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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 808 Dr. Vwch's Wochenschrift Nr. 41 dem Stadtoberhaupt von Wien emzubläuen. Nun nimmt der Herr Strobach so überaus nothwendige'A-B-C-Unterricht einen großen Theil der L u e g e r'schen Zeit in Anspruch, und als Strobach Hitzferien hatte, sann Dr. Lueger auf Zerstreuung. Da ihm Nichts Besseres einfiel, so machte er sich das-billige! Vergnügen im Bezirksschulrath zu präsidiren. Zwar steht dieses Recht i nur dem Bürgermeister zu und für den Fall, daß dieser abwesend ist, s hat der Bezirksschulrath statutengemäß einen eigenen Obmann-Stellf Vertreter gewählt; aber das ficht den Herrn Dr. Lueger wenig an.. „I' bin i'! ... . Justament!" Und Dr. Lueger präsidirte widerrechtlich den Bezirksschulrath. Die Angelegenheit ist sicherlich nicht die Tinte Werth, die ihretwegen verschrieben werde. Dr. Lueger hat bereits ganz andere Gesetze, als das Statut des Bezirksschulrathes mit Spott und Hohn behandelt, nach Gutdünken übertreten und mißachtet. Hätten unsere l iberalen Paragraphenköpse von jeher sich so stramm und unerschrocken für Recht und Gesetz begeistert, dann wäre wahrscheinlich niemals die Frage actuell geworden, ob — lucus a non lucendo — verbissene Clericale, die Schwärzesten der Schwarzen, dem Bezirksschulrath präsidiren können. Aber in anderer Beziehung ist diese läppische Episode aus unserer communalen Comödie von psychologischem Interesse. Es entsteht nämlich unwillkürlich die Frage, warum Dr. Lueger sich auf den Vorsitz im Bezirksschulrath capricirte, warum er sich auf den Justament-Präsidenten herausspielte, warum der gesinkelte Advocat dieses zweifelhafte Gut um den Preis einer sicheren juristischen Blamage erkaufte. Die Antwort darauf fällt nicht allzu schwer. Es sieht auch der Mindergebildete ein, daß Dr. Lueger den Platz eines Vorsitzenden im Bezirksschulrathe weder aus parteitaktifchen, noch aus agitatorischen Gründen anstrebte. Ein brennendes Interesse für die Schule und ihre Förderung werden ihm selbst feine intimsten Freunde nicht nachsagen. Was übrig bleibt, ist kurz gesagt. Hier kann man wohl nicht mehr von Ehrgeiz sprechen. Das hieße Begriffe fälschen, der Sprache Gewalt anthun. Das ist die kindische, läppische Eitelkeit, aus der das ganze öffentliche Treiben dieses Mannes zu erklären ist, die aber vielleicht noch niemals so unverhüllt und so bezeichnend hervorgetreten ist, wie jn dem Falle, von dem wir reden. ,,Er muß etwas werden!" Dieses einzige Princip kann man in der ganzen Laufbahn L u e g e r's verfolgen. Es ist ganz gleichgiltig, w a s er wird. Es ist der simple Bezirksausschuß-Ehrgeiz irgend eines x-beliebigen Sumpers und Spießers, dem dieser Mann Gesinnung und Ueberzeugung zum Opfer gebracht hat. Die Sache wäre so lächerlich, wie der hohe Sinn, der Jemanden dazu treibt, sich um ein Mandat im racenreinen Keaelverein „Alle neun!" oder im Radfahrclub „Heilo, Hallo!" zu bewerben, tv^nn nicht die Umstände es dazu gebracht hätten, baß Hunderte, Tausende ernster und ehrlicher Menschen unter diesem Kegelclnb-Ehrgeiz der Luegers und Consorten leiden. Es heißt, daß die Weltgeschichte das Weltgericht ist; mitunter nimmt sie sich auch wie die Weltcomödie aus! Illoyale Conrurren;. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redacteur! j Sie haben es sich ztir Aufggbe gestellt, in Ihrem [ geschätzten Blatte unberechtigte und übelwollende Angriffe gegen das Judenthum und die Juden zurückzuweisen und zu j bekämpfen.! Dieses Streben verdient in der heutigen Zeit, deren i Parole Haß und Mißgunst von Nationalität gegen Natio- > nalität, Race gegen Race und Glauben gegen Glauben ist, alle Anerkennung. Damit ist aber nur ein Theil Ihrer Aufgabe gelöst; es genügt nicht, gegen unberechtigte, verleumderische Anschuldigungen, die gegen die Juden und das Judenthum erhoben werden, Front zu machen, um dieselben zu widerlegen. Es ist vielmehr auch nothwendig, daß von Seite der Juden zu gehässigen Anschuldigungen kein Anlaß, noch weniger ein berechtigter Anlaß, geboten werde. In der heutigen kritischen Zeit wird das Judenthum mit dem einzelnen Juden allzuleicht identificirt und die Fehler des Einzelnen werden als Erbfehler aller Juden ausgegeben. Es dürfte daher Ihre Billigung erhalten, wenn ich mir erlaube, ergebenst auch darauf aufmerksam zu machen, daß Ihr geschätztes Blatt eine nützliche, dem Judenthum segeubringende Aufgabe dadurch erfüllen könnte, daß dasselbe Bestrebungen entgegentritt, die die unmittelbare Ursache zu schweren Anschuldigungen gegen das Judenthum werden können. Zu solchen Bestrebungen rechne ich in erster Linie alle Angriffe, die eine illoyale jüdische Concurrenz gegen ihre christlichen Mitbewerber richtet. Die Firma H e i n r. F r a n ck Söhne erzeugt Kaffeesurrogate; unter den Eonsnmenten derselben befinden sich Juden und Christen. Der Surrogatkaffee für die Ersteren wird, damit er den rituellen gesetzlichen Vorschriften der Juden entspreche, zur Osterfabrikation in abgesonderten Räumen unter einer besonderen rituellen Aufsicht hergestellt, während für das laufende Jahr ein ständiger Aufseher (ein orthodoxer Israelit) in jeder Fabrik angestellt ist. Die Oberaufsicht führte früher der ehrwürdige selige R a b b i n e r S a l o m o n Spitzer und führt seit dessen Tod der ehrwürdige Oberrabbiner Salomon Schreiber in Erlau. Dessen ungeachtet,behaupten jüdische Concurrenten der Firma Heinr. Franck Söhne, die ihren Sitz in Galizien und Ungarn haben, daß die Koscher-Zeugnisse der genannten Rabbiner falsch seien, daß deren Aufsicht nur zum Scheine geschehe, und daß das Erzeugniß der Firma Heinr. Franck Söhne auf eine den Vorschriften der jüdischen Religion und den Bestimmungen der jüdischen Ritualgesetze nicht entsprechende Weise hergestellt werde. Ja, nicht genug an dem, diese illoyale Concurrenz ging sogar so weit, öffentlich zu behaupten, daß der Surrogatkaffee der Firma Heinr. Franck Söhne Schweinefett enthalte, trotzdem die Analyse, welche die Concurrenz an von ihr selbst beigebrachten, der Firma Heinr. Franck Söhne zugeschriebenen Erzeugnissen durch eine staatliche Anstalt Herstellen ließ, das Gegentheil feststellte. Diese verläumderischen Anschuldigungen, nämlich: daß das Fabrikat der Firma Heinr. Franck Söhne nicht koscher sei, daß die Zeugnisse der die Erzeugung desselben beaufsichtigenden Rabbiner die Wahrheit verschleiern, wurden in Circularen und Zeitungen in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung verbreitet; es wurde derselben vorgestellt, daß sie durch den Genuß der Waare des christlichen Fabrikanten an ihrem ewigen Seelenheile Schaden nehme und dadurch erreicht, daß in manchen Gegenden Galiziens und Ungarns das Fabrikat der Firma Heinr. Franck Söhne bei der jüdischen Bevölkerung förmlich in Bann gethan wurde. Jn ähnlicher Weise erging es in diesen Ländern anderen christlichen Fabrikanten mit anderen Waaren. Die Folge derartiger verläumderischer Angriffe, die von illoyalen jüdischen Fabrikanten gegen ihre christliche Concurrenz ausgehen, ist natürlich die, daß darunter nicht blos der betroffene christliche Fabrikant, sondern auch die unbetheiligte jüdische Bevölkerung leidet. Denn die Unanständigkeit des jüdischen Fabrikanten, die Verdächtigung angesehener jüdischer Rabbiner und Talmudgelebrten die von ihm ausgeht, werden als Ausfluß von Charaktereigenschaften dargestellt, die nicht blos dem einen Fabrikanten, sondern der Gesammtheit der Juden zu eigen sein sollen. Ich glaube, sehr geehrter Herr Redacteur, daß es eine Ihres geschätzten und weitverbreiteten Blattes würdige Aufgabe wäre, darauf aufmerksam zu machen, daß es die Pflicht eines jeden Juden sei, derartige Angriffe verläumderischer 9tatur ausnahmslos zu vermeiden. Es wäre gut,

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