Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 38 (18.9.1896)
- Date
- 1896-09-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 760 Vr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 38 E. H Wien. (X r a n u n g.) Am 20. d. M. findet im Tempel der Seitcnstettengasse die Trauung des Frl. Lncie M (i u t li c r, Tochter des Kaufmannes Herrn Raimund Mautner, mit Herrn Theodor K raus statt. Drohobycz - Brzezany. (Verlob u n g.) Fräulein Amalie B e r k o w i c z, Enkelin des Großindustriellen Herrn Hirsch Goldhammer, Präses des Cultusvorstandes in Drohvbycz, hat sich mit Herrn Dr. Julius P o h l, Advocaten in Brzezany «Galizien», verlobt. Prestburg 15. September. Großes Aussehen erregt hier die behördliche Sperrung der israelitischen Volks-- schule für Knaben und Mädchen. Diese Maßregel erfolgte aus sanitären und pädagogischen Gründen und über Beschluß des städtischen Berwaltungsausschusses. Der Rabbinats- und Talmudschule steht das gleiche Schicksal bevor, doch hat bezüglich deren Sperrung das Ministerium zu entscheiden. Prostnitz. Rabbinats - Candidat Dr. Josef Hofs hat, wie bereits angekündigt, an den Neujahrsseiertagen aus Einladung des Cultusvorstandes eine Predigt vor der versammelten Gemeinde im großen Tempel gehalten und auch diesmal eine Probe seiner hervorragenden Begabung als Kanzelredner geliefert, für welche demselben allseitige Glückwünsche entgegengebracht wurden. Czeruowitz. A ck e r b a u minister Gras L e b e d u r besuchte anläßlich seiner jüngsten Anwesenheit hier das Religionssondsgut und den Maierhof von Toporotz. Die vom Pächter Fischer eingerichteten großartigen Maststallungen, sowie die Brennerei und die Bewirthschaftung des Gutes fanden die vollste Anerkennung des Ministers. Kopreiuitz, 6. September. Heute wurden die sterblichen Ueberreste des hiesigen, seit 9 Jahren im Ruhestand lebenden Bezirksrabbiners, des Herrn Helling er, der nach vieljährigem schmerzhaften Siechthume am 3. d. M. hingeschieden, zur ewigen Ruhe bestattet. Das imposante Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer Kundgebung allgemeiner Liebe und Verehrung, deren der verewigte Seelenhirt bis zu seinem letzten Äthemzuge sich erfreute und sein theures Andenken wird noch sortleben im Gedächtniß seiner vielen Freunde. An der Leichenfeier betheiligten sich nicht nur alle hierortigen und auswärtigen Gemeindemitglieder, sondern auch die Stadt- und Bezirksbehörde, sowie die Nachbargemeinden Ludbreg und Kreuz waren durch hervorragende Persönlichkeiten vertreten. Die rituelle Ceremonie wurde im Trauerhause abgehalten, von hier aus bewegte sich der Conduct in dem styl- und sinnvoll schwarz draperirten Tempel, der bald in allen seinen Räumen von Leidtragenden und Theilnehmern dicht gefüllt war. Nachdem im Vestibüle der Sarg auf eine Bahre niedergestellt worden war, brachte Herr Obercantor Hofs mann eine herrliche Sulzer'sche Trauerweise mit Chorbegleitnng wirkungsvoll zum Bortrag, die alle Anwesenden zur ernstseierlichen Andacht stimmt. Hieraus bestieg unser ehrwürdiger Bezirksrabbiner, Herr Hessel, die Kanzel und widmete seinem verstorbenen Amtsvorgänger einen mit beredten Worten tief empfundenen Nachruf, in dem er die vielen Verdienste würdigte, die sich der Verblichene erworben um die Gemeinde, deren Begründer und zusammenhaltender Kitt er war, und die sich bei wichtigen Anlässen um ihn schaarte, wie Kinder um ihr Familienoberhaupt, um seinen weisen Rath zu hören. Und nun setzte sich der Leichenzug wieder in Bewegung bis in den ziemlich weit entlegenen Friedhof. Daselbst angelangt, trat vor das offene Grab der junge, gelehrte, akademisch gebildete Rabbiner aus Kreutz, Herr Dr. Engel, und hielt mit klangvollem Organe und Alle sympathisch durchbohrendem Blicke eine Trauerrede, voll erhabener Gedanken und ergreifender Ideen, die jede Fiber der Gesühlsnerven seiner mit hochgespannter Aufmerksamkeit aushorchenden Zuhörer mäßig bewegte und einen tiefen nachhaltigen Eindruck hervorrief. Lamlamus. Agram, 10. September. (S pend e.) Die Firma Bothe lchristl.) & Ehrma hier haben für die Bundeslade der hiesigen Synagoge einen prachtvollen Vorhang im Werthe von 500 fl. gespendet. Als erfreuliche Thatsache des freundlichen Einvernehmens unter den verschiedenen Confessionen der hiesigen Bevölkerung soll noch angeführt werden, daß an beiden Festtagen Rosch haschono, der Merinoverein, zumeist C h r i st e n, beim Gottesdienste in der Synagoge einen Choral gesungen haben. — Was sagt Dr. Lueger, Schneider, Gregvrig et tutti quanti dazu? Virovitica in Slavonien. Am 7. d. M. um 2 Uhr Nachmittag fand hier eine außerordentliche Generalversammlung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde statt. Auf der Tagesordnung stand die Demission des alten Präses, Mehlagenten Julius Lackenbacher und die Wahl eines neues Vorstehers. Nachdem mehrere Mitglieder unserer geschätzten Gemeinde das Wort in der Debatte ergriffen hatten, um ihre dahin gehenden Anträge, daß man dem abtretenden Vorsteher das Absolutorium verweigere, zu begründen, wurde zur Wahl eines neuen Präses geschritten. Aus derselben ging unser Gemeindemitglied, Se. Wohlgeboren Herr Leopold Glück, der vermöge seines hohen Bildungsgrades, wie seines biederen Charakters bei Inden und Christen gleich geschützt und geachtet ist, mit erdrückender Majorität hervor. Am zweiten Tag unseres Neujahrsfestes hielt unser neugewählte Präses eine kroatische Ansprache an die Gemeindemitglieder, in der er besonders betonte, daß er mit Unterstützung unseres Rabbiners die Gemeinde im Sinne und im Geiste des Judenthums leiten werde. E. B. Nachod in Böhmen. (Todesfall.) Vorige Woche verschied hier der Cassier der mechanischen Weberei der Firma S. Doctor, Herr Ludwig Bruck m a n lt, Lieutenant in der Reserve im 54. Infanterie-Regiment. An dem Leicheubegängnisse betheiligten sich außer den Chefs und Fabriksbeamten, auch die hier weilenden Reserveofficiere, Veteranen mit Fahnen 'und klingendem Spiele, die Stadthonoratioren und zahlreiches Publicum. Königliche Weinberge. Zu unserem Berichte über die Eintveihung des neuerbauten israelitischen Tempels wird uns als - Ergänzung gemeldet: Um die Errichtung dieses Baues gebührt besondere Anerkennung dem ehemaligen Cultusvorsteher Herrn Simon Engel, der schon in den Achtziger-Jahren für den Bau eines Tempels eintrat, auch bei den geringen Aussichten damaliger Zeit denselben nicht fallen ließ, sondern alle Mühe und alle seine Kräfte einsetzte, um den Bau bald beginnen zu können; ferner den bis zur Einweihung gewesenen Tempelvorsteher, Herrn Jonas Heller, der' durch große Spenden, theils in Baarem, theils in werthvollen und kostbaren Requisiten, sich hervorgethan hat. Die Herren Josef Kantor und Leopold Koppel zählen zu den eifrigsten Mitgliedern des Baucomites, und gebührt ihnen für die Verdienste, die sie sich erworben haben, auch öffentlich genannt zu werden. E B. Leipzig. Hofcapellmeister Strauß in München wird eine von dem bekannten Musiker Gustav Brecher — eines Enkels des weiland berühmten jüdischen Gelehrten Dr. Giden Brecher — componirte Symphonie für Orchester im Leipziger Liszt-Verein zur Aufführung bringen. Die hiesigen musikalischen Kreise sind ans das Ereigniß auf's Höchste gespannt. Die jüdischen Ackerbaucolonien in Rußland. Im russischen Ackerbauministerium ist der Beschluß gefaßt worden, ernstliche Maßregeln zu treffen, um den Ackerbau in den jüdischen Colvnien zu heben. Der erste Schritt nach dieser Richtung ist die Errichtung einer Ackerbauschule in einer der südrussischen Colonien, und zwar soll, wie der „W o s ch o d" berichtet, die Colonie Bobrow-Knt (im Gouvernement Cherson) der Sitz der Schule sein. Ein hoher Beamter des Ackerbauministeriums hat vor Kurzem diese Colonie inspicirt. Nach diesem Besuche beschlossen die Colvnisten von Babrow-Kut, alljährlich eine beträchtliche Summe zur Erhaltung der Schule beizutragen. Paris, 4. September. Der ehemalige Präfect Eugen See und der Oberlieutenant Frsbourg sind zu O f f i c i e r e n, die Herren Ferd. D r e y f u ß und M. F i n k e l h a u s zu Rittern der Ehrenlegion ernannt worden. Paris, 14. September. Dem Chef des Pariser Hauses Rothschild, Baron Alphonse Rothschild, wurde vom Czaren für zahlreiche der russischen Regieruiig geleistete Dienste der Großcordon des Weißen Adler-Ordens verliehen. London. Das soeben erschienene Jüdische Jahrbuch (Jewish Mar Book) von Joseph Jacobs hat dem Publicum so außerordentlich gefallen, daß die erste Ausgabe im Laufe von 14 Tagen vollständig vergriffen war. Eine neue Ausgabe wird vorbereitet. Manchester. D. S. Bleß, der holländische Cousul, ist I von der Königin-Regentin von Holland zum Ritter des Orange- ' Nassau-Ordens ernannt worden.