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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-18 · 38 (18.9.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 758 Nr. 38 Dr. Vloch's Ueberraschung trat am letzten Freitag der erste Ortspfarrer bei einer Straßenbegegnuug au unseren Herrn Rabbiner heran und legte ihm in einer überaus freundlichen Unterredung nahe, daß es doch angemessen wäre, auch seinerseits dem Kirchenfürsten eine Aufwartung zu machen. Natürlich war unser Rabbiner sofort dazu bereit und erklärte auch, warum dies bis dahin unterblieben war. Da nun die Abreise schon in zwei Stunden erfolgen sollte, wollte unser Rabbiner, um nicht lästig zu werden, trotzdem von einem Besuche absehen. Auf das dringende Zureden des Herrn Pfarrers wurde vereinbart, daß der Rabbiner auf dem Bahnhose zmn Abschiede erscheinen solle, wo alsdann die Vorstellung seitens des Pfarrers erfolgen werde. Der Kirchenfürst erschien unter Begleitung einer zahlreichen Geistlichkeit. Von dem Ortspfarrer vorgestellt, hielt der Herr Rabbiner eine sehr paffende Ansprache an den Fürstbischof. Der Kirchenfürst und die Geistlichkeit waren sichtlich ergriffen. Ersterer trat an den Rabbiner heran, drückte ihm herzlichst die Hand unter Ausdruck der Freude über sein Erscheinen und des Dankes für seine herzlichen Worte. Jglau. Die hiesige Judengemeinde feierte am 3. d. M. die Einweihung des neuhergestellten Tempels und verband gleichzeitig hiemit eine nachträgliche Feier des Geburtssestes des Kaisers. Zu dem Feste hatten sich als Gäste Bürgermeister Dr. Po p ela k mit den Gemeinderäthen K a m m e r m a y e r und P a z o l l, Bezirkshauptmann Dr. M o l i n e k, Staatsanwalt Kober, Hauptmann N a ß w e t t e r als Ergänznngsbezirkscommandant des 8l. Infanterie-Regiments, der Bürgermeister der Gemeinde Holzmühl Leo Tomaschek Edler von Stratowa, mehrere Stadtverordnete, eine Vertretung des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde, sowie die bei der Neuherstellung des Tempels beschäftigt gewesenen hiesigen Meister eingefunden. Mit dem Anzünden des immerwährenden Lichtes begann die Ceremonie der Einweihung, worauf Rabbiner Dr. U n g e r die Festpredigt hielt. Ein vom Tempelchormeister Hirschl componirter Chor mit Sopransolo (Fräulein Epstein) und Orgelbegleitung schloß sich der Festpredigt an. Mit dem Gebete für den Kaiser und die kaiserliche Familie, für alle Obrigkeiten und für die Gemeinde, sowie mit der Absiugung der Bolkshymne schloß die Feier. Der neuhergestellte Tempel bietet in seiner jetzigen Gestalt ein schönes Bild. Die Malerei wurde von der Wiener Firma Richter und Winter in geschmackvoller Weise hergestellt. Die baulichen Herstellungen besorgte Baumeister Wagner, die Ausstellung des Gerüstes für die Maler, sowie die übrige Zimmermannsarbeit Eduard Neubauer, die Schlosserarbeiten Carl Kerl) die übrigen Metallarbeiten Friedrich Hampl, die Anstreicherarbeit Sattler. Die Orgel, das Werk eines Jägerndorfer Orgelbauers, ist ein Meisterwerk. Prag. Im Verlage von D. K u h in Prag, Teingasse 17, ist soeben erschienen: „Die jüdische Cultusgemeindev e r s a s s u n g". Unter Zugrundelegung des Musterstatuts für israelitische Cultusgemeinden Böhmens, sowie der böhmischen Gemeindeordnung und Gemeindewahlordnung sammt den einschlägigen Entscheidungen des Berwaltungsgerichtshofes. Zusammengestellt und erläutert von Dr. Friedrich D u s ch e n e s, Advocat. Preis 1 fl. 20 kr. Mit dem vorliegenden Werke wird zum e r st e n Male der Versuch gemacht, einem längst gefühlten Bedürfnisse der competenten Fachkreise zu entsprechen, indem sich dasselbe zur Ausgabe macht, die nunmehr eingetretene neue gesetzliche Regelung des jüdischen Cultusgemeindew e s e u s in klarer, übersichtlicher und informirender Weise darzustellen und die neuen gesetzlichen Bestimmungen, so insbesondere bezüglich der G e m e i n d e v e r w a l t u n g, der Bemessung und R e p a r t i r u n g der C u l t u s st e u e r n und Cultusg e b ü h r e n, der Stellung des Rabbiners und anderer Functionäre in der Gemeinde und ihres Wirkungskreises, sowie aller sonstigen Gebiete des G e m e i n d e w e s e n s, einheitlich und systematisch zusammenzufassen. Dieses Werk dient sowohl den Cultusgemeinde- Vorstände n, sowie überhaupt allen Interessenten und Fachkreisen als Wegweiser auf dem Gebiete der jüdischen Gemeindeverwaltung, orientirt und i n s o rm i r t jeden Einzelnen über a l l e F r a g e n, welche das jüdische Gemeindeleben betreffen, indem es aus Grund langjähriger und reicher Erfahrungen Aufschluß, Rath und Belehrung eingehend und übersichtlich ertheilt. Lemberg. 12. September. (Der B ü r g e r m e i st e r für die Wahrung der Gleichberechtigung.) Der neugewählte Bürgermeister von Lemberg, Dr. Malachowski, Wochenschrift. hat an die vollzählig versammelten Magistratsbeamten eine Ansprache gerichtet, in der er nicht nur eine eifrige, pünktliche und gewissenhafte, sondern auch gleichmäßige und nach jeder Richtlmg einheitliche Pflichterfüllung' den städtischen Behörden uachdrücklichst ans Herz legte. „Alle Bewohner dieser Stadt", sagte der Bürgermeister, „sind gleichberechtigt, es ist uns nicht gestattet, diesbezüglich irgend welche Unterschiede zu machen, und zwar weder in Betreff der Confessivn, noch in Betreff der Nationalität oder sonst iit irgend einer Hinsicht. Jedes Zuwiderhandeln gegen dieses Princip der Einheitlichkeit im Verfahren ist der Amtshandlung des Magistrates abträglich und wird mich zu einem strengen Vorgehen gegen die Schuldtragenden nöthigen." Przempsl, 12. September. (Ein Vergehen — Jude zu sein.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Das Strafgesetz ist lückenhaft. Wenn man eine hier einreißende Praxis sich vor Augen hält, dann muß mail unwillkürlich auf die Idee kommen, es sei eigentlich ein strafwürdiges Vergehen, Jude zu sein. In unserer Stadt mehren sich die Fälle, daß Menschen, die absolut nichts Strafbares begangen haben, einfach aus dem Grunde arretirt wurden, weil ihr jüdisches Aussehen das Mißfallen eines Polizisten erregte. Einem svlcheli Arretirten wurde thatsächlich ans die Frage: „Warum werde ich arretirt?" von dem Polizisten die cynische Antwort zu theil: „Weil Du ein Jude bist." Und da behauptet Herr Dr. Daniel, es gebe keinen Antisemitismus in Galizien! M. O. Przemysl, den 13. September 1896. Unserer Gemeind^ ward in diesen Tagen, anläßlich der Kaisermanöver in Galizien, das hohe Glück zutheil, von unserem erhabenen und glorreichen Kaiser mit einem hohen Besuch beehrt zu werden. Ich bin in der angenehmen Lage mit freudiger Genngthuung' constatiren zu können, daß Se. Majestät auch diesmal Gelegenheit genommen hat, seiner hohen Meinung in Bezug ans die Juden in lobender Weise Ausdruck zu verleihen. Zum Empfange am Bahnhof am 11. d. M. erschien auch die Vertretung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, bestehend aus Sr. Ehrwürden Rabbiner Gedalje Schmelkes und dem Präsidenten Herrn Ch. Wolf. Dieselben wurden vom Monarchen mit Ansprachen beehrt und ausgezeichnet. Heute wurde unter verschiedeneil Deputationen auch eine Abordnung der Cultusgemeinde, zusammengesetzt aus dem genannten Herrn Rabbiner und Präsidenten, sowie ans den Repräsentanz- Mitgliedern Herrn Schwarzthal und Meilech Galls, voll Sr. Majestät in huldvollster Art empfangen. Nachdem Rabbiner Schmelkes die allerhöchste Erlaubniß von Kaiser zur Bedeckung des Hauptes nitb Segenssprechung nachgesncht und erhalten hatte, sprach er begeistert den Segeil in hebräischer und deutscher Sprache, wofür Se. Majestät sehr gerührt in warmen Worten dankte. Dann befragte der Kaiser den Rabbiner noch über dessen Beruf lind Amtsthätigkeit. Auf die sehr _ gelungene, patriotisch warm gehaltene Ansprache des Herrn Wolf erwiderte der Landesherr wie folgt: „Ich bin überzeugt, daß ich ans die Treue der galizischen Israeliten, wie der Israeliten meiiler ganzen Monarchie fest rechnen kann." Herr Wolf wurde auch über Cultusgemeinde-Angelegenheiten vom Kaiser befragt. Auch die übrigen Mitglieder der Deputation wurden mit Ansprachen in gnädigster Weise ausgezeichnet, worauf die Deputation huldvoll entlassen wurde. Mögen die erhabenen Worte unseres vielgeliebten Kaisers und Herrn ihren Eindruck nicht verfehlen. Budapest, 6. September. Die vorjährige Rabbiner- C o n f e r e n z, zu deren Einberufung das Jnslebentreten der kirchenpolitischen Gesetze Veranlassung bot, betraute eine sechsgliedrige Commission mit den nöthigen Vorarbeiten zur Gründung eines Landes - R a b b i n e r v e r b a n d e s, dessen Constituirung in einer für den Herbst einzuberufenden Rabbinerversammlung erfolgen sollte. Jll Berücksichtigung der seit Jahresfrist geänderten Verhältnisse sah sich die erwähnte Comulission veranlaßt, die Idee der Gründung eines Rabbiner-Verbandes und die Einberufung einer Rabbiner-Conferenz fallen zu lassen, weil der L a n d e s - C o n g r e ß, welcher laut Beschluß der im Februar abgehaltenen Notablen-Versammlung einberufen werden soll, und der Landes fond, welcher schon über eine Million Kronen verfügt, einen großen Theil der Ausgaben und Bestrebungen übernehmen, die in den Wirkungskreis des Verbandes gehören sollten, und weil schließlich die Regierung bei der Regelung der C o n g r u a auch die Rabbiner berücksichtigen wird. — Sehr interessante Daten über die Kinde rst e r b l i ch k e i t i u der H a u p t st a d t finden wir in einem statistischen Werke des Snbdirectors des hiesigen statistischen

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