Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 41 (9.10.1896)
- Date
- 1896-10-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Vioch's VnchenschrM. hervor, daß er nahezu 50 Jahre mit Herrn von Gntmann in Verbindung stehe und daß ihm die Freundschaft desselben zum Stolze gereiche. Herr Ludwig von Gntmann brachte ein Hoch auf die Familie des Bräutigams aus, worauf dieser in elegantem fließendem Französisch erwiderte, daß er nie so sehr, wie in diesem Augenblicke, bedauert habe, des Deutschen nicht mächlig zu sein, um den Anwesenden in ihrer Muttersprache zu danken. Er bediene sich aber der Sprache des Herzens, die 'Allen verständlich sei. Gegen 5 Uhr war das schöne und animirte Fest zu Ende. Wien. D i e W i e n e r „j n d i s ch - t h e o l o g i s ch e L e h r a n st a l t" scheint sich in Ungarn bei den maßgebenden Kreisen der dortigen Jndeuschast keines übermäßigen Vertrauens zu erfreuen. Die Hörer dieser Anstalt ungarischer Abstammung haben dort zu kämpfen, ehe ihre Studienzengnisse Anerkennung finden. Man schreibt uns darüber: Ein Hörer der Wiener theologischen Lehranstalt, ein Ungar von Geburt wandte sich mit einem Gesuche, dem alle uothwendigen Documente in vorschriftsmäßiger Form beckjelegt waren, an das ungarische Honvedministerium behufs Erlangung jenes Benesiciums, das nicht nur den Theologen christlicher Cvnsession, sondern auch den Hörern der Preßbnrger Rabbinerschnle, des Budapester Rabbiner-Seminars und seit einein Jahre auch den Hörern der theologischen Lehranstalt in Wien ohne Ausnahme ertheilt wurde, 'Nachdem aber F r e q u e n t a t i o n s zertgnisse des früher erwähnten Rabbiner-Seminars beigelegt wurden, so übersandte das Honvedministerium behufs lleberprüsung derselben die Acten an das Cultusministerium, welches diese 'Ausgabe ans die israelitische Landeskanzlei übertrug. Die israelitische Landeskanzlei sah sich veranlaßt, jenen Paragraph, laut dem in Ungarn Rabbiner nur jene sein dürfen, „die ihre Qualification im Jnlande e r l a n g t habe n", hervorznholen, um die Abweisung des Petenten zu beantragen. Das Honvedministerium ertheilte demnach, ohne das Gesuch weiter zu prüfen, dem Petenten das Benesicinm nicht, sondern wies in an, von seinem Einjährig-Freiwilligenrechte Gebrauch zu machen. So kam folgende Absurdität zu Stande: Ein Eandidat, der noch zumindest 2 bis 3 Jahre hören muß, wird von der Landeskanzlei für „fertig" erklärt, und derselbe Eandidat, der in einem W i e u e r Seminar, das von der Landeskanzlei als ausländische Anstalt bezeichnet wird, absolvirt, muß seiner Militärpflicht im Auslände, nämlich wieder in einer Wiener Kaserne Nachkommen. Die isr. Landeskanzlei ist also der Ansicht, daß ein Rabbiuatscaudidat, der 1 bis 2 Jahre in 'einer ausländischen Anstalt zubringt, nicht dieselben Rechte genießen darf, wie der christliche Theologe, der in Rom seine Studien absolvirt, daß ein nngarländischer Hörer der Wiener Anstalt, wenn er nicht immer sein Diplom an ungarischen Anstalten erlangen kann, seiner 'Rechte verlustig erklärt wird. Ein hervorragender Abgeordneter christlicher Evnsessivn ist nun bemüht, dem Gleichheitsprincipe des Receptionsgesetzes wieder aus die Beine zu helfen. Welchen Erfolg diese Bemühungen haben werden, niuß die Zukunft lehren. Der Zweck ist offenbar, ungarische Theologen von dem Besuche der Wiener Lehranstalt fernzuhalten, und wer die Zustände in dieser L e h r a n st a l t genauer kennt, dürfte da rü b e r k a u m verwundert sei n. Wien. (Kinderfest des „Ferienheim".) Wie alljährlich, veranstaltete der Verein „Ferienheim" auch Heuer am Namenstage Sr. Majestät des Kaisers seinen Schiitzlingen ein Kinderfest. Aus diesem Anlasse hatte sich eine recht stattliche 'Anzahl von Kindersreunden im Ballsaale Ronacher — die Mrection dieses Etablissements hatte in Ansehung der patriotischen Feier den Saal unentgeltlich zur Verfügung gestellt — eingesunden, nicht ein Plätzchen blieb leer! Sämmtliche Kinder, Knaben und Mädchen zusammen 340 an der Zahl, welche den ärgsten Schichten unserer Glaubensgenossen angehören, und die in den Colonien Rossitz,, Schattmannsdorf, Petrau und Lomnitz ihre Ferien verbracht hatten, waren versammelt, um Zengenschast dafür abznlegen, von welch günstigem Einflüsse in körperlicher und geistiger Beziehung der ihnen gebotene Landaufenthalt war. Seile 817 Die Feier begann mit dem Einmärsche der Mädchen und Knaben, welch letztere in ihrer kleidsamen Uniform (blaue Blousen, weiß-blaue Kappen), mit Hvlzgewehren an der Seite unter Gesang und Trommelwirbel in strammer militärischer Haltung vor dem zahlreichen Publicum defilierten. Tie erste Nummer des Programmes, das einen wahren patriotischen Anstrich hatte, bildete eine von einem Mädchen in schwungvoller Weise gehaltene Ansprache, welche der Weihe des Tages gedachte und mit einer Dankeskuudgebnng an die Gönner des Vereines schloß. Daran reihten sich Gedichte und Gesänge, welche in schöner Weise zum Vortrage gelangten und großen Beifall bei den Festgästen hervorriesen. Insbesondere ein von zwei Knaben in reckt herziger Weise gehaltener Dialog — „Ter Große und der Kleine" - erregte schallende Heiterkeit. Lebhaft applandirt wurden auch die von der kleinen Kriegerschaar — die Knabencvlonien sind militärisch organisirt — ansgesührten militärischen Exercitien, welche mit der Absinguug der Vvlkshymne endigten. Sodann wurde den Kindern eine Festjause verabreicht. Damit hatte die Feier ihr Ende erreicht. Unter den anwesenden Gästen bemerkte man Cnltnsvorsteher, Schulmänner, Aerzte und Ossiciere, die sich in lobendster Weise über die stramme Disciplin und militärische Abrichtnug der Kleinen anssprachen. Eine intelligente Kinderschaar war heute versammelt, die freudig kam, um \n zeigen, was sie dem „Ferienheim" verdankt. Rur wer selbst Zeuge dieses erhebenden Schauspieles war, kann ermessen, was hier Großes und wahrhaft Edles geleistet wird. Und unter diesem Eindrücke stehend, haben sich viele der anwesenden Damen bereit erklärt, von mm an auch für das materielle Gedeihen des „Ferienheim" wirken zu wollen. 'Möge dieses edle Beispiel in den weitesten Kreisen unserer gutherzigen Damen Nachahmung finden! 2^ teu. Am 3. d. M. nahm der israelitische Gewerbestand in einer von dem Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herrn S. B r o d, eiubernfenen Versainmlnng zur Wiener Eultuswahl, Stellung. Die Saallvcalitäten im Restaurant Khuner erwiesen sich als zu klein, um alle Interessenten zu fassen. Unter dem überaus distingnirten Publicum bemerkte man die Herren Cultnsvorsteher W. S t i a s s n y, Tr. Gust. K o h n, Ärchitect F l e i s ch e r, W. P o l l a k, Dr. Adolf S t e i n, ferner die Vertreter verschiedener Corporatiouen, die Herren Tr. Bloch, Tr. M e i t n e r, S t r a s s e r, F r i e d, S. .H e i t cc. Herr Sigmund M a n d l, Chef der Firma M. I. Mandl, hielt einen geradezu glänzenden Vortrag ,,lieber die wirthschastliche Bedeutung der Inden iit Oesterreich", der aus allgemeines Verlangen im Drucke veröffentlicht iverden tvird. Nach dessen mit Beifall aufgenommeuen 'Anssührnugen nahm der Vorsitzende zu einer ausführlichen Rede das Wort, in welcher er den Standpunkt des neuen Eultnsvorstandes der größten Gemeinde am Evntinente in lebhaften Bildern zeichnete. Daraus sprachen die Herren 'Ärchitect F r ä n k l, Professor Richard S i n g e r, welch Letzterer nach Ausspruch eines liberalen Abgeordneten, die Jndeuschast dem Antisemitismus gegenüber in 3 Elassen theilte und zwar l. der gassenden, welche zusieht, als wäre sie gar nickt gemeint; 2. der raffende n, die nur mit ihrer Habsucht dem Jndenthnme schadet und 3. der s ch a ss e n d e n, die allerdings etwas leister und arbeitet. Baurath S t i a s s n y tritt der gegnerischen Zumuthuug, als wären die Inden Fremdlinge, energisch entgegen. Dr. Adolf Stein erklärt, der bisherige Vorstand habe seine Pflicht gethan und mehr könne auch vom künftigen Vorstande nicht erwartet werden. Gegenüber der lantgewordenen Forderung nach Ausdehnung des Wahlrechtes ans Fünfgulden-Männer befürwortet Redner das dreiclassige Wahlsystem, welchem Herr Redacteur Fleischer in einer geradezu schwungvollen Rede entgegen trat. Auf Anregung des Vorsitzenden wurde beschlossen, daß der Gewerbestand im Interesse der Einigkeit eine größere Anzahl von Telegirten nach dem Central-Wahlcomite für die Cultus- Gemeindewahl entsende. Um 'Mitternacht wurde die überaus anregende Versammlung geschlossen. Göding, 5. October 130«;. Löbliche Redaction! Au^ Grund des 10 des Preßgesetzes bitten die Ulltersertigten um gefällige Ausnahme folgender Berichtigung in Ihrem geschützten Blatte: In dem Schlußpassus des Berichtes über die aus Initiative mehrer jüdisch-nationaler Studenten jüngst in Gödiug statt-