Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 41 (9.10.1896)
- Date
- 1896-10-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 816 Vr. Vloch's Wochrnschrist. Nr. 41 Ideen aus Chasdai oder Duran geschöpft sind. Da es für uns >' von keineni weiteren Belang ist, zu wissen, ob ein Artikel des Glaubensbekenntnisses genannt wird „Stamm" oder „Wurzel" oder „Zweig," so läßt der Name Albo kaum etwas Neues zu sagen übrig. Ter verstorbene Dr. L ö w aus Szegedin hatte in der That recht, als er einem Gegner auf dessen herausfordernde Frage, „wer würde es wagen, mich, so lange ich die von Albo niedergelegten drei Artikel bekenne, als Häretiker zu erklären", niit den Worten anttvortete: „Albo selbst". Denn ttotz aller Haarspaltereien, die Albo zwischen verschiedenen Classen von Dogmen anstellt, erklärt er schließlich dennoch, daß ein Jeder, der selbst die Unabänderlichkeit des Gesetzes oder des Messias Ankunft leugnet, Artikel, die nach ihm von geringerer Wichtigkeit sind, ein Häretiker ist, dem die künfttge Welt verschlossen sein wird. Doch verdient e i n Punkt in seinem Buche erwähnt zu werden; freilich geht auch dieser auf eine andere Quelle, auf Maimonides, zurück; nichtsdestoweniger kommt Albo das Verdienst zu, ihn nach Gebühr besonders nachdrücklich geltend gemacht zu haben. Albo führt unter den Artikeln, die er als die „Zweige" bezeichnet, den Glaubensatz auf, daß die zum ewigen Leben führende Vollkommenheit eines Menschen durch Erfüllung auch nur eines einzigen Gebotes erreicht werden kann. Doch muß, wie Maimonides hervorhebt, dieses Gebot erfüllt werden ohne irgendwelche weltliche Rücksicht, sondern ausschließlich und allein aus Liebe zu Gott. Wenn man erwägt, wie viele Flachheiten Jahr für Jahr von gewissen Theologen über jüdische Gesetzesstrenge wiederholt werden, kann man auf diesen Artikel Albo's nicht genug aufmerksam machen, den besser als bisher bekannt zu machen unsere Pflicht wäre.-') Obwohl hier in eine Auszählung der Maimonisten einzugehen mir unmöglich ist, darf ich den Namen R. Nissim ben Moses aus Marseille, des ersten großen Maimonisten, der gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts blühte und als einer der erleuchtetsten Denker seiner Zeit betrachtet wurde, hier nicht unerwähnt lassen.'") Ein anderer, besonders beachtenswerther großer Maimonist ist R. Abraham ben Schemtob Bibago, der vielleicht unter Denen, die den Maimonides gegen die Angriffe Chasdai's und Anderer zu vertheidigen unternahmen, als der hervorragendste gelten darf. Bibago schrieb „den Pfad des Glaubens" (nrrs ““")*') in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts und war, wie Dr. Steinschneider ihn treffend beschreibt, ein Denkgläubiger. Jedoch vor Allem war er ein gläubiger Jude. Als er einst am Tische König Johanns II. von Aragon von einem christlichen Gelehrten gefragt wurde: „Sind Sie der jüdische Philosoph?" antwortete er: „Ich bin ein Jude, der an das von unserem Lehrer Mose gegebene Gesetz glaubt, trotzdem ich Philosophie studiert habe." Bibago war ein so treuer Bewunderer des Maimonides, daß er keine Opposition gegen denselben zu dulden vermochte.. Er spricht in einer Stelle von den vorsichttgen Zeitgenossen, die von dem großen Haufen als Orthodoxe angesehen werden wollen und deshalb den Lehrer (Maimonides) anschwärzen und dessen Verdienste schmälern. Brbago's Buch ist besonders in seinen polemischen Theilen sehr interessant; in Bezug auf die Dogmen jedoch, wie gesagt, ist er Maimonist und bringt nichts Neues zu diesem Gegenstände. Um zu den Anti-Maimonisten der zweiten Hälfte des sünfzehnten Jahrhunderts zurückzukehren so kann als solcher R. Jsaac Aramah bettachtet werden, der von drei Grundlagen der Religion spricht: Creatio ex nihilo, Offenbarung (?) und Jenseitsglaube.'') Nach ihm zu erwähnen ist R. Josef Jabez, der ebenfalls nur drei Artikel annimmt: Creatio ex nihilo, Jndividualvorfehung und Einheit Gottes.") Unter diese drei Hauptsätze sucht er die dreizehn Sätze des Maimonides unterzubringen. Der letzte spanische Schriftsteller über unseren Gegenstand ist R. Jsaac Abarbanel. Seine Abhandlung hierüber ist unter dem Titel rzrix r*n 4) bekannt und im Jahre 1495 beendet worden. d) Siehe Jkkarim I. c. 23, und Maimonides Mschnahcommentar (Ende des Taktats Maccoth). lieber Albo vergl. Schlesinger's Einleitung und Anmerkungen zu den „Jkkarim", Joel's Schrift pag. 82; Jaulus Monatsschrift 1874, pag. 463, und Brüll's Jahrbuch IV, pag. 52. Ich kenne sein Werk aus einem M.-S. im Britischen Museum, Orient. 39. ") 7V1V8 *|*n, Derech Enumah. Vergleiche Steinschneider, Monatsschrift 1883, p. 79 ff. 12) Siehe pnS’' DTpJ? Pforte 55. ,3) Siehe sein fffitSKn TD' und rmnKTI "1ÖKÖ. ") n:öK wn i Der größte Th eil dieser Abhandlung bildet eine Vertheid ignng des Maimonides und enthält zahlreiche ans Bibago entlehnte Gesichtspunkte. Trotz dieser Thatsache jedoch darf Abarbanel nicht als Maimonist gelten. Nur ein Gefühl von Pietät gegen Maimonides oder wohl vielmehr eine Leidenschaft für logische Folgerichtigkeit machten ihn zum Vertheidiger des Maimonides gegen Chasdai und Andere. Seine eigene Ansicht ist die, daß es ein Mißgriff wäre, das Judenthum durch dogmatische Formeln zu definiren, da jedes Wort in der Thora schon an sich als ein Dogma angesehen werden muß. Nur dem Beispiele nicht-jüdischer Gelehrter folgend, sagt Abarbanel, haben Maimonides und Andere zur Aufstellung von Dogmen sich veranlaßt gesehen. Die Philosophen der Nicht-Juden sind gewöhnt, in jeder Wissenschaft gewisse unbestreitbare Axiome anzunehmen, aus denen sie durch Deduction solche Sätze entwickeln, die weniger auf der Hand liegen. Aehnlich suchten die Philosophen der Juden nach ersten Principien in der Religion, aus denen die gesummten Anschauungen der Thora als abgeleitet zu bettachten wären. Doch, meint Abarbanel, die Thora hat als offenbartes Gesetz nicht nöthig, daß die Dinge gegenseitig aus sich abgeleitet werden, denn alle ihre Gebote kamen aus derselben göttlichen Autorität und sind daher alle gleich klar und gleich sicher.' Aus diesen: und ähnlichen Gründen lehnte Abarbanel die Annahme dogmatischer Artikel für das Judenthum ab und wurde so das Haupt einer Schule, die unter den Anti-Maimonisten eine eigene Classe bildet und auch viele der größten Kabbalisten einschließt. Es wäre jedoch müßiges Gerede, diese Schule zu Gunsten der modernen Theorie, daß das Judenthum keine Dogmen habe, anzusühren. Wie wir sahen, war Abarbanel vielmehr durch einen embarras de richesse daran gehindert, die dreizehn Artikel des Maimonides anzunehmen. Für ihn und die Kabbalisten besteht die Thora mindestens aus 613 Glaubensartikeln. (Schluß folgt.) Correspondenzen. Wien. (V e r m ä l u n g.) Sonntag den 4. d. M. hat in Baden, in der Villa des Herrn David von Gutmann, die Bermälung der jüngsten Tochter desselben, Fräulein Helene von G u t m a n n mit dem Attache der italienischen Botschaft in Paris, dem Grafen Vittorio di Earobio aus Venedig stattgefunden. Als Trauungszeugen seitens der Braut fungirteu die Eltern, Herr David Ritter von Gutmann und dessen Gemahlin Frau Sophie von Gutmann; seitens des Bräutigams die Mutter, Frau Gräfin Elisa di Corobio, geborene v. Jacur und der Onkel des Bräutigams Herr von Jacur deputirten' des Parlaments. Den Trauungsact vollzog Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann unter der ausgezeichneten Mitwirkung des Herrn Obercantor Singer und des Chorpersonals. Obwohl beabsichtigt war, die Feierlichkeit auf einen kleinen Kreis von Verwandten und Freunden zu beschränken, so hatten sich doch wohl gegen achtzig Personen eingefunden. Von Seiten des Bräutigams waren erschienen außer der würdigen Mutter desselben, Herr Saleni aus Venedig sammt Frau Gemalin, eine Schwester des Bräutigams, sowie ein Vetter Herr Romanin-Jacur aus Padua, ein höherer Staatsbeamter, Neffe des berühmten Geschichtschreibers der Stadt Venedig, Romanin, dem kürzlich daselbst ein Denkmal gesetzt wurde. Sonst bemerkten wir die Herren Abgeordneten Prvskowetz und Meznik, Herrn Regierungsrath von Hahn mit Gemalin, Frau Jda 'von Gutmann, Herrn Max von Gutmann mit Gemalin, Herrn Fabrikanten Latzko aus Brünn, Herrn Maler Temble, Herrn Hofopernsänger Müller, Herrn Dr. Eduard Bacher mit Genialin, Herrn Baron Günzburg aus Petersburg, Herrn Baron Mayer- Ketschendorf aus Koburg, Herrn Rabbiner Reich aus Baden, Herrn Dr. Josef Schwarz mit Gemalin, Sänger Udel und zahlreiche Verwandte und Beamte des Hauses. Es war ein schönes Fest, in welchem der ttaditionelle Familiensinn des Herrn David von Guttnann und seiner Frau Gemalin wiederholt zu rührendem Ausdrucke gelangte. Bein: Champagner toastirte Oberrabbiner Dr. Güdemann auf das Brautpaar, worauf der Brautvater mit oft von Thräneu erstickter Stimme das scheidende Brautpaar mit innigen Worten ermahnte, an der Pietät, der Grundlage der Religion, sowie an den ererbter: heiligen Traditionen, welche nicht in dem berechtigten Bestreben,' dem Zeitgeiste zu entsprechen, untergehen dürfen, festzuhalten. Herr Prvskowetz hob