Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 41 (9.10.1896)
- Date
- 1896-10-09
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 820 Dr. Vlvch's Wochenschrift. Nr. 41 Cap stad t. Die hiesige Universität hat dem Referent A. P. Bender einen hohen academischen Rang verliehen, bei welcher Gelegenheit derselbe, der sich besonders um den jüdischen Unterricht sehr verdient gemacht hat, wohlverdiente Ehren empfing. Mr. L. A. Lewyno ist bereits znm dritten Mal zum Mayor von Sometset Eeast gewählt worden. Er verdankt die Wiederwahl den vorzüglichen Verdiensten, welche er sich um die Verwaltung dieses Bezirkes während seiner früheren Amtsperioden erworben hat. Aus Tanger wird gemeldet, daß in der letzten Woche des September das Judenviertel von Fes, der Hauptstadt Maro ccos, vollständig niedergebrannt ist. Mehrere Juden sind in den Flammen umgekommen, viele verwundet worden; 500 Männer, Weiber und Kinder flüchteten ganz oder halbnackt vor dem Brande in die Felder und wagten erst nach 24 Stunden zurückzukehren. Das Mellach von Fes, in dem etwa 4000 Juden wohnten, war eines der interessantesten, farbenprächtigsten und reichsten Judenquartiere des Orients. Man betrat es von Ren- Fes aus, von dem es eine hohe Mauer trennte, durch einen maurischen Thorweg, der den Ausblick aus eine lange und schmale Straße bot, in der sich das eigenartige Treiben der maroccanischen Juden zusammendrängte. Im Gegensatz zu den kahlen Mauern der Araberwohnunaen schmücken die Judenhäüser zahlreiche Fenster, die mit bumgestrichenen Lattenverschlägen verj kleidet sind. Oben stoßen die Giebel dicht zusammen, wie in den Straßen unseres Mittelalters, so daß man sich über die Gasse hinüber die Hand reichen kann. Während die maroccanischen Jüdinnen an der Küste zum großen Theil schon europäische Kleidung angelegt haben, gefielen sich die mit Recht wegen ihrer Schönheit berühmten Evastöchter von Fes in der kleidsamen, alten malerischen Tracht, dem kunstvollen Aufputz der schwarzen Haare mit der Haube darauf, dem prächtigen, goldgestickten Mieder und dem kurzen, bunten Rock. Für den Maler war das Mellach von Fes eine kostbare Fundgrube von Vorwürfen, und stets war der Fremde, der es nicht wagen darf, ein Maurenhaus ohne Einführung zu betreten, den Juden ein willkommener Gast. Mit dem Ghetto von Fes ist ein Stück Orient dahingeschwunden, das dem Besucher stets in unvergeßlicher Erinnerung bleiben wird. Vermischtes. Wie«. (Aufruf a n W o h l t h ä t i g k e i t s v e r e i n e.) Wie alljährlich betheilt auch in diesem Jahre der Verein „Frauenhort" im November eine größere Anzahl von Schulkindern mit Winterkleidern, Wäsche und Schuhen. Um nun möglichst zu vermeiden, daß dieselben Kinder von verschiedenen Vereinen bedacht und dadurch andere benachtheiligt werden, bittet der Vorstand des Vereines „Frauenhort" alle Corporattonen, welche die gleichen Tendenzen verfolgen, um Bekanntgabe der Namensliste ihrer Schützlinge, sowie er selbst bereit ist, seine Liste jedem darum ansuchenden Vereine zuzusenden. Nur so ist, im gegenseitigen Interesse eiire Controle möglich und ein Schutz gegen Mißbrauch gewährt. Verein „Frauenhort", IX., Müllnergasse Nr. 21. LemDerg. Sonntag den 18. October findet in L e m b e r g die Trauung des Bezirks-Rabbiners Herrn Dr. Markus Ehre npreis mit Frl. Ernestine H a s k l e r statt. Wien. Dem Chemiker Herrn Dr. Adolf I o l l e s ist die Docentur für Chemie der Nahrungs- und Genußmittel am k. k. Technologischen Gewerbe-Museum verliehen worden. Wien. Professor S t o e r k ist von seiner Reise, während welcher er zuletzt beim Naturforschertage und in Paris weilte, hieher zurückgekehrt. Wie». (Ein neues Kaiserbild.) Das Porträt, welches der Kaiser bei dem Maler H o r o w i tz bestellt hat, ist nun fertig geworden und soll binnen kurzer Zeit an seinen Bestimmungsort London abgeliefert werden. Das Bild, ein Kniestück, stellt den Kaiser als Inhaber des Regiments der Horse-Gards vor, welches Königin Victoria dem Kaiser kürzlich verliehen hat. Der Künstler hat sich in diesem Bilde selbst übertroffen. Der Kopf ist von sprechender Aehnlichkeit und zeichnet sich durch klare, charakteristische Auffaffung aus. Der scharlachrothe Waffenrock mit schwarzen Sammtaufschlägen, reichem goldenen Wehrgehänge und dem schwarz-blauen Bande des Hosenband-Ordens lassen die elastische Gestalt des Monarchen sehr vortheilhaft hervortreten. Die Linke ruht auf dem Säbelknauf, die Rechte hält die Handschuhe. Auch die Hände sind mit künstlerischer Meisterschaft behandelt. Der Kaiser hatte dem Künstler zur Vollendung des Werkes ein Atelier in der Jschler Villa angewiesen, wo es nach seiner Vollendung auch von der Kaiserin besichtigt wurde. Das Kaiserpaar hat sich dem Künstler gegenüber sehr lobend über das Porträt geäußert, das von der üblichen Auffassung insoferne abweicht, als es die Züge des Kaisers ernft und wohlwollend widerspiegelt, ohne jenen stereotypen lächelnden Ausdruck, der sich bei vielen Porträts des' Monarchen aus den letzten Jahren wiederfindet. Das Bild wird den Rühm des heimischen Künstlers nach England tragen. Wien, 5. October 1896. (Israelitischer Bet" Haus-Verein, Brigittenau.) VIII. Ausweis. Eingegangene Spenden zum Baue eines Tempels in der Brigittenau: Herr Abr. I. Kohut 5 fl., Herr B. Steiner 10 fl., Herr N. Sobelsohn 5 fl., Herr F. Schneid III. Rate 5 fl., Herr Herm. Kohn 10 fl., Herr N. Wälder 5 fl., Herr Emil Gärtner 2 fl., Herr N. Galbruner 30 fl., Herr M. Hochstim 5 fl., Herr Jacob Wilhelm 50 fl., Herr Sigm. Silberstein 5 fl., Herr Dr. M. Beck 5 fl., Herr Dr. Leop. Spitzer 5 fl., Herr Aurel Seder 5 fl., Herr Cäsar Segall 3 fl., Herr Sigm. Silberstein 1 fl., Herr Hermann und Karoline Krott 20 fl., Frau Mosl 10 fl., Herr Dr. Heinrich Schreiber für Blocks 25 fl., Herr A. Schreiber für Blocks 25 fl., Herr Heinrich Weiner flir Blocks 25 fl. Wien, 6. October. Am 26. September d. I., der erste Tag des Laubhüttenfestes, 3 Uhr Nachmittags, fand in dem Bethause III., Erdbergerstr aße 15 in Anwesenheit eines zahlreichen Publicums die feierliche Einweihung eines durch Spenden der Bethausbesucher neu angeschafften Sefer Thora statt. Nach Einweihung des Festes durch einen Choral sprach Herr Rabbiner Br ei er vor offener Bundeslade das Gebet für Se. Majestät den Kaiser und das Allerhöchste Kaiserhaus und feierte den ganzen Act in einer schwungvoll und geistreichen Rede, besonders hervorhebend, es freue ihn, daß auch die erwachsene Jugend sich so zahlreich an dem schönen Feste betheilige. Wien, 6. October 1896. (Jüdische akademische Lesehalle.) Mit freudiger Genugthuung tritt der Verein in sein V. Semester. Was er sich als Ziel gesetzt, die Gegensätze unter den jüdischen Studenten zu mildern, um, wo es nothühutz geeint dazustehen, ist ihm größtenteils gelungen. — Trotz der erst zweijährigen Existenz hat er sich schon die Stelle des zweitgrößten Vereines an den Wiener Hochschulen errungen; nur e i n antisemitischer Gegenverein übertrifft ihn derzeit an Zahl seiner Mitglieder. — Mit Rücksicht auf sein stetiges Wachsen, mit Rücksicht darauf, daß sich schon im verflossenen Jahre das Locale als zu klein erwies, die Zahl der Gäste zu fassen, hat der Ausschuß sich genöthigt gesehen, dem Ansehen und der Bedeutung des Vereines entsprechende größere Localitäten auszunehmen. Wie im Vorjahre wird auch Heuer der Verein in seinem neuen Heim regelmäßig Vorträge abhalten und er hat zu diesem Zwecke schon eine Reihe bedeutender Namen gefunden. — Der erste Vereinsabend findet am 17. O c t o b e r statt und wird durch eine solenne Eröffnungsfeier im großen Vortragssaale des Vereines, IX., Porzellangasse 45 eingeleitet. Zn dieser Feier haben nur geladene Gäste und Mitglieder Zutritt. W ien. (N e u e s B e t - H a m i d r a s ch.) Unter dem Namen „ Bet- Hamidrasch-Talmud-Thora" hat I!., Malzgasse 16 ein neuer Verein zur Pflege des Thora-Studiums am 27. September d. I. sich constituirt und sofort auf Grundlage der behördlich bereits bestätigten Statuten den Gesammt-Vorstand gewählt. Nach einem ganz bestimmten Lehrplane werden zu genau angegebenen Stunden täglich im Vereins-Bet-Hamidrasch religiöse Vorträge gehalten werden und legt der Verein, dem schon jetzt überall besondere Sympathien entgegengebracht werden ein besonderes Gewicht darauf, erwachsene junge Leute für das Thora-Studium zu gewinnen und werden diesen besondere Vorträge allwöchentlich gewidmet sein. Präcise 8 Uhr Abends wird täglich an den Wochentagen nach dem Vortrage die gemeinsame Abend-Andacht mit Kaddisch im Vereins-Bet-Hamidrasch abgehalten werden. — Der Vorbereitung von Barmizwa-Knaben werden auch besondere Stunden gewidmet sein. Der genaue Stundenplan wird demnächst publicirt werden. Neu eintreteude Mitglieder melden ihren Eintritt beim Vereins- Präses'Herrn Simon Buchwald, II, Rembrandtstraße 24, an den auch Briefe-, Geld- und Bücher-Sendungen gefälligst zu richten sind. Der Verein bittet um gütige Zuwendung von hebräischen Werken aller Art für seine Bibliothek und ist gerne bereit dies-