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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-25 · 39 (25.9.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
39 (25.9.1896)
Date
1896-09-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 780 Dr. Bloch's Wochrnfchrist. Nr. 39 hielt er eines Tages ein ablehnendes Schreiben mit einer lächerlichen Motivirung und am nächsten Tage, da der Ausschuß doch einsah, daß die angeführten Gründe nicht stichhältig seien, ein zweites Schreiben, in welchen er sich noch übertrumpfte, nachdem bewußter Hochschüler mit. wenigen Ausnahmen ununterbrochen sich in Ostrau aufhält. Der Obmann-Stellvertreter, welcher leider krankheitshalber zu jener Zeit nicht in Ostrau anwesend war, über den Fall aber später interpellirt wurde, äußerte sich ganz unverhohlen mit den schärfsten Ausdrücken gegen den Ausschuß, konnte aber nur den Zuriickgewiesenen auf die Generalversammlung vertrösten. Derselben Meinung waren auch zwei jüdische Gemeindevertreter, doch brachte keiner der erwähnten Herren diese Angelegenheit zur Sprache. Aehnlich wurden noch mehrere andere jüdische Bewerber zurückgewiesen. Diese Herren, welche bei Wahlen und ähnlichen Anlässen (Deutsches Haus rc.) von einer fast übertriebenen Judenfreundlichkeit sind, sich um die Juden reißen und sie mit allerhand Versprechungen zu ködern versuchen, schämen sich des Juden in ihren Vereinen und gehen verstohlen zu antisemitischen Gelagen, wo sie über den Juden losziehen, und das nennt man „liberal"! (?) Budapest, 22. September. (Neue Magnaten- Haus-Mitglieder.) Nach einer Meldung des „Magyarorszag" steht die Ernennung des Herausgebers und Chef-Redactcurs des „Neuen Pester Journal", Sigmund B r o d y, zum Mitgliede des Magnatenhauses bevor. Die Meldung wird auch anderweitig mit dem Beifügen bestätigt, daß jetzt im Ganzen vier Mitglieder für Lebensdauer in das Oberhaus berufen werden sollen, und daß sich unter diesen auch der genannte Zeitungs- Herausgeber befinden wird. Derselbe hat sich durch seine langjährige publicistische Wirksamkeit im Dienste des Liberalismus und insbesondere durch hochherzige und großartige öffentliche Stiftungen längst Anspruch auf die seltene Auszeichnung erworben. Budapest, 21. September. (Aufreizung gegen die jüdische Confession und gegen das E he g e s e tz.) Unter dem Pseudonym „Historicus" erschien hier vor einigen Monaten eine Uebersetzung der „Geschichte der jüdischen Ritualmorde bis auf unsere Tage, deren Original Bernardinus F r ei m u t h zum Verfasser hat. Es ist die tendenziöse, von Lügen und Albernheiten strotzende Zusammenstellung aller von antisemitischer Seite aufgebauschten Blutbeschuldigungen, deren Conclusion darauf hinausläust, es sei nachgewiesen, daß die Juden zu rituellen Zwecken Christenblut benützen. Die königlicheOber- Staatsanwaltschaft überreichte gegen den anonymen Uebersetzer die Preßklage wegen Vergehens der Aufteizung gegen eine Religionsgenoffenschaft, und im Laufe der preßgerichtlichen Untersuchung wurde constatirt, daß der Verfasser der. incriminirten Flugschrift der verantwortliche Redacteur des Organs der katholischen Volkspartei, der 28jährige Franz B o n i c s sei. Unter Einem wurde gegen Bonics auch der Preßproceß wegen Vergehens der Aufreizung gegen das Ehegesetz eingeleitet. Anlaß hiezu bot eine von Bonics verfaßte Einladung zur Pränumeration auf das christliche Volksblatt, in welcher Angriffe auf das Civil-Ehegesetz enthalten sind. Unter Anderem wird in dieser Einladung behauptet, das neue Gesetz habe Zwist und Hader unter die Confessionen gebracht. Heute hatte sich nun Bonics wegen dieser zweisachen Preßvergehen vor den Geschwornen zu verantworten. Nach Verlesung der Anklageschrift gab Bonics an, er habe die Einladung zur Pränumeration auf Ersuchen des Redacteurs des christlichen Volksblattes, P. Nikolaus Lepsenyi, verfaßt. Auf Anordnung des Präsidenten erfolgte die Verlesung der Flugschrift, was mehrere Stunden in Anspruch nahm. — Die Geschwornen verneinten die Schuldfragen einstimmig, worauf Bonics freigesprochen wurde. Budapest, 18. September. Die ungarische Orthodoxie hat nicht ohne Sorge die Bestrebungen der Congreßpartei verfolgt, die in einem Memorandum an die Regierung eine Deutung der Reception versuchte, welche die Selbstständigkeit der orthodoxen Confession vernichtet hätte. Der ungarische Cultus- und Unterrichtsminister hat die Erledigung dieses Memorandums bis nach Schluß der Millenniums-Festlichkeiten verschoben, aber die gesetzestreue Judenheit des Landes sieht mit Beruhigung den Entschlüssen des Ministers entgegen, der bisher sich als ein Hort der Gerechtigkeit erwiesen und zu den Versuchen der Neologen, auf gewaltsamem Wege eine Einheit zu schaffen, entschieden ablehnend sich verhalten hat. Der Cultusminister hat nie den Rechtsstandpunkt verlassen und die Rechte der jüdisch-orthodoxen Confession, wie sie in den sanctivnirten Landesorganisations-Statnreu verbrieft sind, stets anerkannt und geschützt. Einen glänzenden Beweis für die unbeugsame Objectivität und Gerechtigkeit des Ministers bietet auch die kürzlich erfolgte Systemisirnng des Secretariats der jüdisch-orthodoxen Durchführungscommission, welche unter ausdrücklicher Berufung auf die Rechtsparität der beiden Kanzleien erfolgte. Den mittlerweile verstorbenen Präses Ignaz Reich, dessen Verdienste um die Orthodoxie in Ungarn ebenso groß sind als die Dankbarkeit, die seinem Andenken gezollt wird, war es nicht gegönnt, diesen Erfolg, der auch die Frucht seines Wirkens war, zu erleben. Aber er, der nie seine Person, sondern nur die Sache der Religion vor Augen hatte, fand ja stets in der Arbeit für seine Ideale den höchsten Lohn. Es muß als ein wahres Glück für das orthodoxe Judenthnm in Ungarn bezeichnet werden, daß an die Stelle des Heimgegangenen eine Persönlichkeit getreten ist, die wie wenige berufen ist, ihn voll und ganz ersetzen. Der durch Gelehrsamkeit wie Frömmigkeit gleich ausgezeichnete Oberrabbiner Leopold Lipschitz, der während der Krankheit Reich's diesen vertrat,' ist, man kann sagen, durch die ganze öffentliche Meinung als der berufenste Nachfolger Reich's designirt worden. Der Gelehrte, der mit Hintansetzung feiner Interessen dem schweren, verantwortungsreichen Amte sich gewidmet hat, verdient den Dank der glanbenstreneu Judenheit, die ihn sicherlich in seinem edlen Streben fördern und unterstützen wird. Birkenfeld, 13. September. Während des lOtägigen Aufenthaltes des Großherzogs von Oldenburg in unserem unter seiner Herrschaft stehenden Fürstenthume hatte auch unser Landrabbiner, Herr Dr. Loevy, mehrfach Gelegenheit, an den officiellen Feierlichkeiten theilzunehmen. Ein von demselben verfaßtes Begrüßungsgedicht wurde beim Eintreffen des Großherzogs auf dem herrlich geschmückten Bahnhofe von einer Schülerin der höheren Töchterschule unter Ueberreichung eines Blumenstraußes vorgetragen und von dem greisen Fürsten mit tiefer Bewegung angehört. Zu dem darauffolgenden officiellen Empfange im Schlosse war auch der Landrabbiner als Staatsbeamter geladen und erschienen, und wurde von Sr. Königlichen Hoheit durch eine freundliche Ansprache beehrt, welche meist jüdische Angelegenheiten des Fürstenthnms berührte. — Am ersten Tage Rosch haschonvh zwischen 1 und 2 Uhr, war Herr Dr. Loevy zur Audienz befohlen, in welcher der Großherzog sich längere Zeit und sehr leutselig mit ihm über seine Persönlichen Verhältnisse unterhielt und die Dedication einer der Vollendung nahen historischen Arbeit — die Inden im Fürstenthume betreffend — huldvoll entgegennahm. Daran schloß sich die Einladung zur Hoftafel, an welcher auch Herr Dr. Loevy — natürlich unter strengster Beobachtung der rituellen Speisegesetze — theilnahm. Airs Baden. Das 70. Geburtsfest unseres geliebten Großherzogs wurde im ganzen Lande mit der größten Begeisterung begangen, besonders war es die Residenzstadt Karlsruhe, welche die Festlichkeiten auf das Großartigste ausführte, und verweisen wir bezüglich des Näheren auf die Tageszeitungen. Selbstverständlich sind auch die Israeliten des Landes nicht zurückgestanden, ihre Huldigungen einem solchen edlen Fürsten darzubringen. In allen Synagogen wurde ein Festgottesdienst am 9. September abgehalten, dessen Programm — Absingen von entsprechenden Psalmen, besonders hierzu verfaßtes deutsches Gebet, Predigt — schon vor Wochen an alle Gemeinden des Landes abgesandt wurde. Die Predigt sür die Landgemeinden wurde vom betreffenden Rabbiner verfaßt. In Karlsruhe waren auch die Synagogen decorirt und beleuchtet. Bei der Audienz war auch eine Abordnung des Oberraths der Israeliten, bestehend aus Regierungsrath Dr. Mayer, Oberrath Dr. Albert Seeligmann, Conferenzrabbiner Appel und vom Synodalausschuß Rechtsanwalt Dr. Friedberg und Stadtrath Fritz Homburger. Auszeichnungen erhielten folgende Israeliten: Herr prakt. Arzt Dr. Albert Seeligmann (Vorstand der israelitischen Gemeinde und Mitglied des Oberraths) erhielt den Titel Medicinalrath; das Ritterkreuz I. Classe erhielten die Herren Dr. Heinrich Rosin, Professor an der Universität in Freiburg, Professor Ludwig Levi an der Baugewerkschule in Karlsruhe und Bezirks- Rabbiner Dr. Adolf Lewin in Freiburg; das Ritterkreuz II. Classe wurde dem Herrn Bankier Leopold Willstädter in Karlsruhe und die kleine goldene Verdienst-Medaille dem Herrn Religionslehrer Lazarus Hofmann in Wenkheim verliehen. Berlin. 18. September. Die Paßfrage für den XII. Internationalen Congreß in Moskau scheint doch noch nicht ganz nach

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