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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 802 Dr. Vloch's Wochenschrist Nr. 40 füllt, unter denen der Präses der Cultusgemeinde, Herr Simon, mit dem Secretär Dr. Lieben, wie die Tempelvvrsteher fast sämmtlicher Bezirke bemerkt wurden. Gödiug, 27. September. Heute fand in unserer Gemeinde eine von jüdischen Hochschülern cinberufene und geleitete Versammlung statt. Herr eand. iug. Rosenbaum begrüßte die Erschienenen und ertheilte Herrn Dr. Jacob K o h n zum Referate über die politische Lage der mährischen Judenschaft das Wort. Von der Schilderung des Verhältnisses der Juden zu Deutschen und Czechen ausgehend, erörterte er die Aussichten, die diese hätten, falls sie noch Wetter mit den Deutschen gingen, und kam zu dem Schlüsse, der Jude könne nur durch Anschluß an seine Brüder zu politischer Geltung gelangen, und empfahl behufs Hebuüg des jüdischen Bewußtseins und Pflege jüdischer Literatur und Geschichte die Gründung eines jüdischen Vereines. An der hierauf folgenden Debatte betheiligten sich die Herren Professor Schmidt, Advocat Dr. K ö r n e r, Advocat Dr. Läufer, Oberbuchhalter Ehrlich, Carl Lechner rc. Nach dem Schlußworte des Referenten wurde der Antrag auf Gründung eines jüdischen Vereines mit allen gegen vier Stimmen angenommen. Auspitz, 28. September. Samstag den 26. d. M. fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde in Auspitz eine gut besuchte Versammlung statt, bei welcher Cand. Mied. Alois M unk aus Brünn über die politische und sociale Lage der Juden mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in Mähren sprach und zum Schlüsse seiner Ausführungen den Anschluß an eine zu gründende Organisation der Juden in Mähren empfahl. Cand. Ing. R o s e n b a u m aus Wien stellte daran anknüpfend den Antrag, in Auspitz einen jüdischen Verein in's Leben zu rufen, welcher dazu berufen sein soll, der Jnteressenmittelpunkt der dort ansässigen Juden zn werden. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen und ein vorbereitendes Comite constituirt. Skole. Dank dem Bestreben des hiesigen israelitischen Lesevereines „Dorschei Mada" und besonders denk hingebungsvollen Bemühen des Obmannes desselben, Herrn Dr. w«d. Friedländer wurde hier im Sommer l. I. eine Baron Hirsch-Schule gegründet und solche im September unter Leitung eines Directors und Mitwirkung von 2 Lehrern (einer für das Hebräische und einer für's Profane) eröffnet. Einige Fanatiker setzten anfangs alle Hebel in Bewegung, daß die Väter ihre Kinder in diese Schule nicht einschreiben lassen sollten; die hiesige jüdische Bevölkerung sah aber mit Freuden der Gründung dieser Schule entgegen, und über 150 Kinder besuchen die neue Schule, von dessen Comite, das aus den Herren Dr. E. Friedländer, Dr. jur. I Gabel, Cultusvorsteher M. Liebesmann und H. Ensel besteht, sie auf den Winter mit uniformirter Kleidung und die Unbemittelten auch mit Mittagessen versehen werden. E- B. Protzuitz. (Todesfall.) Nicht lange sollte sie ihren Gatten überleben, die wackere Frau, die am 25. September zu Grabe getragen wurde. Frau Lisette P o l l a k, die würdige Gefährttn des vor wenigen Wochen dahingeschiedenen Herrn Joachim P o l l a k gesegneten Andenkens hat das Zeitliche gesegnet und mit ihrem Ableben hat die hiesige Gemeinde eine ehrwürdige Glaubensgenoffin zu beklagen, wie wir sie nunmehr noch nur in spärlichen Exemplaren besitzen. Sie erreichte das hohe Alter von 82 Jahren und galt stets als Muster einer zärtlichen Gattin, liebevollen Mutter und gottergebenen Jüdin, der es ein Lebensbedürfniß war, fromme Werke zu üben, Wohlthaten zu erweisen, Armen beizustehen, Kranke zu pflegen und gebrochene Herzen aufzurichten. Eine Familien-Pattiarchin im besten Sinne des Wortes, übte sie das Gute in Bescheidenheit ohne jede Ostentation und Affection. Sie wird eine fühlbare Lücke zurücklassen und Viele werden ihren Hingang beweinen. Der tiefgebeugten schwerbettoffenen Familie diene es zum Tröste, daß ihr Andenken noch lange fortleben wird und daß die aufrichtige Theilnahme eine ungetheilte, allseitige ist. Friede ihrer Asche, die Erde sei ihr leicht. Trop^au. (Jüdisch.literarischer Verein.) Sonntag den 4. October findet die Eröffnung des neuen Vereinslocales (Oberring 37, I. Stock) statt. Vortrag des Herrn sind. jur. Emil Marburg: „Die Juden in der lyrischen Poesie". Dem Vortrage folgt eine gemächliche Unterhaltung. Jüdische Gäste, von Mitgliedern eingeführt, herzlich willkommen! Gairmg. Ein nachahmungswürdiges Beispiel von seltener Großmuth und religiösem Sinn gab an den verflossenen hohen Feiertagen Herr Samuel Pisk, Gutspächter und Spiritusfabrikant in Gairing bei Dürnkrut. Als er nämlich zur Thora gerufen wurde, spendete er außer namhaften Geldbeträgen für den hiesigen Tempel eine prächtige Thorarolle sammt dem dazu gehörigen Silberschmnck ltitb Mäntelchen, ferner einen Vorhang zur heiligeil Lade im Gesammtlverthe von mehr als 1000 Gulden. Herr Pisk und Gemalin, die nnjere Gemeinde auch bisher kräftigst unterstützten, haben hiedurch ihren bisherigen Leistungen die Krone aufgesetzt und verdieilen es, daß ihr Nanie in ben weitesten Kreisen rühmlichst genanilt werde. Momentan fand die Güte des Herrn Pisk dadilrch Anerkennung, daß sich in Bertrettlng der Gemeinde die Repräsentanz unter Führung des Herrn Bernhard Adler uitb des Schreibers dieser Zeilen in die Wohnung des Herrn Pisk begab, um ihm ttn Namen der Gemeiilde für die kostbare Schenkung den Dank auszusprechen, welchen derselbe gerührt eulgegengenommen. Die Thorarolle, wie das Porsches uild Mäntelchen wurden bei der renommirten Bnchhandlnngsfirma Josef Schlesinger, Wien, I., Seitenstettengasfe 5, angefertigt. Stettin, im September 1896. Der reilvmmirte Theaterdirector Herr Jaques G o l d b e r g eröffnete unser Stadttheater mit einer glänzenden Vorführung von Wagner's „Tannhäuser". An dieser Aufführung, welche eigentlich — als erste Vorstellung in der Saison — mit ihrem aus allen Weltgegenden zusammengebrachten Personale keine vollständige Abrundung des Gebotenen erwarten ließ, zeigte sich so voll und ganz, welche ausgezeichnete Kraft unser Theater an dem Director Herrn Goldberg gewonnen. Nicht minder bedeutend erscheint uns der Capellmeister Herr Erd m a n n, der seine zumeist jugendliche Künstlerschaar mit sicherer zielbewußter Hand den glänzenden Erfolgen entgegenführte. Von den mitwirkenden trefflichen Künstlern nennen wir zwei, weil der Wiener Schule entstammend, welche hier künstlerisches Aufsehen erregten, und zwar Fräulein Meißen (Elisabeth) und Herrn S z e n g e r y (Wolfram) — ein Sohn des Wiener Obercantors Singer. — Sowohl Herr Szengery als Fräulein Meißen wurden von dem ausverkauften Hause durch widerholten stürmischen Beifall ausgezeichnet. Frankfurt a. M., 18 September. (S chriftstelle r-- I u b i l ä u m.) Herr Dr. Adolf B r ü l l, ein Bruder des seeligen Dr. Nehemias Brüll, feiert am 1t. October sein 25jähriges Jubiläum. Dr. Adolf Brüll, ein Oesterreicher von Geburt, entwickelt seit Jahrzehnten eine bedeutsame, literarische und wissenschaftliche Thätigkeit und hat sich in Fachkreisen einen geachteten Namen erworben. Er zählt auch in seiner österreichischen Heimat zahlreiche Freunde und Verehrer. Paris. Herr Clemencean, der sich seit seinem Rücktritte vom Parlament ganz der Literatur gewidmet hat, ist nach Galizien gereist, um dort Studien über die Juden ju machen. Der Czar hat dem Baron Alphonse de Rothschild den Großcordvn des Weißen Adlerordens verliehen. Constantinopel. David Molcho Pascha, der Hauptdolmetsch der Pforte, hat vom Kaiser von Japan den Kaiserlichen Japanischen Orden erster Classe erhalten. Es gibt kaum einen Monarchen in Europa und Asien, der unserem Glaubensgenossen nicht eine ähnliche Auszeichnung verliehen hätte. LLarschau. Wie aus Warschau berichtet wird, haben dort mehrere ausländische Juden die russische Naturalisation erhalten. Eine solche Verleihung hat seit vielen Jahren nicht stattgefunden. Marokko. In der Nähe von Tangier ist wiederum ein Jude ermordet worden. Immer öfter wiederholen sich diese furchtbaren Verbrechen, und es ist gar nicht abzusehen, wann sie ein Ende nehmen werden. Der Correspondent eines in Tangier erscheinenden Blattes berichtete von 32 Morden in einem Jahre. Das letzte Opfer war ein Händler namens Duido. Liverpool. Montag den 19. October findet hier die Grundsteinlegung des David Lewi-Spitales (David Lewis Great Northern Hospital) durch die Gräfin von Derby, die Gemahlin des Bürgermeisters von Liverpool, statt. Der Curator, Herr B. W. Levy, der alle Anordnungen überwacht, wird nachher ein Luncheon geben. London. Bath Honse in Piccadilly, der ehemalige Wohnsitz des verstorbenen Baron Hirsch in London, ist von dem südafrikanischen Millionär Wernyer gekauft worden. Im Osten (East Eudj von London soll eine neue Bethausgemeinde unter der Leitung des Herrn Schweczik gegründet werden.

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