Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 39 (25.9.1896)
- Date
- 1896-09-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
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Seite 782 Dr Vloch's Wochenkchrist. Nr. 39 Rischon-Le-Zion hat ein Areal von ungefähr 1300 Morgen Landes. Dreißig davon sind mit Mandelbäumen, fünfzig mit Maulbeerbäumen bepflanzt, der Rest, mit Ausnahme von neunzig Morgen unbebauten Landes, ist Weingebiet. Die Bevölkerung beträgt 120 Familien (400 Seelen); 60 davon sind Colonisten, die anderen 60 Arbeiter und Angestellte. 15 der Colonisten sind bereits ganz unabhängig, die anderen 45 erhalten noch Darlehen von Baron Rothschild, die sie nach und nach in Producten zurückzahlen. Eine Frage hat Baron Rothschild und die Ansiedler lebhaft beschäftigt, denn von ihrer glücklichen Lösung hängt der Erfolg der meisten Colonien ab; es handelt sich darum, ein Absatzgebiet für den Wein zu finden. Dazu ist eine gute Aussicht vorhanden. In Rußland hat sich zu diesem Zwecke eine Gesellschaft mit einem Capital von 60.000 Gulden gebildet. Ein Depot behufs Weinverkaufs ist bereits in Warschau errichtet worden, drei andere in Lodz, Wilna und Bialystock sind geplant. Der Anklang, den der Rischon-Le-Zion-Wein in der Berliner Ausstellung gefunden hat, hat es nahegelegt, auch in Berlin Verkaufsstellen zu eröffnen und London wird nicht lange Zurückbleiben. In den letzteren zwei Jahren lieferte Rischon-Le-Zion je 10.000 Hektoliter Wein. Dabei sind die benachbarten Colonien Behoboth, Gadera und Petach Tikvah schon inbegriffen. In einigen Jahren kann die Colonie es aus das Doppelte bringen, und die schöne Colonie Zichron Jacob bei Haifa wird, was den Wein betrifft, Rischon-Le-Zion noch übertreffen. Während die genannten Colonien in der Weinproduction wetteifern, gewinnt die Rosh-Pinah bei Safed langsam einen Ruf für ihre ausgezeichnete Seide und die benachbarte Colonie Iessod Hamaalah, für ihr Eau de Cologne. So hat also Palästina die beste Aussicht, zwar nicht auf seinen alten Ruf, „wo Milch und Honig fließt", aber doch darauf, bald unter den Ländern eine erste Stelle einzunehmen, wegen seines Weines, seiner Seide und seiner Gewürze. Vermischtes. Wien. (Oesterreichisch - Israelitische Union.) Samstag den 26. September 1866 findet um 7,8 Uhr Abends im Restaurant Khuner, 1. Bez., Schottenring 19, eine Vereinsversammlung statt: Tagesordnung: 1. MittheÜungen des Vorstandes. 2. Besprechung der bevorstehenden Landtagswahlen. (Referent Herr Sigmund Mayer.) 3. Anträge und Interpellationen. E. B. Wien. Der Unterrichtsminister hat den Fachlehrer an der k. k. Fachschule für Weberei in Warnsdorf, Ingenieur Sigmund E d e l st e i n in dieser Diensteseigenschaft an die k. k. Fachschule in Brünn und beit Ingenieur an der k. k. Fachschule für Weberei in Reichenberg, Alfred L ö w-B eer als Lehrer an der k. k. Fachschule für Weberei in Rumburg bestellt. Arische Frechheit. Die „ Ostdeutsche Rundschau" ist empört darüber, daß ein liberales Wiener Blatt ein Feuilleton über die Jagd veröffentlicht. Herr K. H. Wolf ist offenbar der Meinung, daß das edle Vergnügen, Thiere zum Spaße zu jagen, ausschließlich Ariern zustehe, und betrachtet es schon als einen Einbruch auf arisches Gebiet, wenn ein nicht deutschnationales Organ über die Jagd eine Zeile schreibt. Da muß der „Mansche!", so geschmackvoll-trottelhaft nennen die edlen deutschvolklichen Schriftleiter die Juden, herhalten und K. H. Wolf, der edle, stolze, ritterliche K. H. Wols kanzelt sie tüchtig ab, weil sie überall ihre „Krummnase" hineinstecken. Nun, wir mißgönnen den Ariern gewiß nicht ihre Freude an der Jagd, aber Herr K. H. Wolf sollte doch den Versuch machen, die rüppelhaste. lümmelhafte Schreibart seines Blattes ein wenig zu mildern. Wenn wir die rohe, anwidernde Sprache seines Blattes uns zum Muster nähmen würden, wir chm zurufen: „Man braucht auch den Krummfuß nicht in Alles hineinzustecken!" Wien. Herr Emil Jellinek, Obmann des Vereines „Liwias Chen" ist aus diesem Vereine ausgetreten. Wien. Professor Max Adler, der bekannte Musikpädagoge, ist von einem Landaufenthalte in Baden zurückgekehrt und hock seine Lehrthätigkeit in Wien wieder ausgenommen. Wien. Der Sommer ist vorüber, Mädchen und Frauen sind von ihrem Landaufenthalte heimgekehrt. Die Zerstreuungen, die der Sommer auf dem Lande gebracht, sollen jenen in der Stadt weichen und da wird denn schon jetzt in so vielen Familien das Programm für die Sonntag Nachmittage entworfen. Da möchten wir es nicht unterlaffen unsere >. Mütter und Töchter auf einen Verein auftnerksam zu machen, der es i wohl verdient, daß man sich seiner annimmt und auch für den Besuch dieses Vereines einen und den anderen Sonntag bestimmt. Es ist dies der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria," 1. Schottenring 23. Der Verein, der sich die Pflege der jüdischen Literatur und Geschichte zur Aufgabe gestellt hat, tritt nunmehr in das zehnte Semester seines Bestandes und vereint in schönster Weise Ernst und Gemüthlichkeit, durch Abhaltung literarischer Nachmittage, welche alle 14 Tage stattfinden, und durch gesellige Zusammenkünfte. Der nächste literarische Nachmittag findet Sonntag, den 27. d. M. 3 Uhr statt und ist ein Vortrag des Mitgliedes Fräulein Ernestine^B r e t h o l z: Was will der Verein „Moria", angemeldet. Gäste (Damen) herzlich willkommen. Brünn. Mittwoch den 30. September hält der „Jüdische Verein" in Brünn einen gesanglich-declamatorischen Abend in Liebesny's Restauration ab und werden zu demselben alle Mitglieder sammt Familien sowie Gäste herzlichst geladen. Eibenschitz, am 20. September 1896. Am 20. d. M. fand in Eibenschitz eine von Vertretern des „Jüdischen Vereins" und der „Zephira" in Brünn veranstaltete, äußerst zahlreich besuchte Versammlung stark, in welcher Cand. Med. Läufer und Cand. Jur. Feiwel, Ersterer über die politische, Letzterer über die sociale Lage der Juden, referirten. Die vorzüglichen Ausführungen der Referenten fanden in den Herzen der Hörer mächtigen Auklang und wurden seitens der Versammlung durch rauschenden Beifall gelohnt. Es sprachen weiters Se. Ehrwürden Hr. Rabbiner Dr. Hahndel, Cand. Med. Bet. Fleischer und Cand. Med. Munk. Hierauf wurde einstimmig die Gründung eines jüdischen Vereines in Eibenschitz beschlossen und ein vorbereitender Ausschuß gewählt. Budwcis, 17. September. Der Commis Gustav Kohn, welcher sich vor dem hiesigen Bezirksgerichte wegen Theilnähme an d e m Ueber falle auf Dr. Karl Lueger zu verantworten hatte, wurde Mangels jeden Thatbestandes freigesprochen. Der staatsanwaltschaftliche Functionär meldete die Berufung an. Pohrlitz. (Todesfall.) Am 12. d. M. starb hier nach kurzem Krankenlager Frau Regina Nassau, geborene Wertheimer, im 59. Lebensjahre. Die leider nur allzu ftüh Verblichene war eine durch ihren Wohlthätigkeitssinn und Frömmigkeit gleich ausgezeichnete Dame. Die tiefe Trauer in. unserer Gemeinde und die zahlreiche Betheiligung beim Begräbniß gaben ein beredtes Zeugniß von der allseitigen Liebe und Verehrung, deren sich diese edle Frau in unserer Stadt erfreute. Friede ihrer Asche! Mißlitz, 20. September. Am 19. d. M. fand in Mißlitz eine von Vertretern der akademischen Vereinigungen „Unitas" in Wien und „Zephira" in Brünn veranstaltete jüdische Versammlung statt, an welcher sich die gesammte jüdische Einwohnerschaft von Mißlitz betheiligte und welche einen überaus anregenden Verlauf nahm. Cand. med. Alois Munk von der „Zephira" sprach über die politische und sociale Lage der Juden und fand für seine trefflichen begeisterten Ausführungen reichlichen Beifall. An der äußerst interessanten Debatte betheiligten sich in hervorragender Weise Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt, Herr Dr. Müller, Herr Hauser und Herr Oberlehrer Feßler, sowie Cand. ing Rosenbaum von der „Unitas". Als Letzterer in wahrhaft glänzender Weise für die Gründung eines jüdischen Vereines in Mißlitz plaidirte, wurde diese unter dem Jubel der Versammlung nahezu einstimmig beschlossen und ein vorbereitender Ausschuß constituirt. Hora^diowitz, 20. September. (Wahlen in die Cultusg e m e i n d e v e r l r e r u n g.) Bei der heute hier unter äußerst reger Betheiligung vorgnromineiien Wahl in die Cultusgemeindevertretung gingen aus der Urne hervor die Herren: H. Hastrlik, M. Kohn 86H., I. Löwy. I. U. Dr. D. Poppör, B. Pollak, H. Steiner, M. Stern, S. Weißkopf. In den erweiterten Ausschuß wurden gewählt die Herren: B. Gans, H. Katz, L. Porges, L. Weiner und als Cassa- Revisoren die Herren 2. Duschner und I. Ehrlich. Frankfurt a. M. Am Naturforscher- und Aerztetag, der gegenwärtig hier stattfindet, sind von hervorragenden Capacitäten aus Oesterreich die Herren Professoren Dr. S t o e r k und Dr. Benedikt als Teilnehmer anwesend, welche allgemein mit Auszeichnung behandelt werden. Professor- Benedikt (Wien) wird Mittheilungeu über seine Untersuchungen der Thätigkeit des Herzens durch die Beleuchtung mittelst Röntgenstrahlen machen, bei welchen Untersuchungen fundamental neue Thatsachen gefunden wurden. Professor Stoer k (Wien) kündigt Mittheilungen über den Kehlkopfkrebs an.