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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-18 · 38 (18.9.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Vloch's Wochenschrift' Seite 757 Wien. (Jüdische akademische Lesehalle.) Der Ausschuß dieses Vereines ersucht um Aufnahme folgender Zeilen: In den Tagen der Noth und Erniedrigung, in denen man unsere theuersten Güter mit Füßen tritt, ist es wohl mehr denn je zur unabweisbaren vlothwendigkeit geworden, daß wir jüdische Hochschüler uns bei dem von unseren Gegnern heraufbeschworenen Kampfe in der Bertheidigung unseres guten Rechtes zusammenfinden. In diesem Kampfe müssen wir aber auch unserer zahlreichen armen Collegen gedenken. Insbesondere ist es bei der jetzigen Zeitströmung, wo sich bei den christlichen Familien allseits das Bestreben geltend macht, nur christliche Hauslehrer in ihr Haus zu nehmen, doppelte Pflicht jedes Juden, im Bedarfsfälle seine Glaubensgenossen zu unterstützen. In dieser von den Gefühlen wahrer Collegialität eingegebenen Erwägung schritt die Jüdische akademische Lesehalle zur Gründung einer Lectionenvermittlung, in der sie sich die Vermittlung von gewissenhaften und tüchtigen Hauslehrern, Hofmeistern, Stenographen :c. zur Aufgabe macht, um so den ärmeren Collegen die Gelegenheit zu geben, in einer eines akademischen Bürgers w ü r d i g e n Weise sich fortzubringen und ihnen den Kamps ums Dasein zu erleichtern. Gefällige Anfragen sind an das Präsidium dieses Vereines, IX., Porzellangasse 45 zu richten, woselbst auch mündliche Auskunft täglich von 1—2 Uhr Nachmittags ertheilt wird. Wien. Es ist nicht uninteressant, den Versuch zu wagen, sich einen U e b e r b l i ck über d i e G e s a m m t z. a h l der Juden auf der E r d e zu bilden. Wir geben im Folgenden die Ziffern wieder, welche die bekannten H ü b n e r'schen Tabellen enthalten, müssen jedoch bemerken, daß, trotz des großen Rufes von Zuverlässigkeit, den diese Tabellen genießen, wir ihre Angaben vielfach für z Abessynien Egypten Afghanistan Belgien Bulgarien Däneinalk Deutsches Reich Frankreich Algier- Tunis Griechenland Großbritannien Indien Capcolon ie Australien Neuseeland Italien Luxemburg Marocco Niederlande Niederl. Westindien Guyana O e sterr e i ch - U n g a rn Persien Rumänien Rußland-Polen Asiatisches Rußland Schweden u. Norwegen Schweiz Serbien Spanien Europäische Türkei Asiatische Türkei Vereinigte Staaten von Nordamerika Die in den Hübner'scheu Tabellen ganz fehlenden Zahlen der Juden in Süd- und Mittelamerika, zum Beispiel Argentinien, ferner in Transvaal, Natal, "Arabien, China, Hinterindien, Sunda - Archipel :c. können zumindest geschätzt werden auf 100.000. Dies lvürde eine G e s a m in t s u m in e v o n 9,148.100 auf der Erde lebender Juden ergeben. Wir haben indessen guten Grund anzuuehmen, daß .die Schätzungen in Rußland allein um mindestens 1 Million zn niedrig gegriffen sind, daß sie auch in England, Frankreich und in anderen Ländern, welche keine confessivuelle Statistik kennen, weit hinter der Wirklichkeit zurückbleiben, und man geht kaum fehl, wenn man die Gesammtzahl der Juden auf 11, vielleicht sogar 12 Millionen taxirt. Jedenfalls ist die Zahl von 7 Millionen, die man gewöhnlich nennt, ebenso wie die noch in der neuesten Auflage von Meyer's Conversations-Lexicon angegebene Ziffer von 8 Millionen viel zu niedrig. Seelen Inden (Felasch,s) pro Wille 4,500.000 200.000 4 4 6 848,000 8.000 12 5,000.000 14.000 2 8 6,341.958 3.000 0 5 3, 309.816 27.500 0 8 2,299.564 4.000 1'7 52,246.589 c. 567 884 12 38,643.192 53.600 1-4 4,174.732 4.300 1'03 1,500.000 45 000 3 2,187.208 6.000 0-27 39,282 036 c. 55.000 1 291,104 777 20.000 0-07 3,491.583 c. 7.000 0-2 3,366 101 c. 13.500 0 4 749.429 c. 1.500 0 2 30,913.663 c. 46.000 15 211.088 c. 1.000 048 8,000.000 200.000 25 4,795.616 97.000 2 47.339 c. 700 17 70.866 c. 1.630 23 44,448.474 1,880 000 4-23 900.000 19.000 2 5,406.249 24.300 45 102.649.403 4,100.000 4 19.264.687 40.000 0 2 6.861.857 c. 4.800 0-7 2,933.334 8.000 0-3 2.314.153 4.700 0-2 17,262 074 400 0-02 5,752.960 138.000 2-4 15,530.339 194.800 1'3 69.405.000 c. 1,000.00 0 1-43 Wien, Komma sunt ocsioss! Der Rechtsanwalt der Gemeinde Wien) Dr. Oscar I ch m i t t, ist bekanntlich vor Kurzem gestorben, und für die Fortführung der noch unerledigten. Rechtsangelegenheiten der Gemeinde, welche der Kanzlei des Dr. S ch m i t t übertragen worden waren, wurde auf Veranlassung des Vice-Bürgermeisters Tr. Lueger vom Stadtrathe ans Gründen der processualen Zweckmäßigkeit dem Compagnvn des Dr. Schmitt, Herrn Dr. Richard S ch l e s i n g e r, die Vollmacht der Gemeinde Wien ausgestellt. Dr. Lueger unterließ es aber nicht, die sofortige Ausschreibung einer Coucnrrenz für die Steile eines Stadtanwaltes verfügen imb gleichzeitig anordnen zn lassen, daß jede Angelegenheit, bei welcher die Intervention eines "Advocaten nicht unbedingt nothwendig jst, vom Magistrate selbst geführt werde, während Angelegenheiten, bei denen Advocatenzwang besteht, dem Stadtrathe vorgelegt werden sollen, damit dieser in jedem Falle entscheide, welcher Advocat zn bestellen sei. Warum nicht Dr. Richard Schlesinger wenigstens interimistisch diese Sachen hätte führen sollen, ist uns nicht bekannt: wir kennen deir Herrn Dr. Richard Schlesinger weder nach seinen Fähigkeiten, noch nach seiner - - Confession. Vielleicht ist der "Name Schlesinger dem derzeitigen Regime nicht genehm, denn er erweckt den Verdacht, daß der Träger dieses Namens am Ende gar ein Jude sein könnte. Allein, wie gesagt, wir wissen nicht, ob der Dr. Richard Schlesinger ein Jude ist oder nicht. L)bbs-Llinstetten, lu. September. Heute ist dem Vorstande der hiesigen Cnltnsgemeinde nachstehende Zuschrift zugekommen : An den geehrten Vorstand der israelitischen Cnltnsgemeinde Pbbs in Amstetlen! lieber allerhöchsten Auftrag beehre ich mich zufolge Erlaßes Sr. Excellenz des Herrn Statthalters in Niederösterreich vom 8. September 1890, Z. 0377/Pr. dem geehrten Vorstände, für die, anläßlich des allerhöchsten Geburtsfestes Seiner k. u. k. apostolischen Majestät dargebrachten allernnterthänigsten Glückwünsche, den allerhöchsten Tank bekannt zn geben. "Amstetten, am 10. September 189«;. Der k. k. Bezirkshauvrmann In Vertretung Z e i n e r >». p Bubna. Sonntag den 0. September a. e. fand in Bubna- Holleschowitz die feierliche Einweihung des israelitischen Betlocales statt. Den "Act der Einweihung nahm Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld in "Anwesenheit Ihrer Ehrwürden der Herren Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Tauber, Feldprediger Dr. Kisch, Rabbiner Dr. Bondy, ferner Herrn Dr. "Arnold Rosenbacher als Vertreter der Cnltnsgemeinderepräsentanz von Prag, des gesammten Vorstandes des israelitischen Tempelvereines Holleschowitz-B-'bna und eines zahlreichen distinguirten Pnblicnms vor. Nach einer von Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Tr. Ehren selb schwungvoll gehaltenen deutschen Rede wurde das Kaisergebet verrichtet, und hielt sodann Herr Rabbiner Dr. Bondy eine böhmische "Ansprache. Für das Zustandekommen dieses würdigen Betlocales haben sich die Herren Emil Goldschmied, Fabrikant; Friedrich Herz, Fabrikant: Enril Ronbitschek, Procnrist der Firma "IN. Joß & Lvwenstein: Tr. Reiner, M. Eisner. sowie der gesammte Ausschuß besondere Verdienste erworben. Speciell muß noch hervorgehoben werden, daß nufer verehrter Vorsteher Herr Emil Goldschmied, Jalonsienfabrikant, seit seiner Wahl durch seinen an den Tag gelegten Eifer mtd das Interesse für die gute Sache, es zuwege gebracht hat, daß wir ein rteues würdiges Bethaus erhielten, welches aber auch nur ein Provisorium, da an eine Erbauung eines Tempels mit allem Eifer gearbeitet wird, und hoffen und wünschen wir, daß ihm dies in einigen Jahren gelingen möge. Ziviltau, im September. Während der Nenjahrswoche weilte der Fürstbischof von Olmütz, Tr. Theodor K v h n. in hiesiger Stadt, um die Einweihung einer nenerbauten, von ihm reich beschenkten Kirche vorznnehmen. Der Kirchenfürst wurde von der gesammten Bevölkerung in der feierlichsten Weise und unter dem größten Jubel empfangen. Bei der hierorts verbreiteten, von einem Theil der Geistlichkeit geschürten antisemitischen Strömung konnte es nicht Wunder nehmen, daß unser Rabbiner Herr Dr. F i :i k zn dem festlichen Empfang nicht zugezogen wurde. Diese Tharsache war für ihn auch maßgebend genug, sich hübsch im Hintergründe zn halten. Er erstrebte auch infolge dessen keinerlei "Audienz bei dem Kirchenfürsten, um nicht den Herren Antisemiten Veranlassung zn bieten, von jüdischer Aufdringlichkeit zu reden. Zur großen

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