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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-18 · 38 (18.9.1896) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 3s Dr. Bloch's Wochrnfthrifl. Constantinopel, 20. August. Se. Majestät der Sultan hat Madame Elias, die Gattin seines Leibarztes Dr. Elias Pascha, in Anerkennung ihres wohlthätigen Wirkens mit dem Chefakat- Orden I. C l a s s e ausgezeichnet und Herrn Jaques N i s s i in B e y, Chefarzt des III. Armeecorps, zum Range eines Pascha erhoben. — Dieser Tage trafen hier wieder 71 russische Juden ein, welche sich auf dem N ü ck w e g e von Arge nt i n i e n befinden, völlig und außer Stande sind, ihre Reise fortzusetzen. Die russischen Capitäne nahmen sie nicht an Bord, well sie durch die Auswanderung ihr Ausenthaltsrecht in Rußland verloren haben. In Saloniki, wo man sie anfnebmen wollte, weigern sie sich zu bleiben, vielmehr drängen sie, nach Rußland zurückzukehre-.', was ihnen aber kaum gelingen wird. Amsterdam. Die junge Köiligiu von Holland, Emma von Holland, feierte vor Kurzem ihretl Geburtstag. Zur Feier desselben wurde im Jndnstriepalast ein Kinderfest (für dreitausend Kinder) gegeben. Bei dieser Gelegenheit erhielten die jüdischen Kinder, die an dem Feste theilnahmen, koschere Speisen. Venedig. Kürzlich wurde hier im Dogenpalaste das Denkmal des Historikers Samuele Romanin, der 1801 starb, enthüllt. In Triest, als das Kind armer jüdischer Eltern, 1808 geboren, verlor er Vater und Mutter im Alter von 12 Jahren. Für drei jüngere Schwestern hatte er schon damals zu sorgeit. 1848 faßte er den Plan zu einer Geschichte Venedigs. Das Werk ist in zehn Bünden erschienen: es ist die erste verläßliche Geschichte Venedigs. China. Der Großmeister der Großloge in England, Seine Hoheit der Prinz von Wales, hat Lewis Moore znm Großmeister vom nördlichen China ernannt. Er ist der erste Jude der im fernen Osten eine solche Stelle bekleidet. In Birmingham geboren, lebt Lewis Moore schon seit 35 Jahren in China, wo er überall sehr beliebt ist. Südafrika. L. A. Levyno ist zum dritten Riale znm Bürgermeister von Somerset East gewählt worden. Montreal. Isidore Myers aus Melbourne, der sich durch seine populären Vortrüge über den Talmud einen Flamen gemacht hat, ist Rabbiner der Shaare Shamayim Gemeinde geworden. Neu-Süd-Wales (Australien). Der Richter H. E. Cohen ist für eine weitere Periode von 6 Monaten als Mitglied des Obersten Gerichtshofes bestätigt worden. Adolph Alexander ist zum Stadtrathe von Bombala in Neu-Süd-Wales gewählt worden. Texas. Es gehört nicht zu den alltäglichen Dingen, daß eine Stadt ihren Namen nach einem Inden erhält. Castroville in Texas hat ihren Namen einein Inden-Ahrem Gründer Henry Castro, zu verdanken. Der Prediger Henry Cohen aus Texas hat ein interessantes Büchlein veröffentlicht „Henry Castro, Pioneer and Colonist". 1786 in Frankreich geboren, wunderte Castro nach Amerika aus. 1844 brachte er 760, in den nächsten zwei Jahren noch über 4000 Coloniften aus Frankreich hinüber. Im Jahre 1844 wurde die Colonie, die zumeist aus Christen bestand, Castroville genannt. Castro gab 80.000 Gulden ans seiner Tasche für die Colonie her und gab jedem Coloniften ein Jahrlang umsonst Nahrung. Feuilleton. Lea. Erzählung aus dem Ungarischen. (Schluß.) Ich aber kann nicht entsagen, schrie Lea leidenschaftlich. Du hast leicht reden, der Du Dein Leben Gott und seiner heiligen Lehre weihtest. Ich aber bin ein unwissendes, einfaches Weib, mich vermag die Seligkeit des Glaubens nicht zu berauschen, ich kann mein Herz den starren tödtenden Buchstaben des Gesetzes nicht unterwerfen; ich will schon auf Erden glücklich sein, will leben, lieben und wiedergeliebt werden. Du nahmst ein Weib, weil Dein Gott es befiehlt, daß der fromme Jude eine Familie gründe; ich aber bin jung und fordere Liebe. Du weißt nicht, was es heißt, mit kußbereiten Lippen vergebens nach einem Kusse lechzen zu müssen, Du weißt nicht, was es heißt, mit brennenden! liebebedürstigen Herzen Schatten zu umarmen, die bei der leisesten Umarmung in Nichts zerfließen, Du weißt nicht, daß die Verbote der alten Weisen den Gefühlen des Herzens keine Schranken zu setzen vermögen, den Lippen nicht gebieten können, Seite 761 wann sie sich znm Kusse öffnen sollen, dem Herzen nicht vorschreiben, wann es sich in heißer Liebe an ein anderes schmiegen dürfe. Dir der Talmud, mir Die Liebe über 'Alles! Schweig', Weib, Du frevelst. Nein, nein, ich kann dadurch nicht sündigen. Es kann ja keine Sünde sein, da Gott uns dieses Gefühl ins Herz gepflanzt. Es kann keine Sünde sein, weil Gott selber die Liebe, und die Liebe seine schönste Gabe ist, und in all den herrlichen Büchern, die ich ohne Dein Wissen gelesen, nennen sie gottbegnadete Dichter den theuersten Schatz, die schönste Tugend des menschlichen Herzens, aber Du wirst das nie verstehen, weil Du nicht lieben kannst. Du bist im Stande für immer dieses frostige 'Alleinsein zu vertragen, ich nicht. Gib mir also meine Freiheit, gib mir den Gett. Simon's Antlitz wurde blntroth, seine Stirnadern schwollen an, der schwere Tisch krachte unter dem Drucke der geballten Faust, dann antwortete er kalt: Ich soll Dich freigeben, damit Du Dich wieder verheiraten könntest? Du flehst umsonst, ich gib Dir keinen Gett! Simon höre mich an, Tein Hans tft ja auch wüst und leer, mit Deinem Kinde würde neues Leben in dasselbe kommen. Ich bringe Dir selbst dieses große Opfer, ich überlasse Dir, mein Kind, es sei Dein, gib mir den Scheidungsbries! Der Mann knirschte mit den Zähnen, sein ganzer Körper zuckte, als er mit erstickter Stimme stotterte: Also so beiß liebst Tn — jenen — Anderen, daß Tu sogar Dein Kind für ihn ansopserst? Ich liebe ihn, flüsterte Lea, und in ihren Augen leuchtete das Feuer einer unendlichen Liebe, ja, ich liebe, liebe ihn! Unschlüssig zog Simon das lachende, mnthwillige Kind an sich, er stand stunnn für einen Augenblick und biß sich in die schwülstigen Lippen; dann lagerte sich eine finstere Wolke des Trotzes aus sein Gesicht. Er preßte einen langen, heißen Kuß aus die Stirne des plappernden Babys, setzte es zärtlich aus den Teppich, wo das Püppchen die Rosen desselben glättete, dann wandte er sich fort, um das peinliche Zucken seines Gesichtes zu verbergen, endlich begann er: Nimm Dein Kind — ich gib Dir kein Gett. Mit gerötheten Wangen blickte ihn Lea an, in ihren thränensenchten Augen leuchtete es eigenthümlich aus, sie preßte die Hand an ihr klopfendes Herz und antwortete von 'Neuem: Simon, wenn Du niir die Freiheit gibst, wirst Du ja selber frei. Tein Haus, das Hans des frommen Inden entbehrt der Gattin, die die Gebräuche Deines heiligen Gesetzes erfülle. Gib mir den Scheidungsbries und Du kannst Dir dann auch ein anderes, besseres Weib heimsühreu. Nie, nie, ries Simon entsetzt. Und als hätten sich mit diesem Schrei die Schlenßen seiner znrückgehalteuen Erbitterung geöffnet, setzte er in fieberhafter Leidenschaft fort: Ich mag kein anderes Weib mehr im Hanse! Ich weiß, daß es heilige Pflicht des Frommen ist, verheiratet zu sein, ich weiß, daß man selbst die verstorbene Gattin nicht ewig als Witwer beweinen darf. Aber, der Herr, gelobt sei sein heiliger Nanie, wird mir vergeben, wenn ich sein heiliges Gebot verletze, denn mein Weib starb ja nicht für die Welt — es ist nur für mich todt, es hat mich verlassen. Vor Gottes heiligem Angesicht schworst Du mir ervige Treue und hast mich verlassen, mir konntest Du den Eid brechen, aber nicht so dem Herrn und einem anderen Manne wieder falsch schwören. Nein, nie! Hörst Tu's, nie! Verstohlen hast Du mein Haus verlassen, verstohlen hast Du Dein Kind, meine Ruhe, mitgenommen und nlein Heim verödet. Verwaist ließest Tn dieses Haus zurück, entweihtest den heiligen jüdischen Herd; ich habe Niemanden, der am Freitagabend die Sabbathskerzen entzündet, 'Niemanden, der von meinem Brote Chala nehme; ich werde kein Söhnlein haben, das mich am heiligen Sederabende nach der Bedeutung unseres Erinnernngsfestes fragen würde; ich werde keinen «ohn haben, den ich mit meinem Wissen und meinen! Glauben in das erhabene Labyrinth unserer heiligen Lehre einsühren könnte. Einsam sitze ich bei Tische und einsam werde ich innner bleiben, an Trauer- und Freudenfesten tverde ich Fremde in mein Haus laden, damit ich die heiligen Gebräuche verrichte. Du hast Recht. All das könnte ich durch ein Wort gutmachen. 'Aber dieses Wort werde ich nie aussprechen. Ich ergebe mich in die mir anserlegte Strafe. Nie nähere ich mich mehr einen! Weibe, denn falsche und leichtsinnige Geschöpfe sind sie. Alles ist eitel ans Erden, nur Eines ist beständig und ewig: unser Gott! „Havel bavoliw hakkol hevel.“

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