Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 41 (9.10.1896)
- Date
- 1896-10-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr Vlvch's WochrnptzrM. Seite 819 diesen engherzigen Standpunkt gutheißt, und dies umso weniger, als der Unterstützungsfond (Kasa Mianowskiego), dem das Stipendium zur Verwaltung übergeben wurde, zu den wenigen Justitutiouen zählt, die nicht nur Christen, sondern auch Juden berücksichtigen. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", sagt der Dichter. Tadeln wir daher unsere Glaubensgenossen nicht darob, daß sie in rein menschlichem Sinne sich bestreben, diesen Worten mit Bezug ans weitere Schichten der Bevölkerung nachzukommen, daß sie auch die anderen Bürger des Landes zur Nutznießung ihres Besitzes heranziehen. „Ein gutes Wort findet eine gute Statt", lautet ein Sprichwort, ergänzen wir es dahin, daß eine gute That noch viel weniger schlechte Folgen haben kann. X. Warschau, 2. October. Im Lause dieses Jahres hat der Sensenmann leider eine ergiebige Ernte in der hiesigen Gemeinde gehalten. Wiederum stehen wir vor einem offenen Grabe, und ein nützlicher Arbeiter im Weinberge des Herrn wird in dasselbe hinabgesenkt. Samuel Heinrich P e l t y n, Herausgeber und Redacteur des „Jzraelita" starb nach langem Siechthum und wurde heute zur ewigen Ruhe gebettet. Im Jahre 1830 geboren, erreichte er ein Alter von 66 Jahren, von denen er 32 der Leitung des ermähnten Blattes widmete. Dasselbe ist das einzige jüdische Organ in polnischer Sprache, das im Königreich erscheint, und es war wahrlich keine leichte Ausgabe, einerseits gegen die in einemfort verschärfte Censur, andererseits gegen den Antisemitismus der Presse und schließlich noch gegen Vorurtheile oder Jndifferentismus in der jüdischen Gemeinde anzukämpsen. Durch diese Riffe und Klippen suchte er sein Schiff zu steuern, die Gegensätze nach Möglichkeit mildernd, und nach allen Seiten hin versöhnlich zu wirken bestrebt. Friede seiner Asche! Bemerkenswerth für die hier herrschende Stinnnung ist es, daß keines der Tagesblätter mehr als eine kurze Notiz über den Hingang des seligen Herrn Peltyn brachte. Kein Wort der Anerkennung einem Manne, der während eines Zeitraumes von 32 Jahren auf demselben Felde unablässig gearbeitet. Wie es scheint, besitzt selbst der Tod nicht die Macht, die Kluft zu überbrücken, die zwischen christlicher und jüdischer Literatur und deren beiderseitigen Repräsentanten besteht. X. London. (D i e B ü r g e r m e i st e r w a h l.) Dienstag den 29. September fand die Zünfteversammlung zum Zwecke der Wahl eines neuen Bürgermeisters statt. Nach den üblichen Formalitäten wurde die Liste der Rathsherren verlesen, welche wählbar waren, der Name George Faudel-Phillips an erster Stelle. Wie vorausgesetzt, wurde auch dieser gewählt, und als er zur Rechten des Lord-Mayor in der Guildhall wieder erschien, wurde er mit enthusiastischen Zurufen begrüßt, dikein Ende nehmen wollten, als der Schwertträger dem neuen Bürgermeister die Kette umhing. An demselben Abend gab der jetzige Bürgermeister — der neue tritt sein Amt erst am 9. November an — und seine Gemalin Sir George und Mrs. Faudel-Phillips zrl Ehren ein Diner im Mansion-House. Mrs. Leopold de Rothschild nahm letzten Sonntag die Vertheilung der Preise in der Bibelschule in South Hackney (im Osten von London) vor. Bei ihrer Ankunft wurde ihr von einer kleinen Schülerin ein prachtvoller Blumenkorb überreicht. Es waren außerdem anwesend: Mr. Leopold de Rothschild, der zu diesem Zwecke eigens aus Schottland herübergekommen war, Dr. G a st e r, Dr. L ö w y, Gollancz, S p e r o, Dr. M. F r i e d l ä n d e r und Frau, Oswald I. S i m o n rc. Fast alle genannten Herren hielten Ansprachen, und die erhebende Feier nahm einen schönen Verlauf. London. (D e r n e u e L o r d M a j o r.) Mr. George Faudel-Phillips, der soeben mit Einstimmigkeit zum Lord Major für das kommende Amtsjahr gewählt worden ist und als solcher am 9. November den Premier Lord Salisbury und dessen Cabinet zu Gaste laden wird, ist eines der populärsten Mitglieder der City-Corporation. Er ist Chef der Manufacturwaaren-Firma Faudel-Phillips and Sons, deren großes Geschäftshaus gerade gegenüber dem Hauptpostgebäude in Newgate Street den Besuchern der Londoner City wohlbekannt ist. Von den Ehrenämtern, welche die City zu vergeben hat, sind ihm manche bedeutende zugefallen. 1840 geboren, folgte er seinem Vater 1888 in der Aldermanschaft nach, nachdem er schon früher Sheriff gewesen war. Während der letzten drei Jahre führte er den Vorsitz über die Commission zur Wahrung der Privilegien der City, und lange Zeit hindurch hatte er den Posten eines Gouverneurs der ehrenwerthen irischen Societät inne, jener Körperschaft, welcher die Administrirung der reichen City-Besitzungen in Irland zufällt. 1895, wurde er High-Sheriff der Grafschaft London. Er vermalte sich 1867 mit Miß Helen Levy, der vierten Tochter Mr. I. M. Levy's, Eigentümers des „Daily Telegraph" und Schwester Sir Edward Lawson's. Dieser Ehe sind zwei Söhne und drei Töchter entsprossen. Lady Pirbright ist seine Schwester. Er ist der vierte Lord Mayor jüdischer Coufession. Sein Vater, Sir Benjamin Samuel Phillips, war (1866) der zweite gewesen. London. Ein Glaubensgenosse, Mr. Arthur Colli n s, der Sohn des Architekten H. Collins, wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen berühmte Sir Augustus Harris werden. Er soll nach Neujahr die Direction des Drury Lane-Theaters übernehmen. Li -Hung- Chang besichtigte die großen Fabriken von Singer & Co. in Kilbowie, wo ihn die Nähmaschinen so sehr interessirten, daß er sich an eine derselben hinsetzte und einen Saum nähte, den er mit großem Vergnügen betrachtete. Er wollte eine Bestellung machen, doch die Firma wollte von einer solchen nichts hören, sondern bat ihn, ihr die Ehre anzuthun, zwei Nähmaschinen,' eine zum eigenen Gebrauch, die andere für die Kaiserin von China anznnehmen. An der Johns Hopkins-Universität lesen heiler folgende jüdische Professoren: Simon Flexu or (Pathologie), Abraham C o h e n (Mathematik), I. H. H o l l a n d e r(Wirthschaftslehre); Se. Ehrwürden W. R o s e n a u wird im orientalischen Seminar unterrichten. New-Aork. (Sonntagsruhe in Amer i ka.) Vergangenen Montag hatte der Richter Cornell über eine schwierige Frage in Sachen der Sonntagsruhe zu entscheiden. Mehrere jüdische Geschäftsleute wurden vor Gericht citirt und die Anklage wegen Störung der Sonntagsruhe wider sie erhoben. Die Angeklagten machten geltend, daß sie ihren eigenen Sabbath heilig hielten. Der Richter entschied nun, daß, da nach ß 264 des Criminalgesetzes es vollständig genüge, wenn der Beklagte einen anderen Tag (als den Sonntag) in der Woche, den Sabbath. den seine Religion v o r s ch r e i b e, heilig h a l t e, er sämmtliche Angeklagten fteispreche, und er fügte hinzu, daß er in allen ähnlichen Füllen mit einem Freispruch Vorgehen werde. Philadelphia. Ein hiesiges Btatt bringt eine reizende Notiz über den Ursprung der Ohrringe, die Ihre Leserinnen interessiren dürfte. Die Sitte, Ohrringe zu tragen, ist so alt, daß es unmöglich ist, zu eruiren, wer sie zuerst in Mode brachte. Jede Mohammedanerin hält es für ihre Pflicht, zur Erinnerung an Hagar Ohrringe zu tragen, da Hagar, als die Mutter Jsmael's, eigentlich die Begründerin des türkischen Stammes ist. Eine Legende erzählt, daß Sarah aus Erbitterung gegen Hagar das hübsche Gesicht ihrer Rivalin zu entstellen beschloß. Doch siegte Sarah's bessere Natur, nachdem sie - nur ihre Ohrläppchen durchlöchert hatte. Um nur Abraham nicht zu mißfallen, steckte Hagar Goldringe in ihre Ohren, so die Spuren der Verletzung zu verwischen hoffend. Die türkischen Frauen halten es seither für eine Beleidigung ihrer Urahne, wenn eine ermangelt, Ohrringe zu tragen. Texas. In Belvedere, einem Vororte von San Francisco, wird eine interconfessionelle Andachtsstätte errichtet werden. Die jüdischen und christlichen Bewohner sind nicht stark genug, sich selbstständige Bethäuser zu erhalten. Das Gebäude ist so ausgestattet, daß es den religiösen Gefühlen beider Confessiouen nicht widerspricht. Es wird auch kein Functionär angestellt werden, sondern „Minister", Priester und Rabbiner werden eingeladen werden, ihre Glaubensgenossen zu erbauen. San Francisco. Daß eine Stadt ihren Namen nach einem Juden erhält, gehört nicht zu den alltäglichen Dingen, Castroville in Texas hat ihren Namen einem Juden, ihrem Gründer Henry Castro, zu verdanken. Der Prediger Henry Cohen aus Texas hat ein interessantes Büchlein veröffentlicht: „Henry Castro, Pionier und Colonist". 1786 in Frankreich geboren, wanderte Castro nach Amerika aus. 1834 brachte er 700, in den nächsten zwei Jahren noch über 400 Colonisten aus Frankreich hinüber. Im Jahre 1834 wurde die Colonie, die zunieist aus Christen bestand, Castroville genannt. Castro gab 30.000 Gulden aus seiner Tasche für die Colonie her und gab jedem Colonisten ein Jahr lang umsonst Nahrung. \ k