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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-18 · 38 (18.9.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 38 Dr. VLoch's Wochrnschrtfi. Breite 759 Amtes, Dr. Gustav T h irrt n g. Wie die seit 24 Jahren gesammelten Zahlen ergeben, ist die Kindersterblichkeit bei den Inden die kleinste, was auf den Umstand zurückzuführeu sei, daß die Zahl der unehelichen Kinder, von denen ein sehr großer Procentsatz im Alter von 0- 5 Jahren stirbt, bei den Juden ganz unbedeutend ist. Dr. Gustav Thirring gibt für diese günstige Erscheinung folgende Erklärung: „Es muß solche Factoren geben, welche die Sterblichkeit erhöhen, und weil wir Charakterzüge demographischer Natur nur bei den Juden kennen, deren größere Lebensfähigkeit und geringere Sterblichkeit auch statistisch nachgewiesen werden kann, müssen wir zweifelsohne den Einfluß socialer Factoren vvraussetzen. Ein solcher Factor ist die bekauute F a m i l i e uliebe der Juden und die g e w i s s e n h a s t e Sorgfalt, die sie ihrer Familie angedeihen lassen. Es kommt noch der Umstand in Betracht, daß die Juden zumeist reich oder wohlhabend sind, was eine bessere Pflege u n d E r z i e h u il g ermöglicht. Der Hauptfactvr aber ist der Bildungsgrad; in dieser Beziehung stehen die Inden an erster Stelle ..." Breslau. Wie wir bereits berichteten, war zu der feierlichen Denkmals-Enthüllung auch an Herrn Rabbiner Dr. R o s e n t h a l eine officielle Einladung ergangen. Einige Tage später, wahrscheinlich durch ein Bersehen verspätet, ist auch Herrn Rabbiner Dr. Gut m a n n seitens des Landeshauptmannes der Provinz Schlesien die Einladung zugestellt worden. Unter den Ehrenjungfranen, welche den Kaiser am Rathhanse empfingen, befanden sich sechs jüdische Damen, die Töchter der Stadtverordneten F r e u d e n t h a l, H a m b n r g e r, H aber, O e t t i n g e n, Schlesinger und des Stadtraths S t' e u e r. Berlin. 6. September. Dr. Isidor Zablndowski, der langjährige Assistent Professor von Bergmann's und Leiter der Massage-Cnren in der königlichen chirurgischen Universitätsklinik, ist zum Professor ernannt worden. Derselbe ist 1851 zu Bialystock in Rußland geboren. Er machte dort seine Stndien. Um 1880 kam er als Patient zu Dr. Mezger in Amsterdam. Hier lernte er die Massage genau kennen. Ihrem Stndinm und ihrer Ausübung widmete er sich fortan. 1882 veröffentlichte Zablndowski in russischer Sprache die Schrift „Die Massage gesunder Menschen". Um diese Zeit kam er nach Berlin. Er trat als Praktikant in die experimentelle Abtheilung der physiologischen Universitätsanstalt ein, um unter Hermann Krvnecker über die physiologischen Grundlagen der Massage zu arbeiten. Daran schloß Zablndowski umfangreiche praktische Untersuchungen an Kranken über die Massagewirkung an. Es standen ihm dafiir besonders die Kassenkranken der chirurgischen Universitätsklinik in der Ziegelstraße zu Gebote. Zablndowski hat wesentlich dazu beigetragen, die Ansübung der Massage in Deutschland einznbürgern. 1885 erwarb Zablndowski, der russischer Stabsarzt a. D. ist, die ärztliche Approbation für das Deutsche Reich. Berlin. Bon einem liebenswürdigen Zug des Kaisers wird aus Görlitz Folgendes gemeldet: Als der Kaiser den dortigen Postplatz passirte, um nach dem Bahnhöfe zu fahren, stand der königliche Musikoirector Goldschmidt vom Liegnitzer Grenadier-Regiment Nr. 7 dort mit mehreren Personen im Gespräch vor einem Hause. Als der Kaiser den Capellmeister erblickte, rief er ihm vom Wagen aus: „Gute n Morgen, G o l d s ch m i d t, w i e g e h t's?" Der Kaiser war mit seinem Gefährt schon eine Strecke weiter gefahren, als der bejahrte Musikdirektor zu seinem großen Erstaunen erst von den Umstehenden erfuhr, daß es der K a i s e r gewesen sei, welcher ihm einen „G u t e n M o r g e n" geboten habe. London. Das vornehmste Tagesblatt der englischen Arbeiterpartei „Daily Chronicle" bringt an der Spitze des Localberichtes von Dienstag dem 8. d. M. eine recht interessante Notiz, welche fiir das vortreffliche Einvernehmen zwischen christlichen und jüdischen Bürgern in England bezeichnend ist und weite Beachtung verdient. Gestern Abend heißt es da, begann das Neujahrsfest unserer jüdischen Gemeinde, denn heute ist der erste Tischri des Jahres 5657. In allen Synagogen und in vielen Räumlichkeiten, welche für diese Tage verwandelt werden, haben sich Juden zum feierlichen Gottesdienste eingefunden. Bei dieser Gelegenheit erhalten wir von Mr. Simon Cohen im Namen des Beth - Hamidrasch Lomdi, Thora folgenden lieben Gruß: „Zum jüdischen Neujahre gedenkt die kleine jüdische Gemeillde dieses Bethauses der großmüthigen Unterstützung und Theilnahme, lvelche der „Daily Chronicle" allen das Jndenthnm betreffenden Fragen entgegenbringt und briicfeu daher den Eigenj thümern und Herausgebern dieses Blattes ihren besten Dank ans; zugleich wünschen sie ihnen zum neuen Jahre Gesundheit, Glück und Gedeihen und hoffen, daß das Blatt seinen großen Einfluß auch fernerhin dem Jndenthum nicht versagen wird." Ter „Daily Chronicle" erwidert auf's Herzlichste die Grüße und Wünsche Mr. Cohen's und seiner Glaubensgenossen. Nischnij Nowgorod. In der allrussischen Ausstellung bildet die Abtheilnng der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Inden in Rußland" eine hervorragende Sehenswürdigkeit. Herr Baron David Günzbnrg, ein langjähriges Vorstandsmitglied der Gesellschaft und Herr Bramson ans Kvwnv empfangen die Gäste und geben ihnen über jeden Ansstellnugsgegenftand eine sachkundige Erläuterung, was in "Anbetracht der Mannigfaltigkeit der Darbietungen eine sehr anstrengende Leistung ist. Was die Ansstellnngsobjecte betrifft, so sind in erster Reihe die Pläne und Modelle der von der Gesellschaft errichteteil und ganz oder theilweise erhaltenen Schulen zu nennen, welche, mit vorzüglicher Uebersichtlichkeit angeordnet, einen klaren Ueberblick über das segensreiche Wirken der Gesellschaft im Laufe von inehr als 30 Jahren gewähren. Daneben befindet sich auch eine große Menge Vvn Erzeugnissen der von der Gesellschaft in's Leben gerufenen oder unterstützten Handwerker- und Ackerbanschnlen, welche allseitige Anerkennung verdienen und findeir. Ferner ist zu nennen eine reichhaltige Collection seltener oder blvs noch in einem Exemplare vorhandener Handschriften und Druckwerke^ und, als etwas einzig Dasteheicdes, eine Sammlitng altjüdischer Orna- -mentik von oft hervorragendem Knnftwerth. Viel bewundert wird auch insbesondere die Adresse der Jndenschaft von Pvlotzk an die Kaiserin Katharina ll. ans dem Jahre 1780, welche, in Königsberg in Preußen hergestellt, in drei Sprachen, Französisch, Deutsch und Hebräisch, abgefaßt ist icnd von Kennern als ein Kunstwerk ersten Ranges bezeichnet rvird. (Sie befand sich in der Hinterlassenschaft des Fürsten Potemkiir und ist jetzt Eigenthum der Gesellschaft.) Ueber das reiche, wissenschaftliche Material, welches diese Ausstellung enthält, insbesondere für die Geschichte der Inden in Rußland und Polen, zu berichten, ist hier wohl nicht der geeignete Ort. In dieser Beziehung sei blos noch bemerkt, daß Diejenigen, welche sich für diesen Gegenstand interessiren, eine Reise nach Nischni-Nowgorod sicherlich nicht zu bereuen haben würden. Philadelphia. Die durch die Initiative von Mr. K r a u s k v p f geschaffene Ackerbanschnle für Inden veröffentlicht ihren Lehrplan für das erste Jahr, der demjenigen der Hirschschnle in Odessa nachgebildet ist. Der Cursits ist fünfjährig, im Unterrichte werden nebst der Theorie der Landwirthschast auch die allgemeinen Fächer, Geschichte, Algebra :c. berücksichtigt, praktische Arbeiten nehmen aber natürlich den weitesten Raum ein. Die Schule besitzt einen Bestand vvn 12 Mhen, vollständig und reichlich eingerichteten Geflügelhof und 3 Treibhäuser, von denen das eine für Obst, das zweite für Gemüse, das dritte für Blumen eingerichtet ist. Am Gelde fehlt es nicht, es ist den Bemühungen von Tr. K r a n s k v p f gelungen, geeignete finanzielle Unterstützung zu beschaffen. China, 6. September. Zu den jüdischen Festtagen dieses Monats, die den Sinn für Leben, Lehre und Geschichte des Jndenthnms bei unseren Glaubensgenossen wieder wecken sollen, dürfte die Veröffentlichung eines 'Schreibens aus Sbangai (China), vvn den dortigen frühern Ministerpräsidenten Herrn P. G. von M v e l l e n d v r f an Ehrunirden Herrn Dr. I. H a m b u r g e r, Oberlandesrabbiner in Ltrelitz (Mecklenburg', vvn nicht geringer Bedeutung sein. Dasselbe lautet: Shangai. Mit der Post erlaube ich mir Ihnen eine kleine Arbeit zu übersenden, die ich Sie bitte, als geringes Zeichen meiner Hochachtung freundlich entgegenzunehmen. Als Jurist und Orientalist nach China verschlagen, bin ich stets auf meine eigene Bibliothek angewiesen gewesen, und Sie können sich kaum vorstellen, mit welchem Jubel ich seinerzeit Ihre Cnryklvpädie begrüßt habe. Hebräisch, alt und neu, ist mein Erholungsstudium, in dem ich zwar wenig leiste, das ich aber, wie wohl so häufig im Leben, desto mehr verehre. Ihr Werk füllte, trotzdem ich eine gute Büchersammlung besitze, eine fühlbare Lücke ans. Geben Sie uns noch einen dritten Theil, d. b. eine encyklopädische Behandlung des Judenihums bis auf unsere Zeit. Oder sollte es sich nicht empfehlen, bei der nächsten Auflage das ganze Material mit Einschluß der neuen und neuesten Zeit in eine jüdische Encyklopädie zu vereinigen, für die Sie jetzt, nachdem Sie alle Schwierigkeiten überwunden haben, mit Leichtigkeit einen Verleger finden werden. Mit aufrichtiger Hochachtung Ihr ganz ergebenster P. G. von M o e l l e nd o rs.

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