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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Vloch's Wochrnschrifl Seite 791 geraubtes Geld, Gold und Geschmeide bis zur Frühe aufzubewahren. Hätte er sich geweigert, er wäre sicherlich getödtet worden. Uebrigens ist ein Verlust von fünf jüdischen Seelen zu beklagen. Unterdessen ist Alles, was geplündert wurde, zurückerstattet worden. Wahr ist dagegen, daß der Großherr der Türkei dem Vereine Or Hachejim gestattet hat, alle für den Bau des neuen israelitischen Krankenhauses nöthigen Materialien und Einrichtungsgegenstände ohne Zoll einführen zu dürfen. In dieser Vergünstigung hat der Sultan dem genannten Vereine rin großes Geschenk gemacht. Seit Jahren hat die Insel Rhodos einen Juden zum politischen Direktor. Jetzt ist auch der Präsident des Gemeinderathes der Stadt ein Glaubensgenosse; denn Herr Loas Efsendi Menasse, der einer der ältesten und geachtetsten Familie von Rhodos angehört und sich ganz der Achtung und des Vertrauens seiner Mitbürger erfreut, ist neulich zu diesem ehrenvollen Amte ernannt worden. In der Hauptstadt ist Herr Elias Essend! Ehaki, Mitglied des Uebersetznngsbureans an der Hohen Pforte, dadurch ausgezeichnei worden, daß er zum Unterchef des Streitfachs im Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten ernannt wurde. Chaki Efsendi stammt von einer sehr alten Familie in Constantinopel und ist der Schwiegersohn S. E. Haronadhi Efsendi Hofjuwelier. Die große Bedeutung der jüdischen Colonien in Palästina ist auch Sr. Majestät dem Sultan vssenbar kein Geheimniß, denn er beginnt ihre agricole Thätigkeit. durch die nicht nur der Werth des Landes erhöht, sondern auch Gewerbe, Handel und Verkehr gehoben werden, in den leitenden Personen zu würdigen. So hat er kürzlich Herrn Frank, dem Jnspector der Ansiedelungen in Syrien und Herrn Ossametzky, dem Director der Colonie Rosch-Pniah den Medjidije Orden IV. Classe verliehen. Durch diese doppelte Auszelchnung har der Großherr der Türkei bewiesen, welches Wohlwollen er dem hochedlen Werke der Eolonisation entgegenbringt. Man hat nun keinen Grund mehr, anzunehmen, eine Ausdehnung der Colonisation, natürlich in gewissen Grenzen, könnte von dieser Seite eine Hinderung erfahren. Das Gegentheil ist eher zu erwarten und zu hoffen, daß der Sultan in dieser Hinsicht die Kundgebungen und Beweise seines Interesses noch vermehreil werde. In Bagdad ist ein Glaubensgenosse vom neuen Schah von Persien ausgezeichnet worden. Herr Sasson Efsendi, politischer Director und Dolmetscher des Vilajet von Bagdad hat den Orden zum Löwen und zur Sonne erhalten. Dieser noch sehr junge Beamte hat schon in vielen Fällen Beweise seiner hohen Fähigkeiten gegeben. Neueste Palästina-Forschung. (James Wells' Bilder aus Palästina, London, Jsbister, 1896.) Es ist eines der besten Bücher über Palästina, die wir jemals ge'esen. Obwohl Palästina das interessanteste Land d r Welt ist, so ist doch viel darin noch unerforscht geblieben. Doch verdanken wir es den Beulühungen der Mitglieder des Vereines zur Erforschung Palästinas (Palästina Exploration Fund), daß unsere Kenntniß des Bibellandes immer wieder bereichert wird. Dr. Wells hat dieses Buch in der Absicht geschrieben, uns die mannigfaltigsten Beispiele jener Hilfsmittel vvrzusühren, welche Reisende und Forscher heutzutage dem Bibelstudium an die Hand geben. Die genaue Kenntniß über diesen Gegenstand hat er sich durch wiederholte Besuche des Landes im Vereine „mit Keiner des orientalischen Lebens und orientalischer Literatur", wie er sich bescheiden ansdrückt, erworben; doch kann er selbst mit Recht ans den Namen eines Palästinasachverständigen Anspruch erheben. Eines seiner interessantesten Reisebilder ist das von Lachisch, wo Dr. Büß vor Kurzem Entdeckungen gemacht, welche ein Meer von Licht über die Urgeschichte Palästinas oder vielmehr über die Geschichte der israelitischen Zeit verbreitet hat. Der Stein von Mesa führt uns fast tausend Jahre vor Christi Geburt zurück, über welche die Inschriften ans den Denkmälern Egyptens nicht hinausreichen; aber der von Dr. Bliß in Telel-Hessy (wo früher die alte Stadt Lachisch, die Hauptstadt der Amoriten sich befand) ausgegrabene Stein ist um 500 Jahre älter als der von Mesa. Er stammt ans dem Jahre 1400 vor Christi Geburt. Dieser Stein hat einige Hypothesen Wellhausen's und seiner Schule niedergelegt, welche behaupteten, daß die Moses zugeschriebenen Bücher um die Zeit, die man dafür festgesetzt hat, nicht geschrieben worden sein kvn -ten, weil die Kunst des Schreibens vor dem achten oder neunten Jahrhundert vor Christi Geburt in Palästina unbekannt gewesen sei. Der Lachischstein beweist nun, daß die Israeliten noch zu einer viel früheren Zeit als diese von gebildeten Völkern umgeben waren, welche die Kunst des Schreibens vollkommen inne hatten, und es ist unbegreiflich, daß den Israeliten diese Kunst noch mehrere Jahrhunderte lang unbekannt blieb, da sie doch die Gelegenheit hatten, sich dieselbe anzueignen. Tie keilförmigen nschriften auf beiden Seiten des Lachischsteines si'd denen ähnlich, welche sich auf den im Jahre 1887 von einer Bäuerin in Tel-el-Amarna in Egypten befinden. Diese enthalten die Namen von Königen zu Jvsua's Zeit, und einige dieser Inschriften stimmen mit denen ans dem von Dr. Bliß in Lachisch entdeckten Steine i.bereiu. Tie Sensation, welche Dr. Bliß durch seinen Fund hervorrief, wird in dem Gedächtnisse unserer Leser noch frisch sein. Dr. Wells' Reise nach Lachisch war mit Schwierigkeiten verbunden. Vergebens suchte er Jemand in Joppa, der den Weg dahin kannte, denn kein Reisender in Palästina denkt daran, eine so entfernte Gegend zu besuchen. Die Araber waren überdies argwöhnisch und konnten nicht glauben, daß vernünftige Männer solche weite Reisen unternehmen könnten, wie diese Europäer, sie hätten denn die Absicht, zu plündern. Auch führte sie der Dolmetsch zu weit nach dem Süden, „in eine Gegend, die wahrscheinlich von Abraham und Isaak besucht wurde, als sie die Gäste Abimelich's waren." Doch wurden sie, als sie ein arabisches Lager erreichten, von dem Oberhaupte desselben gastfreundlich empfangen, ja dersell e drang in sie, so lange zu bleiben, bis er ihnen zu Ehren ein großes Fest gegeben haben würde und betheuerte, daß eine Zurückweisung seiner Gastfreundschaft ihn für ewig entehren würde. Trotz der Freundlichkeit seines Oberhauptes war das Lager nichts weniger als einladend. Die Araber sahen aus wie zerlumpte Zigeuner. Ihre schwarzen Zelte waren furchtbar schmutzig, Kälber und Hühner theilten die Zelte mit nackten Kindern, mit schrecklich tätowirten Weibern. Endlich erreichte die Gesellschaft ihren Bestimmungsort, wo sie Dr. Bliß in voller Thätigkeit fanden auf einem Hügel, dem wahrscheinlichen Orte jener Festung, zu deren Einnahme Josua zwei Tage brauchte und welche die großen Heere Rehabeam's und Sancherib's aufhielt. Dr. Wells und seine Gefährten waren die ersten Europäer, welche den Forscher besuchten, seitdem er seine erfolgreiche Thätigkeit begonnen hatte. Hoffen wir, daß die Erwartungen, welche Dr. Bliß' Entdeckungen bei Forschern und Bibelgelehrten hervorgernfen haben, sich verwirklichen. Bon verschiedenen Seiten ist die Prophezeiung laut geworden, daß in nicht zu langer Zeit begrabene palästinensische Bibliotheken und Archive kanaanitischer Könige ans Tageslicht gebracht, daß die Quellen des ersten Buches Moses erschlossen werden und daß wir noch zeitgenössische Geschichte jener Tage zu lesen bekommen würden, als Abraham die fünf Könige in die Flucht schlug und Melchizedek den Zehent bezahlte. Tie Entdeckung in Lachisch ermächtigt zu der Hoffnung, daß noch mancher grüne Hügel in jenem Wnnderlande seine langbewährten Geheimnisse preisgeben und daß ihre in Inschriften erhaltene Vergangenheit vor unseren Augen wieder erstehen wird. Nur wer mit dem Gegenstände genau vertraut ist, kann sich eine Vorstellung davon machen, in wie vieleil Punkten die biblische Geschichte bis in's Kleinste durch die moderne Palästinaforschung bestätigt worden ist. Alterthumsforscher und Reisende haben noch nicht einmal die Schwelle jener Schatzkammer des Ostens überschritten, und es ist sehr wahrscheinlich, daß das zwanzigste Jahrhundert nach Christi Geburt die Bewohner Palästinas im zwanzigsten Jahrhundert vor Christi Geburt recht gut kennen lernen werden, und daß auf diesc Art manches interessante Sä laglicht die heiligen Bücher belauschen wird. Der Fluch Palästinas ist, daß es unter der Herrschaft der Türkei steht, welche ebensowenig Achtung vor dem Gesetze wie vor der Gerechtigkeit hat. Daher ist das Los des Mannes in Palästina ein trauriges, noch trauriger das des Weibes, das der Kinder aber, besonders der Mädchen, am traurigsten. Dr. Wells erzählt eine mitleiderregende Geschichte aus dem Leben der Kinder in Palästina; besonders ein Waisenkind ist dort nicht sicher vor Mißhandlung, selbst wenn es glücklich genug ist, im Jerusalemer Waisenhause nnterzukvmmen. Beitrag zur Geschichte der russischen Juden. LXI. Professor Zabludewskl. Genau vor fünf Jahren befand ich mich in dem belgischen Nordseebad Blankenberghe und erwartete auf der Station der Dampftramway den Zug, der mich nach Ostende entführen sollte. Auf dem Perron erblickte ich in Mitte eines recht zahlreichen

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