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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 814 Dr. VLoch's Wochenlchrifl. Nr. 41 daß er sich genöthigt sah, seinen Procuristen Herrn August Urban wegen Malversationen zu entlassen und ihn dem Gerichte zu übergeben .... Also wieder Einer! . . .. Die Zuschrift lautet: Mit Gegenwärtigen beehre ich mich Ihnen ergebenst mitzutheilen, daß mein Procurist August Urban mit heutigem Tage entlassen und wegen Malversation dem Gerichte übergeben wurde. Hochachtungsvoll Josef Mazel. Inhaber: Anton M a z e l. Bon der europäischen Profitwuth. „Ganz Europa" ist wieder einmal in Aufregung. Die Enthüllungen Parminters und des apostolischen Vikars über den „unabhängigen Kongostaat," über seine treulose Handelspolitik, über die Erpressungen, welche sich seine Officiere und Beamten zu Schulden kommen lassen, über die unerhörten Grausamkeiten, die dabei an der Tagesordnung sind, wie Hände- Abhackcn und Eunuchisiren: diese Enthüllungen erregen die „öffentliche Meinung" ungeheuer. Daß die geschilderten Dinge eine Schande und eine Sünde sind, das ist auch unsere Meinung. Aber wir wundern uns nur darüber, daß die öffentliche Meinung davon überrascht wird. Oder vielmehrWir wundern uns auch darüber nicht. Denn was heute „öffentliche Meinung" heißt, ist in den meisten Fragen durch Unkenntniß der Geschichte und Nationalökonomie und, was schlimmer ist, durch systematische Geschichtsfälschungen, durch arglistiges Verschweigen und feiges Verdrehen der Thatsachen derartig irre geführt, daß der Grundsatz: >>l aäwirari über nichts erstaunen? hier überall am Platze ist. Wir haben nicht einen einzigen Augenblick daran geglaubt, daß es den Drahtziehern der jüngsten europäischen Colonisationsbewegung mit dem Aushängeschilde ernst war, auf dem in gothischer Goldschrift zu lesen stand: Ausbreitung der Civilisation und des Christenthums, Abschaffung der Sclaverei und der Menschenschlächterei! Wir haben von vornherein gewußt, daß diese Phrasen nur Vogelleim waren, um ein paar gläubige Gimpel auf die Ruthen zu bekommen, deren Geld man für seine „Culturzwecke" ausgezeichnet brauchen konnte. Uh* w i r haben immer gewußt, worin diese „Culturzwecke" bestanden, nämlich im Geschäfte machen, im Geldverdienen. Darüber konnte für Niemanden ein Zweifel existiren, der die wirthschaftlichen Dinge unbefangen ansieht. Je mehr der europäische Latifundienbesitz die Landbevölkerung austreibt, je geringer also der Binnenmarkt unserer Industrien wird, und je gewaltiger dabei die Concurrenz dieser Industrien sich ausgestaltet, um so verzweifelter müssen sie nach neuen Märkten ringen. Es geht der Industrie, wie der Goethe'schen Ratte im Kellerloch: „Es ward zu eng ihr diese Welt, als hätt' sie Lieb' im Leibe. Sie fuhr herein, sie fuhr heraus, sie soff aus allen Pfützen." Die europäische Industrie thut desgleichen: kein Niggerstämmchen ist ihr arm gering, sie „civilisirt" es mit Fusel und Schießgewehren aus — Gasrohr! Dafür exportirt sie, was sie kriegen kann; und wenn mit nichts weiter Geld zu verdienen ist, als mit deui Export von S c l a v e n, nun, so wird eben das christlich-civilisatorische Gewissen mit dem Bewußtsein der „wirthschaftlichen Nothwendigkeit" und mit der Sicherheit getröstet daß man ja um so mehr Kirchensteuer zahlen könne, je reicher man wird. Die englischen und deutschen Rheder schreien, daß die Congogesellschaft das vertragsmäßige Recht der Handelsfteiheit durch allerlei Kniffe illusorisch macht. Alles schon dagewesen! Man lese, mit welchen empörenden Grausamkeiten 1621 die niederländisch-ostindische Compagnie chre britischen Concurrenten in Amboina ausrottete. Und wenn die Engländer schreien, kann man sie nicht auf die Royal Niger Company verweisen und die Franzosen auf Madagaskar? Die „öffentliche Meinung" ist außer sich, daß der Congostaat den einheimischen Häuptlingen eine „Steuer" von zwei Dritteln ihres Elsenbeines auferlege! Alles schon dagewesen! Marren Hastings „besteuerte" 1782 den Radschah Scheyte Sing von Benares mit einer halben Million Sterling für die Regierungszwecke der britisch-ostindischen Gesellschaft. Wer entrüstet sich, daß bei der Eintreibung dieser „Steuern" die fürchterlichsten Grausamkeiten Vorkommen? Alles schon dagewesen! Hat man schon vergessen, daß es Exekutoren derselben ostindischen Gesellschaft waren, welche die Gefälle dadurch einzogen, daß sie die Brüste der Frauen der steuerpflichtigen Hindus zwischen Bretter klemmten, die sie wie Copirpressen' zusammenzogen? Wer wird wild, daß die Beamten des Congostaates sich persönlich bereichern? Alles schon dagewesen! Lord Clive kam 1760 mit einem „Vermögen" von 800.000 Pfund Sterling, das sind 16 Millionen Mark nach England zurück. Von seinem Obersten-Gehalt hatte er es nicht „erspart". „Fast jeder Engländer", sagt Mahon, „begann, seine schleunige Bereicherung als ein Recht und die unterworfenen Eingeborenen als seine Beute zu betrachten." Genau so ist die „innere Politik" aller dieser Gesellschaften die gleiche gewesen: Söldnerwirthschaft, treuloses Jutriguiren mit den eingeborenen Fürsten, Betrug, Lüge, Bestechung, Meuchelmord, Hinterlist und Tücke. Der Mensch ist als moralisches Wesen das Resultat seines Milieu, seiner Umgebung. Darum ist der Charakter aller Handelscompagnien mit Staatsrechten derselbe, zu allen Zeiten und in allen Zonen, von den „Compagnien" des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts bis auf den Congostaat und Cecil Rhodes' Chartered Company. Kein größeres Unheil, als wenn Staatsgewalt in die Hände von Personen geräth, die rein privatwirthschaftliche Zwecke verfolgen. Aus dieser Wurzel stammt das Elend unserer ostdeutschen Arbeiterbevölkcrung, die Freiheit und Eigenthum verlor, als die „Ritter" die markgräflichen Frohnrechte von den Askaniern kauften: ans dieser Wurzel stammt ein großer Theil der englischen Staatsschuld, weil es auch damals schon Minister gab, die an' der Börse speculirten; aus dieser Wurzel stammt unser gesammtes innerpolitisches Elend, weil die Classe, welche die politische Macht hat, das Agrarierthum, sie für ihre privaten Erwerbszwecke mißbraucht Wer sich darüber aber wundert, der soll seine Geschichtslehrer regreßpflichtig machen. Me Dogmen im Iudenthum. Aus S. Schechter's „Studies in Judaism", London, A. & C. Black, 1896, übersetzt von Ignaz Kaufmann, Kojetein. (Fortsetzung.) Ein anderer Gelehrter aus der Provence, der nur um zwanzig Jahre später schrieb als Abba Mari — R. David ben Samuel d'Estella (1320) — spricht von den sieben Pfeilern der Religion, als da sind: Offenbarung, Vorsehung, Lohn und Strafe, die Ankunft des Messias, die Wiederauferstehung von den Todten, Oreario ex nihil.» und freier Wille.') Von Autoren anderer Gegenden habe ich hier R. Schemaria aus Creta, zur selben Zeit wie R. David d'Estella blühend, und durch seine Ausgleichsversuche zwischen Karäern und Rabbaniten bekannt, zu erwähnen. Dieser Schriftsteller schrieb ein Buch für jüdische Gelehrte zum Zwecke der Nachweise für seine Behauptung von fünf Fundamentallehren des Judenthums, als da sind: 1. Die Existenz Gottes; 2. Seine Unkörperlichkeit; 3. Seine absolute Einheit; 4. Himmel und Erde sind von Gott erschaffen; 5. Die Welt ist nach Seinem Willen erschaffen worden, 5106 Jahre (im Jahre 1346 v. Ch.) vor Niederschreibung dieser Worte Schemaria's.-) In Portugal, ungefähr zur selben Zeit, finden wir R. David ben Jomtob Bilia die Artikel des Mairnvnides erweitern durch eigene dreizehn Glaubenssätze, die er alle insgesammt als „Fundamentalsätze des denkenden Menschen" bezeichnet. Fünf dieser Artikel beziehen sich auf die Thätigkeiten der menschlichen Seele, die nach ihm aus Gott stammt, und auf die Arten von Lohn und Strafe, die dieser göttlichen Seele zu theil werden. Die andern acht Artikel sind folgende: 1. Der Glaube an reingeistige Existenzen, an Engel; 2. Creatio ex nihilo; 3. Der Glaube an eine andere Welt, die aber nur eine rein geisttge ist; 4. Die Thora ist erhaben über die Philosophie; 5. Die Thora hat einen äußeren, den Buchstabensinn, und einen inneren, den allegorischen Sinn; 6. Der Text der Thora ist keiner Verbesserung urtterworfen; 7. Der Lohn einer guten Handlung ist das gute Werk selber, und der sie ausübt, soll keinen anderen Lohn erwarten; 8. Nur durch die „zum Herzen sprechenden Gebote", wie z. B. der Glaube an einen einzigen, ewigen Gott, Ihn zu lieben und zu fürchten, und nicht durch gute Handlungen gelangt der Mensch zur höchsten Stufe der Vollkommenheit?) Vielleicht wäre es hier angemessen, eines andern zeitgenössischen Schriftstellers zu erwähnen, der ebenfalls ^echsundzwanzig Artikel aüfzählt. Der Name dieses Schriftstellers *) Siehe Harmnaskir, VIII. pag 63 und 103. -) Siehe Steinschneider, Cat. München, Nr. 210. 3) Siehe die Sammlung von Aschkenazi pag. 56 b ff.

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