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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 37 Sette 741 Dr. Vloch's Wochrnptzrifr feit zumeist den russischen Auswanderern zu. Der 1896er Bericht des Pariser jüdischen Armenrathes liegt uns vor. Die Finanzlage dieser Körperschaft ist eine befriedigende, da die Ausgaben 435.000 Francs, die Einnahmen 437.000 Francs, 57.000 Francs mehr als int Vorjahre, betragen. Freilich beklagt sich das Comitö de Bieniaisance Israelite de Paris, daß die Einnahmen in keinem Verhältnisse stehen zum Reichthum der Gemeinde, die im Ganzen 28.500 Francs beisteuert; davon aber kommen auf die Rothschilds allein 3400 Francs. Die Thätigkeit des Pariser Armenrathes ist eine sehr mannigfache. Er sorgt dafür, daß die Fremden weiterbefördert oder in die Heimat zurückgeschickt werden; Waisenhäuser, Spitäler und Gefängnisse werden von den Mitgliedern desselben besucht, ein Versvrgungshaus für alte Frauen und Einwanderer wird von ihm erhalten und im Winter wird armen Schulkindern ein warmes Mittagessen verabreicht. Die zwei Volksküchen in der Bae Ordeaer und Rue des Juifs folgten 664.000 Portionen aus, was 72.000 Francs kostete. Eine vorzügliche Einrichtung ist der Verkauf von Marken an wohlthätige Mitglieder der Gemeinden. Ein Armer, der sich an einen Privatmann um Almosen wendet, bekommt in erster Reihe eine solche Marke, die er dann dem ComitL vorzuweisen hat, und dieses honorirt diesen eigenartigen Wechsel erst dann, wenn der Arme sich als würdig erweist. Diese Methode concentrirt die Wohlthätigkeit und verhindert gewerbsmäßige Bettelei. London. (Spenden der Baronin Clara Hirsch in London.) Wir bringen in Folgendem eine vollständige Liste der Spenden, welche durch Herrn George Herring im Namen der Baronin Hirsch Hospitälern und anderen Wohlthätigkeitsanstalten zugekommen sind. Jüdisches Reconvalescentenheim Pfund 1000; Spital im Nordwesten von London Pfund 1000; Spital in Poplar Pfund 700; Spital für Lungenkranke in Brompton Pfund 600; Oharing Cross Spital, Guy's Spital, Londoner Spital, Spital in Middlesex, St. Georges Spital, St. Mary's Spital, Hauptstädtisches Spital je Pfund 500; Hauptstädtisches Reconvalescentenheim Pfund 400; Königliches Spital für Unbemittelte Pfund 300; Rettungsgesellschaft Pfund 300; Königliches Blindeninstitut, Spital für Zahnkrankheiten, Französisches Spital, Deutsches Spital, Kinderspital in der Großen Ormondstraße, Kinderspital im Nordosten von London, Lock-Spital, Königin Charlotte Spital für Wöchnerinnen, Reconvalescentenheim in Eastbourue, Victoria-Spital und Reconvalescentenheim, Königliches Irrenhaus, Londoner Waisenhaus in Watfort, Spital für Waisenkinder je Pfund 200; Britisches Waisenhaus in Slough Pfnnd 100; zusammen Pftrnd 10.500 (ungefähr st. 125.000). London. (Jüdische Soldaten und die hohen Feiertage.) Der Rabbiner Francis L. Cohen, der zugleich Feldprediger in Aldershof ist, machte in einer Zuschrift die Militärbehörden darauf aufmerksam, daß das Neujahrsfest Heuer ausnahmsweise mit dem Tagen collidire, für welche der wichtigste Theil der Herbstmanöver angesetzt ist. Darauf erhielt er folgende Antwort: Sehr geehrter Herr! Im Aufträge Seiner königlichen Hoheit des Höchstcommandirenden der Armee theile ich Ihnen mit, daß den Soldaten jüdischen Bekenntnisses jede Erleichterung gewährt werden wird, damit sie am 8. und 9. September dem Gottesdienste beiwohnen können. Achtungsvoll C. W. Douglas, Oberstlieutenant. London. („B'nei Zion Verein".) Am Samstag wurde in Sanders Hotel von Herrn Morris Cohen eine Debatte über die Frage eröffnet: Ist die Colonisirung Palästinas vom politischen Standpunkte aus durchführbar? Herr Cohen gab eine Uebersicht der zionistischen Bewegung und die Wirksamkeit der Chovevi Zion und erklärte, warum man Palästina allen andern Länder vorziehe, wenn es sich um jüdische Niederlassungen handle. Die folgende Resolution wurde gefaßt: Die Versammlung ist der Ansicht, daß die Colonisirung Palästinas weit leichter durchführbar wäre, wenn Palästina ein autonomer „I u d e n ft a a t" würde. London. (Die jüdischen Bäcker und die Sonntagsruhe). In Bonn's Hotel fand eine Versammlung der jüdischen Bäckermeister statt, um zu der Frage der Sonntagsruhe für jüdische Bäcker Stellung zu nehmen und über die Schritte zu berathen, welche zu unternehmen wären, um sie von der Härte des Gesetzes zu befteien. Herr Joseph Bonn wurde zum Vorsitzenden gewählt. Es wurde ein Brief des Oberrabbiners Dr. Adler verlesen, welcher den Bäckermeistern den Vorschlag nrachte, ihre Beschwerden schriftlich vorzubringen, seine Ehrwürdeu wolle es übernehmen, dieselben dem Vorstände der Cultusgemeinde zu überreichen. Tie Bäcker machen geltend, daß es sehr hart für sie wäre, zwei Tage in der Woche zu feiern. Es bleibe also nichts anderes übrig, als auf parlamentarischem Wege eine Modification des Gesetzes zu erzielen. Es wurde beschlossen, dem Parlamente eine Petition zu überreichen, des Inhalts, es möge den jüdischen Bäckermeistern, welche die Sabbathruhe beobachten, gestattet sein, am Sonntag zu arbeiten. Seither sind Briefe von Lord Salisbury, Lord Roseberry, Baron de Worms und dem Bischof von London eingelangt, welche ihren Beifall für die unternommenen Schritte bekunden. London. (Die Iuden in China.) Li- H un g- Chang hat England verlassen. Sein Besuch hat uns die Thatsache in Erinnerung gebracht, daß in Tien-Tsin, dem Wohnorte des Staatsmannes, Juden seit dem Jahre 1858 leben. Obgleich die ftemden Juden, welche, wie alle andern Europäer sich dort unter der Jurisdiction ihrer Confulu niedergelassen haben, so verdanken sie doch sehr viel L i-H u n g-C h a u g, welcher ihnen das Recht verschaffte, in der Stadt wohnen und mit den Eingeborenen unbeschränkt verkehren zu können. In China soll es seit zweitausend Jahren Juden geben, ohne daß dieselben je in ihren Religionsübungen gestört worden wären. Thatsächlich nrachen die Chinesen zwischen Moslem und Juden keinen Unterschied und betrachten alle Andersgläubigen mit gleicher Verachtung, wenn auch nicht mit gleichem Mißfallen, wie die christlichen Missionäre zu ihrem Leidwesen erfahren mußten. Die jüdische Niederlassung in K a e - f u n g - f o o, in der Provinz H o - n a n, ist fast verschwanden und die Juden, (welche dort unter dem Namen T a o u - k i n - R e d o w, als diejenigen, „die die Sehnen aus dem Fleische entfernen, bekannt waren) sind fast ganz mit der dortigen Bevölkerung affimilirt. Von der dortigen Synagoge ist kein Stein mehr vorhanden. Ihre eigene Ueberlieserung führt ihren Ursprung auf den Stamm Ascher zurück. Obgleich sie das Hebräische vergessen und längst aufgehört haben, ein unterscheidendes jüdisches Ritual zu beobachten, so enthalten sie sich doch immer noch des Genusses von Schweinefleisch, gehen keine Heiraten mit Eingeborenen ein und haben ihren eigenen Friedhof. Eine Steinplatte mit einer hebräischen Inschrift, welche offenbar aus der Synagoge stammt, wird von dieser „verwaisten Colonie" noch aufbewahrt, einem traurigen Ueberbleibsel einer jüdischen Gemeinde. Jerusalem. (Das Klima von P a £ et ft i n a.) Die Frage einer Colonisirung Palästinas wird jetzt so viel discutirt, daß es interessiren wird, Einiges über das Klima des heiligen Landes zu bringen. In Folge dieser großen verticalen Gliederung welche von der Ebene des Todten Meeres bis zum Berge Karmel bei elfhundert Fuß umfaßt, zeigt das Klima eine große Mannigfaltigkeit, welche sowohl in der Pflanzenwie in der Thierwelt Vertreter aller Breiten erzeugt. Die Pflanzen des nördlichen Europa blühen auf dem Libanon, die Mitteleuropas sind auf der Höhe des Karmel und um Jerusalem zu finden, und um Jericho herum gedeihen Pflanzen, denen man sonst nur in Westindien begegnet. In der Thierwelt sind die Alpen, die ostindischen Ebenen und die Flüsse Afrikas vertreten. Da das Klima ftir fremde Ansiedler von der größten Bedeutung ist, so liegt in der Mannigfaltigkeit und Abwechslung des palästinensischen Klimas eine gewisse Gewähr für das Gelingen einer rationellen Colonisation, denn je nach der Herkunft der Colonisten würde der Ort zu wählen sein. Wien. (Silberne Hochzeit.) Sonntag am 6. d. M. beging der Herausgeber des „Wiener Handelsblatt", Herr Eduard T r e b i t s ch, mit seiner Gattin Mina, geborene P laner, das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlasse sind dem Paare aus weiten Kreisen der Gesellschaft überaus zahlreiche Kundgebungen der Freundschaft und Sympathie zugekommen. Auch eine Deputation vom Vorstände des humanitären Vereines „Kinderschutz", dessen Vicepräsidentin Frau Trebitsch ist, erschien in der Wohnung und überbrachte mit wärinster herzlicher Begrüßung ein prächtiges Blumengewinde. . Wien. (Auszeichnung des Baron N a t h a n i e l Rothschild.) Das „Fremdenblatt" meldet: „Wie wir vernehmen, hat der Kaiser dem Freiherrn Nathaniel von Roth-

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