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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 822 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 41 Stern Dr. Havelka und einige Heilostudenten aus Budweis. Sehr bedauerlich ist's, daß einige bisher der liberalen Sache treue Gemeinderäthe, an der Versammlung im Hotel Kriglstein — vielleicht aus Naivetät — theilnahmen. Daß die hiesige Judenschast diese Vorgänge nicht gleichgiltig aufnimmt, ist selbstverständlich und so möge einstweilen dieser Bericht obige Vorfälle kennzeichnen. MührischWeitzkirchen. An der k. und k. Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen erhielten die Zöglinge mosaischer Confession vom Stande der genannten Anstalt seit einem Jahre durch Herrn Dr. I. R a b b i n o w i c z, k. k. Landwehrrabbiner, zeitweilig Religionsunterricht und wurde eine Religionsuote ins Zeugniß geschrieben; nun wurde vom Schulcommando angeordnet, daß auch die Zöglinge mosaischer Confession von diesem Schuljahre ab regelmäßigen Religionsunterricht genießen sollen und Herr Dr. Rabbino wicz zum Religionslehrer bestellt. E. B. Protznitz. Unsere Gemeinde ist in tiefe Trauer versetzt. Sonntag den 4. October verschied nach kurzem Krankenlager unser Obercantor Herr Ignaz Epstein, nach 43jähriger erfolgreicher, verdienstvoller Function als Vorbeter und Chordirector des Tempels. Ja, in ihm verliert die Kehila einen treuen, pflichteifrigen Beamten, einen frommen, gutgläubigen Mitbürger, der eine fühlbare Lücke in unserem Gemeindeleben zurücklassen wird. Von beispielgebender Bescheidenheit, erfüllt von Demuth und Gottergebenheit, fand er die vollste Befriedigung in der Erfüllung seines frommen Berufes und nicht gleich so manchen seiner Standescollegen, suchte er sich stets in Bescheidenheit zurückzustellen. Der tiefgebeugten Familie möge es als Trost dienen, daß der Dahingeschiedene allgemein betrauert wird und daß ihm die Sympathien, die er bei Lebzeiten genossen, ins Grab folgen und noch lange anhalten werden. Monte-Carlo. Eine neue Oper Isidore de Lara, „Mogna", wird in Kürze hier zum erstenmale aufgeführt werden. Mr. Van Dyck wird den ersten Tenor singen. Das Sujet ist eine Episode aus der Revolutionszeit. Delaware (Amerika). Die jüdischen Bewohner Delawares haben einen Verein behufs Gründung einer jüdischen Schule gebildet; diese wurde soeben eröffnet. Baltimore. Der Verein „Obovevi Zion" (Zionist Association) hat zu seinen Directoren für das erste Jachr die Herren Raphael dl. I o s e p h s o n,' I. S ch u h m a n, CH.*B a u e r nfreund, Philipp Mirwis und Aaron Kwitz gewählt. Der Verein zählt 150 Mitglieder. Ciueinnati. Vergangenen Montag fand die feierliche Eröffnung des hiesigen jüdischen „Küchengartens" (Jewish Kitchen Garden) statt. Es ließ sich eine ganze Anzahl junger Mädchen einschreiben, doch wird die Schule wegen der jüdischen Feiertage erst in 10 Tagen beginnen. Im Küchengarten lernen die Kinder außer Nähen und Fegen, Abstauben, ein Bett machen rc. Feuilleton. Der König der Schnorrer. Von I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Guten Tag allerseits", sagte der Schnorrer höflich. „Einen Augenblick", rief der PHUantrop, als er seine Sprache wiederfand, „der Sack ist nicht leer, es sind noch eine Menge Päckchen darin zurückgeblieben." „Umso besser", sagte Manasse besänftigend. „So entgeht Ihr der Versuchung, das Blut der Armen noch weiter zu vergießen, und ich entgehe der Versuchung, alle Euere Wohlthaten für Lachs auszugeben — eine Verschwendung, die Ihr mit Recht beklagt." „Aber, aber", begann Grobstock. „Nein, keine Mer", protestirte Manasse, reuevoll seinen Stock schwenkend, „Ihr hattet ganz Recht. Vorhin gabt Ihr zu, daß Ihr Unrecht hattet; soll ich jetzt weniger edel sein? In Gegenwart aller dieser Zeugen erkenne ich die Gerechtigkeit dieses Vorwurfs an._ Ich hätte die zwei Guineen nicht für einen Fisch verschwenden sollen. Er war es nicht werth. Kommt her und ich will Euch etwas sagen." Er entfernte sich aus der Hörweite der Nebenstehenden, indem er in ein Seitengäßchen neben dem Stand schritt und winkte mit seinem Lachssack. Dem Director der ostindischen Compagnie blieb nichts übrig, als zu gehorchen. Wahrscheinlich würde er ihm in jedem Falle gefolgt sein, um die Sache mit ihm ausznttagen, aber jetzt hatte er das demüthigende Gefühl, unter dem Befehle des Schnorrers zu stehen. „Nun, was habt Ihr mir noch zu sagen?" fragte er mürrisch. „Ich möchte Euch in Zukunft Geld ersparen", sagte der Bettler mit leiser, vertraulicher Stimme. „Dieser Jonathan ist ein Sohn der Sünde, der Lachs ist keine zwei Guineen werth — nein, bei meiner Seele nicht! Wenn Ihr nicht gekommen wäret, hätte ich ihn für fünnfundzwanzig Schillinge bekommen. Jonathan beharrte bei dem Preis, als er dachte, daß Ihr kaufen würdet. Ich hoffe, Ihr werdet nicht wollen, daß ich durch Euch verliere, und daß Ihr es mir ersetzen werdet, wenn ich in dem Sack weniger finden werde, als siebenzehn Schillinge." Der verblüffte Financier fühlte seine Bekümmerniß wie durch Zauberhand verschwinden. „Ich weiß, Ihr seid ein feiner Herr und im Stande, Euch so fein zu benehmen, wie ein Sephardi", fügte Manasse gewinnend hinzu. Dieses Compliment vervollständigte den Sieg des Schnorrers, der noch besiegelt wurde, als er hinzusetzte: „Und darum möchte ich nicht, daß Ihr es auf der Seele habt, einen armen Mann um ein paar Schillinge gebracht zu haben." „Ihr werdet mehr als siebzehn Schillinge im Sacke finden", war Alles, was Grobstock mit schwacher Stimme erwidern konnte." „Ach, warum seid Ihr als Tedesco auf die Welt gekommen?" rief Manasse verzückt. „Wißt Ihr, wozu ich Lust habe? Zu Euch zu kommen und Euer Sabbathgast zu sein! Ja, ich werde am nächsten Freitag bei Euch zu Abend essen und wir werden die Braut — den heiligen Sabbath — zusammen begrüßen. Noch nie bin ich am Tische eines Tedesco gesessen, aber Ihr seid ein Mann nach meinem Herzen. Also nächsten Freitag um sechs Uhr vergeht es nicht!" „Aber — aber ich habe nie Sabbathgäste", stammelte Grobstock. „Ihr habt keine Sabbathgäste! Nein, nein, ich will nicht glauben, daß Ihr einer der Söhne Belials seid, deren Tisch nur für die Reichen gedeckt ist, die nicht wenigstens einmal die Woche ihre Gleichheit mit den Armen verkündigen. Nein, Eure feine Natur will nur Eure Wohlthaten verstecken. Habe nicht ich, Manasse Bueno Barzillai Oaevedo da Costa jede Woche an meinem Sabbathtisch Jankele ben Jitzchok, einen Polen? Und wenn ich einen Tedesco an meinem Tische habe, warum sollte ich mich darauf beschränken? Warum sollte ich nicht auch Euch, einem Tedesco, gestatten, mir, einem Sephardi, Gastfteundschaft zu erweisen? Also um sechs! Ich kenne Euer Haus — es ist ein elegantes Gebäude, das Eurem Geschmack Ehre macht — seid ohne Sorge — ich werde pünktlich sein. A Dios!" Diesmal schwenkte er kameradschaftlich seinen Stock und schritt in eine Seitengasse. Einen Augenblick stand Grobstock, von dem Gefühl des Unvermeidlichen zermalmt, wie in den Boden gewurzelt; dann kam ihm ein schrecklicher Gedanke. Er war ein leichtlebiger Mann und hätte sich mit dem Besuche Manasses abfinden können; aber er besaß eine Frau und, was noch schlimmer ist, einen livrirten Bedienten. Wie konnte er erwarten, daß sein livrirter Bedienter einen solchen Gast dulden würde? Freilich, er konnte am Freitag Abend aus der Stadt fliehen; aber das hätte lästtge Erklärungen zur Folge. Und Manasse würde am nächsten Freitag wiederkommen. Das stand fest. Manasse würde grimmig wie der Tod sein. Sein Erscheinen war unvermeidlich, wenn es auch hinausgeschoben werden konnte. Oh, es war zu schrecklich! Die Einladung (?) mußte um jeden Preis zurückgenommen werden. Zwischen Scylla und Charybdis, zwischen Manasse und seinen Bedienten gestellt, hatte er das Gefühl, daß er dem Ersteren eher entgegentreten könnte. „Da Costa", rief er verzweifelt, „Da Costa!" Der Schnorrer drehte sich um und nun sah Grobstock ein, daß er sich geirrt hatte, als er sich einbildete, Da Costa eher entgegentreten zn können. „Ihr habt mich gerufen?" ftagte der Bettler. „Ja—a", stammelte der Director der ostindischen Compagnie und stand wie gelähmt da.

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