Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 40 Vr. Vloch's ZvochenkrtzriN Seite 801 boctrt Dr. Klein an der Universität Upsala nnd ist für seine Thätigkeit an derselben bereits durch Verleihung eines Ordens ausgezeichnet worden. König Oscar, der vvn allen Vorgängen im Lande auf das Genaueste luiterrichtet ist, bat auch von diesen Vorlesungen Notiz genommen nnd vor einiger Zeit Dr. Klein zu sich besohlen. In einer längeren Audienz ertheilte der König Dr. Klein den ehrenden Anstrag, im derbste ihm nnd einigen Auserwählteu im Schlosse über einige Fragen streugwirthschnftlicher Natur Vorträge zu halten. Die Themata dürsten die Ursprünge des Jndenthnms nnd ChristenthnmS, jüdische Philosophie und Älpstik itub Anderes behandeln. Wo solchen Männern Gelegenheit gegeben wird, ihr Wissen über das Wesen des Juden thnms der Allgemeinheit zugänglich zn machen, ist natürlich an eine Entsaltnng des Antisemitismus nicht zn denken. Petersburg. JA n t i s e m i t i s ch e E x e e s s e i n R u st l a n d.) Mau schreibt der „Pol. (Ion-." anS Petersburg, 23. d. M.: In der Ortschaft Diatlorvka im Gouvernement Grodnv haben sich kürzlich in Folge eines Streites zwischen einem Bauern itub einem Inden neuerdings antisemitische Excesse ereignet. Im Verlause des Streites erlitt der Bauer, welcher epileptisch ist, einen Ansall seiner Krankheit, und als er hinfiel, begannen die Bauern des Ortes, welche glaubten, das; ihr Genosse von dem Inden getödtet worden sei, sofort eine regelrechte Indenhetze, indem sie alle Geschästsläden der Israeliten plünderten. Die Wnth der Bauern nahm bald so große Dimensionen an, daß sie sich auch gegen die behufs Rnhestistnng erschienenen Polizeiagenten und ihren Anführer, den Polizeicommissär Rnssanoff, zur Wehre setzten. Sie griffen den Evmmissär selbst an nnd entrissen ihm seinen Säbel, so daß er sich nur durch die Flucht in einen Kanfmannsladeu retten konnte. Von dort konnte er das Dach eines benachbarten Hauses erreichen, aber auch da war er vor der Wnth der Bauern nicht sicher. Sie wollten ihn steinigen, nnd thatsächlich wurde er am Kopfe durch einen Steinwnrf verletzt. Er wurde schließlich nur dadurch gerettet, daß eine Anzahl besonnener Leute das betreffende Hans umgaben nild ihn dann, trotz aller wilden Verwünschungen seitens der anfgereizten Menge, sicher nach Hanse brachten. Nun begannen die Bauern seine Wohnung zn belagern, und nur" ein zufälligerweise eingetretener Regenguß, der sie zwang, dem Platz zu verlassen, verhinderte ein größeres Unglück. Herr Rnssanoff muß das Zimmer hüten, da er nebst seiner Kopfwunde sich auch bei dem Sprunge von dem Dache des Hauses, auf welches er sich geflüchtet hatte, einen Fuß verstaucht hat. Die Verhandlung gegen die Ruhestörer, deren Zahl siebzig beträgt, wovon fünf die Anstifter der Unruhen waren, wird demnächst vor dem Gerichte in Grodnv stattfinden. London. (I ü d i s ch es Theater i n E n g l a n d. > Herr Sigmund Fineman ans New-Pork ist in London eingetrvssen, in der Absicht, hier ein ständiges jüdisches Theater zu gründen. Er behauptet, daß ein solches einen sehr bedeutenden erziehlichen und moralischen Werth für die Juden, besonders aber für die jüdischen Fremden in East-End habenmüsse, und daß Erfahrungen, die man in Amerika mit solchen- Bühnen gemacht, sehr wohl zu einem solchen Schlüsse berechtigen. In New-Port bestehen drei jüdische Theater ausgezeichnet. Jedes davon bezahlt etwa fl. öO.OOO jährliche Miethe nnd nimmt ungefähr eine halbe Million Gulden jährlich ein. Herr Finemann selbst ist ein ganz vorzüglicher Schauspieler; seine Frau Diuah genießt jenseits des Oceans den Ruf einer ausgezeichneten Schauspielerin. Ans dem Repertoire steht für die allernächste Zeit „Hamlet", der in einer jüdischen Bearbeitung der Schlegel'schen Uebersetzuug gegeben wird. Man sieht dieser Ausführung mit gespanntem Interesse entgegen. London, 18. September. Mr. Simon Cohen hat einen Brief vvn Lord S a l i s b u r p erhalten, in dem er sein Bedauern darüber ausspricht, daß die jüdischen Bäcker bestraft werden können, weil sie am Sonntag arbeiten. Der Lord erklärt, daß eine derartige Bestrafung den allgemeinen Gefühlen der englischen Bürgerschaft widerspräche. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung dieses Briefes wird aber bekannt, daß wiederum ein jüdischer Bäcker von dem Richter Mr. Newtvw, Malbourvugh Street, zu 20 Mark Geldstrafe verurtheilt wurde wegen derselben Veranlassung. Auch dieser Richter sprach sein Bedauern aus, betonte aber, daß er gezwungen sei, die bestehenden Gesetze anszuführen. Die Erben des kürzlich verstorbenen Mr. Mp er S a l allidtt haben dem University College Hospitale zur Erinnerung . au ihren verstorbenen Vater den Betrag vvn 20.000 Mark j geschenkt. __ : Vermilchtes. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat gestattet, daß der praktische Ärzr Tr. Earl K lein in Franzensbad unt» der praktische Arzt Dr. David T v r n a u e r in Karlsbad den bulgarischen Eivil-Verdiensr-Orden fünfter Elasse, der kaiserliche Rath und Gesellschafter der Firma Dr. dl. Pollak & Söhne, Friedrich P o l l a k, iit Wien die französische 'Auszeichnung eines Offieicr d'aeadeniie und den persischen Sonnen- und Lvweu- Orden dritter Elasse annehmen nnd tragen dürfen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 11. Oetober um halb 1 Uhr Nachmittags findet hier die Trauung des Fräuleins 'Alice v. A a f s a u mit Herrn Tr. D. T v r n a n e r, Directvr des „Kaiserbad" in Karlsbad, statt. Wien. iV e r l o b n n g.) Professor Dr. Bela L a z a r, Mitarbeiter des „Remzet", hat sich mir Fräulein Irma Rvsenb e r g, Tochter des Industriellen Ludwig Rosenberg in Issek, verlobt. Wien. (T ödes fall.» Am 27. d. M. verschied Herr Leopold W n l k a n, Associder renommirteit Steinmetzsirma Wnlkan L Nenbrnnn. im 'Alter von 30 Jahren. Bei dem unter großer Theilnahme stattgehabreit Leichenbegängnisse fttngirte Herr Eantor S ch i l l e r unter 'Assistenz des Tempelchors unb brachte die üblichen Tranergesäuge in ergreifender Weise zum Ausdruck. Wien. K i n d e r f e st.> Anläßlich des Namensfestes Sr. Majestät des Kaisers veranstaltet der Verein „Ferienheim" Sonntag, den 4. Oetober, im Ballsaale Rouacher, I. Schellinggasse, ein Kinderfest für die ans den Eoloniestativnen Rvssi'tz, Petrall, Schattmannsdvrs, Lomnitz?c. heimgekehrten 34« > Knaben nnd Mädchen, welche während der 2 Ferieninvnate in ben genanntell Eolvnien nntergebracht waren. Die Kinder werden sich in Teelamatioli uitb Gesang prvdneiren, mtb die Knaben Proben il.rer militärischen Abrichtnng vorführen. 'Rach den Produetivnen erhalten die Kinder eine Festjause. Anfang 4 Uhr, Eintritt frei. Kinderfreunde, sowie Kinder als Gäste herzlichst willkommen. Die Directioil des Etablissements Rouacher hat in Ansehung deS patriotischen nnd Humanitären Zweckes mit nicht genug hoch auznschlagender Bereitwilligkeit den Saal unentgeltlich zur Versügnug gestellt. Wien. (P erein z u r H e b u u g der E e w e r b e, Ä i e n, I., A'i p p t i n g e r st r a ß e 26) Einladung zu der am 3. Oetober 1806 in Känner's Restauration. 1, Schottenring A'r. 22 stattfindenden Lers.utt-nlnug. Tagesordnung: I Aortrag des Herrn Siegmuud Mand 1 {iu Firma M & 3. Mandl), „über den >v 1 rthschast 1 ichen Ein flust der Juden iu Oesterreich". II. 2 retlungu abine zur bev 0 rsteh eud eu Cuttuswahl, eiugeleit.t von dein Einberufer der Versammlung. III. Freie Dis cnssi on eu. Wien.*) Sonntag am 0. September Vormittags wurde im X. Stadtbezirke Favoriten der zum Regierungsjnbiläum des Kaisers nenerbaute jüdische Tempel vorläufig provisorisch, aber dennoch iu feierlichster Weise eingeweiht, um an den folgenden Festtagen in demselben die Andacht abhalten 31t können. Tie Schlußsteinlegnng wird erst am 2. Deeember 1808 vfficiell vvllzogen werden. Ter Tempel in der Hnmbvldtgasse dir. 27 bildet eine Zierde der Gasse wie des Bezirkes. Es ist ein Kuppelbau im Stile der Renaissance, der Plan entstammt dem jüdischen 'Architekten G a r t n e r; mit der Ansführnng war der Baumeister PeregrinuS Z i m m e r m a u n betraut. Um die Herstellung haben sich die Herren Earl Selig m a n n, Jacob 2. S t r a ßb e r g, Siegmund Rosen thal, Siegmuud E i b e u s ch ü tz, Dr. ' T r i t s ch, M. Fried m a il n, Ri. Enge l, M. B r n ck n e r, Moriz B a n e r, D. K v h n, D. W e i ß, M. P 0 l a c s e k besonders verdient gemacht. Ter 'Act der Einweihung gestaltete sich in folgender Weise: Obercantor S ch l es i n g e r mit dent Ehore des Sradtteutpels stimmte den Psalm 111 an. Sodann wurden die Thorarollen in das Gotteshaus gebracht, vom Prediger D. Low y nach einigen kurzen Worten das ewige Licht entzündet nnd die Thorarollen in den Schrein gestellt. Herr Tr. Gelb haus verrichtete bei offener Lade stimmungsvoll und erhebend das Gebet für Kaiser und Vaterland, dem die Volkshhinue folgte. Mit „Uwnuhan j.mmar" ward die heilige Lade geschlossen, und Prediger T. Löwp betrat die Kanzel nnd hielt eine wvhlgelnngene, erbauliche Weiherede, die sich allseitigen Beifall erwarb. Der Tempelranm war bis ans das letzte Plätzchen vvn andächtigen Männern nnd Frauen ge- *) Wegen ber Feiertage veispäter