaupt kann man hier das europäische Zopftyum nicht begreifen, denn bei uns ist „Freiheit mtb Gleichheit" die einzige Parole." Der Lord-Mayor. London, 3. October. Es gab eine Zeit, da der erste Bürger der Londoner City allmächtig war. Jacob I. befand sich in Nöthen und griff zu dem alten Behelf, seine getreue Hauptstadt um ein Darlehen zu ersuchen. Doch er begegnete tauben Ohren. Unwillig begann er zu drohen. Wenn ihm die Stadt nicht hälfe, so würde er seinen Hof nach einem anderen Ort verlegen und Alles mit sich nehmen, was London Glanz verleihe. Die Antwort der City ließ nicht lauge auf sich warten. Ihr Oberhaupt wurde beauftragt, dem Könige zu vermelden: „Se. Majestät habe die Macht, zu thun, was ihr beliebe, und die City von London werde sich in die königliche Entschließung fügen müssen; nur wage die City den unterthänigsten Wunsch zu äußern, daß für den Fall, als Se. Majestät den Hof von London fortnehmeu sollte, sie doch gefälligst die Themse zurückzulassen geruhe." Diese Zeiten sind längst vorbei. Aber noch immer ist, allen Anfeindungen zum Trotze, Kraft genug in dem alten Stamme, um seiner Krone Glanz zu verleihen. Der neue Lord-Mayor ist ein Patrizier. Sein Kaufhaus hat eine Geschichte. Sein Heim, das Heim zugleich von Kunst- und Geistesleben, durchweht der Geist verflossener Jahrhunderte, der Athem Nürnbergs, Augsburgs, Amsterdams. Mr. Phittipps gibt dem Amte so viel, wie dieses ihm. Seine Lord - Mayorschaft, erhöht noch durch den Widerschein des in das Amtsjahr fallenden sechzigjährigen Jubiläums der Thronbesteigung der Königin, verspricht die herrlichsten Erinnerungen wachzurufen, die sich an Mansivnhouse und Guildhall knüpfen. Mögen sich diese Erwartungen vollauf bewähren. Der neugewählte Chef des mächtigsten Municipiums der Welt trägt eine schwerere Last von Berant-! wortung als die große Mehrheit seiner Vorgänger im Amte, j In seinen Händen liegt die Reputation nicht blos der City, i sondern, was noch weit mehr bedeutet, der Sache der Freiheit! und der Duldung. Er wird ihren Schild von jedem Makel frei i zu halten wissen. Die Wahl wurde mit lautem Jauchzen begrüßt,! das sich wiederholte, als der Schwertträger die Bürgermeister-! kette um die Schultern des neugewählten Lord-Mayors legte. ' Der mit Enthusiasmus begrüßte neue Lord-Mayor sagte j hieraus: „Meine Wahlbrüder, ich danke Euch für die hohe Ehre,! die Ihr mir freundlich heute übertragen habet. Bor 31 Jahren j trug mein Vater die Kette (Beifall), die heute um meine Schultern j gelegt wurde; währenddem sie also für mich ein Verbindungsj glied mit der Vergangenheit sein soll, wird sie in meinen Augen! immer ein handgreifliches Zeichen der Verantwortungen und j Pflichten meines Amtes sein. Ich will mich bemühen, so weit es j in meiner Kraft steht, die Rechte und Privilegien desselben zu j bewahren, und sollten während meines Amtsjahres die Umstände i uns zwingen, ein größeres Maß der Verantwortung zu über- S nehmen, und neue und ausgedehntere Pflichten an uns zu überj tragen, werden meine ergebenen Dienste immer Euch, meine Mit-! bürger, gewidmet sein. Diese Amtskette, ich wage es zu sagen. > ist nicht nur ein Glied mit der Vergangenheit, und nicht nur! eiue Erinnerung au die Pflichten, die ich getreulich zu verrichten! hoffe, sie wird mir auch ein greifbares Zeichen sein, nicht nur i Eurer Interessen, Freiheiten und Verantwortungen immer zu

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