Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 40 Presse" : „Der bisherige liberale Abgeordnete von Klagenfnrt, Herr H i b l e r, hat, um in letzter Stunde sein Mandat zu retten, den Ver» such gemacht, sich in's dentschvolkliche Lager zu flüchten, indem er in der vorgestrigen Wählerversammlung plötzlich sein antisemitisches Herz entdeckte." Jetzt wird Herr H i b l e r ungehalten. Er setzt sich an den Schreibtisch und versaßt eine Berichtigung.?! e i n, er hat seine Anschauungen nicht geändert, „so sehr" Antisemit, wie jetzt war er schon früher, und das hat ihm weiter nicht geschadet. Er hat sich mit seinen bisherigen Parteigenossen ganz prächtig vertragen. Und die waren auch „liberal", wenigstens in dem Sinne, wie cs Herr Hib ler war und ist. Denn Herr Hib ler ist kein Gregorig. Derlei gedeiht nur in Wien. Derlei Großstadtpflanzen sind für die stille Provinz allzu roh und lärmend. Dagegen, und nun kommt die bemerkenswerlhe Berichtigung dieses „Liberale n" : „ich erklärte k l a r u n d deutlich, das; ich die Juden zwar als Angehörige eines fremden Volkes a n s e h e, allein wolle, daß ihnen jene Behandlung zu Theil werde, welche wir gegenüber den Angehörigen anderer national fremder Völker, zum Beispiel den Franzosen, Italienern und Slaven, beobachien und dos; nur bmt abwehrend und tadelnd gegen sie ansz.itrcteii sei, wo gerechte und gewichtige Grünte es im Interesse unseres Volkes nothwendi'g erscheinen lassen." Damit hat Herr Dr. von H i b l e r den Juden genau gesagt, was sie von ihm und seinesgleichen zu erwarten haben, was der Lohn ihrer Parteitreue ist, womit ihre Stimmzettel ausgelvogen werden, Fremdlinge. . . Um diesen Kosenamen beigelegt zu erhalten, braucht man wirklich nicht jene Opfer an Geistes- und Geldeskraft zu erbringen, welche jüdischerseits für die Pseudvliberalen erbracht werden. Das kann man viel billiger haben! Auf das bischen Lärm kommt es da wirklich nicht an!! Vvm Rustkvpf zum Rvtzler. Der Wahlbezirk Spitz-Pöggstall-Persenbeng-Ottenschlag geht bekanntlich großen Ehren entgegen. Den Wählern dieser Ortschaften will Herr Ernst Vergani die Ehre erweisen, sie im Landtag zu vertreten. Er will ihre Interessen wahrnehmen, als wären sie ein Gemeindedepot. Er fühlt sich als ihr früherer Mandatar dazu obligirt, und diese Obligation zum Mindesten ist nicht verschwunden. Jene Herrn Schönerer, Jro und Wolf hingegen, die der zailbergewaltigen Erscheinung das Leben so sauer machen, geben auch jetzt keine Ruhe. Sie schüren und hetzen und wollen Herrn Vergani durchaus in den Gerichtssaal zwingen. Der wackere Mann hat ohnehin Uebermenschliches geleistet, er hat, so schwer es ihm angekommen sein mag, ans Ehren beleidigung geklagt und verharrt nun auf dem klugen Standpunkt: Sterben werde ich; aber drängen lass' ich mich nicht. Die „Ostdeutsche Rundschau" aber gibt nicht nach; da lesen wir in diesem Blatt ein offenes Schreiben. Es tragt folgende Aufschrift: Offenes Schreiben an den hochwurdigsten Herrn Bischof Dr. Johannes B. R ö ß l e r in St. P ö l t e n. Und die Unterschrift erst! Die kann nicht ehrerbietiger, respectvoller gedacht werden. Man lese einmal: Euer bischöflichen Gnaden ergebenst Mehrere Wähler des Landgemeinden- Wahlbezirkes Ottenschlag. Ja, wie kommen denn die deutschnationalen Verehrer des Roßchäd els zum Bischof Rößler. Werden Wotan und Donar der guten Sache wegen diese Häresie verzeihen?? Freilich, es handelt sich um einen den deutschnationalen Göttern wohlgefälligen Zweck. Die germanischen Briefsteller stellen nämlich an den Bischof eine Reihe von Fragen, von kindlich naiven Fragen. Nicht einmal Siegfried in der Wagner'schen Tetralogie besitzt jene herzerquickende Naivetät. Seite 789 Hören wir einmal, was die Oltenschlager für Schmerzen haben: Sie sagen: Gegen Vergani sind schimpfliche Beschuldigungen erhoben. Das ist richtig. Er hat sie nicht entkräftet. Das ist ebenso richtig. Ferner: Die persönliche Ehrenhaftigkeit ist die allererste Voraussetzung für das verantwortungsvolle Ehrenamt eines Abgeordneten. Das gilt zwar heutzutage für veraltet und namentlich für verjudet, aber richtig ist es. Aus diesen Prämissen ziehen die wackeren Ottenschlager höchst schmeichelhafte Consequenzen für den Muth des Bergan i, sich um ein Ehrenamt zu bewerben, und kommen daun ans ihr eigentliches Thema. Die Herren haben nämlich entdeckt, wie merkwürdig sich mitunter bei solchen Landtagswahleu der christkatholische Elerus benimmt, und spcciell was den Fall Bergan i betrifft, so steigt ihnen der Weihrauch höchst unangenehm in die Nasen. Sie schildern diese 8v! äisaut-Seelsorger als Politische Hausirer ganz fürtrefslich. Man höre sie nur an: Es ist befremdlich, daß ein großer Theil des hochwürdigen Seelforgeclerus, tnsbesondere in dem Landgemeiiideiuvahlbezirke Spitz-Pöggstall-Persenbeug-Ottenschlag bereits seit Monaten öffentlich und privat zu Gunsten der Wahl des Herrn Ernst Vergani in der entschiedensten Weise Stellung ninnnt, ohne die in einem solchen Falle besonders bei Angehörigen eines so erhabenen Standes als selbstverständlich vorausznsetzende Zurückhaltung zu beobachten. Die ehrfurchtsvoll Gefertigten mären in der Lage, durch so manche zätle nachzuweisen, daß Seelsorgegeistliche ans den oben genannten Gerichtsbezirken den Herrn Ernst Vergani ans seinen Wahlberreibitngsfahrten begleiteten; dessen Versammlungen vorbereiten halsen; die Wähler durch Wort und Thal ausforderten, dem Herrn Ernst Vergani das Vertrauen auszusprechen und den Wunsch nach dessen Wiederwahl zu äußern; die Aufforderung zum Besuche der Versammlungen des Herrn Ernst Vergani durch Anschlag an der Kirchenthür verlautbarten; die Kirchenväter beriefen und sie beauftragten, Anhänger für Herrn Ernst Vergani als den geeigneten christlichen Bewerber zu sammeln u. s. w. Wir sind der unmaßgeblichen Meinung, das; es der Sachlage und insbesondere der hohen Stellung und der Würde des hocbwürdigen Elerus besser entsprechen würde, für die Wahl des Herrn Ernst Vergani e r st d a n n einzutreten, wenn dessen Makellosigkeit klipp und klar dargethan ist. Es läßt sich dieser Darlegung wenig beifügen. Veil Akakartschem Farbenreichthnm ist hier ein Bild jener Wahlnmttiebe und Wahlmißbräuche entworfen, wie sie unser Cleius bei allen Wahlen haufenweise auf den Markt wirst. Wir unsererseits sind der unmaßgeblichen Meinung, daß es der Sachlage und insbesondere „der hohen Srellnng und Würde" des hochwnrdigen Elerus überhaupt besser entspräche, dem politischen Handlethum zu entsagen. Wenn wir auch kein Polizeigutachten bei der Hand haben, das politische Hausirerthum ist mindestens ebenso schädlich, wie das Hausiren mit alten Hosen oder mit Bleistiften . . - Der Haustrhandel und der Wiener Stadlrath.*) Bekanntlich bat der Wiener Stadtratb am is. d. M. den der christlich-socialen Weltanschauung entsprutgendeil Beschluß gefaßt, die Regierung um Erlassung eines Verbotes für den Haustrhandel in der Gemarkung jener Stadt zu ersuchen, welche Herr Dr. Lueger in sv glorreicher Weise beherrscht. Wir nennet! diesen Beschluß einen der christlich-socialen Welranschannng gemäßen, weil er deutlicher als jeder andere zeigt, daß diese Au schanung in dem B r o d n e i d e pur et simple besteht, ein Brodneid, der dadurch nicht edler wird, daß er sich gerade gegen unglückliche und ohnedies mit der Mühsal des Lebens schwer beladene Menschen wendet. Selbst ein Antrag, die Enter sämmtlicher reichen Bewohner der Stadt unter die Kleingewerbetreibenden Wiens zu vertheilen, konnte nicht so deutlich die Tendenzen der Stadtverwaltung knndgeben. Denn dann würden zwar Leute beraubt werden, aber wenigstens Reiche zu Einnsten Aermerer. Hier aber soll den öl e r m st e n der Stadt ihr e B e s ch äfft g ung ge r au b t, ih r B r o d we g g en o m m e u *) Ans der „Zeitschrift für Staats- und Bolkswirthschast". Dr. Vlorh's Wochenschrift