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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Vr. Vloch's WochrnfchrM Seite 809 solchen jüdischen Fabrikanten, welche glauben, ihr Geschäft nur durch Herabsetzung des Ansehens und durch Anzweiflung der Zeugnisse ehrwüdiger jüdischer Rabbiner machen zu können, eindringlich zu Gemüthe zu führen, daß es denselben und dem Judenthum Zuträglicher sei, im geschäftlichen Wettbewerbe gegen die christliche Ccncurrevz sich conciliant zu verhalten, als die Priester der jüdischen Religion zu verunglimpfen. Ich bin in der Lage, für die hier aufgestellten Behauptungen actenmäßige Nachweise zu erbringen und ich habe die Namen der jüdischen Fabrikanten, die sich der geschilderten illoyalen, das Judenthum schädigenden Concurrenz schuldig machen, nur deshalb hier nicht genannt, weil ich mich der Hoffnung hingebe, daß dieser Appell in Ihrem geschätzten Blatte von denselben gelesen und auch beherzigt werden dürfte. Hochachtungsvoll Dr. Ad. Gallia, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien. Nachschrift der Redaction. Wir fühlen uns verbunden, an diese Zuschrift einige Bemerkungen zu knüpfen. Der Kampf gegen jüdische Industrielle und Geschäftsleute wird von den Antisemiten mit den verwerflichsten Waffen geführt, und es kann nicht Wunder nehmen, wenn in diesem Existenzkämpfe manchmal auch Juden indie Fehler ihrer Feinde verfallen und die Kampfmethode derselben nachahmen. Das ist zu begreifen, aber es ist nicht zu entschuldigen. Die rituelle Tadellosigkeit der Erzeugnisse der Firma Heinr. Franck Söhne wird gegenwärtig von Sr. Ehrwürden dem Oberrabbiner Salomon Schreiber in Erlau bezeugt. Das ist ein Mann von so unantastbarem Charakter, so wahrhaft heiligem Lebenswandel, so großen Verdiensten um das orthodoxe Judenthum, daß sein Zeugniß über alle Zweifel erhaben ist und daß nur Uebelwollen oder Vorwitz dieses Zeugniß anzufechten vermag. Die „Oesterreichische Wochenschrift" selbst hat vor Jahren auf Grund der ihr vielfach zugekommenen Berichte gegen die Firma Heinr. Franck Söhne Stellung genommen. Aber seit wir uns überzeugt haben, daß die rituelle Aufsicht thatsächlich in die Hände des denkbar vertrauenswürdigsten Mannes gelegt wurde und die Erzeugnisse wirklich den rituellen Vorschriften entsprechen, haben wir mit jener Loyalität, welche heute mehr denn je Pflicht der Juden ist, den Kampf eingestellt. Soweit also können wir den Anschauungen, welche in der obigen Zuschrift Ausdruck finden, nur voll und ganz zustimmen. In einem Punkte jedoch hat dieselbe Unrecht. Es sind nicht Juden allein, welche gegen die Firma Heinr. Franck Söhne illoyale Concurrenz üben. Es sind weit mehr ihre antisemitischen Concurrenten, unter deren Verleumdungen sie am meisten zu leiden hat. Die illoyale Concurrenz ist heute das allercharakteristischeste Merkmal des Antisemitismus/ und christliche Firmen sind es in erster Linie, welche in Galizien die Firma Heinr. Franck Söhne als eine antisemitische verschreien, um ihr die jüdische Kundschaft abzujagen. Ja, man hat zu diesem niedrigen Zwecke sogar die „Oesterreichische Wochenschrift" benützen wollen und von arischer Seite sind uns angebliche Beweise für die antisemitische Gesinnung der Firma Heinr. Franck Söhne angeboten worden, die wir als verdächtig schon mit Rücksicht auf ihre trübe Provenienz abgelehnt haben. Das ist ein durchaus verdammenswerthes Concurrenz- Manöver, würdig jener „arischen Moral", welche heute von allen antisemitischen Spitzbuben gepredigt wird, und wir haben die vorstehende Zuschrift zum Abdruck gebracht, weil wir diesen Spitzbuben die Möglichkeit benehmen wollen, sich in Ausübung ihres schmutzigen Handwerkes auf die „Oesterreichische Wochenschrift" zu berufen. Was unsere Glaubensgenossen betrifft, so hoffen wir, daß dieselben an solchen Manövern nicht theilnehmen werden. Der Antisemitismus und die ronfesstonelle Schule. I. Die „Oesterreichische Schulzeitung", das Organ des niederösterreichischen Landes-Lehrervereines, bringt in der Nummer vom 30. September unter der Spitzmarke „Antisemitismus und Schule" einen Leitartikel, den wir vor Allem unseren Lesern wörtlich zur Kenntniß bringen wollen. Er ist nicht nur für die Gesinnung unserer arischen Lehrer charakteristisch, er dürste auch für das Judenthum überhaupt, insbesondere aber für die Wiener Judenschaft äußerst belehrend wirken. Wir wollen vorläufig unsere Reflexionen zurückstellen und hören, was unsere Lehrerzeirung, hinter der sämmtliche Lehrer Niederösterreichs stehen, über beit Antisemitismus zu sagen weiß. Antisemitismus und Schule. Wie zur Zeit einer epidemischen Krankheit alles von einer panikartigen Bacillenfurcht ergriffen wird, so vermag auch ein politischer Bacillus — wenn auch mir vorübergehend — ganze Volksclassen zu befallen und gefangen zu halten. Die wirthschaftlichen Sünden des Liberalismus haben eine politische Reaction hervorgerufen, die vergiftend auf das ganze öffentliche Leben wirkt. Nicht nur der sogenannte kleine Gewerbsmann, dessen Noth man gegen das reiche Judenthum ausspielt, sondern auch ein großer'.THeil der gebildeten Stände steht heute unter dem Banne des Antisemitismus. Gewiß haben sich schon Tausende die Frage vorgelegt: Wohin führt uns der Antisemitismus? Die geheimsten Wünsche der antisemitischen Parteiführer sind kein Geheimniß mehr: es sollen die Juden rechtlich verkürzt, und ihr ungeheures Vermögen soll consiscirt werden. Wer diesen Forderungen zustimmt, ist herzlichst willkommen. In schönster Eintracht reichen sich da gutmüthig gerochene Fortschritts - männer und die hitzigsten Kapläne die Hand zum Bunde. Man jagden Juden vom Throne Mammons und setzt ein weltt bekanntes, fettes Ungeheuer darauf. Die Lehrerschaft Oesterreichs wird sich nie dazu verstehen, einer Partei Gefolgschaft zu leisten, die mit den Clericalen irgendwelche Compromisse schließt. Die Clericalen sind die Erbfeinde einer freien Schule; sie werden auch N'e für einen unabhängigen Lehrerstand eintreten. Die letzten Ziele ihrer und unserer Politik verhalten sich wie entgegengesetzte Pole. Das beste Gegenwicht einer clericalen Uebermacht bildet daher ein freier Lehrerstand. Vor nicht langer Zeit saß ein Bischof im Verein mit vielen Geistlichen an der reichgedeckten Tafel in einem Pfarrhause, um nach gethaner Arbeit — es war „Firmung" — auch dem leiblichen Genüsse zu fröhnen. Man kam auch auf den Antisemitismus zu sprechen, und da machte der Herr Bischof eine sehr bezeichnende Aeußerung. Er sagte: „Die Deutschnationalen sind uns zwar sehr unbequem, aber wir brauchen sie; sind wir einmal am Ruder, dann können wir auf ihre Mithilfe verzichten." Das heißt also ins klassische übe-sitzt: Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen. Wir wissen, daß es auch unter der Lehrerschaft schon eine große Anzahl Antisemiten gibt, selbst solche, die sich zur christlichsocialen Partei bekennen. Voran schreitet in dieser Richtung die Wiener Lehrerschaft.*) Die Verblendung geht so weit, daß man über den Horizont unseres Reichs-Bolksschulgesctzes nicht mehr hinaussieht, mit ruhigem Gemüthe die Aederchen unterbindet, welche der Volksbildung einiges Leben zuführen sollten und in einer Anwandlung unglaublicher Selbstbeschränkung erklärt: Der Kaplan ist uns lieber als der Jud, trotzdem uns der Kaplan schon einmal geknechtet hat, der Jude aber noch nie! Auf dem flachen Laude, wo die Uebergriffe der Clericalen oft fabelhafte Dimensionen annehmen, ist man entgegengesetzter Ansicht und sagt: Der Jude will Geld, die Clericalen aber wollen Geld und Freiheit! Wenn in diesem Falle dem einen auch nicht eine Nachtigall, was dem andern eine Eule ist, so zeigt doch dieses höchst anwidernde politische Kesseltreiben, daß das Volk in Stadt und Land nicht reif genug ist, um die Schale vom Kern zu trennen Heute heißt es: Hie Jud. Hie Antisemit! Man sieht, auf welch traurige Wege das deutsche Volk gerathen ist. Es besitzt keine Kämpen für den Schlachtruf: Weder Jud, noch Antisemit! Selbst ist der Mann und selbstbestimmend soll sein das deutsche Volk! Der Antisemitismus ist seinem innersten Wesen nach eine wirthschastliche und nationale — keine politische Frage. Gegenstand der Politik ist die Gesetzgebung; und in keinem m.dernen Rechtsstaate kann der Gedanke ernst genommen werden, daß Gesetze geschaffen werden sollten, durch die einer bestimmten Classe von Staatsbürgern allgemein-bürgerliche Rechte entzogen werden. Stempelt man den Antisemitismus zu einer politischen Frage ersten Ranges — was gegenwärtig der Herzenswunsch politischer Streber ist — so wird er zum Ausgangspunkte einer Reihe schädigender und *) Mit dieser Behauptung wird sehr viel Mißbrauch getrieben. Die Wiener Lehrerschaft zählt sehr wenig clerikale Elemente. D. L.

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